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Der Israelit · 1925-09-10 · Heft 37 (10.9.1925) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 37 (10.9.1925)
Date
1925-09-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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biß künstlich zu erweiternde Eigenerfahrung der Minder stützt — daher auch Erlebnisschule — und die das freie Gestalten des Schülers zielbewußt fördert. Der Ausschuß der Reichsschulkonferenz vom Jahre 1920 verlangt, daß die neue Schule Arbeitsschule sei, die zu selbständigem Erarbeiten Oon Kenntnissen und Erkenntnissen, zu inneren Lobenswerten, zur sinnigen Freude an der Form und durch dies alles zur Tat im Dienst der Gemeinschaft führen soll. Die Richtlinien für die höheren Schulen Preußens von 1925 erklären: der Unterricht ist grundsätzlich Arbeitsunterricht. Welche Formen des Arbeitsunterrichts anzuwenden sind, lichtet sich nach der Eigenart des Stoffes>mnd der geistigen Reife des Schülers. Auf allen Alassenstufen aber wird der Schüler eine zweckmäßige Arbeitstechnik gewinnen müssen ... Bei der Bedeutung des Problems war es yn der Zeit, zu untersuchen, wie sich die jüdische Schule und der jüdische Unterricht zu der Frage der Arbeitsschule zu stellen haben. II. Auf der wissenschaftlichen Tagung des Bundes jüdischer Akademiker zu Hamburg im Dezember 1924 behandelte Dr. W. Halüerstadt (Berlin) in einem gründlichen Referat die Arbeitsschule. Die Arbeit liegt nun gedruckt vor als erstes Heft der Schriftenreihe des B. j. Al) Folgen wir in Kürze Halberstadts Ausführungen. Nach Hinweis auf die Mehrdeutigkeit des Begriffs Arbeitsunterricht als Lehrfach und als Lehrmethode führt H. die Grundgedanken Kerschensteiners, Gaudigs und der Leipziger aus: der unbefriedigende Erfolg der passiven Methode der Lernschule mache größere Aktivität der Schüler nötig, der Handarbeitsunterricht müsse zu seinen: Recht kommen. Man fordert konkretes Stoffgebiet eigenes Beobachten statt Mitteilung seitens des Lehrenden, Einschränkung der Fragemethode, die nur Scheinaktivität erzeuge. Es kommt nicht auf Anhäufung einer bestimmten Menge von Wissen an, sondern darauf, daß das Kind zu. arbeiten lernt. Das eigene Schaffen mit der Hand ist daher viel mehr als bisher in die verschiedenen Zweige des Unterrichts hineinzuoerflechten. Für viele gilt nicht das Buch, sondern die Handarbeit als Grundlage der Kultur. — Die alte Schule war Autoritätsschule, die neue Schule erfordert Erziehung zu Staatsbürgern, d. h. zu Menschen, die sich als Glieder ihrer Gemeinschaft fühlen und bewußt an ihrer Entwicklung Mitarbeiten. Arbeiten im Dienst einer Gemeinschaft ist zu erreichen durch das Mittel der Arbeitsgemeinschaft. Die Schulen sind daher möglichst in Arbeitsgemeinschaften .zu verwandeln. Dürfen wir diesen Bestrebungen Einlaß in die jüdische Schule gewähren? fragt Halberstadt. Bei der außerordentlichen Bedeutung des Ler- 0 „Die Arbeitsschule" von Dr. W. Halbersladt Hebräischer Verlag Menorah, Berlin. Es ist ausschließlich Sache der Leser, die Im Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesehlichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. ZUCKERKRANKE Aleuronal - Gebäcke von allen Autoritäten empfohlen MAGENKRANKE RodenbaLCh’s Grahambrot NRHRMITTELFABRIK FRIEDRICH GÜNTHER Verkauf Hermes weg 8—12- Hansa 3862 u.795 sowie in den Filialen der Brot- «. Keksfabrik Osthafen G. m. b. H. Gedenket der . Geheimrat Dr. Rosenfaamn Heilittel-Stiftung beim herannahenden nitPH Möge jeder, der sich seiner Gesundheit erfreuen darf, ein Scherflein zur Linderung der Leiden seiner Brüder beitragen. Gefl. Spenden auf Postscheck-Konto 50110 des Kassiers Gustav Mosbacher, Frankfurt am Main. nens und Lehrens der . min für die jüdische Erziehung ist es offenbar, daß wir die Art der Arbeitsschule, die alle Schulerziehung auf Handarbeit Zurückführen will, ablehnen müssen. Da aber nwynn ij?'p uman xb und mm sich auch auf das mit Ausüben von 5118a verbundene Erwerbsleben bezieht, überdies nav nlin nta nsiv rrax^a muß auch die praktische Arbeit zu ihrem Rechte kommen. Und bei der praktischen Arbeit ist das Handwerk besonders geschätzt: das beweist die bekannte Mischna nbiyb' ,Tp3i rhp maaix m 5ix d*tx *töV>. Der Handfertigkeitsunterricht ist daher nicht a limine abzulehnen. Und was die Bestrebungen betrifft, das selbständige Erarbeiten des Wissensstoffes gegenüber dem passiven Aufnehmen zu betonen, so scheint gerade der Yia’Vn ‘pT die Lernmethode, wie wir sie in der tnm vorfinden, ein Beweis dafür zu fein, einen wie großen Wert unsere v'aam aus dieses Arbeiten in der nun und dieses Mühen um sie legen. Ebenso spricht der namentlich von S. R. Hirsch so erschöpfend ausgedeutete Satz 1211 's hy *|i3n bei Betonung des letzten Wortes für die Arbeitsfchulmethode, da des Kindes Sinn für das Anschauliche offener ist als für abstrakt-logisches Denken. Die besonders von Gaudig gewünschte Selbständigkeit ist sicher auch für uns ein zu erstrebendes Ziel der Erziehung, und Kerschensterners Gemeinschaftsideal entspricht dem jüdischen Grundsatz TOXn p V11S51 Vx* Als Einwand gegen die Einführung des Handfertigkeitsunterrichts macht Halberstadt sodann gellend, daß es, der jüdischen Schule, die neben den profanen Fächern nur höchstens 8—10 Stunden für jüdische Disziplinen aufbringe, an Zeit fehle. Aber er entkräftet den Einwand selbst, indem er zugibt, daß auf der Unterstufe mehr Zeit zur Verfügung stehe; auch könnte dieser Unterricht in den Dienst des Jüdischen gestellt werden und manche Aufgabe der Oberstufe erleichtern. Roch viel mehr Zeit wäre zu gewinnen, meint Halberstadt, wenn man sich entschließen könnte, von den bei den jüdischen Schulen üblichen Typen der Realschule und des Realgymnasiums abzuweichen, und sich auf Volksschulen beschränkte, auf die nötigenfalls Aufbauklassen zu setzen wären. (Die schweren Bedenken geltend zu machen, die sich gerade heutzutage gegen solche einschneidende Aenderungen erheben, ist hier nicht die Stelle.) Der Durchführung des Handfertigkeitsunterrichts und des Arbeitsschulprinzips steht als Schwierigkeit der Mangel an geeigneten Lehrkräften entgegen. Das gibt dem Verfasser Gelegenheit, von jüdischer Lehrerbildung zu sprechen und beachtenswerte Reformvorschläge zu machen. Von einer modern gebildeten Lehrergeneration verspricht sich H. in der Zukunft die Ueberwindung der Hemmnisse, die sich der Einführung der Arbeitsschule in der doppelten Bedeutung des Wortes heute noch entgegenstellen. Den letzten Teil der Arbeit bildet des Verfassers Versuch zu zeigen, wie er sich die modernen pädagogischen Gedanken in der jüdischen Schule durchgeführt denkt. Der Handfertigkeits- und Zeichenunterricht soll im Dienste des jüdischen Unterrichts stehen. Die hebräischen Buchstaben sind zu zeichnen, zu modellieren oder mit Stäbchen herzustellen: das Auffinden der gelernten Buchstaben muß sehr bald als Arbeitsunterricht folgen und entspricht dem Drange des Kindes nach Entdeckungen. Die b'»* werden Veranlassung zur Betätigung im Handfertigkeitsunterricht geben: man denke an no' N2im 'N2iv. Im 1351-Unterricht läßt sich vieles so veranschaulichen: ebenso bei 5iixa wie ri'^v und j^sn, ratf iiwbn 'D'x’rs u. a. Probleme aus dem Leben, Vorkommnisse aus der Praxis sind es, von denen ,132>» und x*iaa unendlich häufig ausgehen: sie bildlich darstellen heißt das Interesse der Kinder erhöhen und die Fälle klarer machen. Neben diesen Arbeitsunterricht muß die Erziehung zu selbständiger geistiger Betätigung treten. Um die Eigentätigkeit der Schüler zu erhöhen, sollte man ihnen zuerst — meint der Verfasser — einen kleinen Leitfaden in die Hand geben, der vom Einfachsten ausgeht, anstatt zu früh mit vvin-Unterricht zu beginnen. Es wird sodann ausgeführt, wie auf dem Gebiete von B'3'1 'i"35i 'H3W& 'X*im und jüdischer Geschichte fruchtbarer gearbeitet werden könne durch intensive gemeinsame Schularbeit unter Verwendung der Gedanken der Selbsterarbeitung und Arbeitsteilung. Halberstadt weist zum Schlüsse darauf hin, daß die neuen Richtlinien für die preußischen Schulen mit ihrer Empfehlung des Konzentrationsunterrichts gerade der jüdischen Schule zu statten kommen, da durch einen solchen der jüdische Unterricht — besser jüdische Weltanschauung und jüdisches Wissen — zum Mittelpunkt werden kann. Ebenso könnte der Gedanke der „Freiwilligen Arbeitsgemeinschaften" auf der Oberstufe vortrefflich verwendet werden. III. Nach dieser kurzen Darstellung des Inhalts der interessanten Schrift mögen hier nun noch einige Bemerkungen folgen. Es wäre erwünscht gewesen, wenn, durchgehends Arbeitsunterricht — handwerkliche Betätigung als Lehrfach und andererseits Arbeitsunterricht — schaffende Eigenbetätigung im Unterricht als methodisches Prinzip schärfer geschieden worden wären. Was den Werkunterricht betrifft, so könnte die Schätzung des Handwerks bei uns noch stärker betont werden. Erklären ja die Weisen ('b f»vmp) die Worte des Koheleth:"m v"n ron als 5ii3aix inab^ 2"N ebenso mvv'^ na^a iVxs maaix 132 rix na^a px» Auch die. bekannte Tatsache, daß so viele der großen Meister der Mischna und Gemoro als Handwerker tätig waren, könnte hier erwähnt werden. Andererseits aber — und das ist das Wesentliche — war die gewaltige Ueberschätzung des erziehlichen Einflusses und der Bedeutung der Handarbeit zurückzuweisen. Gewiß hat Halberstadl die hier eingangs erwähnten radikalen Bestrebungen nicht berücksichtigt. Bei der Bedeutung aber, die der an der Materie vollzogenen Arbeit vielfach eingeräumt wird, ist zu betonen, daß nicht Marimalproduktion oder Virtuosität in der Meisterung des Stoffes oder landwirtschaftliche und sonstige berufliche Geschicklichkeit Ziel der jüdischen Erziehung sei, sondern die Befähigung zur selbständigen Lösung der gesamten Lebensaufgabe. Gewiß ist der versittlichende Einfluß der regelmäßigen, durchdachten, gewissenhaften Handarbeit, wie sie moderne Pädagogen empfehlstt, nicht zu leugnen. Aber ist denn eine solche Arbeit im Zeitalter der Mechanisierung die Norm? Bei der heutigen Industrialisierung und der damit verbundenen Entgeistigung der Einzelleistung ist es erst recht unsere Aufgabe, den jungen Menschen unabhängig vom Manuellen durch planvolle Beeinflussung für die höheren Lebensideale zu gewinnen. Deshalb ist kein Grund, auf die Werkarbeit mehr Wert zu legen als unsere Altvorderen es taten, und das ist — wie oben ausgeführt — wahrlich nicht wenig. Mit der Einführung des Werkunterrichts als Hilfsunterricht sollte aber in der Tat Ernst gemacht werden. Nicht nur würde dadurch das Handwerk unter den Juden gefördert werden: in der Schule selbst würde bei Verwendung handwerklichen und zeichnerischen Geschickes zur Illustrierung vieler Teile unseres Schrifttums besseres Verständnis erzielt. Darin ist Halberstadt im allgemeinen beizupflichten,. vorausgesetzt, daß die Sache nicht in Spielerei ausartet und nur von den wirklich dazu Befähigten gepflegt wird. Dem Gedanken der Verwertung des Bildlichen beim Lehren waren ja auch die alten Weisen nicht abgeneigt. Man denke nur an die bekannte 2"X-Erklärung der Weisen im Talmud (T'p 5i2v)' wo die Buchstabenbilder erklärt werden. Der Fuß des 3 z. B. ist dem n zu- 10. September 1925 Der Israelit Rr. 37 Teile 5

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