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Der Israelit · 1925-09-03 · Heft 36 (3.9.1925) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 36 (3.9.1925)
Date
1925-09-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 36 Hierzu erscheint mir die Schaffung einer „Israelitischen Kranken - Versorgungs- und Versicherungszentrale für Deutschland" die gegebene Lösung. Das Unternehmen, welches grundsätz.ich den Charakter einer sozialen Einrichtung tragen müßte, würde alsdann zwei Bewirtschaftungszweige in sich vereinigen: 1. Die Hilfe (auch Selbsthilfe) gegen ErkrankunLsfälle durch Versicherungsabschlüsse in eigner Versicherung s a n st a l t. (Jüdische Zentralkrankcnkasse). 2. Die Zusammenfassung der freien Lieb es tätig keil für die Zwecke der verschiedenen Ar en von Krankenvrrsorgung. Die Verwendung der Gesamteingänge ist alsdann so gedacht, daß die Eingänge aus beiden vorstehenden Abteilungen (sobald die erforderlichen Vorbedingungen geschaffen sind) sich gegenseitig ergänzend, zusammen für die verschiedenen Zwecke der Organisation zu wirken vermögen. Um die Einrich'ung der Versicherungsabteilung (Zentralkrankenkasse) nicht nur lebens-, sondern auch leistungsfähig zu gestalten, und ebenso die Einzelprämien gering halten zu können, wird es zunächst erforderlich seln, eine möglichst große Anzahl von Versicherungsteilnehmern, bezw. Mitgliedern, zu gewinnen. Dies dürfte erreicht werden, wenn sich der Einrichtung nicht nur jene Personen anschließen, dle bislang ohne die Möglichkeit waren, eine Krankenversicherung einzugehen, sondern auch die in ausreichender Vermögenslage lebenden deutschen Glaubensgenossen, die ihrerseits nicht beabsichti- *gen, die Nutznießung ihrer Zugehörigkeit in Anspruch zu nehmen. Ebenso wird es erforderlich sein, Instilutionen verschiedener Art zwecks Versicherungsnahme für ihre Pflegebefohlenen zu gewinnen. Dementsprechend kämen die folgenden Versicherungserwirkungen in Betracht: 1. Selb st oersicherer: ö) Personen in ungünstiger oder mäßig günstiger Vermögenslage, die sich und ihre Fami ienangehörigen versichern wollen, um in den G^uß einer ihnen bislang unzugänglichen - Krankenbehandlung zu gelangen. (Selbsthilfe.) b) Personen in guter Vermögenslage, die durch ihre und ihrer Familienangehörigen Mitgliedschaft die Organisation zu stärken wünschen, ohne ihre Gegenleistungen in Anspruch zu nehmen. (Es bleibt diesen Personen natürlich in etwa eintretenden _Der Israelit_ eigenen Notfällen unbenommen, ihre' diesbezüglichen Rechte für sich geltend zu machen.) 2. Versicherungen von privater Seite für andere Personen: Personen, die ihre ärmeren Verwandten und privaten Pfleglinge bei der Organisation gegen Erkrankungsfälle versichern wollen. (Hierbei ließe sich auch etwa ein Modus für eine Dauerversicherung (Pauschale) finden). Z. Versicherungsab schlösse von Fürsorgean st alten usw. für ihre Pfleglinge. Jüdische Wohlfahrtseinrichtungen und Fürsorgeanstalten, welche die Krankenfürsorge ganz oder teilweise betreiben, sowie solche, die die Krankenfürsorge nicht in das Gebiet ihrer Tätigkeit eingeschlossen haben. 4. Versicherung sab schlösse örtlicher (lokaler) jüdischer Krankenkassen, die das ihnen verbliebene, jedoch nicht mehr für Eigenbetätigung ausreichende Vermögen durch Versicherungsnahme bei der Zentralorganisation für ihre Mitglieder nutzbringend verwerten wollen. In diesem Falle könnten die alten Krankenkassenmitglieder einen Zuschuß zu den Prämien zahlen, bezw. eine entsprechende Ermäßigung der regulären Prämienhöhe erhalten. Für Zahlungsunfähige könnten sich die alten Krankenkassen bemühen, die Ergänzungsbeträge durch, private Beihilfen aufzubringen. Zu diesem Punkte sei daran erinnert, daß nach dem Aufwertungsgesetz vom Juli 1825 die Wohlfahrtsinstitute eine Rente für die Dauer von 15 Jahren erhalten. Diese aus dem Gesetz herzuleitenden Ansprüche könnten mithin zu Zwecken der Versicherungsnahme bei der Organisation Verwendung finden. 5. Versicherungen der jüdischen Darlehenskassen für ihre Darlehensnehmer, zwecks Vorbeugung von Nachteilen für die Kassen aus Erkrankungsfällen. 6. Dersicherungsabschlüsse der jüdischen Gemeinden, die durch Aufnahme einer Anzahl Versicherungen Fürsorge für unbemittelte Eemeindemitglieder treffen können. Es wäre indessen auch zu erwägen, ob an die jüdischen Gemeinden etwa dahingehend herangetreten werden könnte, sich nach einem noch zu bestimmenden Quotenverhältnisse freiwillig an der Organisation zu beteiligen. Solche Versicherungen durch die Gemein- __ 3, September 1925 den stellen für diese selbst eine Verminderung ihres eigenen Risikos > dar, indem den Gemeinden hierdurch Ne eigene Fürsorge für erkrankende un- oder minderbemittelter Mitglieder abgenommen und auf die gemeinsamen^ Schultern der ganzen deutschen jüdischen Bevölkerung gelegt wird. Diese eventuelle Beteiligung der Gemeinden dürfte sich bei einigermaßen glücklicher Behandlung der allgemeinen finanziellen und propagandistischen Organisgtionsarbeit durch die Zentralversicherungzanstalt nach kurzer Zeit zu einer unbedeutenden Leistung verringern. 7. Versicherungserwirkungen von jüdischen Vere inigungen, die nicht wohltätigen Zwecken gewidmet sind. Wir kommen nunmehr zur Erörterung des zweiten Bewirtschaftungszweiges, welcher die Z u s a m m e n f a s s u n g der freienLiebest ä 1 i g k e i t zum Zwecke hat. Hierzu sind zu nennen: Die Beihilfen aus freiwilligen Zuwendungen aller Art von Privaten und Institutionen (Sammlungen, Spenden, Stiftungen und dergl.) Bei freiwilligen Zuwendungen größeren Umfanges kann der Stifter etwa über die Verwendung der Beihilfe für die einzelnen Zwecke des Hilfsroerkes (die laufende Krantenversorgung, und die Pslegeanstalten) nach seinem Ermessen bestimmen. Es dürfte jedoch gut sein, den Spendern nahezulegen, keine derartigen Bedingungen an die Spende zu knüpfen, sondern es der Verwaltung zu überlassen, die Verwendung nach der ihr jeweils am nützlichsten erscheinenden Weise vorzunehmen. Immerhin sollten die bestehenden und etwa neu zu errichtenden Pflegeanstalten vorzugsweise Berücksichtigung erfahren. Als Zuwendungen kommen auch Stiftungen von Freibetten, Krankensäle und dergl. in Betracht. Derartigen Stiftern sowie solchen Personen, die sich durch hervorragende tätige Mitarbeit um die Ausgestaltung des Hilfswerkes verdient machen, kann die Verwaltung ihre Dankbarkeit durch Auszeichnungen (Ehrenstifter, Ehrenurkunden usw.) zum Ausdruck bringen. Hierzu sei auch bemerkt, 'daß es sehr wahrscheinlich im Hinblick auf eine dermaßen grundlegende und umfassende HilfsitMution,, wie die angeregte, gelingen dürfte, auch die Mithilfe des Ausla ndes (Amerika usw.) für Bereitstellung größerer Mittel zu interessieren. Es sei noch hinzugefügt, daß auch solche Hilfsinstitutionen, die ein Interesse an dem Gedeihen der Organisation haben, sich etwa Kleines Feuilleton. Antisemitismus im Konversationslexikon. In der Wiener „Wahrheit" lenkt Rabbiner Dr. Jacob, Dortmund die Aufmerksamkeit auf antifemitische Wendungen in der neuesten Ausgabe des Meyer'scben Konversationslexikon (1924) Unter dem Stichwort „Antisemitismusist zunächst zu lesen: „Antisemitismus, Gegnerschaft geaen die Juden aus rassischen Gründen seitens ihrer Wirtsvölker". Abgesehen davon, daß der Artikelschreider für den Antisemitismus nur rasstfneGründe angibt und von „Wirteoölkern“ spricht, was d n Schluß zuläßt, daß er, selbst ein Anhänger der Rassentdeorie in antisemitischer Auslegung, in den Juden Landftemde sieht, leistet sich der Mitarbeiter des von unzähligen Juden bezogenen und benutzten Lexikons noch folgende Sätze: ' „Der früher mehr gefühlsmäßig und aus religiösen Gründen zutage tretende Gegensatz bat sich seit etwa 1875 in den bewußten Antisemitismus umgewandelt und ist in allen Ländern, wo Juden wohnen, zu beobachten, von den s rlimmsten Ausschreitungen begleitet in Rußland (Pogrome)". Auch hier die gleiche Tendenz. Gefühlsmäßig, also unwide» leglich und berechtigt. Die wahren Ursachen des heutigen Antisemitismus, die politischen und wirtschaftlichen, kennt der Verfasser überhaupt nicht. Auch weiß er nicht» daß es G s. D. noch Länder ohne Antisemitismus gibt, wie England, Italien, Skandinavien u. v. a., nicht zu sprechen von den nichtchristlichen Ländern. Herr Dr. Jacob ist der Meinung, daß der rassisch e Antisemitismus eigentlich nur in den Ländern zu beobachten ist, wo Deutsche wobnen und ihn ans der Heimat eingeschleppt haben; das geht allerdings zu weit. Während der Artikelschreiber liebevoll in allen Einzelheiten alle Parteibildungen im Antisemitismus und seine Grüppchen auszählt, weiß er mit keinem Worte der Gegenwehr zu gedenken. Der „Abwehrverein" wieder Zentraloerein" werden verschwiegen. Er kennt die „Mitteilungen" und die „C. D. Zeitung" nicht. Dagegen werden als Quellenliteratur angeführt: G. 'Winter, Düring, Th. Fritsch usw. Fehlen nur noch Dinter und „Die Protokolle der Weisen von Zion". Es muß von jüdischer Seite klargestellt werden, ob und in welchem Matze der Verlag direkte Schuld an diesen publizistischen Ausschreitungen hat und wie er diese irreführende und gefährliche „Belehrung" wieder wettzumachen gedenkt. Verfallende Friedhöfe. In Smarlingen, unweit der ostsriestisch-holländischen Grenze, befinden sich, durch einen Landstreifen getrennt, zwei alte jüdische Friedhöfe, die früher einmal den jüdischen Ansiedlern in den ostfriesischen Flecken Weener und Bünde als Begräb-- nisplätze gedient haben. Auf dem größeren, (jüngeren) Friedhose steht noch ein Dutzend Grabsteine aufrecht, säst alle übrigen sind schon von Moos überwuchert und kaum noch erkennbar. Rur selten scheint sich ein interessierter Jude nach diesem Gottesacker zu verirren, der bald verfallen sein wird wie der nördlich von ihm gelegene benachbarte Frtedbos^ ein kleines aufgeschüttetes Stückchen Land, das eher einem Düngerhausen als einem Friedhose ähnlich sieht und kaum noch die Spur seiner ehemaigm Bestimmungen auswerst. Nur ein einziger flachliegender Grabstein ist daraus zu entdecken, die übrigen Steine sind versackt, wenn nicht zu profanen. Zwecken entfernt; jedenfalls wollten die in der Nähe wohnenden Landleute durch Verwendung von Eisenstanaen sestgestellt haben, daß keine Grabsteine nahe der Oberfläche mehr vorhanden find. Das Interesse an der Erwerbung dieses kleinen Fleckchens Erde, das doch überhaupt kein Friedhof mehl fei, scheint deswegen vorhanden zu sein, weil man scheinbar vergrabene Schätze vermutet, wie aus der gestellten Frage, ob den jüdischen Toten früher wertvolle Gegenstände mit ins Grab gelegt seien, zu schlietzen ist. Diese Leute können mit ihrer Psr che natürlich kein Verständnis für die Heiligkeit dieser alten Stätten ausbringen und benutzen sie, jedenfalls ohne viel zu staaen und im Vertrauen auf die mangelnde Kontrolle, als Viehweide. Reste eines „Boekfürrs" zeigten, daß kürzlich noch Flammen daraus gelodert hatten. Der jüngere Friedhof wies auch Stellen auf, die auf Grabungen schlietzen lassen. Bei der Bestellung des benachbarten Feldes war übrigens sestgestellt worden, daß auch in dem den Friedhol umgebenden Graben Begräbnisse stattgesunden haben, weil man daselbst aus Grabsteine gestoßen wäre. Es ist lies bedauerlich, daß die Friedhoss-Kommisstonen der erwähnten Gemeinden sich nicht um die Erhaltung dieser jüdischen Stätten bekümmern und die Plätze und Grabsteine verfallen lassen. Keine Mauer umgibt die Friedhöfe, und wenn nickt über kurz oder lang für Abhilfe gesorgt wird, werden sie in wenigen Jahrzehnten von der Btlofläche oer-

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