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Der Israelit · 1925-09-03 · Heft 36 (3.9.1925) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 36 (3.9.1925)
Date
1925-09-03
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Z. September 1925 Der Israelit Nr. 36 Sette 16 Ohren, daß sich fremde schrille Töne nicht in die Reinheit ihrer letzten heiligen Gebete mischten! . . Heute wird an Feiertagen dieser Grohen und Heiligen in grober Seelenfeier gedacht, und es spielt dabei die Orgel aus dem geweihten Dunkel der Empore. In der Stadt Raschis, in der Synagoge des Maharil. In der Lade ruht eine alte, heilige Rolle des Maharam ... Solche Geschmacklosiigkeit, solche Sünde gegen den gesunden Sinn und das ästhetische Empfinden!" räsonnierte ein Mann neben mir, ein Fremder, in Loden und Rucksack und huilos. Ein Mann, der, wie er sagte, „alles überwunden hätte," sich aber über die Slilwidrigkeit, die technische Disharmonie, diesen Reformvandalismus ärgerte. Mit wehem Herzen verlieb ich das alte Gotteshaus und hätte am liebsten noch einmal Trost zwischen dem Gestein und Geröll der alten Gräber gesucht, wo frisches jüdisches Leben erblüht und erglüht für Israels Gemeinden auf dem weiten Erdenrunde. In der Stadt Raschis allein ist das jüdische Leben begraben — auf dem alten jüdischen Friedhofe . .; Uinderecke. Erzählungen und Fabeln aus Hebräischen Lesebüchern. Auf dem Berg Sinai. Als unser Lehrer Moses aus dem Berg Sinai sab, hörte er plötzlich einen Vogelschrei. Er stand eilig auf, schaute sich um, und sah, wie ein Adler einen kleinen Vogel verfolgte. Die Flügel des Adlers waren gewaltig, und seine Krallen sehr scharf und schon warmer nahe daran, den Körper des kleinen Vogels zu erfassen. Der Vogel nahm seine ganze Kraft zusammen und floh vor dem Adler, aber allmählich verlieb ihn die Kraft, die leichten Flügel wurden schwach, er fiel zur Erde und lieb ein wehmütiges Stimmchen erschallen. Der Adler senkte sich rasch zur Erde und schlug seine Nägel in den Körper des Vogels, um ihn in sein Nest zu bringen, als Nahrung für feine Iungen. Da rief Moses mit so lauter Stimme, dab es wie Donner scholl: „Du sollst nicht morden!" Als dieser laute Ruf gehört wurde, erlichte der Berg Sinai, erzitterte die Erde, erschraken die wilden Tiere, und selbst der Raubvogel erschrak und ließ von dem kleinen Vogel ab, den er Mischen seinen Krallen hielt. Und ' der unglückliche Vogel fiel zu Fub des Berges nieder. Da hob unser Lehrer Moses den Vogel eilig auf, nahm ihn, drückte ihn vor Liebe und Erbarmen _ an sein Herz. Er erwärmte mit seinem warmen 'Atem den kalten Körper und leckte mit der Zunge die Wunde aus, bis sich Leben in seinem Körper zeigte. Als der Adler das sah, flog er eilig in sein Nest, nahm seine hungrigen Jungen heraus, brachte sie auf den Berg Sinai und legte sre vor unserem Lehrer Moses nieder. Die kleinen nackten Jungen waren sehr hungrig, öffneten ihre Schnäbelchen und schrieen klagend. Der Adler stand dabei, schaute auf seine Iungen und bei jedem Schrei aus ihren Schnäbeln wurde er aufgeregter und sein Kummer wuchs. Da rief der Adler Moses zu: „Ach, Gottesmann, warum nahmst du meinen hungrigen Kindern ihre Nahrung? Da hatte unser Lehrer Bilder aus Worms Grab des Alexander Süßktnd Grab des Rabbi Meir von Wimpfen von Rothenburg Moses Mitleid mit. dem Adler, nahm ein Messer, schnitt sich damit ein Stück Fleisch aus seinem Arm, lieb es die hungrigen Iungen fressen und gab ihnen sein Blut zu trinken. Rabbi Akiba. Rabbi Akiba war in seiner Kindheit ein armer Knabe. Er weidete die Herde eines reichen Mannes, namens Kalba Sabua. Dieser Bilder aus Worms Die alte Synagoge hatte eiine schöne und kluge Tochter namens Rahel. ■ Rahel sah, dab der arme Hirt brav und fleibig war. Sie sagte zu ihm: „Für jemanden, der so fleibig ist wie du, wäre es besser, statt auf dem Felde zu sitzen und auf das Geräusch der Herde zu wachen, in eine Lehranstalt zu gehen und dort kluge Worte der Lehre zu hören. Dann kannst du, wenn du grob bist, klug und gelehrt werden. Der Hirt antwortete ihr: „Ich schmachte nach Thora und Wissen, doch habe ich keine Mittel, die Reise zu machen. „Die gebe ich dir," antwortete Rahel. „Ich darf von dir nichts annehmen." sagte der Hirt, „denn dein Geld gehört nicht dir. sondern deinem Vater, wie kann ich ohne sein Wissen Geld von dir annehmen?" Rahel hatte lange, weiche, lockige Haare, die vom Scheitel bis zu den Knöcheln herabhingen, und wenn sie einherging, hatte es den Anschein, als ob Wellen leuchtenden Oels vorüberflosien. „Ich werde meine Zöpfe abschneiden, sie verkaufen und den Erlös daraus dir geben," sagte Rahel zu ihm. „Bist du damit einverstanden? Die Haare sind doch wenigstens mein Eigentum." „Wenn du das tust, gehe ich ins Lehrhaus." „Und weim du zurückkommst?" „Dann kehre ich zu dir zurück und heirate dich." Rahel verkaufte ihre Haare, der Hirt brachte feine Herde in den Stall und suchte sich ein Lehrhaus. Kalba Abua erfuhr, was Rahel gemacht hatte und geriet so in Zorn, dah er sie aus seinem Haus vertrieb. Da verdingte sich Rahel, die Tochter des reichen Mannes, als Magd, spann, webte wollene und leinene Gewebe und ernährte sich kümmerlich. So vergingen sieben Jahre und Akibah, der Hirt, wurde ein grober Gelehrter. Man nannte ihn Rabbi Akiba und er hatte schon viele Schüler. Da kehrte er in seine Stadt zurück, und seine Schüler folgten ihm. Kalba Sabua hörte, dab ein grober Gelehrter in die Stadt gekommen sei. Er drängte sich unter die Menge und trat vor ihn. „Rabbi, ich habe eine einzige Tochter, die sich mit einem ganz ungebildeten Hirten verlobt hat. Ich vertrieb sie aus meinem Haus und tat ein Gelübde. ihr nichts von meinem Oermögen zu hinterlassen. Jetzt tut sie mir lech,- denn sie ernährt sich kümmerlich. Was soll ich tun. darf ich meinen Schwur brechen?" Da antwortete ihm der Weise: „Wenn du wüßtest, dah der .Hirt kein ungebildeter Mann ist, hättest du dann das Gelübde getan?" Da antwortete ihm Kalba SabuachchIch gelobte nur, dab ich von meinem Vermögen meiner Tochter dann nichts gebe, wenn sie sich mit dem unwissenden Hirten verlobt. Hätte er nur einen Abschnitt, ja nur einen Satz gewußt, dann würde ich e"s nicht gelobt haben." „Und weiht du, wo dieser Hirt ist?" „Würde ich wissen, wo er ist, so würde ich Lehrer für ihn anstellen, die ihn Thora lehrten." „Ich bin es, Akibah, der Hirt, kennst du mich denn gar nicht wieder." Da siel Kalba Sabua aus sein Angesicht, kühle die Säume seines Gewandes und rief ihn an „mein Lehrer, mein Fürst."

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