Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1925)
- Date
- 1925-08-27
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Nr. 17 Der Israelit Blütter 27. August 1925 mal in denkenden Köpfen die Resignation Platz gegriffen: „Es gibt keine Wahrheit in der menschlichen Erkenntnis mehr!" Diese Resignation Leitete uns zwar zehn Zweifler, aber sie begrub hundert 'Optimisten und zweihundert Ideen. Lassen Sie uns darum getrost bekennen: die Begrenzung unserer Fähigkeiten und die Relativität unseres Forschens darf keine Resignation Hervorrufen. Nur Erkenntnis — kritisch als Entwicklungsstadium hingenommen — kann fruchtbringend eingeschätzt werden. Wir wollen freudig wissen, was wir wissen können. Ausbrüche des Verzagens, der Resignation können nur im unbezwungenen. im unzulänglichen Weltbild Vorkommen. Lassen ^>ie uns das Unzulängliche getan sein! Für uns soll, trotz Phlegma und Resignation, als Mahnung zum Erkenntnisdrang unser Gebet dienen: nsn nra uin „Gib uns gnädig Denkfähigkeit, Erkenntnisdrang und Einsicht!" Denn nur die Verwendung dieser drei zur Gestaltung unseres jüdischen Weltbildes öffnet uns den Weg, den der anschließende Bittspruch zeigt: j-jmiTV? Tt mniM In den Karpathen. Von Judith Rosenbaum, z. Zt. in Robow. So haben wir uns denn in Robow eingesponnen und fristen ein Dasein in Luft, Sonne und froher Gemeinschaft. Von den Bergen kommen uns kühle Winde entgegen und das weite Land bietet unserem Auge Hintergrund, darauf sich die Schau unserer Gedanken abhebt. Denn dieses Robow ist ein kleines polnisches Karpathendorf, wenn das nicht schon zu viel gesagt ist. Cs ist ein Stück ungewachsener Gebt. gsboden. ein zwischen grünen Matten und dunkclwaldigen Bergen versunkenes Eiland, das sorglosen Zigeunern und wetterfesten Bauern zur Heima schölle dient. And doch trägt dieses Land — offenbar von den N'L'rri2 nw her — wunderbare Bestimmung in sich. Zur Pflanzstätte der Tauroh soll es dienen, ^daß in der Sonnenglut dieses vergessenen Winkels junge jüdische Mädchen zu treuen Dienerinnen des Gotteswillens heranreifen. And die Zeit der Bestimmung hat sich jetzt erfüllt — und Robow. dieses namenlose und wesenlose Etwas ist zu einer Veth-Iak'ob- Heimstätte geworden. Hier lebt nun eine starke jüdische Gemeinschaft, hinausgezogen in den Wald, zu „wirken der Gottheit lebendiges Kleid." Bis vor 4 Wochen wußten die Inden Polens noch nichts von der Existenz eines Ortes Robow. Heute kommen sie in Scharen, diese Kolonie jüdischer Töchter kennen zu lernen. Sie finden den Weg dorthin. Ein Korb voll Stroh, davor ein Pferd gespannt, führt uns in Wälder und Fluren hinaus. Durch eine schmale Gebirgsstraße holpern und rütteln wir uns ins ungewisse Land hinein. Immer höher türmen sich die Berge, immer harmonischer gestaltet sich die Einsiedelei. Iede Bewegung des Weges täuschunsere Hoffnung, jemals in eine kolonisierte Gegend zu kommen. Aber da sind wir auch schon an ein paar winzigen Holzhäuslein angelangt, dis sich verstohlen an die Wälder und Wiesen schmiegen. Es ist unsere Heimat. — Heimstätte für Beth-Jakob im Sommer 5635. 2a, zur Heimstätte ist es uns geworden, und schon verstehen wir den Sinn der Schickung. Warum ein Ort erwählt ward, in welchen bis heute Kultur und Zivilisation nicht eindringen durften, von dem Luxus und künstlicher Aufputz ferngehalten werden mußte. Ein Gedanke und ein Streben soll sich hier auswirken. Darum muß alles fern sein, was sich rivalisierend einmischen könnte, unser Interesse, Kraft und Gefühl zu beanspruchen. Ein Beth-Iaakob steht unter freiem Gezeli. In ihm leben wir — einer mit dem anderen, einer wie der andere. Die individuellen Amkreise, der jüdisch orientierten jungen Persönlichkeiten verstärken sich gegenseitig und bilden ein starkes, zwingendes Milieu voll jüdischer Reinkultur, welches einen fruchtbaren Boden bieten kann, für jeden Samen, der hier ausgestreut wird. Auf dem Waldboden unter Fichtenbäumen im Schatten ist unsere Schulstube. In der FMe tönt eine Glocke so schrill, daß die Zigeunerlein, unsere carW' beim Klang der preußischen Disharmonie, zum Trost nach ihren Fibeln greifen. Uns lädt die Glocke, nach Dawencn auf tauiger Wiese und kräftigem, gemeinsamem Frühstück, zur Schulstube. Auf roh gezimmerten Bänken sitzt unsere Jugend und lernt .77171' lernt 5P2ifi' nVsTv Geschichte, erlebt, angesichts der Naturschönheit die ..a^nn unseres Dichterkönigs. D7on -'x tdd Q’nsoa v'awn '',7 ymn in na pn ^nm vn^ an,7 Es gewinnen dis Worte ihren alten Sinn; benn die Beziehungen des Menschen zum Göttlichen, wie des Einzelnen zur geschichtlichen Vergangenheit knüpfen sich inniger, wo nicht störend eine Welt sinnverwirrender Ungereimtheiten dazwischen tritt. And wenn der Gebirgsregen durch unser Reich strömt, daß die Berge grau verhängen und mächtig der Bach vor unserem Hause schwillt; dann werden uns einige der Waldhütten zum Schulgebäude. Pesukim und ein leuchtendes 2pT ti'2 -Schild decken dis tannengeschmückten Wände. Hier wird es uns warm beim ,77171° Wort, wenn krachend den Wald die Regenschauer schüttern. And dann wieder sind es pädagogische und psychologische Fragen, bei deren Aussprache wir uns zusammenfknden. um den jungen Lehrerinnen die Arbeit an ihren Veth-Iakob-Schulen zu einer fruchtbringenden zu gestalten und zu erleichtern. Änd mit welchem Eifer wird hier gelernt. Diese jungen Mädchen haben noch die geistige Dunkelheit gespürt, in welcher man die weibliche Jugend des Ostens verkümmern ließ. Mi. Kampf brachen sie sich durch zum Lichte der Erkenntnis. Man spürt die Energie und die Sehnsucht dieses Durchringens, an ihrem gespannten Eifer, mit welchem sie jedes Wort aufnehmen und verarbeiten. Sie verarbeiten es, um es der ihnen anvertrauten Jugend weiierzugeben. Von der Robower Einsiedelei wird es seinen Weg nehmen zu Städtchen und Gäßchen und jungen jüdischen Seelen. Hier sind die Vorkämpfer der Wachsenden apsr rpa-Bewegung. Wie ist sie entstanden? Im Herzen einer Frau ist der Wunsch zur Tat gereift. Hier in Robow gewinnt er an Lebenskraft. Ihre Erfolge liegen in der Zukunft. Da, wo die Schneegipfel der Tatra aus den Karpathen sich heben, in einem unbekannten Gebirgsort, liegen verstreut ein paar Hüttlein. Bis spät in der Nacht glimmt hier Licht in der Dunkelheit. Der Historiker Wolf Iawih und „Agudas Iisroel In der letzten Ausgabe des „Haderech" (hebräisches Zentralorgan der Weltorganisation Agudas Iisroel) wird ein Brief des bekannten hebräischen Schriftstellers und Historikers Wolf Iawitz ’rst an Herrn Eh. I. Eiß, Zürich, vom Jahre 5681 veröffentlicht, der nach mehr als einer Richtung hin von großem Interesse ist. Nach einigen persönlichen Mitteilungen heißt es in diesem Schreiben: „Gestern gelangte in meine Hand ein Bündel Zeitungen wie „Der Jud", „Jüdische Korrespondenz", „Haderech", mitsamt den Beschlüssen der Aguda von Adar 5679. Ich muß mich sehr wundern, daß Sie mir bis jetzt von dieser geistigen Bewegung gar nichts mitteilten. Wohl bin ich t/eute zu alt, noch einmal in den Kamps zu treten (wie ich es etwa vor 16 Jahren in Preßburg tat, was mir ja nur Leiden eingebracht hat). Immerhin fühle ich noch die Kraft in mir, zu denken. zu raten uni) vorzuschlagen, Augen und Ohren zu schärfen für Dinge, die nicht aller Augen und Ohren sehen und gören. Vieles hätte ich mit Ihnen zu sprechen. Freilich weiß ich nicht, ob die Spitzen der Aguda mich noch mögen, und ungeladener Gast mag ich keineswegs sein. Was mich heute zwingt, in Eile zu schreiben, ist das- Bedürfnis, es auszusprechen, daß heute Hoffnung vorhanden ist, unser Volk, unser Land und unsere Thora von der groben, schändlichen Gottesleugnung zu befreien, die verzehrend auf uns wirkt. Jedes Auge sieht es ja, daß eine verborgene Hand gegen unser Heiligtum ausgestreckt ist, eines Räubers Hand, der am Scheideweg sitzt und vom Wege der Thora spricht: „Nicht dieses ist der'Weg". Um die Thora zugleich mit dem Jischuw, von jeher ihm verhaßt, mit einem Schlage zu vernichten, verwandelte er Zion in ein geistiges Zentrum. Jeder aber, der die Sache richtig verfolgt, erkennt aus jeder kleinsten Einzelheit das ganze System dieser Zentralisierung. Von dieser schweren, rohen Hand kann nur wiederum eine starke Hand erlösen, von einer Seite ausgehend, die mit dem Jischuw keinerlei fremde Absicht verbindet. Diese, große, starke Hand zeigt sich zur Zeit in Amerika. Wohl weiß auch ich, daß Brandeis, wie alle unsere Großen, nicht auf der Basis des Volljudentums großgeworden ist, es ist mir aber gewiß, daß er keiner von den auf Zerstören ausgehenden Abtrünnigen ist, und ich bin sicher, daß, wenn ihm die Führer der Aguda zur Seite stehen, d. h., ihn bitten, darauf zu verharren, den Jischuw von allen Nebenabsichten zu befreien und ihn der Mitarbeit aller Gesetzestreuen versichern, ihm auch gelingt, sein Ziel zu erreichen. Dann wird m. G. H. unsere Kraft gesteigert, um den Glanz unserer heiligen Thora in unserem heiligen Lande zu heben. Denn jeder Jude, selbst wenn er es für seine Person mit den Geboten nicht genau nimmt, bekundet heute den Willen zur Hebung des Judentums in Palästina und sieht darin unseren Ruhm vor den Augen der Völker, insbesondere der Engländer, die uns in tiefster Seele verachten ob der häßlichen Gottesleugnung, die zu unserer Schande bei uns Platz gegriffen hat. Und ich hoffe, daß die Großen Amerikas es mit Freuden begrüßen werden, wenn sie, die Agudaführer, ihm in einem ihm verständlichen englischen Schreiben ihre Zustimmung aussprechen und er erkennt, daß im Namen von Millionen jüdischer Seelen hier, gesprochen wird. Ich bitte Sie, diesen Brief vor unberufenen Augen zu bewahren, da ich mit Rücksicht auf mein Alter es gern mit dem Psalmmort halte: „Reize nicht die Uebertäter", und ich daher meine Meinung nur den Vertrauten offen-. bare." Der Brief schließt mit persönlichen Wünschen und Freundschafisdekundungen. §teikenvsvmittlrmgs-HenLrake dev Hgusfas Jisroef» Frankfurt o. Hl. Wir suchen für perfekten Klempnergesellen. Meldungen sind zu richten an die gtcfCatx>ermUUung$icntrafe der Agudas Kisroet Arankfurt a. W., Rothschildallee 38 p. Landesdirektorium des Keren Hatorah in Deutschland, Hamburg Nr. 24753 (P. Sch. A, Hamburg). Keren Hatorah-Kommissariat Frankfurt a.M. Nr. 41666 (P. Sch. A. Frankfurt a.M. Keren Hatorak-Kommissariat Nürnberg Nr. 18440 (P. Sch. A. Nürnberg) Keren Hatorah-Kommissariat Köln Nr. 50131 (P, Sch. A. Köln) ,. Poslscheck-Konten: Keren Hatorah-Kommissariat Leipzig Nr. 70 147 (P. Sch. A. Leipzig) Keren Hatorah-Keinmtssärial Berlin, P. Seit. A. Berlin Nr. 12594 für Abraham Rzeszewski. Keren Hatorah-JCommissariat Breslau, P. Sch. A. Breslau Nr. 60510 für Iwan Möller. Keren Hatorah-Kommissariat Hamburg, P. Sch. A. Nr. 40953 füriDr. Julius Baer