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Der Israelit · 1925-09-10 · Heft 37 (10.9.1925) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 37 (10.9.1925)
Date
1925-09-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 37 Der Israelit 10. September 1925 misrachistischen Führerschaft die Zeichen der Zeit erkennen und den Mut aufbringen wollten, sich der unwürdigen Fesseln des zionistischen Parteijoches zu entledigen. Die Synagoge — eine politische Gegnerin, Es ist sonst nicht unsere Art, aus antisemi'ischen kleinen Rüpeleien große Affären und Staatsaktionen zu machen. Synagogendemvlierungen, Friedhofsschändungen, kleine UeberfäUe auf jüdische Passanten werden von jüdischen Zeitungen schon seit langem wegen der Häufigkeit und Alltäglichkeit der Fälle da registriert, wo die allgemeinen Zeitungen für die Skandalchronik des Tages ihren Platz haben. An jener Stelle berichteten wir auch seinerzeit von einem Vorfall in der schlesischen Stadt S ch l o ch a u, wo eine deutschvölkische Iugendgruppe den Wahlsieg Hindenburgs damit feierte, daß sie in geschlossener Formation zur Synagoge zog, vor dein Gotteshause Halt machte und dann auf Kommando ein Steinbombardement gegen die Synagoge eröffnete und sämtliche Fensterscheiben einschlug. Die Helden vom deutschvölkischen Janhagel sind nun allesamt in der Hauptverhandlung auf Anregung des präsidierenden Landgerichtsrates und des „die Anklage vertretenden" Staatsanwalts mit Einstellung des Verfahrens außer Anklage gesetzt worden. Auch daraus würden wir nicht viel Aufhebens machen. Was uns, und wohl auch die Welt, in Staunen setzen muß, das ist die Begründung dieses Freispruches. Es wird da u. a. ausgeführt: „Die Tat, wegen deren die Angeklagten zur Verantwortung gezogen waren, ist bei einer öffentlichen Kundgebung ' im politischen Kampfe begangen worden. Alle Angeklagten sind Mitglieder der Deutschvölkischen Freiheitspartei. Sie haben also im politischen Kampfe gestanden, als sie das Eigentum ihrer politischen Gegner verletzt hatten.^ Also haben die von Politik, starkem Judenhaß und noch stärkerem Branntwein trunkenen Jünglinge die Synagoge nicht als Synagoge demoliert und geschändet, sondern als politische Gegnerin. Sie hätte ja als Gegnerin die Steinwürfe erwidern können. Vielleicht hat sie gar angefangen! . . . Wir erinnern uns eines ganz analogen Falles in der gesegneten Gegend von Schlochau. Ein Schulleh'cer befahl seiner Klasse, als sie auf einem Ausflüge an einem jüdischen Friedhof angelangt waren, diesen mit dreimaligem Ausspucken und Steinwürfen zu ehren. Und er wurde f r e i g e s p r o ch e n. Nunmehr liegt der Grund auch für jene Freisprechung, die damals den Nechtsgelehrten ganz unerfindlich schien,, klar auf der Hand. Die Toten auf dem Friedhof waren eben politische Gegner. Sie haben vielleicht auch zuerst gespuckt oder mit Steinen geworfen. — — — Vielleicht findet sich auch noch in der Gegend von Schlochau ein Mann, der, weniger Vertreter der Rechten als des Rechtes, sich der Sache anmmmt und es an höherer Instanz fertig bringt, Synagoge und Friedhof aus der Gefahrzone der Politik — und der deutschvölkischen Steinwürfe herauszuziehen. Die Arbeitsschule. Von Studienrat Dr. 21t. Schüler in Frankfurt. I. Im Mittelpunkt der pädagogischen Erörterungen der letzten Jahre steht die Arbeitsschule. Die Mehrdeutigkeit des Begriffes Arbeit hat bewirkt, daß ganz verschiedenartige Schultypen unter Arbeitsschule verstanden werden. Die von der überkommenen Schulart am meisten abweichende ist Vlonskijs russische Arbeitsschule. Von Karl Marr' bereits 1866 oorgetragenen Gedankengängen ausgehend, meint diese sozialistische Schule: Die Arbeit ist die Basis der Kultur. Man lernt aber die Arbeit nicht aus Büchern oder durch Zuschauen kennen, sondern dadurch, daß man selbst Hand anlegt. Daher muß produktive Arbeit den Mittelpunkt der Erziehung bilden. Die Arbeitsschule ist eine wirkliche Stätte der Arbeit,- sie kennt keine Unterrichtsstunden und Schulklassen. Die Schule ist ein Haus mit Arbeitszimmern und entspricht einer großen Familie. Die Arbeit organisiert die Kinder, zwingt sie zum Zusammenschluß und zur Selbsiregierung. Der Inhalt der Elementarbildung Ist die Vervollkommnung in der Behandlung der Werkzeuge und der Arbeitsweise zur Erlangung marimalproduktiver Arbeit. Andere Kenntnisse werden gelegentlich erworben, nicht nach Systematik, sondern im Anschluß an die Arbeit. „Eine Kultur der auf dem Gebiete der Technik mächtigen Menschheit" wird erstrebt. Die Tendenz dieser Arbeitsschule ist also die Erziehung zur manuellen und industriellen Arbeit und zur Eingliederung in die sozialistische Gesekbschaftsordnung. Bekannter ist die „Produktions- und Lebensschule" der radikalen Schulresormer. Auch Paul Oestreich, der Führer dieser Richtung, geht davon aus, daß sich pädagogische und Wirtschaftsidee zunehmend identifizieren werden. Die Zukunftslebensschule ist ein Abbild des Lebens. Zu den Schulbaracken gehören Werkstätten, Stall, Feld und Garten. Mit allen Arbeitsstätten der Umgebung ist gute Nachbarschaft zu halten. Wieviele Aufgaben erwachsen aus dem Wirtschaftsgetriebe solcher Anlage! Die Produktionsschule ist Schaffen an Aufgaben, die Schule, Haus und Wirtschaft stellen. Außerdem werden alle Aufgaben der Volkswohlfahrt und Volksbildung mit der Schule verbunden. Körperliche Gesundheit und Schönheit wird erstrebt, der Egoismus durch das Gemeinschaftsleben bekämpft. Anstelle der papiernen Unlerrichtsschule tritt die Erlebnis, schule: sie erzieht für das wirkliche Leben und hängt nicht an vergangenen, traditionell überlieferten Wissensgebieten. — Im Gegensätze zu diesen utilitaristischen, ökonomischen Schultypen steht Kerschensteiners, des berühmten Münchener Schulmannes, pädagogische Arbeitsschule. Da in der frühen Jugend die Instinkte und Triebe für manuelle Betätigung vorherrschen, muß jede Volksschule Plätze für praktische Arbeit, Werkstätten, Nahstuben usw: haben. Hier gewöhnt sich der Zögling leichter an sorgfältiges, gewissenhaftes und durchdachtes Arbeiten als bei einem ihm nicht angemessenen Tun. Die angewöhnte Gewissenhaftigkeit ermöglicht dann eine entsprechende Entwicklung der geistigen Bildung. Obwohl die Handarbeit eine so wesentliche Rolle spielen soll, wäre es vollkommen verfehlt, die bewährten realistischen und humanistischen Bildungsfächer etwa ausschalten zu wollen. Für Kerschensteiners Schule ist den bisher genannten, vor allem auf technische Fertigkeiten und dir Lebenspraris abzielenden Typen gegenüber charakteristisch die Betonung der ewigen Menschheitswerte. zu denen die Schule zu erziehen hat. Durch die Organisation des Schulbetriebs im Geiste der Arbeitsgemeinschaft und die Selbstregierung wird der Grund zur Versittlichung der Gesellschaft gelegt. Neben der Bedeutung, die dem Arbertsunterricht.im Sinne von manueller Betätigung bei Kerschensteiner innewohnt, tritt, bei ihm der Begriff der Arbeit als Aktivität anstelle des früher herrschenden passiven Unterrichts, als vom Schüler zu fordernde Eigentätigkeit hervor. Und das führt zu der Gruppe von Pädagogen, die Arbeitsschule nur in dem Sinne von Schule des Selbstschaffens, der Eigentätigkeit des Schülers, gelten lassen; dem Handwertünterricht soll eine nur untergeordnete Stellung eingeräumt werden. Hauptaufgabe des modernen Pädagogen ist es, eine Arbeitstechnik der Selbsttätigkeit herauszubilden, die sich auf denkt ihr an dieses Gottesgeschenk, das euch zu Besitzenden macht — zu Mitbesitzern dieser unendlich weiten, alles umfassenden Gottesnatur —? Doch nein, — ihr wißt es nicht, denn euer Sinn ist anders — ganz anders. Wir hören vom Essen, von der „modernen" Kleidung, von eueren Ausgaben, vom — Bubikopf! Es war sehr schön, sagt ihr- Doch wie herb klingt das für den durch Leid Gefesselten. Sein Geist geht über die Fesseln hinweg, und er sieht das Gebirge gewaltig und machtvoll vor sich ausgebreitet, er hört das Brausen des Meeres, und sein Auge nimmt trunken das Bild in sich auf. Nicht Verpflegung, nicht Bekleidung, nicht Geld, — nein — sich in Gesundheit demütig beugen können vor Gottes Allmacht — das ist Reichtum- Ach, ihr Lieben, seid mir nicht böse, wenn ich solche Gedanken zum Ausdruck bringe. Aber wie reich, wie unermeßlich reich wäre ich, wenn ich nur gehen könnte, dort, — hinaus, — und dann weiter, — immer weiter — nur einmal--!" Aphorismen nach alten Quellen von L. Feingold. Wenn du imstande bist, das Wesen deines Glaubens an Gott einem anderen zu erklären, dann fehlt dir der Glaube, denn Glaube ist ein Ding, das man nicht erklären kann. Man kann ihn nur fühlen . . . Nimm es dir zur Regel: Anstatt Deinem Nächsten für ein gegen dich begangenes Unrecht zu verzeihen, vergiß es lieber! Man muß im Leben sparsam mit den Tränen sein, denn es sind kostbare Perlen, die von der innersten Quelle kommen: der Seele. Es kommen Momente im Leben, wo Tränen gpnz einfach eine. Notwendigkeit sind und wenn sie dann mangeln, ach wie weh und schmerzlich muß es sein . . . Halte nie deinen Schmerz in deinem Herzen verschlossen. Teile ihn mit deinem Freunde.. Lasset es euch sagen, ihr armen Leute, auch ihr habet euren Teil an den menschlichen Gütern, nur hat der liebe Himmel euer armes Geld ins Exil zu den Reichen geschickt ... Wie närrisch ihr Menschenkinder seid, ihr jagt über Steg und Weg, das Glück zu erhaschen. Ihr merkt aber nicht, daß das Glück vor eurer Nase vorüberschlich. (Die Geschichte des Propheten Jonas.) In einer großen Versammlung von wissenschaftlich Interessierten in London sprach Sir B lo n st o n, Leiter der Anatomie an der Londoner Universität, über die menschenverschlingenden Seetiere. Er nannte einen Fall, in dem ein Mensch von einem Riesenfisch verschlungen und wieder ans Trockene gesetzt wurde, ohne daß der Mensch anderen Schaden genommen hätte, als eine gewisse Betäubung. Blonston nannte diesen Mann „den zweiten Jonas". Der Redner sagte, er habe immer den Eindruck gehabt, als fei die Geschichte vom Propheten Jonas und dem. Walfisch nur eine hübsche Legende. Er sei aber von dieser Ansicht abgekommen, nachdem ihm die Erfahrung einer Gruppe von Walfischjägern auf dem südlichen Ozean bekannt geworden ist, wo ein Mann namens Marsel Goggins diese biblische Erzählung am eigenen Leibe erlebt hat. Der Gelehrte führte an Hand von Bildern eine Reihe von Fällen an, in denen große Raubfische anders Meerestiere verschlingen und es den letzteren gelingt, sich durch das Innere der Räuber einen Weg ins Freie zu bahnen und heil davon zu kommen, während die Räuber daran zu gründe, gehen. Als Unikum nannte der Redner eine Art von Raubfischen im Großen Ozean, die andere Fische, welche dreimal so lang sind wie sie selber, verschlingen können. Nach all diesen Festellungen, so schloß der Gelehrte, sei ihm die Bibelgeschichte von Jonas vollkommen klar und verständlich. Reproduktion der ersten Peßach-Hagadah. Die Hagadah des Gerschom Kohen, gedruckt zu Prag im Jahre I bcr jüdischen Rechnung 5287 (1527) ist die älteste illustrierte und gedruckte Hagadah. Nur drei Exemplare sind von ihr erhalten, eines befindet sich in der Städtbibliothek zu Frankfurt a. M., eines im British Museum zu London und eines in Amerika. Diese berühmteste alte Hagadah wurde nun von dem Verlag Josef Altmann, Berlin, in einem buchstabengetreuen Neudruck reproduziert. Herausgeber ist Prof. Dr. Heinrich Loewe, der zu der Hagadah eine Einleitung geschrieben hat, in der er ihre Geschichte eingehend erzählt und den eigenartigen Buchschmuck ausführlich beschreibt. Wochenkalender. vom 13.-2». Sevt. 1928. > 23. Elul 5685 bis 1. Tilckri 6686. _ Samstag Sept. 13 o’asj 23 Sonntag 14 24 Montag 15 25 Dienstag 16 26 Mittwoch 17 27 *i~t&ö n'wn Donnerstag 18 28 Freitag 19 29 mvn my Samstag 20 1 »wn rutw aran'«

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