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Der Israelit · 1925-09-03 · Heft 36 (3.9.1925) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 36 (3.9.1925)
Date
1925-09-03
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 36 Seite 17 3. September 1925 Horrcspondcnze* « Racbricbttn Deutsche» Reich Die Deutschtreue^ -er Juden im besetzten Gebiet. Berlin, 27. August. Dem „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" wird ,,us Saarbrücken geschrieben: Daß die Juden an der Grenzmark, im Saargebiet, in keiner Weise ihren Brüdern im unbesetzten Deutschland nachstehen und sich •an Vaterlandsliebe und Anhänglichkeit an Deutschland von niemandem übertreffen lassen, bewies der erhebende Verlauf der Jahrtausendfeier im ganzen Saargebiet und insbesondere in Saarbrücken. Es fand ein feierlicher Festgottesdienst in der Synagoge statt. Rabbiner Dr. Jacob hielt die Festpredigt. Im Anschluß an das Wort des Propheten Jeremia: „Suchet das Wohl des Landes, in das ich Euch geführt habe und betet dafür zu Gott, denn in seinem Wohl liegt Euer Wohl", zeigte er, was der Rhein dem deutschen Volke bedeutet als ein herrliches Gut der Natur, der Kultur und der Geschichte. Am Rhein haben sich Deutschtum und Judentum, die sich in vielem verwandt sind, gefunden und verbunden. Ein Symbol dafür ist, daß viele der schönsten und beliebtesten Rheinlieder von Juden gedichtet sind. Der Redner schloß mit dem Wunsche, daß der Rhein nicht der Schauplatz eines neuen Krieges werden möge, sondern eine Brücke darstellen soll zwischen den großen Nationen Europas. „Rhein und Saar ewig deutsch." In dieses Gelöbnis der Jahrtausendfeier stimmen auch die Saarbrücker Juden freudig ein. Die jüdischer Einwohner beteiligten sich durch Ausschmückung ihrer Häuser, sowie ganz besonders durch sehr schöne Schausensterdekorationen und festliche Beleuchtung während der Nacht in hervorragender Weise am Verlauf des Festes. Oylairteirausweisuirgeir und Ostjudenh^tz-r. B e r l i n, 28. August. Die reaktionär-antisemitische Presse fährt in ihrer Hetze gegen die Ostjuden in Deutschland fort und will ihre Leser glauben machen, daß die deutsche Regierung das Recht und die Pflicht hätte, als Entgelt für die Ausweisung deutscher Optanten aus Polen die in Deutschland weilenden polnischen Juden auszuweisen. Die „Deutsche Zeitung" und die ihr gesinnungsverwandten Blätter sprechen davon ,daß die internationalen jüdischen Beziehungen am Werke sind, um die deutsche Regierung zurückzuhalten, die notwendigen Schritte zu tun. Tatsache ist aber, daß auf Grund des Wiener Abkommens Deutschland und Polen das Recht erhielten, gegenseitige Optanten des Landes zu verweisen. Schlachtmethoden im Schlacht- und Mehhof. München, 26. August. In der Freitagsitzung des städtischen Hauptausschusses tarn es auf Grund des Berichtes des Untersuchungsausschusses und der dazu von der Schlacht- und Viehhofdirektion gemachten Vorschläge zu einer eingehenden Aussprache über die Schlachtmethoden im Münchener Schlacht- und Viehhof. . Schlachthofdirektor Dr. Opel erklärte in Sachen des Schächtens, die Stadt sei gar nicht in der Lage, das Schächten zu verbieten, da dem gesetzliche Bestimmungen entgegenständen; die Frage greife hinüber ins religiöse und staatsrechtliche Gebiet. In Sachsen habe das Schächtverbot 30 Jahre bestanden, habe aber wegen der entgegenstehenden gesetzlichen Vorschriften aufgehoben werden niüssen. Er müsse feststellen, daß München in der Schächtfrage an der Spitze aller deutschen Städte stehe und zwar insofern, als München die einzige deutsche Stadt sei, die das Schächten nach dem Anteil der jüdischen Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung kontingentiere. In München würden 1 bis 2 Prozent alles Schlachttiere geschächtet, während in anderen Städten bis zu 30 Prozent bei nur 3 Prozent der jüdischen Bevölkerung geschächtet werden. München habe auch eine scharfe Kontrolle beim Schächten, wie sie keine andere Stadt besitze. Dr. Opel meinte weiter, daß ungleich mehr Tierquälerei als das Schächten ber Iransport der Tiere verursache. Es sei unangebracht und verkehrt, die Bevölkerung aufzufordern, sich durch eine Besichtigung Der I s r a e l 11 _ der Schlachtvorgänge ein eigenes Urteil zu bilden. Menschen, denen die nötige Sachkenntnis und die Nerven fehlten, sich ein objektives Urteil zu bilden, sollten dem Schlachthof fernbleiben. Die Reflexbewegungen seien Verblutungskrämpfe ohne Bewußtsein und Willen der Tiere. Die Herztätigkeit des Tieres müsse erhalten bleiben, damit es ausbluten könne. Dazu gehörten die Zuckungen. Die Erhaltung der Herztätigkeit zum Ausbluten sei auch der tiefste Sinn des Schächtens. Dr. Opel erzählte dann noch einen Fall, der sich vor 14 Tagen ereignet hat. Zwei Büffel sollten geschlachtet werden. Fünf Schüsse wurden auf die Tiere abgegeben, sie blieben ruhig stehen. Der eine Büffel erhielt dann 12, der andere 15 Schläge, ohne Erfolg. So blieb nichts anderes übrig, als ihnen die Halsschlagader zu durchschneiden, a l s o z u s ch ä ch t e n. Dr. Opel erklärte, daß bei aller Vorsicht doch immer wieder Szenen Vorkommen werden, die vom Standpunkte des Tierschutzes aus zu beanstanden sein werden. Marburger Brief. Marburg, 27. August. Was Heidelberg, Freiburg und Tübingen für Süddeutschland sind, ist Marburg für Norddeutschland. Namentlich im Sommersemester wimmelt es hier immer von Studenten. So sind auch jetzt wieder zirka 2000 Studenten in unserer Musenstadt. Selbstverständlich gibt es auch jüdische Studenten hier, doch sind diese in den letzten Jahren infolge der politischen Ereignisse nicht hervorgetreten. Früher bestanden hier außer der V. I. A. noch eine K. C.- und sogar eine zionistische Verbindung: heute ist nur noch die V. I. A. vorhanden, und auch diese ist leider zurückgegangen. Selbst im Wintersemester zählte sie noch mehr Mitglieder. Dieser Rückgang an jüdischen Studenten ist sehr zu bedauern, und es ist zu hoffen, daß dies bald überwunden sein wird, da der Antisemitismus nicht mehr an die Oeffentlichkeit tritt. Dem Lehrkörper der Universität gehören vier Israeliten an: die Professoren Fraenkel (Mathematiker), Spitzer (Romanische Philologie), Friedländer (Klassische Philologie) und Jaobsohn (Allgemeine und indogermanische Sprachwissenschaft). Doch nicht nur für Studenten, auch für Schüler und junge Damen ist hier gesorgt. Es besteht hier das „Israelitische Schüler- und Lehrlingsheim", das von Rabbiner Dr. Leo Munk s. A., Geh. Reg. Hermann Cohen s. A. und Heinrich Eichelberg vor ungefähr 25 Jahren begründet wurde. Dieses Heim dient in erster Linie dazu, jüdische Knaben vom Lande auszunehmen, damit diese hier eine höhere Schule besuchen und ihre religiösen Kenntnisse erweitern können. Seit seiner Gründung bis jetzt stand das Heim unter der bewährten Leitung von Herrn Oberlehrer Bergel, der dieser Tage in den wohlverdienten Ruhestand getreten ist. Sein Nachfolger wurde Herr Witt aus Breslau, bisheriger Direktor der dortigen israelitischen Volksschule. Anläßlich dieses Wechsels der Heimleitung fand eine sehr würdige Feier statt. Für junge Damen ist insofern gesorgt, als hier ein Pensionat unter der Leitung von Frau Rosa Eichelb e r g besteht. (Friedrichstraße 7.) Was nun das Gemeindeleben anlangt, habe ich als Außenstehender natürlich noch keinen richtigen Einblick in der kurzen Zeit meines Hierseins erlangen. können. Die Gemeinde als solche ist konservativ und wird auch dementsprechend geleitet. Sie besitzt eine Volksschule, und zwei Lehrer, wovon der eine Herr außerdem Kantor, der andere Schachet ist. Marburg ist eine glückliche Stadt, denn es gibt hier nur drei Zionisten: einen orthodoxen Mathematikprofessor, einen Fabrikdirektor und eine Dame. Alle anderen Marburger gehören dem Zentralverein und der Agudas Jisroel an, die erst letzthin durch den Vortrag des Herrn W. Jacobson einen Erfolg buchen konnte. Hoffentlich zeigt sich auch recht bald der materielle Erfolg. (Hoffentlich, meine lieben Marburger und Marburgerinnen.) Dem Preußischen Landesverband ist Marburg nicht angefchloffen, ebenso nicht dem Bund gefetzestreuer Gemeinden. Eine Achduthgruppe besteht hier ebenfalls nicht. Es ist also für redegewandte Herren noch ein Arbeitsfeld da, und vielleicht werden wir demnächst mit drei solchen Herren beglückt, denen ich aber nach allem, was ich bislang hier gehört habe, keine Motzen Hoffnungen mache. Sollte einer aber dennoch Erfolg haben, so würde ich ihm zur Belohnung meine Anerkennung geben und ihm einen Artikel im „Israelit" widmen (unter dem Strich). Der 14. Zionistenkongretz. Wien, 27. August. Sonntag vormittag gegen %10 Uhr eröffnete Motzkin die achte Sitzung. Geplant ist Fortsetzung der Generaldebatte, da sich aber keiner zu Wort meldet, wird den einzelnen Referenten das Wort zu ihren in der Tagesordnung vorgesehenen Referaten erteilt. Als erster spricht Professor Dr. Pick über die Einwanderung in Palästina. Er spricht sich sehr optimistisch über den Gang und die Zukunft der Immigration aus. Im ersten Halbjahr 1925 sind 21000 Einwanderer ins Land gekommen und die Zahl wird sich bis zu Ende des Jahres auf mindestens 40 000 erhöhen. Es ist den A r b e i t e r n anzuerkennen, daß sie ohne Rücksicht auf die Arbeitslage die Einwanderung unterstützen. Was die neuen Gesetze für die Alijah betrifft, so habe die Exekutive sowohl in London wie in Jerusalem alles getan, um ein Maximum zu erreichen. Eine Reorganisation der Palästinaämter sei beim Anwachsen der Einwanderung nicht mehr zu umgehen. Professor Pick bespricht noch zum Schluß die Frage des Mittelstandes, die mit der der Einwanderung eng zusammenhängt. S p r i n z a k erstattet nun seinen Bericht über die Tätigkeit der zionistischen Organisation in Palästina auf dem Gebiete der Arbeit. Jetzt arbeiten 2500 Arbeiter in Kolonien, die Zahl muß wesentlich vermehrt werden. Die Menschen, die aus Nalewki (jüdischer Mittelstand in Warschau) nach Palästina kommen, dürfen nicht unterschätzt werden. 30—40 Prozent der Arbeiter arbeiten in der Stadt und müssen nach und nach in die Kolonien überführt werden, wenn dort die jüdische Arbeit blühen soll. In weitgehendstem Maße müßten die Kulturbedürfnisse der Arbeiter und Chaluzim befriedigt werden. Die Chassidimansiedlungen in Bnej Brak und an anderen Orten bieten ein erfreuliches Bild, doch warnt er davor, diese bescheidenen Anfänge allzusehr politisch auszubeuten. Als dritter referiert U s s i s ch k i n über den Keren Kajemeth. Die Eingänge sind im letzten Jahre von 83 000 auf 260 000 Pfund gestiegen, und Europa ist mit 63 Prozent daran beteiligt. Es seien aber noch größere Leistungen zur Erlösung des Bodens notwendig. Die Neuerwerbungen an Boden werden, wenn alle Verträge perfekt sind, 300 000 Dunam ausmachen. Der Keren Kajemeth sei nur ein Bodenfonds, aber kein Kolonisationsfonds, der noch geschaffen werden müßte. Nach einigen geschäftlichen Bekanntmachungen ergreift unter peinlicher Aufmerksamkeit des inzwischen vollgefüllten Hauses W e i z m a n n das Wort zur Beantwortung der Einwände, Ausstellungen und Angriffe der Opposition. Er bedauert, nicht auf jedem Kongreß mit einer Sensation dienen zu können. Es ist ein langsamer aber sicherer Weg, auf dem man Schritt halten muß mit den gegebenen Möglichkeiten. Amery ist, trotz seiner Aeußerung von der Unmöglichkeit der jüdischen Majorität in Palästina, ein Freund der zionistischen Sache. Die Foroerung nach jüdischen Beamten in Palästina ist berechtigt. Wenn man aber auf dem Kongreß andauernd über die jüdischen Beamten hexfällt und Uebergriffe Einzelner ausbauscht und verallgemeinert, so kann dieses gewiß nicht dazu führen, den jüdischen Beamtenstab zu vermehren. Bei Anstellung des Oberkommissars ist die Jewish Agency nicht gefragt worden, wozu die englische Negierung auch nicht verpflichtet war. Wir konnten nur verlangen, daß als.Oberkommissar nach Palästina ein Mann geschickt wurde, der mit der Mandatspolitik sympathisiere, was bei Lord Plumer zutrifft. Die gleichen Elemente, die ihn. Weizmann, seinerzeit mit Vorwürfen überschütteten wegen der Politik Samuels, seien ungehalten, daß er, oder die Agency, Samuel fallen ließen. Daß die Immigration überhaupt möglich ist, sei ein Verdienst der Exekutive. Nalewki möge sich in das verwandeln, was wir unter Erez Israel verstehen. Genf habe nicht das richtige Verständnis für die zionistischen Dinge gezeigt. Es würde sich aber darin bessern. Weizmann gibt zu, daß der Kongreß und auch diese seine Rede die Teilnehmer um manche Illusion ärmer machen wird. Er verteidigt ferner seine Arbeit in Amerika. Grünbaum hält er entgegen, daß er selbst das schnelle Vorwärtsgehen verhindert hatte, um jetzt rasche Resultate zu verlangen. Den Vorwurf, den Zionismus irgendwie getrübt und verfälscht zu haben, weist der Präsident weit von sich. Er sei kein Freund der großen Geste und rechne immer nur mit den Tatsachen. Es sei unsinnig, zu be-

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