Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 36 (3.9.1925)
- Date
- 1925-09-03
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 20 Nr. 36 ___ Grabski erfolgen zu lassen. — Man erinnert sich gut der eigenmächtigen Verhandlungen Wigodzkis mit Minister Tyugut, die auf eine Preisgabe aller orthodoxen Interessen hinausgingen. SttmSttUtt. Eine Äabinettsfihung in Bukarest über die ankisemitischen Unruhen. Bukarest, 15. August. Am 9. August wurde eine Ministerialsitzung abgehalten, die sich speziell mit der neuen antisemitischen Welle und der Rolle Pros. Cuzas beschäftigte. Alle Minister waren der Ansicht, daß die Behörden nicht das getan haben, was notwendig gewesen wäre, um die Ausschreitungen im Keime zu ersticken. Der Ministerrat beschloß, daß in Hinkunft mit der äußersten Energie sorgt gangen werden solle, um bei der Bevölkerung die Ansicht nicht aufkommen zu lassen, daß die Regierung im Bunde mit den Cuzisten stehe. Laut „Dimineatza" zeigte sich Ministerpräsident Bratianu, der persönlich in Focsani war, und die dortige Atmosphäre als besorgniserregend gesunden hat, besonders empört. Er stellte eine Lockerung der Disziplin und ein Schwinden des Respektes vor Gesetz und Behörden fest. Die nach dem Ausland dringenden Nachrichten über die antisemitischen Exzesse können gerade jetzt, wo Unterhandlungen, die die Lebensinteressen Rumäniens tangieren, im Gange sind, sehr schädlich wirken. Eine Warnung an Cuza wurde erlassen. Ein Appell der Jassyer jüdischen Gemeinschaft. Jassy, 18. August. Die Repräsentanz der Juden in Jassy hat einen Aufruf an die Gesamtbevölkerung erlassen, in welchem es unter Hinweis auf die unaufhörlichen antijüdischen Ausschreitungen heißt: „Die jüdische Bevölkerung, die in ihrer Menschenwürde und in ihrer materiellen Existenz allerlei Zurücksetzungen zu erdulden hat, ist weit davon entfernt, die Unruhestifter zu provozieren. Die jüdische Bevölkerung hat nicht nur niemals etwas getan, was dem Lande Schaden zugefügt hätte, sondern sie war und ist noch ein Faktor, der durch ehrliche Arbeit an dem Aufblühen des Landes teil hat. Diese Arbeit gibt ihr ein Recht auf Achtung seitens aller Mitbewohner. Wir wenden uns daher an alle gutgesinnten Bewohner dieses Landes, die Dinge, die sich hier abspielen, in ihrem wahren Lichte zu betrachten und mit aller Entschiedenheit den Unruhestiftern entgegenzutreten. Wir hoffen, daß der Appell einen Widerhall finden wird." (I. T. A.) Sebweiz. Jüdische Fragen auf der Internationalen Studentenkonferenz in Genf. Gens, 17. August Die von der Europäischen Studentenhilfe einberufene Internationale Studentenkonferenz wurde durch den Schweizer Bundesrat M. G. M o t t a eröffnet. Anwesend waren 31 Delegationen: die Delegation des Weltverbandes der jüdischen Studentenschaft bestand aus sechs Vertretern, die wiederholt in die Diskussion eingrissen. Der Weltverband der jüdischen Studentenschaft ist in zwei Kommissionen vertreten: in der Kommission für die internationale Zusammenarbeit und in der Kommission für die Hilfe an notleidende Studenten. Gleichzeitig mit dem Kongreß wurde die Internationale Studentenausstellung eröffnet. Die Abteilung des Weltverbandes der jüdischen Studentenschaft gibt mit statistischen Tabellen und Diagrammen ein anschauliches Bild der Auswirkungen des Numerus clausus. England. Die Ica und das Komitee der jüdischen Delegationen. London, 20.August. Der Generalsekretär des Joint Foreign Komitee (Komitee für auswärtige Angelegenheiten) des Jüdischen Deputiertenrates in England und der Vertreter der Jewifh Colonisation Association in Gens, Mr. Lucien Wolf, ersucht die Jüdische Telegraphen-Agentur, folgendes mitzuteilen: Der Vertreter des Komitees der jüdischen Delegationen in Genf, Herr Zwi Aberson, hat während der zweiten jüdischen Emigrationskonferenz in Berlin mitgeteilt, Herr Lucien Wolf hätte in einer Sitzung des Der 5 s rael t t Nansen-Komitees für Flüchtlinge im Namen der Ica einer Repatriierung der russischen Flüchtlinge das Wort geredet und fei dadurch zu Herrn Albert Thomas und Herrn Aberson in Gegensatz getreten, die sicy gegen eine Wiederkehr der russischen Flüchtlinge ohne entsprechende Garantien ausgesprochen haben. Mr. Luicen Wolf erklärt, er habe niemals, den Plan einer Flüchtlingsrepatriierung ohne Garantien vertreten und zwischen ihm und Herrn Albert Thomas bestand diesbezüglich keinerlei Meinungsverschiedenheit. Ob zwischen Herrn Wolf und Herrn Aberson Uebereinstimmung herrscht oder nicht, könne Herr Wolf schwer sagen, da — wie aus dem offiziellen Protokoll der letzten Sitzung des Nansen-Komitees ersichtlich — Herr Aberson sich an der Debatte nicht beteiligt hat. (Dazu ist zu bemerken, daß Herr Aberson, als er von den erwähnten gegensätzlichen Auffassungen sprach, sich nicht direkt aus die l e tz t e Tagung des Nanfen-Flüchtlingskomitees bezog. Red. der I. T. A.) patäfHim. Brief aus Palästina. Jerusalem, 20. August. Es ist erfreulich, daß frühere Niederlassungen, die der Weltkrieg fast vollkommen vernichtet hatte, allmählich zu neuem Leben erwachen. Wie aus Liberias berichtet wird, sängt das in Obergaliläa am sogenannten „Baume des Rabbi Schimon ben Jochai" sich befindende Dorf P e k i i m an, sich langsam zu erheben. Vor dem, Krieg war dort ein blühendes jüdisches Gemeinwesen und bildete auch mit seiner guten Luft und günstigen Wasseroerhältntssen ein Anziehungspunkt für den Sommeraufenthalt vieler Städter. Mit dem Kriege und in der Nachkriegszeit trat eine furchtbare Krisis ein, die die jüdische Gemeinde fast vollkommen ruinierte. Die Zionistsche Organsation rührte keinen Finger für den Wiederaufbau. Misrachi bewilligte einen geringen Betrag für eine kleine Schule mit einem Lehrer. Nun hat sich dort auf Veranlassung des neuen Lehrers Benzion Levy ein Komitee gebildet mit dem Ziele, Pekiim materiell und geistig auszubauen. Zunächst sollen Synagoge und die Schule wieder hergestellt werden und man hofft, daß sich die palästinensische Judenheit an diesem Aufbauwerke beteiligt. Aus Galiläa wird bitter geklagt über Gesellschaften, die täglich wie Pilze nach dem Regen aus dem Boden schießen und unter Ausnutzung der Unerfahrenheit ^er Einwanderer Bodenwucher in schlimmster Weise betreiben. Auf diese Weise ist der Boden in der Umgegend von Tiberias im letzten halben Jahr um 200 Prozent gestiegen. Es sei nicht richtig, daß man immer gegen die Agenten herzieht, die die reinsten Waisenkinder im Vergleich zu diesen Spekulationsgesellschaften sind. Die Kolonie „Newe Jakob" zum Andenken an den früheren intellektuellen Führer des Misrachi Rabbi Jizchok Jakob Reines zeigt ein gewisses Aufblühen. Der „Doar Hajom" verzeichnet die Tatsache, daß weder Nationalfonds noch Keren Hajeffod irgend welchen Anteil an dieser Kolonie haben. Die Kolonie dankt ihr Entlehen und ihr Aufblühen einzig den Mitgliedern des „Misrachi Hazair" in Palästina, die aus ihrer Tasche den Boden bezahlt haben. Die ersten zehn Häuser konnten errichtet werden dank einem zinslosen Darlehen des Herrn Schnur, der die Hälfte des erforderlichen Betrages gleich zur Verfügung gestellt hat. Aus die anderen im Bau begriffenen Häuser werden Hypotheken ausgenommen. Der Arbeiterrat aus Haifa proklamierte den Boykott aller durch Misrachi ausgesührten Bauten als Protest gegen die Misrachi-Kanzlei, die angeblich Streikbrecher beschäftigte. Auf der anderen Seite werden sich die Maurer und Arbeiter Tel Awiws mit einem Aufruf an die Oeffentlichkeit, in dem diese um Hilfe und Schutz gegen den Terror von Seiten der Jassaer Arbeiter angerufen wird. Es herrscht in weiten Kreisen große Verstimmung, daß die Regierung die Genehmigung zur Einreise von Verwandten hiesiger Eingesessener in letzterer Zeit vielfach verweigert hat. Man ist freilich in der nervösen Unruhe infolge des Personenwechsels im Oberkommissariat leicht geneigt, in jeder mißliebigen Amtshandlung eine Kursänderung zu erblicken. Infolge eines Baueinsturzes in T e l A w i w sind neun Personen ums Leben gekommen. Es handelt sich um das Cafe „Bar Kochbah" im Viertel Benjamin. Zwei Läden und vier Zimmer wurden vollkommen vernichtet. 3. September 1926 Lord Plumer in Palästina. Jerusalem, 27. August. Der neue Oberkommissar Lord Plumer ist am 25. August in Palästina eingetrofsen. — In Jerusalem zirkulieren in jiddischer und arabischer Sprache Proklamationen der Kommunisten, in denen gegen die „Militarisierung Palästinas", die sich angeblich in der Ernennung des Feldmarschalls Lord Plumer zum Oberkommafsar kund gibt, protestiert wird. — Die arabische Zeitung „Al Mokattam" meldet aus Kairo, daß demnächst 15 000 britische Soldaten in Palästina eintreffen werden. Die Zeitung sieht darin eine.Bestätigung der Annahme, das Palästina ein Militärzentrum des Nahen Ostens werde. Das Zentralkomitee des palästinensischen Eisenbahnarbeiterverbands beschloß, alle Mitglieder der „Frakziah" (kommunistische Arbeitergruppe) wegen ihrer Spaltungstendenzen aus dem Verbände auszufchließen. Jerusalemer Brief. (Bon unserem Korrespondenten.) Die Wassernot. — An Mutter Rahels Grab. — Warschau- Palästina in 4 Tage». — Neue landwirtschaftliche Schule. - Das Strettsteber. — Proteste gegen das Krimprojett. — Poale Agudas Jisroel. — Agudistische Arbeiterküche. Jerusalem, 26. August. Die Wasserkalamität hält an. Doch läßt die Jerusalemer Stadtverwaltung jetzt erklären, daß die Gerüchte über angebliche Einstellung der Zuteilung von Wasser für Bauzwecke aus Unwahrheit beruhen. Die Proteste der jüdischen Bevölkerung haben es ferner zu Wege gebracht, daß in die Kommission für Wasserverteilung zwei Juden kooptiert wurden. Das Grab der Mutter Rahel, das während des ganzen Jahres geschloffen ist,, wird von Rosch Chaudesch Clul bis Erew Jom Kippur geöffnet sein. Die Zahl der Besucher ist sehr groß und eine starke Abteilung von Polizeimannschaften hält die Ordnung aufrecht. Die starke Einwanderung aus Polen hat auf Mittel und Wege sinnen lassen, um die Verbindung z w i s che n Polen und Palästina zu verbessern. Ein jetzt in Ausarbeitung befindliches Projekt sieht für die Fahrt von Warschau nach Jaffa nur 4 Tage vor. Man fährt in zwei Tagen Eisenbahnfahrt über Wien, Belgrad, Athen und Saloniki, und von Saloniki in weiteren zwei Tagen mit dem Schiff nach Palästina. In Rlschon le Zion wird demnächst eine landwirtschaftliche Schule mit zweijähriger Lehrzeit geöffnet. Der Jassaer Arbeiterrat hat wieder einmal mit seiner berüchtigten Streikorganisation begonnen. Täglich wird in Tel Awiw ein anderer Streik proklamiert. Diejenigen Arbeiter, die der Histraduth nicht angehören wollen, weil sie in dieser Streikpolitik eine unverantwortliche Störung der Aufbauarbeit erblicken, werden als Verräter gebrandmarkt und zur Arbeit nicht zugelassen. Häufig kommt es zu Zusammenstößen und Schlägereien. Der Verband der Bauarbeiter hat die Regierung um ein Einschreiten gegen die „Histraduth" gebeten, die durch ihre Taktik die Entwicklung der Bautätigkeit stört. Am letzten Sabbath fand in Tel Awiw eine große Protest Versammlung gegen das Krimprojekt statt. Die Versammlung, an der 2000 Personen teilnahmen, erklärte in einer Resolution die Ansiedlung von Juden in Sowjetrußland für ein politisches und moralisches Unglück, das zugleich zur Zersplitterung der jüdischen Kräfte und zur Schädigung des Palästina aufbaues führe. Die Poale Agudas Jisrd el in Tel Awiw haben vorige Woche ein A r b e i t v e r mi ttlungs - Büro eröffnet. Die Zahl der Mitglieder der Poale Agudas Jisroel in Tel Awiw beträgt, über 200. Darunter befinden sich 18 Maurer, 20 Ziegelarbeiter, 4 Schriftsetzer, 9 Maler, 12 Tischler, 5 Schlosser/6 Installateure und Elektrotechniker, 7 landwirtschaftliche Arbeiter, 2 Eisenarbeiter und 1 Gerber. Die Ortsgruppe der Poale Agudas Jisroel in Jerusalem hat diese Woche mit Unterstützung der Palästina- Zentrale der Agudas Jisroel in Frankfurt a. M. eine Arbeiterküche für ihre Mitglieder eröffnet. Literarische Itoft;. Herr Rabbiner Dr. Heppner (früher in Kofchmin) ein hochverdienter Gelehrter und n"r>. dessen historische Arbeiten über die alten posenschen mbnp Ihnen sicher bekannt sind, bat soeben wieder nach mehrjähriger Pause seinen jüdisch-geschichtlichen Abreißkalender herausgegeben. Der gut eingesührte Kalender bedarf kaum einer weiteren Empfehlung.