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Der Israelit · 1925-08-27 · Heft 35 (27.8.1925) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 35 (27.8.1925)
Date
1925-08-27
Page
– (sequence 15)
Language
German
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IMäffet* Keraurgegeben von «lee tanckesorgaailatton 6er Aguäas-Aisvoek in AeutfeKlaack Jahrgang Frankfurt a. M., 27. August 1925/7. Elul 5685 Nummer 17 Warnung vor dem Phlegma—als Einführung meine Arbeitsgemeinschaft. Von Arnold Merzbach in Frankfurt a. M. Meine Herren! Dem jüdischen Eifer ist das Tauroh-im-Derech-Erez-Prinzip Zu eng geworden. Der alte aus der Assimilation hervorgegangene Sammelruf der Frommen ist durch die Sehnsucht wiedererweckter jüdischer Ganzheit abgelöst: Nur-Tauroh heiße die Fragestellung, mit der nun auch das gesamte Weltbild begriffen werde! Und nur diese Vereinheitlichung scheint im Stande, das jüdische Bewußtsein,, das jüdische Weltbild, den jüdischen Menschen zu erzeugen. Aber die Möglichkeit ist vorhanden, daß dieser selbsterrungene Fortschritt zur Einheit des Standpunktes, statt auftvärtsschauend, von der Macht der Gewohnheit ins Selbstverständliche foweit herabgezogen wird, daß hier die Gefahr geistiger Selbstbescheidung bedrohlicher auftritt als in der Tauroh-im-Derech-Erez-Atmosphäre. Denn nur das Vorhandensein geistiger Spannungen und Unebenheiten regt den Erkenntnisdrang an: die Bipolarität in der Zusammenfassung von Tauroh-im-Derech-Erez schützte von vornherein vor einem geistigen Faulbett. Besteht doch dieses Prinzip aus zwei Kräften: einer Konstanten, Tauroh, und einer variablen, Derech-Crez! Aus sich heraus schon zwang es den Denkenden, damit er überhaupt erst für sich den Blickpunkt für die Betrachtung des philosophischen Weltbildes gewinne, einen Ausgleich zwischen beiden Kraftrichtungen vorzunehmen und in sich eine geistige Synthese zu schaffen. Unterlassung des Ringens um die Einstellung war gleichbedeutend mit Zerrissenheit. Und in Zerrissenheit ruht auch der Phlegmatiker schlecht! Wie anders die Nur- Tauroh-Einstellung! Sie hat nur einen — konstanten — Faktor, sie gründet den Blickpunkt fest und schafft den sicherstehenden Menschen, indem sie die vielen Energien, die früher zur Gewinnung der Einstellung notwendig waren, für die Weltanschauung und für den Auswärtstrieb freimacht. Das ist ihr Vorsprung. Aber eben die S i ch e r h e 11, mit der sie von vornherein schon den freien Menschen ins geordnete Weltbild an den richtigen Platz setzt, macht den Zwang zur weiteren eigenen Stellungnahme weniger elementar. Die Nur-Tauroh-Einstellung verringert das Bedürfnis nackeigenen Beziehungen zum Weltbild. Mit der Gegebenheit des Standpunktes wird oft auch die Gegebenheit der Lösung übernommen. Die Individualität, in ein solches von Früheren Gedachtes hineingesetzt, erwirbt nicht mehr, um zu besitzen, sondern wird unproduktiv, weil sie verlernt, Stellung zu nehmen. Die Umschau beweist dies. Und die Erfahrung bestätigt es: Teile der ostjüdischen Jugend, groß geworden sie in ein Kampffeld gesetzt wurden: man glaubte in ihnen den jüdischen Idealtyp zu erkennen — und fand, daß auch sie nur in einer historisch gegebenen Zwangsläufigkeit der Eeisteseinstellung sich befanden, wie einst die deutsche Judenheit der Vor-Mendelssohn-Epöche. Nur die Reibung erzeugt Wärme, die Funken sprüht. Also sieht sich das kleine Geschlecht reagieren: Neigung zur Verjüdischung — Verlernen selbstständiger Stellungnahme. Es ist im Werden: die jüdische, verjüdischte Masse. Es geht unter: die Individualität. „Die geistige Organisation machts schon!" Der Organismus wird Mengenteil. Das Feld der geistigen Auseinandersetzung lag früher noch in den Gehirnen der Einzelnen. Heute rückt die Kampffront aus den Individuen heraus in den Raum zwischen Führer und Masse. Denn dieGehine wurden zu Aufnahmeapparaten für fein gekauten Weltanschauungsbrei, angenehm in jüdischen Vorträgen dargereicht. Man photographiert das dargereichte Weltbild getreulich ab, man hat aufgehört, reproduktiver Künstler zu sein. Wie viele fühlen noch den Drang, sich selbständig auseinanderzusetzen — wie viele türmen noch Bücher im Schweiß ihrer Stirn — wie viele schreien noch auf in Waldeseinsamkeit — wo ringt man um Weltschöpfung und Offenbarung, um Wunder und Prophetentum, um Unsterblichkeit und Vergeltung, Naturgesetz und. Entwicklung, Ertenntnissähigkeit und Mystizismus, um Eigenfreiheil, Sillenideal, Formproblem. Mechanisierung. Gemeinschafts- Möglichkeit, Ächbestand? „Willst du uns erkennen, so sieh fünf bis sechs typische Gestalten an." Wie die sich selbst ihr Weltbild schufen, so nimmt es die Masse gläubig an. Fast gibt es nur noch uniformierte Meinung: Einzelmeinung brandmarkt sich als Undiszipliniertheit. Es nicken die Zeitungsschreiber, die Organisationsredner, die beamteten Rabbiner und die „maßgebenden" Persönlichkeiten — und alle nicken! Man mißverstehe nicht! Es liegt nicht an den Führern und am System. Sie bewährten sich: wir stehen G. s. D. stolzer da wie ehedem. Das Eintauchen in die Nur-Tauroh-Sphäre reinigte uns. Geschöpftes Vildungswasser, — zuerst vorhanden —, passelt ja die Mikwoh! Aber: an der Masse, im Wesen der Masse, im Phlegma liegt die Ursache und Schuld der geistigen Indolenz. Die Nur-Tauroh-Einstellung schuf die vergrößerte Gefahr: die fertige Weltanschauung, — — und die Trägheit der Masse unterliegt ihr! Sie sehen also, meine Herren: gerade die richtig und ins Richtige geführte Menge verfällt der einschläfernden Wirkung der Massenträgheit und verliert ihre Individualitäten. Es ist das Problem der Ueberwindung der Masse, mit dem wi r zu kämpfen haben, und es ruht nur ein schwacher Trost in der Erfahrung, daß dieses Problem so alt ist wie die geführte Menge selbst! sich zur Stufe eines prophetischen Individualismus emporringe! nwby mm m m *2 Erst wenn Gott selbst gibt, daß jeder Einzelne sich vom geistigen Antrieb getroffen fühlt — — dann ist das Problem der Massenüberwindung gelöst. Darum muß auch jeder Einzelne sich nicht nur als Schlachtfeld, sondern auch als Kämpfer gegen das Massenphlegma fühlen. Er wird dann als Gebot der Selbsterhaltung die Mizwoh erfüllen, die der Anfang des Rambam jeder Persönlichkeit ans Herz legt: Fundament aller Wissenschaft ist: sich eine aus Gott basierende Weltanschauung zu bilden. Das t\ ns njn’iift eine nvs? msa* Auch Agudas Jisroel, m. H., ordnet sich dem Symbol dieser Mizwoh, dem flammenden Dornbusch, unter. Auch Agudas Iisroel will nicht die meinungsdiktierende, fertige Weltanschauung bietende. "881'".-machende Organisation sein, wie es die Massenträgheit vermutet. Als „Bund von Gotteskämpfern", als Vereinigung von Individualitäten gedacht, will sie nicht nur eXtensiv-propagandistisch der Tauroh-Anerkennung Boden gewinnen, sondern sie fordert auch, im Kampf mit dem Phlegma ihrer eigenen Anhänger, selbständige geistige Auseinandersetzung mit dem Weltbild. Denn sie betrachtet die Selbstbehauptung in der Berührung mit fremden Kulturkreisen auch als eine Pflicht gegen die Zukunft. Dieser Erfüllung dient unsere Erziehungsarbeit in den Orts- und Jugendgruppen. Aber, m. H., Sie irren, wenn Sie sich dem Glauben hingeben, daß der jüdische Vortrag — so notwendig er für den Schabbos-Nachmittag ist —. eine geistige Auseinandersetzung in unserm Sinne fei; er mag auf die Hörnerven wirken, und manchmal sogar auf den Schlastrieb, selten aber auf das Gehirnzentrum für die kritische Verarbeitung. Allein das Lernen und die Aussprache in einer Arbeitsgemeinschast fördert den Erkenntnisdrang, regt die kritische Wertung an, erhöht die Lust zur Stellungnahme. läßt Gedanken reifen und Meinungsverschiedenheiten auseinanderplatzen. Der „Zuhörer" wird hier als Ballast empfunden, nur der Mitarbeiter ist willkommen. Denn man bekennt sich hier nicht zum Prinzip der Lernschule. sondern der Arbeitsschule. Es ist der Chawerimgeist der litauischen Ieschiwaus, den wir uns für uns selber wünschen! M. H.! Lassen Sie mich zum Schluß noch aus eine andere Hemmung des selbständigen Erkenntnisdranges Hinweisen. Wir kämpfen nicht nur gegen das Phlegma, sondern auch gegen die Resignation. Seitdem die Philosophie aus die Grenzen unseres Erkennens hingewiesen und das „Jgnorabimus!" „Wir werden nicht wissen!" selbstbescheidend sich als Ziel setzte — seitdem die Absolutheit eherner Wissenschaften durch die These gebrochen wurde: Jedes Forschungsresultat kann nur eine Funktion der Forschungsmittel sein!-seitdem hat manchin einer Nur-Tauroh-Sphäre, haben die Fähigjb'S'23 tt ay Vd jn* '»i feit zur Selbstbehauptung vermissen lassen, als I Wer könnte doch geben, daß das ganze Volk Ablösung von Nolek kasekono-§k8ekwünlcben nimmt an und veröffentlicht das Candesdirektorfum des Keren Moral, In Deutschland, Kainburg P-ftseheek-rLoirts 2lv. 34T55 A

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