Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1925)
- Date
- 1925-08-27
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 14 Nr. 35 _ gesetzestreu war. Ein großes Trauergesolge, mit dem Kriegerverein an der Spitze, gab ihm das letzte Geleite. Dem Sarge nach wurden auf einem Kiffen die zahlreichen Orden und Ehrenzeichen des Verstorbenen getragen. Nach der Grabrede wurden über das offene Grab drei Ehrensalven abgegeben. Vermischtes. Berlin. 2. August. Auf das Preisausschreiben des Roten Kreuzes in Paris für ein Werbeplakat gingen 333 Entwürfe ein, unter ihnen 25 aus Deutschland. Der erste Preis wurde von der Jury einstimmig dem Plakat-- entwurf Henoch B a r z i n s k i s zuerkannt. Der preisgekrönte junge Künstler stammt aus Lodz und studiert gegenwärtig an der Dresdener Akademie. Mainz, 16. August. In den letzten Tagen haben Unholde den Israelitischen Friedhof bei Alsbach (Bergstraße) geschändet. Elf Grabsteine wurden umgewarfen und zertrümmert. Der Israelitische Friedhofsverband in Alsbach hat für die Ermittlung der. Täter eine Belohnung ausgesetzt. Cassel, 15. August. Wie erinnerlich, fand Ende Januar 1925 vor der Strafkammer in Cassel ein Prozeß gegen 21 Einwohner aus Wolfhagen Bez. Cassel statt, die angeklagt waren, im September 1923 Mitglieder des Jungdeutfchen-Ordens überfallen und verprügelt zu haben. Die Anklage lautete damals bei 18 Beschuldigten auf schweren Landfriedensbruch, bei 4 Beschuldigten auf Anstiftung hierzu. Bon diesen 4 Angeklagten, sämtlich Juden, waren damals drei freigesprochen worden, wobei der Vorsitzende in der Urteilsbegründung ausdrücklich hervorhob, daß für die Schuld dieser drei jüdischen Angeklagten auch nicht der Schimmer eines Beweises in der Verhandlung erbracht worden sei, und daß die Freisprechung nicht wegen Mangel an Beweisen erfolgte, sondern weil die Angeklagten tatsächlich unschuldig seien. Das Verfahren gegen die vierte Angeklagte, Frau Paula Giesberg aus Wolfhagen, Bez. Cassel, war damals abgetrennt worden, da Frau Giesberg wegen Krankheit am Erscheinen verhindert war. Am 10. August d. Js. fand nunmehr die Verhandlung gegen Frau Giesberg statt, die wie bei den bereits freigesprochenen Angeklagten auch nicht den geringsten Anhaltspunkt für Beteiligung an der Schlägerei ergab. Ja, es wurde festgestellt, daß Frau Giesberg überhaupt erst einige Stunden nach dem Vorfall von der ganzen Angelegenheit erfahren hatte. Die Verhandlung gegen sie endete infolgedessen ebenfalls mit Freisprechung unter Ueberbürdung der Kosten auf die Staatskasse. Die Verteidigung hatte wie in den früheren Prozessen Rechtsanwalt Dr. Marx Frankfurt a. M. üoernommen. Breslau, 10. Juli. Das Große Schöffengericht beim Amtsgericht Breslau verhandelte vor kurzem über einen Beleidi^ungsprozeß, den der Vorsitzende der Breslauer Zromstkfchen Vereinigung, Herr Rechtsanwalt Jacobfohn gegen den Redakteur der „Schlesischen Volksstimme", Dr. Herrmann angestrengt hatte. Die Staatsanwaltschaft, hatte Anklage erhoben wegen Beleidigung der deutschen Juden in ihrer Gesamtheit. Der Beleidigung lag folgender Sachverhalt zu Grunde: Rechtsanwalt Jacobsohn hatte in der „Jüdischen Zeitung für Ostdeutschland" einen Artikel „Ostjuden in Deutschland" geschrieben, in welchem u. a. die folgende Stelle oorkam: Es ist kein edler Zug, wenn deutsche Juden dieselben Ostjuden von sich stoßen, die 1914/15 jüdische Soldaten des deutschen Heeres als jüdische Brüder empfangen und dabei ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben." Unter Bezugnahme auf diesen Artikel veröffentlichte der Angeklagte in der „Schlesischen Volksstimme einen Aufsatz mit der Ueberschrift: „Wir Juden waren Landesverräter", in welchem er die Juden als „vaterlandslose Gesellen" bezeichnete und ausführte, es sei ein starkes Stück, sich in der Oeffentlichkeit zu rühmen, daß schon 1914 — von den Juden hüben und drüben gemeinster Landesverrat vor dem Feinde betrieben worden sei." Der Angeklagte suchte sich damit zu entschuldigen, daß er nur die Schlußfolgerungen aus der Darstellung Jacobsons gezogen habe. Die polnischen Juden, welche die jüdischen Soldaten freundlich empfangen hatten, hätten ebenso Landesverrat begangen, wie die deutsch-jüdischen Soldaten, die von ihnen Liebesgaben annahmen, sich als Deserteure von polnischen Juden verstecken ließen und ihnen militärische Geheimnisse Deutschlands verrieten. Der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor o. Garnier, forderte den Angeklagten auf, für diese Behauptungen den Wahrheitsbeweis anzutreten. Der Angeklagte erklärte sich hierzu außerstande. Der Angeklagte überreichte dem Gericht einen Brief, den ihm General Ludendorff zum Zwecke des Beweisoerfahrens geschrieben hatte. Ludendorfs erklärt, daß der bekannte Aufruf „An die Jidden in Paulen" zwar erlassen worden sei, aber nur auf Betreiben des Feldrabbiners des Armeskommandos der 9. Armee; im übrigen habe weder er, General Ludendorff, noch igend ein deutschblütiger Soldat irgendwelche Liebesdienste von polnischen Juden jemals angenommen. Das Gericht sah nur mit Rücksicht auf die bisherige Straflosigkeit von einer Freiheitsstrafe ab, ging jedoch über den Antrag des Staatsanwalts hinaus und verurteilte Dr. Herrmann zu 500 Mark Geldstrafe. lyvto-siüp-t. ■*'!*£*> Der Israelit 27. Au g ust 1928 frankfurter Berichte. Agudas Jisrorl Orts- und Jugendgruppe. Sontag, den 30. August, hält Herr Dr. Ehr mann einen Vortrag über „Agudas Jisroel in Erez Jisroel" in der Aula der Realschule Jsr. Religionsgesellschaft, Tiergarten 8, abends 8% Uhr. Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. Damen und Herren willkommen. Keren Hathora. Wie uns das Kommissariat des Keren Haihora Frankfurt mitteilt, wird am Mittwoch, den 2. September, abends 8% Uhr präzise in der Aula der Realschule der I. R. G., Tiergarten 8, Herr Wolf S. Jacobson aus Hamburg über das Thema „Haromath Keren H a i h o r a" referieren, wozu Gäste (Damen und Herren) eingelaoen sind. 1. Rausch Chaudesch-Feier der Agudas Jisroel- Iugendgruppe Frankfurt a. M. Vor überfülltem Saale fand am Rausch Chaudesch Elul die 1. Rausch Chaudesch-Feier der Agudas Jisroel Jugendgruppe statt, bei der Herr Jacob Rosen heim ein Referat über „Agudas Jisroel und Erez Jisroel" hielt, in dem er alle aktuellen Erez Jisroel-Probleme in eindringlicher Klarheit behandelte. Das gewaltige Geschehnis „Erez Jisroel" ist uns ein überwältigendes Erlebnis und für jede klare Einsicht ist das Walten Gottes in der Geschichte offenbar geworden: Zu einer Zeit, da die jüdischen Massen aus den Ländern des Ostens herausgepumpt werden, während die Tore des alten Auswandererlandes, Amerika, verschlossen find, zu dieser Zeit ruft Erez Jisroel feine Kinder heim. Und während bisher Erez Jisroel aufgebaut werden sollte im Geiste eines mißverstandenen und unjüdischen Europäertums, so sollen jetzt die thoratreuen Aulim ein Erez Jisroel der Tauroh bauen. Unsere Liebe zu Erez Jisroel und unsere Arbeit für Erez Jisroel ist „nur" Liebe zur Mizwoh, ist „nur" Mizwoharbeit. Was dieses „Nur" bedeutet, das weiß jeder, der wahre Mizwohtat, die kein Knechtesdienst ist, sondern unser gesamtes Denken und Fühlen ergreift, in ihrem ganzen Umfang kennt. Viele ungelöste Probleme harren unser in Erez Jisroel. Zunächst das wirtschaftliche Problem, die Frage der „vierten Alijah". Die zionistische Organisation, die das Schwergewicht ihrer Arbeit auf die Lösung der Wirtschaftsfragen stets gelegt hat, hat es trotz der ihr zur Verfügung stehenden Kräfte und Mittel noch nicht vermocht, in dieser Hinsicht eine befriedigende Lösung zu erreichen. Im Anschluß an die Behandlung des Wirtschaftsproblems verlas Herr Rosenheim einen interessanten Brief von den Kolonisten der Aguda-Kolonie Machneh Jisroel, die in schnellem Aufbau begriffen ist. Die zionistische Organisation ist im Mandat als Treuhändenn eingesetzt und hat als solche bisher auch noch das Vorrecht, Visa für Einwanderer zu beschaffen. Es darf ganz offen festgestellt werden, daß die zionistischen Palästina-Aemter — sicherlich gegen den Willen der Leitung — diese Treuhänder-Verpflichtung einseitig ausüben. Sie haben, speziell in Polen, qualifizierte Auswanderer zurückgewiesen, weil sie Agudisten sind und Agudisten durch ihr parteiisches Vorgehen gezwungen, der zionistischen Organisation beizutreten, wenn sie auf ein Visum reflektieren. Auf diese Weise wird statt des Rechtes Gewalt geübt, und das Recht gebeugt zu Gunsten einer Parteimaschinerie. Wir werden nicht aufhören, anzuklagen, bis dieser skandalöse Zustand aufhört. Die Agudas Jisroel sieht ihr Ziel darin, dem jüdischen Volke die richtige Einheits-Organisation, den geschichtlichen einheitlichen Volkskörper wieder zu schaffen. Leider besteht in Erez Jisroel heute noch keine Aussicht auf unmittelbare Erreichung dieses Zieles. Deshab darf es für uns nur eines geben: Die individuelle Freiheit der Organisierung zu Gemeinden und Gemeinschaften. Das ist das Problem des Gemeindegesetzes, um das der Kampf eben tobt. Neben der Organisation zu „neutralen", das heißt unjüdischen, europäischen, Gemeinden, deren Bildung nun einmal nicht verhindert werden kann, muß eine Gemeinschaft der Thoratreuen entstehen, eine Gemeinschaft, die durch ihre Existenz allein schon protestiert gegen den Aufbau des heiligen Landes in unheiligem, unjüdifchem Sinne. Die Agudas Jisroel hat jedoch ihre Bereitschaft dazu bewiesen, in Außeninteressen und in politischen Angelegenheiten gemeinsam mit den anderen Organisationen vorzugehen, allerdings nur und insoweit, als kulturelle und religiöse Fragen nicht berührt werden. Der Redner behandelte alsdann auch die Frage der Jewish Agency. Zur Frage der Erziehung ist zu bemerken, daß bereits in früherer Zeit ein orthodoxes Erziehungswerk in Erez Jisroel, unter der Leitung des Herrn Dr. Moses Auerbach, bestanden hat, das sich des Vertrauens der rabbinlfchen Kreise Erez Jisroels erfreute. Heute gehört ein Erziehungswerk mit allgemein kulturellem Einschlag, wenigstens in den Städten Jerusalem, Safed und Tiberias zu den Unmöglichkeiten, weil es an dem Widerstand der agudistrfchen Taurohgrößen in Crez Jisroel scheitern würde. Es ist jedoch zu hoffen, daß ein Weg gesunden wird, der es möglich macht, den Bedürfnissen des Lebens zu genügen, ohne das Primat des Thorawifsens zu gefährden und das Gewissen der rabbinischen Führer zu belasten. Die Agudas Jisroel weiß, daß ihrer auch im Golus große Ausgaben harren. Aber sie will und wird im Sinne der Mizwohtat in Crez Jisroel eine Gemeinschaft schaffen von der Thaurogeist ausstrahle in die Länder des Golus' Dem Redner dankte stürmischer Beifall., . Herr Manfred Neuberger sprach nbch über den Sinn der Rausch Chaudesch-Feiern und über die äußere und innere Verbundenheit des Rausch'Chaudesch mg Erez Jisroel. — Herr Katschalsky bemängelte die geringen finanziellen Leistungen der Ortsgruppe für Crez Jisroel. — Dann schloß der Vorsitzende, Herr Frankenthal, die Versammlung und kündigte die nächste Versammlung und Herrn Dr. Ehr.mann als Redner an, der heute Abend von dreimonatlichem Aufenthalt in Erez Jisroel zurückgekehrt fei. Personalien. Am 3. September begeht Herr Emanuel Adler. Frankfurt a. M., Rückertstrahe 64, in voller körperlicher Frische seinen siebenzigsten Geburtstag. Berichtigung. Der Schiur des Herrn Lehrer A. Hirschberg für die Jugendgruppe mittags von 12 bis 1 Uhr findet in seiner Wohnung, und nicht, wie irrtümlich in dem Zirkular angegeben war, in der Klaus statt. Dagegen findet der Schiur für die Mädchengruppe nachmittags in der Klc»s statt. Vereinskalender. (Wegen Raummangels verkürzt). Verein Mekor Lhajim. Samstag morgen nach Schul Dinim. Herr Dr. Posen, — mittags 121/4 Uhr in der Frauen, fynagoge der Klaus man D- Herr Professor Weyl. — nachmittags 4 Uhr -im Dereinslokale „Mikro", Herr Dr. W. Hofmann. — eine Stunde vor Nacht, im Hörfaal, „Midrasch", Herr H. Ha lpern. Sonntag nach Schul „Mizwas Haschern" (auch Mittwoch), Herr Red. S. Schachnowitz.. - vorm. 9% Uhr (auch Dienstag eine Stunde vor Mincho) im Dereinslokale „Gemoro"; Herr Dajan Posen. — Monta g bis einschl. Fr ei ta g nach Schul Mischna, — abends 7 Uhr (auch Mittwoch) Gemoro; Herr Rabb. Dr. Jos. Breuer. — abends 8% Uhr (auch Donnerstag) Gemoro; Herr Dr. El. Posen. I ahr z ei ts»St ist ungen: Dienstag, 1. Sept. Aron Wolf-Stiftung. Agudas Jisroel-Iugendgruppe. Sonntag, 8 Uhr vormittags, „Gemoro"; Herr Leop.Oppenheimer. — 2 Uhr nachm., „Mischna"; Herr Jacob Landau (ebenso Samstag 6 Uhr abends). —9 Uhr abends „Lektüre"; Herr Dr. Abt. Montag, l/sS Uhr abends. ..Gemoro für Fortgeschrittene"; (auch Donnerstag) Herr Hirschberg, Hegelstraße 13. — Va9 Uhr, (gemeinsam mit der Esra) Turnkursus. — %9 Uhr Dinim Herr G. Schn erb. — 9 Uhr Gemoro Herr Halpern. Dienstag, ^9 Uhr abends (auch Donnerstag). »Gemoro Herr Dr. Willy Hofmann (auch Samstag 3 Uhr). — %9 ..Gemoro" Herr S chnerb. Mittw o ch, fts9 Uhr abends, Zwanglose Aussprache — 129 Uftt „Dinim für Fortgeschrittene"; Herr G. Schn erb (ebenso Samstag 3 Uhr). Donnerstag abend *U9 Uhr (auch Sabbat 4 Uhr) „Sugiaus"; Herr L. Kurzweil. — ^9 Uhr Besprechung verschiedener Themen. Samstag, 10 Uhr morgens, „Gemoro": Herr Dr. Posen, Am Tiergarten 42. — 10 Uhr, „Kizzur Schulchan Aruch" für Anfänger, Herr Louis Kahn. — 11 Uhr „Tnach"; Herr Dr. Hofmann, Eschenheimer Anlage 1. — 12 Uhr, „Mischna" für Fortgeschrittene Herr Lehrer H irs chb erg. — V*3 Uhr, „Sidrv"; Herr Halpern. — 4-8^ Uhr, „Gemoro"; Herr Leo Schn erb. — ifa7 Uhr. „Mischna für Ansänger"; Herr G. SchnerD- Agudas Jisroel Madchengruppe. Montag, d Uhr Einführung in sie Gebetordnung, Frl. B. Katz. - 9 Uhr abends. ..Newiirn", Herr Lehrer Unna. Dienstag, abends r/z9 Uhr, „Dinim", Herr Dr. Weg er. Mittwoch, abends ft»9 Uhr, zweiter Heimabend. Hanauerlandstraße 17. Donnerstag, abends [Iß Uhr, .19 Briefe". Samstag, V2II Uhr »Tillim'^ Herr Louis Kahn. — 11 Uhr man Herr H. Frankenthal. — 4 Uhr nilfl' Herr Lehrer Hirschberg. Gebetzeilen. KS71 '2 nzv ^rciicig Abend 6.45 Samstagmorgen 8.— Samstag nachmittag 5.— Samstag abend 8.05 lDochengottesdienst: Morgens 6.15 Nachmittags 6.30 Tefilin-Legen am Morgen 4.35