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Der Israelit · 1925-09-10 · Heft 37 (10.9.1925) · page 22

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 37 (10.9.1925)
Date
1925-09-10
Page
– (sequence 22)
Language
German
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Seite 2 Nr. 18 Der Israelit Blätter 10. September 1925 Geistlichen mehr Achtung entgegenzubringen. Man ist in Lodz gewillt es auf eine Gerichtsentscheidung ankommen zu lassen und den „Chilul Laschem" aus der Gemeindestube in die weite Welt hinauszutragen. In Piotrkow, einer Stadt mit vorwiegend religiöser Bevölkerung. haben die Herren Räte den ersten Mai als öffentlichen nationalen Feiertag proklamiert, dagegen wird jede Unterstützung der Lhedanm verweigert. Dort nehmen die orthodoxen Abgeordneten überhaupt keinen Anteil mehr an den Sitzungen. In M l a w a wird der orthodoxe Vorsitzende, der streng darauf sieht, die Beschlüsse der Mehrheit durchzuführen, mit Fäusten bearbeitet und blutig geschlagen. In B e n d i n versagt man dem allgemein verehrten und beliebten Rabbiner das Gchaltsminimum, aus persönlicher Schikane, noch mehr aus Hatz gegen die Religion, deren Vertreter man im greisen Rabbiner sieht. Es ist einfach unmöglich, all die Unternehmungen gegen die Religion und ihre Vertreter von Seiten der neuen Gemeindeverwaltungen aufzuzählen. Die orthodoxen Forderungen werden mit Beschimpfungen beantwortet, dagegen werden alle Institutionen unterstützt, die, wie die jiddischistischen Schulen, den Abfall züchten oder, wie Keren Hajessod, Parteizwecken dienen. Religiöse Anstalten werden boykottiert. Mit einem Worte: die Tätigkeit der neuen Kehillaus erschöpft sich in der Propagierung unjüdischer Zwecke und Parteiziele, die mit den Interessen der Ortsbevölkerung nichts zu tun haben, dafür aber auf den Ruin der Anstalten hinausgehen, die zu halten und zu fördern, erste Pflicht der Gemeindeverwaltung wäre. In Erwägung all dieser Tatsachen müssen sich die verantwortlichen Führer der orthodoxen Bewegung doch ernstlich fragen, ob sie es mit ihrem Gewissen vereinigen können, diese Zerstörungen ruhig hinzunehmen, ob es nicht an der Zeit fei, vom Westen zu lernen, wie man die Orthodoxie vor dieser reihenden Welle retten kann. Oder sollen wir warten, bis der Niedergang in Polen den Grad erreicht hat wie im Ausland vor siebzig Iahren? Die Antwprt ist klar. Die Schaffung besonderer orthodoxen Gemeinden und einer Gesamtorganisation dieser Gemeinden mit eigenem Oberrat ist reif. Und da wir eine große Organisation besitzen, fehlt es uns nicht an Eigenen orthodoxen Deputierten und Senatoren, die die Sache bei der Regierung durchsetzen. Heute sind wir auf der jüdischen Gasse noch "stark genug, dieses durchzuführen. Länger warten darf man nicht. Selbstverständlich dürfen wir uns in der Arbeit nicht abschrecken lassen durch die marktschreierischen Artikel in den Zeitungen, die von Verrat 'der Orthodoxie oder vom Zerbröckeln des Judentums faseln. Ueber all diese Anrempelungen gehen wir zur Tagesordnung über, das Ziel fest im Auge, ohne nach rechts und links zu schauen. Wir gehen nicht auf Kampf aus und arbeiten keinem zu Lieb oder zu Leid. Wir wollen nur die heiligen Fundamente unserer Religion schützen, und da wir mit den Zerstörern unserer Heiligtümer innerhalb der Gemeinde nicht kämpfen können und wollen, müssen wir unsere eigenen Gemeinden haben. Wir tonnen es nicht zulassen, daß religiöse Fragen, die für uns keine Fragen sind, einer Abstimmung und einem Mehrheitsbeschlüsse unterworfen werden. Wir können keine Anstalten unterstützen, aus der Gottesleugner hervorgehen. Wir mögen nich: eure Missionsreden hören, darum müssen wir unsere eigene Kehilloh haben. Wir werden sie ohne Kampf, aber ernst und würdevoll, mit Energie und Entschlossenheit uns erwerben. Wir werden zu den anderen Gemeinden, soweit es an uns liegt, freundschaftliche Beziehungen pflegen, nachdem die Reibungsflächen im engen Raume aufgehört haben. Es ist dieses auch ein Gebot der Gewissensfreiheit. Wir wollen keinen zwingen, daß er denke wie wir. Ebensowenig können wir uns aber Anderer Gesinnung aufzwingen lassen. Daher ist der einzige Weg: friedliche Trennung. So ist es in Deutschland, so in Ungarn, so in der Tschechoslowakei und in der Schweiz. Jetzt ist die Reihe an Polen. Wer da weiß, was hinter den Kulissen vorging, als ich aus Anlaß der Sejm- und Ssnatwahlen den jüdischen Block anstrebte, kennt auch die Hemmungen, auf die ich innerhalb der Aguda gestoßen bin. Es bedurfte übermenschlicher Kraft, die Freunde davon zu überzeugen, daß das Judentum nach außen eine Einheitsfront zum Schutzs unserer Rechte darstellen muß. Bei der Jnnenarbeit im Kehillohwesen kann aber diese solidarische Geschlossenheit nicht walten, solange sich alles gegen die Religion zusammentut. Hier muß es eine reinliche Scheidung geben. Wir müssen mithin eine äußere Front haben, die geeint und geschlossen dasteht und eine innere, in der getrennt marschiert wird. In Dingen des 'Glaubens gibt es keine Kompromisse und kein Paktieren. Es muß beiden Partnern erwünscht sein, Herr im eigenen Hause zu sein und die religiösen Angelegenheiten nach dem Diktate des Gewissens zu ordnen. Unser Gewissen ist einzig der Schulchan Aruch. Nichts könnte ich mir sehnlicher wünschen, als gewürdigt zu sein, diese Errungenschaft zur Stärkung der Religion, wie sie unsere Gesinnungsgenossen in Westeuropa längst erreicht und für die unsere Besten in Palästina mit Rabbi Chajim Sonnenfeld an der Spitze verzweifelt kämpfen, hier auch in Polen durchzuführen und das große Werk zu vollführen. zu Ehren Gottes und seiner Thora. „Alachnej Jsroel". Im Arbeiter-Organ „Dowor", dem Organ der linksradikalen „Hithachduth", das in Tel-Awiw erscheint, schildert ein Mitarbeiter, R. Benjamin aus Jerusalem, seine Eindrücke in der Aguda - Kokonie „ M a ch - nej Iisroe!" wie folgt: Auf der einen Seite die Gemarkung von „Kfar Jehudim", auf der anderen Seite der Boden von Tel Adasch und in der Mitte ein Areal von 4000 Dunam, darauf lange Reihen von Holzbaracken. Das ist „Machnej Jisroel". Das Auge weidet sich an der graden Linie der Straße wie der Baracken selbst. Dirigent der Bauarbeit ist ein Deutscher, Herr Heinrich, und er macht es mit deutscher Korrektheit. Die Bauarbeiter sind Iuden aus unserer Mitte, Juden aus Polen mit Bart, und Jünglinge, die solchen noch nicht besitzen. Der Fremde, der eine kurze Weile zwischen den Barackenreihen still wandelte, empfing den Eindruck: Hier ist Liebe und Wille zur Arbeit. Seine ganze Aufmerksamkeit nahmen die Jüngeren in Anspruch. Einen kennt er von früher her. Es ist der Schwiegersohn eines bekannten Chassidimrabbi. Nun steht, der Herr- Schwiegersohn in der.Schreinerwerkstätte im seinem Seidenkaftan bei der Arbeit mit Säge und Hobel. Die wenigen Wochen Arbeit haben, seiner Gestalt bereits ihren Stempel aufgedrückt. Der Rücken ist gerade aufgerichtet, die Augen sehen gradeaus und sehr fröhlich. Neben ihn: erlernen noch vier junge Leute das Schreinerhandwerk. Ihr Gefichtsausdrück verrät Unschuld,. Träumerei, zarten Adel. Eine jüdische Niederlassung von bester Art. Es war die Dämmerstunde, es wehte ein gelinder Wind. Irgendwas im Herzen zog dieses mit Zaubergewalt zu diesen jungen Leuten, hin. Säge und Hobel bewegten sich in regelmäßigen Schwingungen, begleitet von gedämpften, jüdischen Gesängen, in der Stunde des Sonnenunterganges. Es war dieses eine Weihestunde, voll sentimentaler Empfindung. Die erste Stunde auf neuen: Boden zwischen ernsten Menschen, unter Brüdern vom „Midrasch Nabba" und „Tanchuma", vom Ehassidus und von der Mikwah. Tiefe Wurzeln einer Brüderschaft von Jahrtausenden wurden fühlbar. Irgendwer flüsterte mir ins Ohr: „Solche junge Leute finden wir weder in „Chitim" noch in „Nachlath Jakob". Es kam ein klarer, glanzvoller Morgen. Der Gast faß im Hintergründe gegenüber der Halle der Straßenbahn. Da kommen die Wagen angefaucht, aus denen die jungen Leute behende abspringen, um sofort an die Arbeit des Aus- und Einladens zu gehen. Neben der Schreinerwerk statte liegt die Z i e g e l e i. Das Material wird von fernher herbeigeholt. Mel Arbeit und Ausgaben. Diese Arbeit beschäftigt vollauf die Dutzende von Arbeitern. Es gibt auch einen Ansatz für Ackerbau. Wasser fand man hier schon bei: einer Tiefe von weniger als zehn Meter. Außerdem wird« z. Zt. ein Brunnen gereinigt, den die Araber vor einigen Iahren verstopft hatten, vielleicht um sich die Beduinen vom Halse zu halten. Die Luft ist hier vorzüglich, Mücken und- Ameisen haben den Weg hierher noch nicht gefunden. Es kamen einige Augenkrankheiten vor, und die Asrzte der „Hadaffah" oder von „Kupas Cholim" waren zur Stelle. Es herrschen freundnachbarliche Beziehungen: zu der Umgebung, von der man sich gelegentlich Arbeitsgeräte leiht. Am ersten Sabbat war keine Thorarolle da, da hüllte man sich in den Tallis und ging so nach „Kfar Ielodim", das auf dem Nationalfondboden liegt, um zu beten, und aus der Thora zu lesen. Man wunderte: sich, zu sehen, daß in „Kfar Ielodim" sogar die kleinen Knaben und Mädchen andächtig: beteten. Der Arbeitslohn beträgt dreißig Grüsch) täglich. Der Arbeitstag beginnt um 6 Uhr morgens, und Herr Heinrich sorgt dafür, daß: keiner zu spät zur Arbeit erscheint. Die Arbeiter bezahlen ihr Nachtlager und speisen in einer gemeinsamen Küche. Hier gibt es keinen „Keren Kajemeth" und keinen „Keren Hajesiod", es gibt nur Vertrauen: zum System Soskin-Trietsch. Der Plan ist der einer Gartenstadt. Es ist eine Kombination von Industrie und Landwirtschaft. Dem Ar-' beiter wird gesagt: „Erspare dir von deinem Verdienst, um dir Grundstück, Ackerboden unfc» ein Gärtchen zu erwerben." Poslscheck-Konien: Landesdireklorium des Keren Hatorah in Deutschland, Hamburg Nr. 24753 (P. Sch. A. Hamburg). Keren Hatorah-Kommissariat Frankfurt a. M. Nr. 41666 (P. Sch. A. Frankfurt a.M Keren Hatorah-Kommissariat Nürnberg Nr. 18440 (P. Sch. A. Nürnberg) Keren Hatorah-Kommissaiiat Köln Nr. 50131 (P. Sch. A. Köln) Keren Hatorah-Kommissariat Leipzig Nr. 70147 (P. Sch. A. Leipzig) Keren Hatorah-Kommissariat Berlin, P. Sch. A. Berlin Nr. 12594 für Abraham- Rzeszewski. Keren Hatorah-Kommissa^t Breslau, P. Sch. A. Breslau Nr. 60510 für Iwan Möllen. Keren Hatorah-Kommissariat Hamburg, P, Sch, A. Nr. 40953 für Dr. Julius Baer>

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