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Der Israelit · 1925-09-03 · Heft 36 (3.9.1925) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 36 (3.9.1925)
Date
1925-09-03
Page
– (sequence 19)
Language
German
Belongs to
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3. September 1928 Wettkongretz der sephardischen Iudenheit. Wien, 19. August. Am 15. August spät abends wurde im - Türkischen Tempel zu Wien der erste Weltkongreß der sephardischen Iudenheit unter großen Feierlichkeiten eröffnet. Der Tempel war märchenhaft illuminiert und mit Blumenguirlanden geschmückt. 300 Delegierte sephardischer Gemeinden in vielen Teilen der Welt, sowie zahlreiche Gäste ivaren anwesend. Einzelne Gemeinden, wie z. B. in Pemen und Persien, wo die Juden starken Verfolgungen mlsgesetzt sindkonnten keine Delegierten senden und sandten tiefbewegte Begrüßungsschreiben. Der Präsident der Zionistischen Weltexekutive, der als Präsident des 14. Zionistenkongresses ausersehen ist, überinittelte der sephardischen Iudenheit die, Grüße der Zioniill,u)en Organisation und drückte die Hoffnung aus, daß der Sepyardim-Kongreß eine Vertretung zum 14. Zionistenkongreß entsenden wird. Im Namen des Sepharonn- Kangresfes erwiderte Leon Chaim, die Sephardim seien bereit, mit der Zionistischen Organisation zufammenzuarbeiten, aber ohne Unterordnung unter dieselbe. Die 2. Wettkonferenz der Sephardim in Wien. (Ein Gespräch mit Oberrabbiner Dr. Alkaley, Großrabbiner von Serbien.) Wien, 23. August. Ueber Ziele und Ausgaben des sephardischen Kongresses gab Oberrabbiner Dr. Alkaley, Grohrabbiner von Serbien, einem Vertreter der „Jüdischen Presse" folgende Auskunft: „Der jetzt tagende Sephardimkongreß," begann Großrabbiner Dr. Alkaley seine Ausführungen, „stellt bloß einen Versuch dar, die sephardische Iudenheit in einer einheitlichen Organisation zusammenzufassen. Die erste Zusammenkunft fand vor einiger Zeit in Jerusalem statt, wie überhaupt die Jerusalemer den Hauptimpuls zur Organisierung der sephardischen Iudenheit gegeben haben. In Erez Jisroel bildet jetzt das jüdische öffentliche Leben Institutionen, an deren Zustandekommen auch die sephardischen Juden in Palästina interessiert sind. Die glauben nun, daß sie naturgemäß sich einen großen Einfluß sichern können, falls sie nicht nür die sephardischen Juden in Erez Jisroel, sondern'auch der ganzen Diaspora zu vertreten berechtigt wären. Unsere palästinensischen Brüder streben nun die Schaffung des sephardischen Weltverbandes ganz und gar unter dem Gesichtspunkte der Bedürfnisse Erez Jisroel an. Nebst der palästinensischen Delegation sind an der Konferenz in größerer Anzahl besonders die Balkan-Staaten vertreten, unter denen die serbische und bulgarische Delegation die Hauptrolle spielen. Sie Bulgaren unter Führung von Herrn Farchi sind energische Gegner der Schaffung eines sephardischen Weltverbandes und somit im heftigsten Gegensätze zu den Palästinenser. Merkwürdiger Weise sind die beiden Gruppen trotz, des schroffen Gegensatzes von denselben Motiven geleitet.- Die Jerusalemer benötigen den Weltoerband für Erez Jisroel, die Bulgaren bekämpfen wiederum die Schaffung des Weltoerbandes, weil sie der Ansicht sind, daß die sephardischen Juden und Gemeinden auch ohne eigenen Weltoerband die Möglichkeit haben' in den einzelnen Fraktionen und Förderationen der zionistischen Organisation sich ganz auszuleben. Ein neuer Verband würde vielmehr eher Zersplitterung als Förderung der Arbeit bedeuten. Die serbische Delegation nimmt, wie sich das gleich bei der ersten Besprechung der Landsmannschaft herausgestellt hat, eine, vermittelnde Stellung zwischen den zwei Extremen ein. Dieser Anschauung habe ich am zweiten Tage des Kongresses nach den offiziellen Referaten. Wir halten die Schaffung eines Weltverbandes für nützlich und notwendig. Dieser Weltverband ist vor allem dringend nötig, nicht nur für Palästina und für die dort wohnenden sephardischen Juden, sondern für die sephardischen Juden und Gemeinden in der ganzen Diaspora. Ich würde es auf. Grund der Kenntnisse der inneren Verhältnisse meines Heimatlande s, aber ich glaube, daß meine Ansicht nicht nur für die S. H. S.-Staaten zutrifft, sür einen unheilvollen Schritt halten, falls der zu gründende Weltverband, jüdisch-politische Ziele sich stecken würde. Wir brauchen nämlich vor allem dringende Maßnahmen, um Hebung des kulturellen Niveaus der sephardischen Iudenheit zu treffen. Leider läßt der Zustand unserer Schulen viel zu wünschen übrig. Die sephardische Iudenheit braucht vor allem gute jüdische Lehrer und jüdische Schulen, die im Geiste der großen und glänzenden Der Israelit Tradition der sephardischen Iudenheit eine ebenso schöne Zukunft sür sie vorbereiten. Es soll selbstverständlich nebst dieser Hauptaufgabe auch die große Arbeit für Erez Jisroel nicht vernachlässigt werden. Es ist aber auch hier eine selbstverständliche Voraussetzung sür uns, daß diese Arbeit für Erez Jisroel nicht politisiert werde und daß vor allem die große Begeisterung und die große Sehnsucht der sephardischen Juden für bezw. nach Erez Jisroel nicht durch voreilige Beschlüsse, die geeignet wären, den Verband von vornherein einseitig festzulegen, beeinträchtigt werden. Diese Ausführungen wurden beifällig ausgenommen und von mehreren Delegierten warm unterstützt. Es ist anzunehmen, daß der Weltverband der Sephardim aus solchen Grundlagen aufgebaut wird, daß er wirklich die Vertretung der gesamten sephardischen Welt moralisch für sich in Anspruch nehmen kann. Das kann aber nur dann geschehen, wenn der Weltverband den großen religiösen Idealen, die die überwiegend große Majorität der sephardischen Juden besitzt, in hervorragendem Maße Rechnung trägt. Erschwerende Einwanderungsmaßnahmen in Palästina? Wien, 27. August. Ein Telegramm aus Warschau besagt, daß der englische Konsul in Warschau aus Jerusalem die neue Instruktion erhielt, für jeden einzelnen bemittelten Jimmigranten oder Touristen, der nach Palästina kommen will, vorerst eine separate Einreisebewilligung von der Palästina-Regierung einzuholen. Diese katastrophale Schädigung der gesamten Palästina-Einwanderung und -Touristik rief unter den Delegierten des Kongresses einen erschütternden Eindruck heryor. Sofort traten die Kommissionen für Einwanderung und für Politik zusammen und besprachen die zu ergreifenden Schritte. Der Leiter des Hauptpalästinaamtes, Prof. Pick, sandte sofort ein Telegramm nach Jerusalem und forderte telegraphische Aufklärung.' Die Immigrations-Kommission entsandte eine Abordnung zu Dr. Weizmann, um mit ihm die Lage zu besprechen. Nach dieser Besprechung trat die politische Kommission zusammen und besprach die bei der englischen Regierung zu unternehmenden Schritte. Es herrscht die Ansicht vor, daß diese neuen Maßnahmen auf die gegen Tel Awiw gerichteten Tendenzen der englischen Politik zurückzuführen sind. Man erinnert sich, daß Amery während seiner letzten Anwesenheit in Palästina sich gegen eine Ansammlung der Einwanderer in den Städten ausgesprochen hat. Europatour Morris Engslmanns. W i e n, 16. August. Morris Cngelmann, der Mitbegründer und eifrige Mitarbeiter des amerikanischen „Joint" befindet sich wie alljährlich bereits seit Monatsfrist in Europa auf ener Studienreise und hält sich derzeit in Wien auf. ° Der Wiener Vertreter des A. I. P. B. hatte Gelegen? heit, Mr. Morris Engelmann über die neuen Aufgaben des „Joint" und seine persönliche Stellungnahme hierzu zu interviewen. Mr. Engelmann führte aus, daß die ökonomische Lage der Juden in Europa nach der Jnflationsperiode viel trauriger geworden ist, als z. Zt., da der „Joint" viele Millionen Dollars in Amerika aufbrachte, um sie unter die Juden Europas zu verteilen. Aus diesen Motiven heraus hat der „Joint" nach langer Pause Wiederaufnahme seiner Tätigkeit beschlossen. Er selbst hatte auf seiner vorjährigen und auch bei seiner jetzigen Tour Gelegenheit, sich von der dringenden Notwendigkeit energischer sozialer Hilfstätigkeit zu Gunsten von Millionen leidender Juden zu überzeugen. Zur materiellen Not tritt außerdem in erhöhtem Maße die seelisch-geistige Bedrängnis. Die traditionstreuen Juden, die die überwiegende Mehrheit der im Elend befindlichen Juden Europas bilden, sind nicht mehr im Stande, ihre religiösen Institutionen aufrecht zu erhalten. Er hat es selbst in zahllosen Fällen miterlebt, daß die Juden über die geistige Not in größere Verzweiflung geraten seien, als über das leibliche Weh. Sie sind maßlos unglücklich, wenn sie zusehen müssen, daß ihre Jugend durch die finanzielle Bedrängnis der religiösen Erziehungsanstalten in linksradikale Zirkel gedrängt werden, wo sie geistig und moralisch verfallen. Herr Engelmann erachtete es bei seiner Bereisung Europas für überaus wichtig, die verschiedenen Korporationen vor Spezialdelegationen nach Amerika abzu- 9tr. 36 Seite 19 halten. So hat z. B. die Preßburger Ieschiwah, eine der größten und ältesten Lehranstalten Europas, für den Bau eines Jnternatsgebäudes und Lehrhauses, deren Inangriffnahme nach seiner eigenen Ueberzeugung unaufschiebbar ist, bereits alle Vorarbeiten zur Entsendung einer Delegation, die die hierzu notwendigen Kapitalien in Amerika aufbringen sollten, getroffen. Es ist ihm gelungen, diese Absicht zu vereiteln, doch hat er seine diesbezügliche Intervention bei den maßgebenden Stellen zugefagt. Das gleiche gilt für eine Reihe von Lehranstalten, Spitälern, Versorgungshäusern usw. Der A. I. P. V.-Vertreter fragte, warum in der vergangenen Tätigkeitsperiode des Joint die gesamte Orthodoxie, also die Masse der in Elend befindlichen Juden, so sehr vernachlässigt wurden und welche Maßnahmen in der kommenden Kampagne getroffen wurden, um diesen Uebelstand zu beseitigen. Mr. Engelmann meinte, daß die Schuld an der Orthodoxie gelegen sei, weil sie mit zu wenig Forderungen an die amerikanische Oeffentlichkeit herangetreten sei, was allerdings auf deren wenig verbreitete Presse zurückzuführen ist. Im Jahre 1919 war er in der Kommission für Zentraleuropa und insbesondere für das alte Oesterreich-Ungarn, wodurch er die Möglichkeit für die Ueberwachung dieser Gebiete gehabt hätte. Nur sei er in Angelegenheit der koscheren Fettbeschaffung über Wunsch von Oberrabbiner Ritter und Oberrabbiner Fürst, sowie^ zahlreicher rabbinischen Autoritäten nach Amerika zurückgereist. Als am 14. Mai d. Js. der Beschluß zur Wiederbelebung der Jointarbeit bekannt wurde, wendeten sich die bedeutendsten unter den jüdischen Führern aus telegraphischem und schriftlichem Wege an ihn. Seine heurige Studienreise diente der Klärung dieser Frage und sei er zur Ueberzeugung gekommen, daß dank der guten Organisation, die die Juden etwa in Ungarn, Slowakei, Jugoslawien, Transylvanien, Oesterreich, Bukowina, Galizien besitzen und welche behördlich anerkannt sind, man mit Leichtigkeit eine gerechte Verteilung garantieren kann. Amerika wird nicht mehr lokalunkundige Personen zur Verteilung nach Europa entsenden, sondern es wird Sache der einzelnen Landesrepräsentanzen sein, in Form von Memoranden ihre Wünsche geltend zu machen und zu realisieren. Die Zentrale in Berlin unter Leitung von Dr. Bernhard Ka h n wird sämtliche Wünsche entgegennehmen und es wird hoffentlich gelingen, die europäischen Juden zu überzeugen, daß der Joint kein Parteiorgan, sondern ein Instrument der Gesamtjudenheit sei. Dr. Wigodzki und das VUdnnssministerium. Warschau. 23. August. Ueber eigenartige Konferenzen zwischen dem Bildungsminister G r a b s k i und dem Wilnaer Deputierten W i - godzki in Sachen der jüdischen Schulen in Wilna verlautet allerlei, was sich der genauen Kontrolle entzieht. Die Redaktion des Warschauer „Jud" richtete eine öffentliche Anfrage an die orthodoxe Sejm- und Senatfraktion, in der sie um folgende Auskunft bittet: „In wessen Namen führt Wigodzki die Verhandlungen und welchen Inhalts find sie? Hat der jüdische Klub welchen Anteil an denselben? Welche, Schritte gedenkt die orthodoxe Fraktion zu unternehmen für den Fall, daß Wigodzki aus eigener Initiative verhandelt und sich anmaht, unberechtigterweise auch die gesetzestreuen Schulinteressen zu vertreten?" In der Antwort der orthodoxen Fraktion wird zunächst zugegeben, daß die Beunruhigung in den gesetzestreuen Kreisen über das Unternehmen Wigodzkis allgemein und vollauf begründet ist. Die Verhandlungen Wigodzkis entstammen seiner eigenen Initiative und werden von ihm unter seiner eigenen Verantwortung geführt. Irgend einen Auftrag vom Jüdischen Klub hat er nicht. Ueber den Inhalt dieser Verhandlungen ist die orthodoxe Fraktion teils durch Presseberichte, teils aber auch durch direkte Berichte von Maßgebender Seite informiert. Auf Grund dieser Informationen hielt es der orthodoxe Sejmklub für seine Pflicht, den Minister darüber aufzuklären, daß Dr. Wigodzki lediglich im eigenen Namen und nicht in dem des Jüdischen Klubes spricht. Der Minister ist vollkommen darüber informiert, daß Dr. Wigodzki nicht das mindeste Recht zusteht, die Interessen des orthodoxen Schulwesens zu wahren. Die führenden gesetzestreuen Persönlichkeiten aus Zentrallitauen sind an die orthodoxe Fraktion mit der ausdrücklichen Bitte herangetreten, eine solche Erklärung abzugeben und eine entsprechende Informierung des Ministers

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