Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 36 (3.9.1925)
- Date
- 1925-09-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 36 Sette 3 3. September 1925 dereit -finden, außer der Erwerbung der Mitgliedschaft für ihre Pfleglinge, gelegentliche Beihilfen zu spenden. Um der solchermaßen aufzubauenden G esamtorganisation eine möglich st gefestigte Grundlage zu geben, könnten ferner folgende Maßnahmen erwogen werden: 1. Die Krankenv ersicherungsanstall, die nach dem Muster bereits bestehender ähnlicher prioa.er Einrichtungen zu bilden wäre, könnte den etwaigen Anschluß an eine ebensolche erwirken (z. B. an die Barmema; die Allgem. Kranken-Vers. A.-E. in Köln; die Gemeinnützige Krankenh'lfe und dergl.) Natürlich wird es erforderlich sein, vor Abschluß eines derartigen Abkommens über die solide Fundierung der in Anspruch zu nehmenden Gesellschaft Gewißheit zu erlangen.' Ein solches. den Anschluß an eine andere Krankenversicherungsanstalt bezweckendes Abkommen sollte indessen lediglich . eine' vor,übergehende Maßnahme darstellen, bis eine genügende Teilnehmerzahl die eigene Selbständigkeit gestattet. 2. Die Aufnahme einer Rückversicherung bei einer der allgemeinen .Versicherungsgesellschaften, bezw. bei einem Versicherungs-Konzern. 3. Die Angliederung weiterer Versicherungszweige (außer der Krankenversicherung) andie eigene Organisation: (Lehens-, Unfallusw. Versicherungen). 4. Die Aufnahme eines anderen Geschäftsbetriebes (Handelsunternehmen unter dem Namen einer besonderen Firma), z. B. Nährmittelvertrieb, mediz. Einrichtungen und Instrumente, Krankenpflegeart ikel. 5. Die Erlangung von Bevorschussungen durch Gönner. Wie berei s zu Beginn dieser Niederschrift dcagelegt wurde, sollten die Eingänge aus beiden Bewirtschaftungs gruppen fick gegenseitig ergänzend, den gemeinsamen Versorg un gszw ecken dienen. Demgemäß können bei entsprechenden Ueberschüssen, sowohl aus der Krankenversicherung Mittel für die Pflegeanstalten, als auch im Bedarfsfälle, aus Zuwendungen der freien Liebestätigteit. Beträge für die Krankenverso-gung bereit gestellt werden. Auch die aus anderen Einnahmequellen der vorerwähnten _ Der Israelit_ Arten resümierenden Ertragnisse sollten im Sinne einer gemeinsamen Bestreitung der Ausgaben Verwendung finden. Als Ausgaben für die Zwecke des HilfsWerkes kommen folgende Leistungen in Betracht: 1. Den Verficherungsteilnehmern werden im Erkrantungsfalle ärztliche Behandlung (bei freier Arztwahl) Arznei und Kräftigungsmittel gewährt. E.forderlichenfalls kommt Krankenhausbehandlung oder Bestreitung der Kosten für Kuraufenthalt in Betracht; ebenso die Aufnahme in die Heil- und Pflegeanstalten. Bei Zahlung eines entsprechenden Zuschusses zur Prämie sollte auch die Auszahlung von Kranken- und Sterbegeldern ins Auge gefaßt werden, damit die Jnstiiu'ion gegenüber anderen dieser Art nicht zurücksteht. Es sollte im übrigen dahin gewirkt werden, daß die Aufnahme der Versicherungsnehmer allgemein ohne ärztliche Untersuchung und die Behandlung ohne Wartezeit erfolgen kann. 2. Aus den Mitteln der Organifa- 1 ion sollen die Heil- und Pflegeanstalten Zuschüsse zu den laufenden Kosten erhalten, um es den Anstalten zu ermöglichen, ihre Betriebe den Erfordernissen gemäß aufrecht zu erhalten. Die Heil- und Pflegeanstalien könnten der Organisation etwa halbjährig Bericht über ihre Budgets zukommen lassen, damit eine Statistik und eine Basis für die von der Organisation hierfür bereitzu-- stellenden Zuschüssen ermöglicht wird. Die Zuschüsse sollen jedoch möglichst jeweils sogleich nach Bedarf der Anstalten erfolgen, damit dringl'che Neuaufnahmen keine Verzögerung erleiden. (Bin irgendwie gearteter Eingriff in die Selbständigkeit der Anstalten sollte selbstverständlich ausgeschlossen bleiben, ebensowenig sollte ihnen in Rücksicht auf ihre allen Gönner das Recht bestritten werden, direkt zugewirsene Beihilfen anzunehmen. 3. Unter Berücksichtigung der jeweiligen Finanzlage der Organisation und der eingehenden Zuwendungen sollte auch die Neuer st ellung von Pflege- und Heilanstalten angestrebt werden. Soviel bekannt, sind für. die Zwecke solcher neu zu errichtenden Anstalten bereits finanzielle Ansätze durch verschiedene Kreise geschaffen, die zur Verwirklichung der Pläne nur der dringend notwendigen geldlichen- Ergänzungen harren. Es wäre zu wünschen, daß durch ein Zustandekommen der Organisation diese Absichten baldige , Erfüllung finden. Manche jüdiichrn Krciie bezw. Einzelpersonen dürften etwa die Zeichnung größerer Zuwendungen davon abhängig machen, daß Heil- und Pflegeanstalten in bestimmten Landesteilen Deutschlands eröffnet werden. In Wahrnehmung solcher ' berechtigten Wünsche darf man etwa auch Schenkungen geeigneter Gebäude und Gelände erhoffen. Ganz allgemein möge betont werden, daß Die ganze Organisation auf religiöser Grundlage ruhen, bezw. in einem Sinne eingerichtet werden muß, daß auch der orthodoxe Jude ohne jedes Gewissensbedenken finanziell daran teilnehmen kann. Mit andern Worten, es müßte dafür gesorgt werden, daß eine Zuweisung von Leidenden an irgendwelche Anstalten durch die Gesamtorganisation nur dann geschehen kann, wenn die betreffende Anstalt rituell einwandsfrei ist. Für die wirtschaftliche Gestaltung der Ausgaben dürste es sich für die Organisation ferner vorteilhaft erweisen, wenn die Verwaltung den Einkauf mancher erforderlichen Gegenstände und Waren in eigene Regie nimmt. Es feien beispielsweise nur genannt: Die Errichtung eigener Depots von fertigen Arznei- und Nährmitteln, die direkt zu Großhandelspreisen von den Produktionsstellen bezogen werden können; die ebensolche Beschaffung von EiNlichtungSgegenständen, mediz. Instrumenten. von Wäsche u. a. m. Sodann sei daran erinnert, daß es der Organisation wohl gelingen würde, für Kuraufenthalt Erkrankter entsprechende Verbilligung bei israelitischen Hotels und Restaurationen sowie bei Logierhäusern zu erzielen. Zum - Kapitel „Werbearbeit" wäre vorläufig zu bemerken, daß außer den üblichen Werbegepflogenheiten sozialer Institu ionen zur Mobilisierung des freien Liebeswirkens, die Werbetätigkeit für die Krankenversicherung sich nach bekanntem Muster der Versicherungsgesellschaften zu gestalten hätte. Aber auch bei Handhabung dieser letzteren Propaganda wäre der chaiitative Charakter der Jnstitu ion nutzbringend in den Vordergrund zu stellen, etwa dadurch, daß z. B. die Funktion der Vrrwaltungsbeamten und Agenten in weiterem Ausmaße ehrenamtlich übernommen würde. Natürlich würde die Agitation auch auf das flache Land auszudehnn»' sein, in der Ichwunden sein. Ehrensache der zuständigen Gemeinden ist es. für Erhaltung der Friedhöfe Sorge zu iragen und die Hebung der Grabsteine zu veranlassen. Die Bekanntgabe der alten Grabstein-Inschriften an das Gesamtaichlo der deutschen Juden in Berlin aehört heute mit zu den Pstichten der jüdischen Gemeinde-Verwaltungen. Und vielleicht haben auch die Landrabbinate ein gewisses Interesse daran, den Verfall der jüdischen Friedhöfe aufzuhalten? Ist nicht die Gleichgültigkeit gegenüber diesen altehrwürdiqen Stätten ein .Symptom für das einschlafende jüdische Interesse der einstmals blühenden Landgemeinden? Gleicht nicht das Bild solcher vernachlässigten Totenstätten dem Bilde eines absierbend-en Lebens? (Jüdische Produzenten aus der Leipziger Messe.) Unter der Ueberschrist: „Die Juden auf der Leipziger Messe" berichtet Dr. Jaques Adler-Leipzig in der „Wiener Morgenzeit" u. a.: Wenn demnächst, am 30. August, die Leipziger Herbstmesse 1925 beginnt, so darf man-damit rechnen, daß am Geschäft dieser Messe jüdische Kausieute starken Anteil nehmen werden. Im Bereich des deutschen Marktes sind da vor allem die Emkäuserkreise der Waren- und Kaufhäuser, der Spezialgeschäfte für Schuhwaren, Manusakturrvaren, Modeartikel, Haus-, und Küchengeräte zu nennen, alles Branchenzweige des Einzelhandels, die vor allem durch die Initiative jüdischer Kausleute im Läuse der letzten Jahrzehnte zur jetzigen Bedeutung entwickelt worden sind, eng verbunden mit der Entwicklung der gleichen Produktionsgruppen im Bereich der Leipziger Messe. - Bemerkenswert .is^ die Tatsache,, daß auch die Ausstellerschaft der- Leipziger. Messeheute einen nicht rvesentllchen Prozentsatz jüdischer Produzenten aufweist. Dies hängt mit der wirtschaftshistorischen, sehr interessanten Tatsache zusammen, daß seit den achtziger Jahren des letzten Jahrhundert zahlreiche jüdische Unternehmer in Deutschland auf dem Wege über den Großhandel zur Fertigindustrie gelangt sind, insbesondere zur . Kleider¬ und Wäschekonfektion, zur Schuh- und Lederwaremndustrie, zur Galanterie- und Luxuswarenherstellung, zum Kunstgewerbe. Das neueste Stadium des speziell jüdischen Anteiles an der Leipziger Messe setzt heute mit der Kolonisation Palästinas ein, die einen starken Bedarf an technischem Material untr &ebraud}$<trtifaln für Landwirtschaft und Gewerbe mit sich bringt, einen Bedarf, der feine ^eckung zum erheblichen Teile auf der Leipziger Messe sucht. Ueber Juden auf der Leipziger Messe in früheren Jahrhunderten berichtet Dr. Jaques Adler folgendes: Das älteste Dokument über die Leipziger Messe datiert aus dem dreizehnten Jahrhundert, aus der Zeit des Landesherrn Dietrich von Landsberg. Schon damals nahmen jüdische Kaufleute an der Leipziger Messe so lebhaften Anteil, daß ihnen zuliebe im ganzen Lande der Markttag vom Sonnabend auf den Freitag verlegt wurde. Die erste Nachricht über seßhafte Juden in Leipzig liegt aus dem Jahre 1359 vor, woraus eine Dissertation ..Zur Geschichte der Juden aus den Messen in Leipzig" von. Dr. Richard Markgraf aus öen\ Jahre 1894 verweist. Seit der Mitte des vierzehnten- Jahrhundert war die Teilnahme der Juden an der Leipziger Messe starken Schwankungen unterworfen, die mit den Verfolgungen •tn Laufe des späten Mittelalters zusammenhingen. Fast zwei Jahrhunderte, bis zum Jahre 1964, bringt daher das Leipziger Ratsarchiv keine einzige Nachricht über Juden in Leipzig. Erst nach 1664 erfährt man wieder, -daß Juden nach Leipzig zur Messe kameni, wobei.ihnen aber durch umständliche Steuer- und Kontrollvorfchriften große Schwierigkeiten bereitet wurden. Der größte Teil dieser Beschränkungen fiel durch ein sächsisches Gesetz über die bürgerllchen Verhältnisse der Juden im Jahre 1838. Im folgenden Jahre erlangte der erste Jude in Leipzig das Bürgerrecht. (Neuauflage eines vielgesuchten Werkes.) Im Verlage M. A. Wahrmann, Frankfurt a. M., ist in sauberster Ausführung eine Neuauflage des iv nn2»zur Thora von Rabbi Jakob E t t l i n g e r erschienen, was vielen, die schon lange nach dem vergriffenen herrlichen Werks suchten, aufrichtige Freude bereiten wird. Das Werk dieses Gaon an der Schwelle unserer Zeit verbindet in seinen rcram zu allen Abschnitten der Thora Halacha und Agada, Exegese und Homeletik, altes Magidus mit neueren Betrachtungen, die heute noch aktuell sind. Das vom Verfasser bescheidentlich 'Jfmn genannte Werk gehört in Wahrheit zu den reichsten Gaben des schöpferischen jüdischen Geistes. (mpa rs). Ein deutscher Blauweißler, der als Tourist tn Palästina weilt, besteigt in Tel-Awiw den überfüllten Autobus, der nach Jaffa fährt. Der Fahrer ruft: mpa j'X (kein Platz). Darauf der Tourist: Tin ,Mokaurn" genügt mir ja! . . . (Asrnuth im Doar Hajom). Familiennachrichten. Barmizwo: Karl, Sohn des Herrn Hirsch Adler (Nosenthak). Bad Kissingen. 'Q nnw Silberne Hochzeit: Herr Simon Seckbach und Frau Henny geb. Meyer, Berlin. Artilleriefftraße 31, beaehen am 6. September das Fest der -silbernen Hochzeit.