Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 37 (10.9.1925)
- Date
- 1925-09-10
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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gg m 18 Nr. 37.__ Schülern Wissen zu vermitteln, echtjüdische , Anschauung und Lebensbetätigung in ihnen zu weck>en.uM-M,psleg?N». für reines Menschtum ihre Seelen zu gewinnen, und -— abseits davon und doch damit im Zusammenhang — auch die nur allzu oft erforderten sozialen Hilfsleistungen in jüdischer Art und jüdischem Sinn an ihnen zu erfüllen. Es kann nicht, genug unterstrichen und dankbar, anerkannt werden, daß, wenn es unter göttlichem Beistand. gelang, der Legionen Schwierigkeiten, die sich dem Schulwerk entgegentürmten, immer wieder dennoch, Herr zu werden, die zielsichere, undeirrte und hingebungsvolle Mitarbeit des Lehrerkollegiums sich den Löwenanteil an diesem Erfolg zuschreiben darf; daß vor allen die aus den Bornen altjüdischer Middoth gespeiste, von den Traditionen uralter Talmide-Chachomim-Geschlechter befruchtete Pflichtenausfassung des Leiters unseres Schulwerks, des Dr. Nachman Schlesinger sich als das würdige Werkzeug erwiesen hat, um die in unserem Schulwerk verkörperte Idee des Willens zur Tauroh als Richtmaßes des ganzen Lebens aus dem Bereich des Gedankens in die Realität der Tal überzuleiten und zu stabilieren. Aber der Rahmen dieser Skizze wäre nicht ganz ausgefüllt, wenn nicht wenigstens in kurzen Strichen, auch noch die Vorgeschichte der jetzt erlangten behördlichen Anerkennung unserer Schulen als höherer privater Lehranstalten hier umrissen würde. Wie bereits oben erwähnt, traten sie Ostern 1919, den durch die Gesetzgebung gegebenen Verhältnissen entsprechend, mit den untersten Vorschulklassen auf das Feld. Aber noch bevor man die behördliche Genehmigung dafür erlangte, war diesem Schultypus durch die inzwischen beschlossene Reichsverfassung, die ein generelles Verbot der Vorschulen aussprach und auch für die privaten nur eine kurze Schonfrist vorsah, bereits das Todesurteil gesprochen. So blieb nichts .übrig, als mit dem zunächst Erreichbaren sich zu begnügen; das war die Genehmigung einer privaten jüdischen Vorschule mit gehobenen Volksschulklassen, die denn auch am 7. März 1921 der Gemeinde seitens des Provinzial-Schulkollegiums erteilt wurde. Es würde zu weit führen, wollten wir die einzelnen Phasen der weiteren Entwicklung, die nur bei genauerer Kenntnis der Lage der Gesetzgebung verständlich sind, hier auseinandersetzen. Genug, aus der Genesis der Schulen als „Vorschulen" ergab sich zwangläusig eine Fortführung in den einen oder anderen höheren Schulentyp; und so schritten die Schulen in ihrem Aufbau bis zur Obertertia vor, ohne mehr als eine stillschweigende Duldung erreicht zu haben. Ja, die Aussichten aus eine Konzessionierung waren bis vor kurzem noch problematisch, weil in den höheren Kreisen der Schulverwaltung die Sympathie für private höhere Bekenntnisschulen überaus gering warem Dazu trat noch, daß die städtischen Behörden die Bedürsnissrage verneinen zu sollen glaubten und in diesem Sinne an das Provinzial-Schulkollegium Bericht erstatteten. Und trotzdem haben die mit der Sache der Schule Befaßten an dem endlichen Sieg ihrer guten, gerechten Sache nie gezweifelt und den schiefen Darstellungen, die der Angelegenheit von der Gegenseite her gegeben wurden, durch Aufklärung der maßgebenden Stelle in Wort und Schrift eine kräftiges Paroli geboten. Und unsere Position hat sich als die stärkere erwiesen, denn die im jv>a bv mpur, waren auf unserer Seite. Die unbeirrbare Gerechtigkeitsliebe des derzeitigen Herrn Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung hat erkannt^ daß, unbeschadet der Prärogativen der Staatsschule, lokale und ähnliche Verhältnisse doch Situationen zu schaffen vermögen, in denen die Bekenntnisschule die Schule der Wahl ist, und in diesem Sinne ist seine Entscheidung zu unseren Gunsten ergangen. Und das Provinzial-Schulkollegium hat sich dieser Direktive nicht „g e b e u g t", sondern wir haben dort, wo jeher unserem Streben und unseren Mühen und Sorgen verständnisvolle Auffassung begegnete,. in allen zu regelnden Dingen ein Entgegenkommen und eine Großsinnheit gefunden, die nicht dankbar genug anerkannt werden kann! Und damit könnten wir unseren „Rechenschaftsbericht", den wir nicht nur den Mitgliedern unserer Gemeinde, um ihr werktätiges Interesse wachzurufen, erstatten, sondern für den wir auch in weiteren Kreisen unserer Gesinnungsgenossenschaft Anteilnahme voraussetzen zu dürfen glauben, wohl als abgeschlossen ansehen. Oder doch nicht? Hat nicht eine Zeit, wie die jetzige, in der das Gebot der „Kapitalbildung" die Köpfe und Herzen so ganz erfüllt, auch Anspruch darauf über unsere finan- D.e< iv r ,ae I-, 1 .t-4v Lletsen 'Hessoürc.evüber , biej. Vermögensbilanz unserer Schulen, über unsere Jnslationsgewinne oder' -Verluste usw. aufgeklärt zu werden? Nun, auch das kann mit wenigen Sätzen geschehen, wenn es doch nun, einmal.eine Forderung des Tages ist. Die Inflation hat, wie fast allen redlich erworbenen Besitz, natürlich auch unfern Fonds ausgeschluckt und uns davon nicht mehr als eins mehr oder weniger angenehme Erinnerung belassen.. Der Schmerz über diesen Verlust mildert sich aber zu leiser Wehmut angesichts der Tatsache, daß ihre Höhe niemals beachtlich genüg erschien, um in der sychkyn-. digen Berechnung einen wesentlichen Quotienten zu liefern. Nicht angegriffen und durch der Zeiten Ungunst nicht vermindert, ist und blieb dagegen das Grundkapital unserer Anstalten, dessen alle „Sicherheiten" überragende, unverwüstliche Daseinskrast aller Stürme und Böen, aller Angriffe und Anwürse spottet, das, einzig in seiner Art, durch Inanspruchnahme nicht geschwächt, sondern im Gegenteil nur immer mehr verstärkt und vergrößert wird und reichere Zinsen trägt, als selbst die Phantasiezahlen der Riesenvermögen aller Milliardäre der Welt zusammen: es heißt: p™.-.! Kommende Amnestie für russische Emigranten? Berlin, 6. September. Die Zeitung „Montag Morgen" erfährt aus angeblich sicherer Quelle, daß die Sowjetregierung die Absicht hat, am 17. Oktober zur achten Wiederkehr des Tages der Oktober-Revolution in Rußland eine allgemeine Amenestie für sämtliche russische Emigranten, etwa 2 Millionen Personen, die in allen Ländern leben, durchzuführen. Die Sowjetregierung hofft, daß mehr als die Hälfte dieser Russen von der Möglichkeit, in die Heimat zurückzukehren, Gebrauch machen und sich auch in Rußland zu der bestehenden Ordnung loyal verhalten werden. 510.000 Mark für die preußisch-jüdischen Gemeinden. Berlin, 3. September. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden hat aus Anlaß der diesjährigen Etatberatungen an den Hauptausschuß des Preußischen Landtages den folgenden Antrag gerichtet : Der Landtag wolle beschließen, im Haushalt des Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung für das Rechnungsjahr 1925 hinter Kapitel 123 der dauernden Ausgaben folgendes neue Kapitel einzufügen: 123a Synagogengemeinde, n. Für Zwecke der geistlichen Versorgung leistungsunfähiger Synagogengemeinden unter Ausschluß einer rechtlichen Verpflichtung des Staates 510 000 Mark. Zu Kapitel 123a: Die Auszahlung des Betrages erfolgt an den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeind ei n und an den Preußischen Landesverband gesetzestreuer Synagogengemeinden nach Maßgabe der Seelenzahl der den beiden Verbänden angeschlossenen Gemeinden. Der Antrag des Preußischen Landesverbandes wurde von den folgenden Parteien unterschrieben: Demokratische Partei, Zentrum, Sozialdemokratische Partei und Deutsche Volkspartei: im Namen der Volkspartei unterschrieb der frühere Kultusminister Dr. Voelitz. Die Angelegenheit kam in den Sitzungen des Hauptausschusses vom 31. August und 1. September zur Behandlung. Der Preußische Kultusminister Prof. Dr. Becker hielt bei dieser Gelegenheit eine großangelegte kulturpolitische Rede, in der er mit großer Wärme dafür eintrat, daß sowohl die Gefühle für die vergangenen Zeiten, als auch die Achtung und die Liebe für die heutige Verfassung respektiert werden müssen. Gegen die Bewilligung von Staatsbeihilfen an die Synagogengemeinden hat er — so führte er weiter aus — vom Standpunkt seines Ministeriums, wenngleich eine rechtliche Verpflichtung nicht besteht, aus Gründen der Billigkeit und Parität nichts einzuwenden. Die Vertreter der D e u t f ch n a t i o n a l e n und der kommunistischen Partei wandten sich in scharfer Weise gegen die Annahme dieses Antrags. Ihnen trat der Abg. Dr. Hermann Badt (Sozialdemokratische Partei) entgegen, der betonte, obgleich seine politischen Freunde grundsätzlich gegen alle finanziellen Leistungen des Staates an die Religionsgesellschaften sind, so werden sie jedoch aus Gründen der Gerechtigkeit solange M DMWhe? - My für diese Position stimmen, als gegen "iHren'MM'en"mehr afs JOOjrSfflittfpnen füt die geistliche VMvrHMM Md den WlWyüsunMricht der gndEtz.KrröhEchew^^^ werden^ DMMedner'.Hklöerke^MHröHe'MÜgHder jüdischeck Hemßükden, - d«?dpdprch..'eEandM'''dE^ daß...dep 19W bewilligte Betrag ,infolge 'der Inflation nacht- .zur Auszahlung gelangt fei und daß im Jahre 1924 ein bei der. .Fristen Lesuyg 'gestellter, .Antragauf-Pßwistigung von öÖölööO Mark beim Ordenllichen Etat lediglich infölge der vorzeitigen,. Auslösung,des,.Lapdtags.^nicht zur Verabschiedung gelängt fei." * Die-Vorlage würde hernach. vom Hvuptaüsfchuß gegen die Stimmen der Deutschnationalen und Kommunisten angenommen. Aittijüdischer Terror in Lettland. Riga, 6. September. Die jüdischen Sejmdeputierten Dubin und Meisel überreichten dem Justizminister ein Memorandum, in welchem die Geschehnisse in Varklain geschildert und um Abhilfe ersucht wird. Dort haben saszistische Studenten eine Hetzjagd auf jüdische Bürger veranstaltet und sie schwer mißhandelt. Die Behörden sahen dem untätig zu, und der Untersuchungsrichter stieß im betrunkenen Zustand in Rufe wie „Tötet die Juden!" aus und drohte, jeden ihm entgegentretenden Juden zu erschießen. Der Justizminister ordnete telegraphisch Untersuchung an. JEA gibt 100.000 Dollar für das russische Kolonisationsrverk. Moskau, 1. September. Die Jewish Colonisation Association hat 100 000 Dollar für die Förderung des jüdischen Kolonisationswerks in Rußland für das laufende Jahr zur Verfügung gestellt. Im kommenden Jahre werden — wie aus maßgebender Quelle verlautet — weitere 35 000 Desjatin 95 000 Morgen) Land für jüdische landwirtschaftliche Ansiedlungen in der Ukraine bereit gestellt werden. Die Zentrale Landwirtschastsbank gab der Comzet (Regierungskommission für jüdische Kolonisten) einen Kredit von 200000 Rubel für ihre diesjährige Kampagne. (I. T. A.) Das erste Arveitsjahr der Regierunaskommission für jüdische Landansiedlung (Comzet). Moskau, 2. September. Die von der Regierung eingesetzte Kommission für jüdische Landansiedlung (Comzet) hat am 29. August aus Anlaß des Abschlusses ihres ersten Arbeitsjahres einen Bericht über das jüdische Siedlungswesen in Rußland herausgegeben, dem u. a. zu entnehmen ist: In Rußland sind gegenwärtig 135 000 Juden in der Landwirtschaft tätig; sie bearbeiten 280 000 Desjatin (750 000 Morgen) Land. In diese Zahl sind auch die Juden in den alten Kolonien eingeschlossen. Neu bearbeitet wurden in diesem Jahre von den jüdischen Kolonisten: in der Ukraine 62 138 Desjatin (160 000 Morgen), in der Krim 28 500 Desjatin und in Weißrußland 12 411 Desjatin. In diese Zahl sind jene 60 000 Desjatin, die am 21. August von der Regierung für jüdische Kolonisation bereitgestellt wurden, noch nicht eingeschlossen. In diesem Jahre haben sich 4500 jüdische Familien, die 103 050 Desjatin Land bearbeiten, auf dem von der Regierung nur für jüdische Kolonisation bestimmten Boden angesiedelt. Weitere 1500 jüdische Familien wurden mit Siedlungsland nach den allgemeinen Richtlinien, die auch für nichtjüdische Seidler bestehen, beteilt und sind bereits auf ihrem Boden ansässig geworden. Nicht eingerechnet sind in diese Zahl 600 jüdische Familien, die sich im Distrikt Odessa in diesem Jahre ansiedelten. Die Gesellschaft Agro-Joint, setzt der Bericht fort, hat im laufenden Jahre eine Summe von 841000 Dollar für die Förderung des jüdischen Kolonisationswerks in Rußland ausgegeben. Offiziell wird mitgeteilt, daß das Ministerium für Landwirtschaft in der Ukraine am 21. August beschlösse,', hat, eine weitere Landfläche in der Größe von 60 00» Desjatin für jüdische landwirtschaftliche Kolonisation bereit zu stellen. Diese Fläche verteilt sich aus die Distrikte wie folgt: Cherson 25 000 Desjatin, Zaporofchyi 10000 Desjatin. Gornostaeff-Distrikt 25 000 Desjatin; die letztgenannte Fläche ist besonders für Weinzucht geeignet. Das neue Land wird von der Ozet jüdischen Koloni-