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Der Israelit · 1925-09-10 · Heft 37 (10.9.1925) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 37 (10.9.1925)
Date
1925-09-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 37 Der Israelit 10. September 1925 gewandt, um anzudeuten, bah der hm, der Wohltäter, dem hl' dem Armen, zustreben soll; und der Fuß des >7 ist dem ä nahe, um zu zeigen, daß der Bedürftige dem Geber die Ausübung seiner Guttat erleichtern solle. — Man kann in diesem Zusammenhänge auch an Rabbi Gamliels astronomische Darstellungen denken, die in der Mischna wiederholt erwähnt werden. Was nun den Arbeitsunterricht im Sinne des Selbstschaffens, möglichster Aktivität, betrifft, so ist mit Nachdruck darauf hinzuweisen, daß die auf möglichste Durchführung dieser Methode hinzielenden Bestrebungen im alten jüdischen Verfahren Vorläufer haben. Im talmudischen „Lernen" handelt es sich ja um ein fortgesetztes Anregen zum Nachdenken durch Fragen, Auffordern zum Vergleichen, Unterscheiden, Zergliedern, Analogisschließen, Prinzipienforschen. Von mehreren Gelehrten wird erzählt, daß sie widersprechende Dinge absichtlich lehrten, *nn{? nn um die Denkkraft der Schüler zu schärfen. Auch die Maxime *6» mpi rmnn s'8 »rronn darf hier zitiert werden; denn — wie es in 'T n'ivnheißt — naiV w Vnaa Vnn v'vdst *i*aVn nn mn nnnv nnn m na;n2*?n2 nt nn nt mum wie zwei Eisen aneinander gewetzt werden, so schärfen Weisenschüler gegenseitig ihren Verstand. Und Rabbi Ehaninas Ausspruch 'nnab nann nni' n'aVnai ’nma nnv mnm ’nmn kann eigentlich nur aus der Arbeitsunterrichtsmethode erwachsen sein. Das war schon die „Gemeinschaftsarbeit", die heute für profane Fächer angestrebt wird. Die Selbsttätigksit des Schülers wird erhöht, wenn dem Lehrstoffe starkes Interesse entgegengebracht wird: das Interesse wird hervorgerufen durch eigenes Erleben. Es gilt daher, künstlich Gelegenheiten zum Erleben herbeizuführen. Diese Erlebnismethode, dieser Gelegenheitsuntörricht, bildet die Basis der Arbeitsschule: Ein uraltes typisches Beispiel dafür ist der ytd mit seinen zur Erweckung des Interesses der Kinder bewußt eingeführten Veranstaltungen. „Des Iuden Katechismus ist sein Kalender" hat S. N. Hirsch ausgerufen. Wie die regelmäßige Wiederkehr der gehobenen Zeitpunkte des jüdischen Jahres mit ihrem reichen Erleben in Familie und Gotteshaus von der Schule zur Bereicherung und Vertiefung jüdischen Wissens ausgenützt werden kann, bedarf hier nicht weiterer Ausführung. Hier kann in der Tat die Erlebnismethode in hohem Maße zur Anwendung kommen?) In S. R. Hirschs für immer wegweisendem Aufsatze „Von der Pflege des sittlichen Moments in der Schule" heißt es: Wir sind der unmaßgeblichen Ansicht, daß mit direktem Moralpredigen ad hominem wenig für die Erziehung geschieht; daß die altjüdische Anschauung, die im „Ehinuch", in tatsächlicher llebungsanleitung, das wesentliche Mittel sittlicher Erziehung erkennt und als hinzukommende Belehrung vorzugsweise eine objektive, die sittlichen Anforderungen in ihrer begrifflichen Schärfe für den Verstand'beleuchtende Darstellung pflegt, nicht bloß jüdische, sondern allgemein menschliche Wahrheit enthalte." Die theoretische Belehrung und den systematischen Unterricht, die die alte Lernschule völlig beherrschen, wird man allerdings nie ausschalten können. Ist ja der Arbeitsunterricht im Sinne der Reformer nur innerhalb bestimmter Grenzen durchführbar, und ohne wesentliche Schädigung der geistigen Entwicklung kann gar l) Tatsächlich verfahren jüdische Pädagogen vielfach in dieser Weise; ebenso kann mit Genugtuung seftgestellt werden, daß auch manche andere von Halberstadt gestellten Forderungen der Arbeits- und Konzentrationsmethode bereits zum Teil erfüllt werden. nicht auf gebundene Arbeit verzichtet werden. Einübungen, Wiederholungen, Gedächtnisschulung sind nicht zu entbehren» und sie sind wesentliche Bestandteile der intellektuellen Erziehung oder besser Zucht. Daß solche Arbeiten auf das notwendige Maß eingeschränkt werden, ist allerdings eine berechtigte Forderung. Aber ohne das verpönte „Lernen" geht es eben doch nicht. Und wer mit lebhafter innerer Teilnahme einem Vortrage folgt, übt mehr Selbsttätigkeit aus als mancher scheinaktiv Arbeitende. Halberstadt folgt nicht den Forderungen der radikalen Reformer, die unter dem Einfluß des „Jahrhundert des Kindes" von der Furcht beherrscht werden, der kindlichen Leistungsfähigkeit zu viel zuzumuten. Er beschränkt sich darauf, das unzweifelhaft Wertvolle der neuen Erziehungsanfchauungen für die jüdische Schule fruchtbar zu machen. Der Verfasser der Broschüre „Die Arbeitsschule" verdient für seine anregende Arbeit die Anerkennung der pädagogisch interessierten Kreise; ebenso gebührt dem Bund jüdischer Akademiker Dank dafür, daß er Halberstadts Schrift der Osffentlichkeit zugänglich gemacht hat. (Korrespondenzen siehe Seite 17—20.) Personalien. Darmskadt. 30. August. Am n>n »"©trat Herr Dr. Julius M e r z b a ch aus Berlin, ein Schüler von Prof. Dr. Hosfmann V'xt und Rabbiner Kaplan b"?T. sein Amt als Rabbiner des orth. Hess. Rabbinats und der Gemeinde Adaß Jeschurun an. Die Einführung fand vor Eröffnung des Freitagabend-Gottesdienstes statt. In tiefbewegten Worten gedachte namens des Gemeindevo^ftandes Herr San.-Rat Dr. Vodenheimer der uns allzu früh entrissenen Rabbiner Dr. Moses Marx b"i und Dr. Nathan Cahn b"i und hieß den neuberufenen Rabbiner, an dessen Wirken sich nun so viele Hoffnungen knüpfen, herzlich willkommen. Herr Rabbiner Dr. Merzbach erwiderte, daß er nur im Vertrauen auf dem ehrenvollen Ruf Felge geleistet habe, und daß er sich stets nur als Vertreter des Gründers der Gemeinde, Herrn Rabbiner Prof. Dr. Marx betrachten werde. In seiner Schabbosvormittag-Predigt über die Ausgaben eines Führers in Jisroel, der nicht nur der Gesamtheit, sondern auch jedem einzelnen zur Seite stehen solle, entwickelte der neue Raw in zündenden Worten sein Programm. Gemäß einem seiner' Hauptziele, dem Limmud Hatauro eine neue Stätte zu schaffen, hielt Rabbiner Dr. Merzbach dann vor Mincho einen halachischen Vortrag vor zahlreichem Publikum. Möge seine Tätigkeit, die er inzwischen mit der Ausgestaltung des Schiurim- und Schulwesens und der Sorge für die Landgemeinden begonnen hat, den langverwaisten Kehillaus neue Kraft bringen! Darmstadt, 1. September. Am Sonntag, 16. August (26. Aw) war die erste Iahrzeit unseres unvergeßlichen Rabbiners Dr. Nathan Cahn ^"xr- Eine würdige Gedächtnisfeier vereinigte die Gemeinde auf dem Friedhof. Dem Schmerz der Gemeinde und der Schüler verliehen Rabbiner Dr. Merzbach und Rabbiner Wassermann beredten Ausdruck. Namens der Familie sprach Rabbiner Dr. Leo Cahn-Fulda, der als Trost die Hoffnung be-! zeichnete, daß die Kehillo sich im Sinne ihrer Toten weiter entwickeln werde. Ein El-Mole-Rachamim des Herrn Lehrers Lebermann gab das Empfinden der schwergeprüften Gemeinde wieder, rraxan- Vallendar a. Rh., 7. September. Plötzlich verstarb der hiesige langjährige Lehrer Chajim Nick. Er kam gerade aus Frankfurt, wohin er übersiedeln wollte, nach der früheren Heimatgemeinde zurück, um Angelegenheiten der Familie zu ordnen und fand hier, ungeahnt und unerwartet, die letzte Heimat. Lehrer Rick kam vor vielen Jahren aus dem Osten als Zögling der Wolofchiner Iefchiwa nach Deutschland und eignete sich am Jüdischen Lehrerseminar zu Köln sehr rasch profanes Wissen und gründliche fachliche Ausbildung an. Dabei blieb er sein Lebenlang unerschütterlich in der tiefen Gottesfurcht der Jugend. Ein goldreiner Charakter, ausgezeichnet mit Thoragelehrsamkeit, weltlichem Wissen und tiefer ehrlicher Frömmigkeit, versah er gewissenhaft den Lehrerdienst in verschiedenen Gemeinden Deutschlands, in den letzten Jahrzehnten zu Valendar, wo er sich großer Beliebtheit erfreute. Beim Niedergange der Gemeinde infolge des Krieges und der Nachkriegszeit, sah er sich, schon alternd, in der Lage, anderswo eine neue Existenz auszubauen, und es zog ihn nach Frankfurt, wo er hoffte, die zweite Hälfte seines Lebens in nTnj» min verbringen zu können. Just war es ihm mit Hilfe von Freunden gelungen, in Frankfurt eine Stelle zu erhalten, die ihm eine Grundlage zur Existenz geboten hätte. Da fuhr er nach Haufe zu feiner Familie, um dort die letzte Ruhe zu finden. Erschütternd wirkte die Kunde im Kreise der Frankfurter Freunde, die den Mann wegen seiner herrlichen Eigenschaften achteten und liebten. Chajim Rick hinterläßt Frau und mehrere in jüdischem Sinne bestens erzogene, aber völlig unversorgte Kinder. Möge ihnen '"©n seinen Träft und seine Hilfe angedeihen lassen. rraxjn- Altenstädt a. Iller, 30. August. Am 1. September kann Herr Hauptlehrer Rose auf eine ersprießliche 25jährige Tätigkeit im Dienste der israelitischen Kultusgemeinde zurückblicken. 24 Jahre wirkte er als Volksschullehrer zur vollen Befriedigung seiner Schulgemeinde und der Vorgesetzten Schulbehörde bis zu der im Vorjahre verfügten behördlichen Auflösung der Volksschule, nachdem die Zahl der Schüler als 3 herabgesunken war. Seitdem ist er weiter als Kantor und Schachet der Gemeinde tätig. Vermischkes. Würzburg, 6. September. Auf Anregung des Oberlehrers S. Freudenberger -Thüngen hatten sich am 16. August die Absolventen der Israel. Lehrerbildungsanstalt Würzburg des Jahres 1885 im Hotel Goldschmidt-Würzburg zum Teil mit ihren Familienangehörigen zu einer Wiedersehensfeier nach 40 Berufsjahren zusammengefunden. Nicht alle konnten erscheinen; manchen deckt schon der kühle Rasen — mancher war durch widrige Umstände am Erscheinen verhindert. Um so inniger gestaltete sich die Wiedersehensfreude derer, die kommen konnten. Distriktsrabbiner Dr. Hanover und Seminaroberlehrer Anfänger waren als Gäste erschienen. Heitere und ernste Reden würzten die Feier. Oberlehrer Freudenberger frischte in längerer, humorgewürzter Rede alte Einnerungen auf. Hauptlehrer Mannheimer-Dettelbach sprach über die religiöse Bedeutung der Zahl 40. Oberlehrer Oberndörfer-Niederstetten brachte ein selbstverfaßtes Festgedicht zum Vortrage. Seminaroberlehrer Anfänger gab ein Bild von der Entwicklung des Seminars feit den 40 Jahren und einen Ausblick auf die künftige Gestaltung der jüdischen Lehrerbildung. Rabbiner Dr. Hanover sprach über den Idealismus und das unentbehrliche Quentlein materiellen Einschlags beim Lehrerberufe. Nur zu schnell verflogen die schönen Stunden und mit dem Wunsche: Auf Wiedersehen in zehn Jahren s. G. w. trennte man sich in später Stunde. Am anderen Tage erfolgte unter Führung Anfängers eine Besichtigung der in allen Teilen schön und praktisch restaurierten Seminarräume Dann wurden die letzten Ruhestätten der ehemaligen Seminarlehrer (Dr. Tachauer I. Schlenker I. Weißbart pietätvoll besucht. Noch ein letztes Treuegelöbnis dem Berufe, den Kollegen und der alten, trauten Bildungsstätte und es hieß — scheiden! Die Erinnerungsfeier wird jedem Teilnehmer unvergeßlich bleiben. L. müssen bis Dienstag, 15. September, vorm, 10 Uhr, eingegangen sein. 3$pfch~fia>Jcfiono« <$füelfeiöimj©ffie Können in drei Größen veröffentlicht werden: Größe I ly Zeilen lspaltig zu Mk 4. — Größe I115 Zeilen Ispaltig zu Mk. 6. — Größe III ly Zeilen 2spaltig zu Mk. 8.- Die Beträge wolle man aus Postscheckkonto Nr. 19802 überweisen, den Text durch Postkarte einsenden. Texte, die bis zum 13. September morgens in unserem Besitze sind, werden in der Rosch-ha-schono-Nummer, später ein- 8 treffende in der darauffolgenden veröffentlicht. Wer seine Glückwünsche zu Gunsten von Erez Israel aözutösen wünscht, wolle dem nach Belieben sestzusetzenden Abläsungsbetrag eine Gebühr von 90Pfennig für die Veröffentlichung von Namen und Wohnort im Sammetinferat beifügen. Frankfurt a. M., 20. August 1925. vrttag des „Zsraeltt" 6. in. v. y Suchen für unsere 18fähr Tochter, im Haushalt und Küche sehr gut angelernt, zur weiteren Ausbildung in besserem jüdischem Hause Stellung als S ( ü ( z e. Familienanschluß u. etwas Taschengeld erwünscht. Off. unter 18186 an die Erp. Selbständige jg. Kontoristin m.gut. Zeugniss. sucht Stelle. na© frei. Off. u. A. 83 an d. Ann.-Büro I. Schmidt, Franks, a. SW., Langestr. 7. Geb. tsr. Fräulein, bisher im Büro tätig, jucht Stelle in beff. Fam., am liebsten in Frankfurt a. M., wo selbige sich im Kochen und im Haush ausb. kann, geg. tüchr. Mithilfe u. kl. Bergig., b. vollst. Fam.-Auschl. Off. unter 18166 an die Erp. Gesucht für unsere Anstalt (streng rit) tüchtige Köchin oder Stütze die perfekt kochen kann, eoentl. aushilfsweise. Versorgungs-Anstalt für Israel., Frankfurt a.M., Röderbergweg 77. Nach der Schweiz ein streng frommes Mädchen gesucht, das perfekt kochen kann, mit fa Zeugn.» aus orth. Fam., erakt u. kinderliebend. 2. Mädchen vorhanden. Familienanschluß Off. unter 18155 an die Exp. Suche für meine Tochter, 15 Jahre alt, eine .Stoffe in einem rituellen Hause, wo dieselbe sich im Geschäft ausbilden kann. Familien- Anschluß Bedingung. Off. unter 18192 an die (£xp. HEIRAT. Vornehme fsr. Heiratsrmittlg. ermöglicht selbst schwierigsten Fallen beste d reelle Verbindung, renge Diskr. zugesicherl. irechst. v. 3—6Uhr, Samsj u. Sonntag ab 1 Uhr. egrrr, Frankfurt a.M., Bleickltraße 13 II.

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