Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1925)
- Date
- 1925-08-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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27. August 1925 Nr. 35 Seite 5 Der Israelit Für Sieben Mk. 40 rfg liefern wir einen eleganten Kneifer mit Gläsern, Double ohne Fassung, der eigens für Nase und Gesichtsbildung hergerichtet wird. Es ist nicht mehr nötig, daß Sie sich mit schlechtpassenden Gläsern, falsch und schief sitzenden Kneifern behelfen, die Augen dadurch vernachlässigen und schädigen. Besprechen Sie sich mit unseren Fachleuten ohne Kaufverpflichtung, wir beraten Sie gut und bedienen Sie sehr preiswert. Lieferung für alle Kassen. Orthozentrische Kneifer-Gesellschaft, Opernplatz. Für die Reise Feldstecher, Operngläser von 20.— Mk. an. Schutzbrillen und Kneifer in allen Farben geits mit der Wahl des Präsidiums. Als Präsident wird Aachum Sokolow gewählt. Ihm zur Seite sitzen im Präsidium Usischkin, Meier Berlin, Dr. Hantke, Dr. Siephan Whise-New Port, Leo Motzkin, Dr. cnuumel, Levite und Farbstein-Warschau. Sokolow übernimmt den Borsitz und gedenkt der seit dem letzten Kongreß aus dem Loben Geschiedenen. Dr. Gronemann -Berlin referiert über die Wahlresultate. Es sind 30-4 Mandate bestätigt, darunter 50 amerikanische, 35 polnische und 7 palästinensische. Darauf ergreift Weizmann das Wort zu seiner großen politischen Rede. Er führt ungefähr folgendes aus: Das Cinbürgerungsgsfetz enthält manche Lücken, bringt jedoch einige Erleichterungen. Zu dem Völkerbunde werden bessere Beziehungen angebahnt, damit dieser mehr. Interesse als bisher der Jewish Agency entgegenbringe. Die starke Einwanderung erfordere mehr Land und es müsse ein Gleichgewicht zwischen der Stadt- und Landansiedlung hergestellt werden. Die Beziehungen zu den Arabern haben sich gebessert. Eine Zusammenarbeit sei möglich und zu erhoffen. Die hebräische Universität komme auch ihnen zugute. Die Exekutive hätte mehr leisten können, wenn ihr größere Mittel zur Verfügung gestanden hätten. Dem neuen Oberkommissar Lord Plumer sei Vertrauen entgegenzubringen. Herbert Samuel stellt er das Zeugnis aus, daß er stets das Beste gewollt und sein Bestes für das jüdische Nationalheim getan hätte. Sokolow ergänzt die Ausführungen Weizmanns, wobei er auch auf die antisemitische Hetze gegen den Kongreß in Wien zu sprechen kommt und konstatiert, daß sich der Antisemitismus gegen die Existenz der Juden überhaupt richtet. Damit schließt die Vormittagssitzung. Der Mittwochnachmittag ist angefüllt mit Referaten von Georg H a l p e r n über „Die wirtschaftlichen Probleme des Palästina-Aufbaus", von Dr. R u p p i n über „Die Kolonisation" und von Kaplanski über „Die landwirtschaftliche Kolonisation". Halpern stellt Tel- Awiw bei all den noch herrschenden Mängeln als Muster des Aufbaues hin, den keiner kritisieren dürfe, der nicht dabei aktiv mitgewirkt hat. Die Einwanderung dürfe unter gar keiner Begründung eingeschränkt werden. Dr. Ruppin teilt mit, daß die jüdische Bevölkerung in Palästina zur Zeit 135 000 Seelen zählt und ein Sechstel der Gesamtbevölkerung ausmacht. Etwa eine Million Dunam, 5 Prozent der Gesamtfläche, sind in jüdischen Händen. Der vom letzten Kongreß beschlossene Kolonisationssonds ist nicht zustande gekommen und müßte heute noch geschaffen werden. Er plädiert für eine große nationale Anleihe von 100Millionen. —Kaplanski wünscht die Kultivierung des gekauften Bodens und legt Pläne für neue größere Ansiedlungen vor. Er hält den ganzen Zionismus für ein soziales Aufbauproblem, welches ohne den sozialen Idealismus der Arbeiterschaft nicht gelöst werden kann. Damit schließt die Nachmittagssitzung vom Mittwoch. Die Generaldebatte. Am Donnerstag vormittag hält Dr. E. S o s k i n scin Korreferat über die Kolonisation Paläst i n a s, zur Begründung seines Projektes einer aus intensiver Landwirtschaft beruhenden Kolonie. Vom Präsidium wird erklärt, daß das Referat Soskins nicht als ein von der Exekutive festgesetzter Programmpunkt, sondern als Einleitung zur Generaldebatte zu betrachten fei. Diese beginnt nun mit einer Erklärung Farbsteinsdüarfchau cm Namen des Misrachi. In der Eröffnung der hebräischen Universität sieht er einen Erfolg, aber auch den einzigen der Exekutive. An der Verstärkung der euen Einwanderung habe die Exekutive gar kein Verdienst. Gegen die Aeußerung des Kolonialministers ^lmery, die Juden würden niemals die Mehrheit in Erez Jisroel erlangen, müsse man protestieren. Alle Einwanderungsbeschränkungen müssen fallen. Die Executive hätte nicht alles getan, um die Wahl eines nichtjüdischen Oberkommissars abzuwenden. Ein solcher dürfe überhaupt nicht ohne Einvernehmen mit der Jewish Agency gewählt werden. Für die Industrialisierung des Landes fei nichts getan worden. Dr. Ruppin sei ein Gegner der Einwanderung und gehöre nicht an die Spitze des Einwanderungsamtes. Farbstein ist für die Erweiterung der Jewish Ageny, aber erst, wenn der A l l j ü d i s ch e Kongreß stattgefunden hat. — Dr. Gottlieb als Vertreter der Gruppe „Eth liwnoth" wünscht ebenfalls eine uneingeschränkte Einwanderung in Palästina. Die „vierte Alia" hält er für bedeutend. Die Einwanderung von „Ralewki" (die gesetzestreuen Massen) dürfe nicht unterschätzt werden. — Arlosoroff spricht für „Hithachduth" der Exekutive das Vertrauen aus. Herbert Samuel muß unter allen Umständen dem Palästinaaufbau erhalten bleiben. Seine Forderungen gehen auf eine größere Kolonisationsarbeit hinaus. Donnerstag nachmittag leitet Kurt B l u m e n f e l d mit dem Programm der deutschen Landmanns ch a f t die fünfte Sitzung ein. Er sagt u. a.: „Zionismus ist für uns nationale Erneuerung des jüdischen Volkes. Die Deutschen wollen mit dem Problem der Palästinaeinwanderung politisch fertig werden, darum verlangen sie mit aller Kraft Kontrolle der Einwanderung durch die zionistische Organisation. Das städtische Element muß in die Landwirtschaft überführt werden." Der Exekutive und Weizmann spricht er das Vertrauen aus. Die geplante Anleihe dürfe nicht gegen Keren Hajesod gerichtet sein, sie sei aus der Grundlage der Volkssteuer gedacht. Sio|cFs-fta*|cftono- I Sfüchwünjchc Können in drei Größen veröffentlicht werden: Größe 110 Zeilen Ispaltig zu Mk 4. — Größe II15 Zeilen Ispaltig zu Mk. 6. - Größe II110 Zeilen 2spaltig zu Mk. 8.— Die Beträge wolle man aus Postscheckkonto 8 Nr. 19302 überweisen, den Text durch Post- 8 Karte einsenden. Texte, die bis zum 13. Sep- 8 tember morgens in unserem Besitze sind, werden 8 Im der Nosch-ha-schono-Nummer, später ein- 8 treffende in der darauffolgenden veröffentlicht. 8 Wer seine Glückwünsche zu Gunsten von 8 Erez Israel abzulolen wünscht, wolle dem nach 8 Belieben sestzusetzenden Ablösungsbetrag eine 8 Gebühr von WPfennig für die Veröffentlichung 8 von Namen und Wohnort im Sammelinserat 8 beifügen. 8 Frankfurt a. M., 20. August 1925. 8 vmag <le§ „Zzraelit" 6. m. v. y 8 ■fjmwwaM'MBiuNiiii imWWHHH IIIIIMMI'I Illlll'iil'llllflil IM'liINlMIMIWIMMimm Stephan Wise übernimmt den Vorsitz mit einer längeren Ansprache, in der er den amerikanischen Standpunkt entwickelt und sich auch für den alljüdischen Kongreß ausspricht. Das Wort ergreift G r ü n - bäum als Führer der scharfen Opposition gegen die Exekutive und Weizmann. Menschen, die wie die Amerikaner — nach den Mitteilungen Wises — für Palästina eine Million, für die Krim dagegen 15 Millionen aufbringen, hätten reine Beziehungen zu Palästina und kämen für den Aufbau nicht ernstlich in Betracht. Darum müsse der Zionismus weiter im Vertrauen auf seine eigenen Kräfte seinen Weg gehen. Es fei unverantwortlich von Weizmann, aus solchen Kreisen Mitarbeiter an der Jewish Agency heranzuziehen. Die Hilfe kommt nicht aus Amerika, sondern aus Polen, wo die Bewegung die Menschen auch mitreißt. Wenn die Organisation meint, sie sei heute allein der Aufgabe nicht gowachseu, so wäre es um sie geschehen. Er wirft der Exekutive Systemlosigkeit vor. Es fehle an Tendenz, an Richtlinien. Darunter leide die Einwanderung. Die Massenimmigration sei nicht den verbesserten Zuständen in Palästina, sondern der Krisis in den Auswanderungslündern 311311schreiben und der Tatsache, daß die anderen Länder den Juden versperrt sind. Der Strom muß bewältigt und geregelt werden. Nach wie vor muß der Exekutive gesagt werden, daß sie sich selbst und der Bewegung untreu geworden ist, sie sei nicht mehr Hüterin der reinen zionistycyen Wahrheit. Sodann ergreift ein Mitglied der Exekutive, Louis L i p s k i, im Namen der Zionisten in Amerika das Wort. Er verteidigt den amerikanischen Standpunkt und spricht Weizmann das Vertrauen der Amerikaner aus. Die Erweiterung der Jewish Agency ist eine Lebensnotwendigkeit für das jüdische Nationalheim in Palästina. Das Krimprojekt hält auch Lipski für ein Hindernis und eine Schwächung der finanziellen Macht im jüdischen Amerika. Im übrigen plädiert er für eine Verlegung der Exekutive nach Palästina, wo sich ihr moralischer Einfluß in hohem Matze steigern würde. Dr. Reich spricht für die 0 st g a l i z i s ch e Organisation, die sich zu keiner Richtung bekennt. Alle Schichten müßten in Palästina die Möglichkeit haben, sich so ausz uleben, wie es ihrem jüdischen Wesen entspricht. — Subraski -Palästina meint, die Leistungen des jüdischen Volkes in den letzten paar Jahren für den Aufbau seien enorm gewesen. „Von den 8 Millionen Pfund, die die neuen Einwanderer ins Land gebracht, ist die Hälfte; in Arbeitslöhnen angelegt worden. Die ganze Arbeit liegt in jüdischen Händen. Die angeblichen Händler und Agenten haben neue Industrien geschaffen. Die zionistische Organisation hat ihre Pflicht gegen die Einwanderer nicht erfüllt. Von den Keren Hajessod-Geldern.wurden nur etwa 2 Prozent für Familienväter verwendet. Hunderte von Familien wollten sich niederlassen und von der Leitung ist nichts geschehen, diesen zu helfen. Die ganze Kolonisationsarbeit ist einer Richtung ausgeliefert. Es fehlt an einer unparteiischen Instanz für den Ausgleich zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern. Rur das jüdische Volk hat seine Pflicht erfüllt, weniger aber der Zionismus und die englische Verwaltung." — Ben G u r i 0 n („Achduth Haawoda", Palästina) erklärt es als Verleumdung, wenn behauptet wird, der jüdische Palästinaarbeiter sei gegen die Einwanderung. Auch der Bericht Herbert Samuels bestätigt die Feststellungen des Vorredners, daß die englische Negierung ihre Pflicht gegen Palästina nicht ganz erfüllt hätte. Am Freitag morgen wird die Generaldebatte fortgesetzt. Rabbiner Dr. Niemirower, Rumänien, kann nicht im Namen der rumänischen Landsmannschaft sprechen, weil diese keine einheitliche Richtung habe. Für seine Person hegt er einige Bedenken und Befürchtungen gegen die derzeitigen Zustände und auch gegen die „vierte Aliah". — Mereminski von der „Zeire Zion" möchte Amerys Erklärung, Samuels Abgang und manches andere nicht ohne Protest hinnehmen. Das neue Einwanderungsgesetz sei viel gefährlicher als das vorhergehende. Die Leitung hätte nichts getan, das den Arabern gewährte Recht der Einwanderung nach Transj 0 r d a n i e n auch für die Juden zu sichern. — Chiefrabbi Dr. Landau, Südafrika, verspricht der Organisation die weitgehendste Unterstützung der Juden Südafrikas, die Vertrauen zur Exekutive hätten. — Ebenso bringt Dr. Thon für die w e st g a l i z i s ch e Landsmannschaft der Leitung Vertrauen entgegen, wiewohl er zugeben muß, daß das Mandat nicht ganz so ausgeführt wurde wie es versprochen war. — Jean Fischer, Antwerpen, konstatiert, daß wir uns dem „völkerrechtlichen Zionismus" nähern, der nicht allein von England abhüngen kann. Es folgt nun eine lange Oppositionsrede Jabot i n s k i s , der in allen Teilen der Exekutive das Vertrauen versagt. Der ganze Weg sei falsch. Mit diesem Tempo der Einwanderung sei es unmöglich, die dringend nötige jüdische Mehrheit zu schaffen. Alle kleinen Erfolge täuschen darüber nicht hinweg. Die englische Regierung habe gegen den Geist und Buchstaben des Mandates besonders bei Beamtenbesetzungen gehandelt. Man solle sin) nicht der Illusion hingeben, als könnte man die anderen Kreise, die man zur Arbeit heranzieht, bekehren. — Schmarjahu Lewin tritt in einigen Punkten Jabotinsky entgegen, verbreitet sich aber sodann über die Arbeit der Exekutive im allgemeinen. Damit schließt die Vormittagssitzung am Freitag. Am Freitag nachmittag sinder eine kurze Sitzung statt, in der noch Redner aus England, Tschechoslowakei, Argentinien, Rumänien und Bulgarien, teils mit Bertrauenserklärungen, teils mit Kritik zu Worte kommen. Am Samstag ruht der Kongreß. Sonntag morgen gab Weizmann iu längerer, ruhiger und sachlicher Rede der Opposition und ihren hauptsächlichsten Wortführern, Jabotinfki und Grünbauin, eingehende Antwort, auf die Grenzen der Möglichkeit in