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Der Israelit · 1925-09-03 · Heft 36 (3.9.1925) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 36 (3.9.1925)
Date
1925-09-03
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 18 Nr. 36 o r Israel * -f 3. September 1928 haupten, daß England Palästinas und der dortigen Juden für feine Positionen so dringend bedürfe. Wahr ist, daß das britische Reich es sich als großes Verdienst anrechnen würde, die Judenfrage einer Lösung im zionistischen Sinne zuzusühren. Von falschen Prämissen gehe Jabot i n s k i aus, darum feien all ferne Ausführungen grundfalsch. Die Anleihe sei wichtig, dürfe aber nicht den Keren Hajessod verdrängen. Mit den Arabern, die in Palästina 600 000 Seelen zählen, muß absoluter Friede angestrebt werden. Weizmann schließt mit den Worten: „Ich kann nur diesen Weg gehen, wenn Sie einen rascheren wollen, dann müssen Sie andere Führer wählen." Die Worte werden mit stürmischem Beifall ausgenommen. Montag vormittag war die Sitzung der allgemeinen Aussprache über die wirtschaftlichen Referate gewidmet. Leon Le vite, der Führer der polnischen Gruppe „Eth liwnoth", Herzfeld von den „Poale Zion" und Dr. Felix R o s e n b l ü t h verlangen größere Posten im Budget für die Aufbauarbeit. Dr. Kahn, Ungarn, klagt die ungarische Judenheit an. Die offiziellen jüdischen Kreise seien daran schuld, daß dort der Zionismus verboten sei. Es folgt nun die Antwort der Opposition auf Weizmanns Rede aus dem Münde Nachum Goldmanns. Er wendet sich dagegen, daß man sich mit den Mißerfolgen hinter der schlechten politischen Konjunktur versteckt. Ist die Konjunktur schlecht, so erfordere sie eben doppelte Aktivität, die er bei der Exekutive vermißt. Es muß von der Exekutive die Durchsetzung einer Administration verlangt werden, die dem Mandat gerecht wird. Er glaubt nicht an die rein ethischen Gründe Englands für die Entsendung des Feldmarschalls Plumer nach Palästina. Er meint, das Gefühl für das richtige Tempo fei bei der Leitung nicht vorhanden. Tiefer einschneidend als die Ausführungen Goldmanns ist die Kritik Strickers, mit der die Vormittagssitzung von Dienstag, den 25. August, fast ganz ausgefüllt wird. Oberbaurat Stricker hat sein Amt als Vizepräsident des Aktionskomitees niedergelegt. Als Grund seines Rücktrittes gibt er an, daß die Exekutive auf der einen Seite die Vernichtung des Zionismus gefördert, das Aktionskomitee auf der anderen diese Vernichtungsarbeit ruhig hingenommen hätte. Stricker sieht schon, wie sich auf den Trümmern des Zionismus zwei Bürokratien als Ruinen des alten Schlosses erheben, die des Keren Hajessod und die des Nationalfonds. Im Einverständnis mit der Exekutive und dem Aktionskomitee konnte ein Beschluß gefaßt werden, wonach die Zionistische Organisation aus dem Kuratorium der hebräischen Universität ausgeschlossen bleibt. Noch tiefer verbittert es den Herrn Vaurat, daß man mit Rücksicht auf Baron Rothschild die Bibelkritik aus dem Lehrplan der Univertät verbannt hat, obwohl er, Stricker, und alle Mitglieder des Aktionskomitees Anhänger der freien Forschung sind. Er wirft ferner dem Aktionskomitee vor, nicht energisch genug gegen das Krimprojekt aufgetreten zu fein, obwohl alle die daraus drohende Gefahr für den Zionismus erkannt hätten. Die Erweiterung der Jewifh Agency kritisiert er mit den schärfsten Worten. Man solle sich auch von dem Weizmann-Kult befreien, es handele sich nicht um Personen, sondern um die jüdische Zukunft. Es kommt noch einmal M i s r a ch i zu Wort durch Rabbi U z i e l, Palästina, der verlangt, daß alles, was im Lande geschieht, nur im Geiste der Thora geschehe, insbesondere aus dem Gebiete der Schule und der Erziehung. Es darf keine jüdische Siedlung geben ohne Synagoge, Koscher-Küche und Mikwah. S o k o l o w beantwortet die Rede Strickers und befleißigt sich im Gegensätze zu diesem eines äußerst ruhigen und gemäßigten Tones. Er wehrt sich entschieden gegen den Vorwurf ein/rr Kursänderung. Aenderungen im Arbeitsplan ergeben sich aus der Tatsache, daß der Zionismus aus dem Wolkenbereiche der Theorie in das Stadium der Erfüllung getreten ist. Im Mittelpunkt der Arbeit muß nach wie vor der Ackerbau stehen, die nur» einziehende Industrie muß aber im Interesse der Arbeiterschaft freudig begrüßt werden. Die Mandatsregierung verdient Vertrauen. Strickers Kritik sei eine Gespenstermalerei. Sokolow lehnt es ab, über die Frage der freien Forschung an der Jerusalemer Universität in der Generaldebatte zu diskutieren, ebenso eine Polemik über die Person des von allen gleich verehrten ersten Palästinafreundes Baron Rothschild zuzulassen. Solange die Organisation nicht die Mittel hat, die Universität aus Eigenem zu halten, muß sie den Wünschen Anderer Rechnung tragen. Nach diesen Auseinandersetzungen wirkt am Mittwoch ein sachlicher Vortrag R u p p i n s über die Araber ein wenig beruhigend. Er ist der Meinung, daß auch bei starker jüdischer Einwanderung und Vermehrung Palästina ein Zweinationalitätenstaat bleiben wird. Es wird nichts anderes übrig bleiben, als auf gute Beziehungen mit den Arabern zu sehen, die er als geistig hochstehendes Volk bezeichnet. Ueber das Zusammenleben mit den Arabern sei jetzt schon ein klares Programm zu fassen und eine ständige Kommission zu diesem Zwecke zu bilden. Er verlangt wiederum Gründung des längst geplanten Kolonisationsfonds. Der Mittwochnachmittag und der Donnerstag standen im Zeichen des harten Kampfes zwischen den Extremen. Es kam zu heftigen Explosionen in den. Kommissionssitzungen» in den Fraktionen und Landsmannschaften wie in den Wandelhallen des Kongrehsaales. Die um Jabotinsky, Grünbaum und Stricker arbeiten auf einen Sturz der Exekutive hin. Die anderen wollen Weizmann Generalvollmacht zur Bildung einer neuen Exekutive.. erteilen. Misrachi schwebt zwischen Vertrauen und Mißtrauen und steht ratlos da. Die vorgenommene Abstimmung über das Vertrauensvotum ergab eine Annahme desselben mit nur 137 Stimmen. 17 Stimmen erhoben sich dagegen. 90 Delegierte haben sich der Abstimmung enthalten. Darauf erklärte Weizmann zu Beginn der Sitzung am Donnerstag nachmittag, daß er wie alle Mitglieder der Exekutive nach Ausgang der Abstimmung, sich außer Stande sehe in die neu zu bildende Leitung einzutreten. Es herrscht Unruhe und tiefe Erregung. Das Plenum kann vorerst nicht tagen, da zunächst Aktionskomitee, Exekutive und Permanenzausschuß über die Lage beraten müssen. Schluß des Kongresses. W i e n, 31. August. Nach einer Nachtsitzung von über 8 Stunden wurde heute, Dienstag Morgen, um 6 Uhr der Kongreß geschlossen. In zwei Nachtdauersitzungen wurden im Eiltempo, aber nicht ohne gelegentliches starkes Aufeinanderplatzen der Gemüter, das letzte Material verarbeitet und die Anträge durchgepeitscht. Viele Fragen blieben ungelöst. Die Stimmung beim Auseinandergehen ist bei aller üblicher Begeisterung und den Hatikwahgesängen nichts weniger als gehoben. Der Modus vivendi wurde in der Nachtsitzung von Samstag zu Sonntag damit gefunden, daß der Exekutive ein neues Vertrauensvotum ausgesprochen wurde. Bei dieser zweiten Abstimmung standen nur 15 Neinsager 217 Jasagern gegenüber. Der Rest enthielt sich wieder der Abstimmung. Diese Majorität genügte den Männern der Exekutive, wieder einzulenken, zumal auch die Abstinenzler zum großen Teile ihre Meinung kundgaben, daß sie nur ihre Unzufriedenheit mit der bisherigen Geschäftsführung und der Entwicklung der Dinge zeigen wollten, nichts aber gegen die Personen und deren Wiederwahl einzuwenden hätten. Es folgt dann die rasche Erledigung der wichtigsten Resolution über die Jewifh Agency, welche mit 173 gegen 30 Stimmen der Minorität, die noch einmal kräftig zu Worte karm angenommen wird. Die Resolution enthält sieben Absätze und ist von der Kommission so gefaßt, daß sie einerseits die Heranziehung nichtzionistischer E l em e n t e zur Mitarbeit rrstrebt, auf der anderen Seite aber einige Sicherungen nach der Richtung enthält, daß in der Agency nichts geschehen dürfe, was dem Kongreßbefchluffe widerspricht. (Wir. werden die Resolutionen an anderer Stelle im Wortlaute bringen.) Des weiteren wird eine Resolution angenommen, wonach der Bodenkauf konzentriert und der Kampf gegen das private Spekulantentum mit allen Mitteln ausgenommen werden soll. Eine Jndustriebank soll sich die Förderung der kleineren industriellen Anlagen angelegen sein lassen. Die Organisierung einer großen Anleihe für Palästina wird der Exekutive wärmstens anempsohlen. Bei der folgenden Kulturdebatte gibt es noch einige Zusammenstöße mit Misrachi. Das einleitende Referat hält Sokolow und verbreitet sich insbesondere über das Neuausleben der hebräischen Sprache, woran die Lehrer Palästinasdas größte Verdienst hätten. 13 000 Kinder besuchen gegenwärtig die Palästinaschulen, in denen Hebräisch Unterrichts- und Verkehrssprache ist. In der Debatte ergreifen mehrere Vertreter des Misrachi, in der Hauptsache die Rabbiner Beermann, A m i e l und F i s ch m a n n aus Palästina, das Wort und protestieren gegen den unjüdischen Geist in vielen Schulen, gegen Attentate aus die Religion, die von Lehrern unter dem Deckmantel der freien Bibelforschung vor den Augen der unschuldigen Kinder täglich verübt werden. Mittels der Bibelkritik wird in Palästina die schlimmste Assimilation betrieben^ Die Antwort auf diese Proteste blieh aus. Statt dessen ergehen sich Mossinsohn und Br einin in Lobpreisungen des Palästinakulturwerkes und zum Schluß hält Dr. Klee eine lange Agitationsrede, in der er, ohne auf die Mängel und Ausstände einzugehen, unter großem Beifall der Mehrheit alle Gemeinden der Welt aussordert, für dcis Erziehungswerk in Erez Jisroel Beiträge zu leisten. Die Schlußsitzung begann Montag abend 10 Uhr und dauerte ohne Unterbrechung bis morgens 6 Uhr. Mit sichtlicher nervöser Hast, aber ohne Ermüdung wurden die Traktanden nacheinander erledigt. Weizmann halle nicht ganz unrecht, als er in seiner Abschiedsrede hervorhob, daß der Kongreß in wenigen Tagen ein Arbeitspensum zu bewältigen hatte, für das sich ein europäisches Parlament mehrere Monate Zeit läßt. Nicht weniger als 15 Resolutionen der politischen Kommissionen wurden in dieser letzten Nachtsitzung angenommen. Eine Resolution betrifft das friedliche Zusammenarbeiten mit den Arabern und findet Beifall und einstimmige Annahme. Eine andere Entschließung fordert die Exekutive auf, die zionistische Arbeit in Sowjetrußland, Ungarn und Marokko zu ermöglichen, ein frommer Wunsch, dessen Erfüllung natürlich nicht an der Exekutive liegt. All diese Resolutionen, die weniger tief in das Wesen des Zionismus einschneiden, gehen kampflos durch. Die Kampfstimmung fetzt erst ein, als die Anträge betreffend die Universität verlesen werden. Vertreter des Misrachi bringen Zusatzanträge ein, um einige Sicherung gegen Verletzung religiöser Fundamentalanschuungen in der Universität zu schaffen, sie werden aber alle glatt gegen die Stimme des Misrachi, abgelehnt. Darauf verlassen die Delegierten des Misrachi ostentativ den Saal. Es genügt aber alsdann eine Erklärung des Präsidenten, daß die Ablehnung nicht antireligiöser Tendenz entsprungen sei, daß die Misrachivertreter bald daraus sämtlich wieder erscheinen und ihre Plätze einnehmen. Das Palüstinabudget, das die Ziffer von 600000 Pfund aufweist, wovon mehr als ein Drittel für die Landwirtschaft vorgesehen ist, wird einstimmig angenommen. Neue Stürme entstehen, als man gegen Morgen zu den Wahlen schreitet. Für den Permanenzausschuß erklärt Oberrabiner Dr. C h a j e s dessen Beschluß, die Bildung der Exekutive Weizmann und Sokolow, die ihre eigene Wiederwahl angenommen haben, in die Hand zu legen. Das Aktionskomitee habe seine Wahlen innerhalb von drei Monaten vorzunehmen. Dagegen spricht sich die ganze Linke entschieden aus. „Poale Zion" und „Zeire Zion" forderten kategorisch, daß, wie es in allen Parlamenten der Welt üblich ist, die gesamte Exekutive vom Kongreß gewählt werde. Ihre zum Teil sehr stürmischen Proteste bleiben unbeachtet. Der Antrag des Permanenzausschusses wird mit 142 gegen 35 Stimmen, angenommen. Da Weizmann schon vorher abreisen mußte, schließt Sokolow kurz nach 6 Uhr mit einer kurzen Rede den Kongreß, in der er noch mitteilt, daß anläßlich des 80. Geburtstages von Baron Edmund Rothschild eine Landwirtschaftliche Fakultät an der Jerusalemer Universität errichtet werden soll und daß Schritte getan werden, die Gebeine Herzls nach Palästina zu überführen. Mit den Hatikwahgesängen geht der Kongreß auseinander. - Appell gestrandeter Chaluzim an den Konoretz Wien, 31. August. Die Kongreßsitzung vom Donnerstag abend stand unter dem Eindruck einer Deputation von etwa 300 jungen Chaluzim, die in Wien gestrandet waren und nicht weiter nach Palästina kommen können. Die Chaluzim enrandten eine zehngliedrige Abordnung an das Präsidium. Da Weizmann nicht anwesend war, empfing Sokolow die jungen Leute und erklärte ihnen, die Exekutive werde alles tun, um die Wünsche nach außertourlichen Einreisebewilligungen nach Palästina zu erfüllen. Die Abordnung dankte für die Erklärung. Der Aufmarsch der Chaluzim wurde von der Polizei und von einem Teil der Presse so gedeutet, als ob die jungen Leute von den Kommunisten aufgehetzt worden wären. Das Kongrehbüro sandte deshalb eine Mitteilung an das Polizeipräsidium und an die Wiener Presse, in welcher erklärt wird, die Kundgebung der Chaluzim habe nichts mit Kommunismus zu tun.

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