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Der Israelit · 1925-08-27 · Heft 35 (27.8.1925) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 35 (27.8.1925)
Date
1925-08-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Sette 6 Nr. 35 Der Israelit 27. August 1925 der zionistischen Außen- und Innenpolitik hinweisend. Ueber den Inhalt dieser Rede und den weiteren Verlaus des Kongresses erfolgt noch näherer Bericht. Die Wellkonferenz des „Misrachi". Wien, 23. August. Von der dieser Tage zu Ende gegangenen Misrachi- Weltkonferenz ergibt sich nach den Berichten folgendes Gesamtbild: Die Sitzungen begannen Montag, den 10. August, abends 9 Uhr mit einer hebräischen Begrüßungsrede von Hermann Struck, worauf Professor Pick ein längeres Referat in deutscher Sprache über die Geschichte des Misrachi hielt. Misrachi suche aus dem Gebiete der Erziehung den alten Geist, freilich in neuer Form zu erhalten. Er hoffe, daß der „Poel Hamisrachi", der sich vom Misrachi getrennt hat, bald wiederkommt. — Rabbiner Fischmann hält sodann eine hebräische Ansprache. Misrachi hätte mehr für die zionistische Organisation getan als für sich selbst. Die Erfolge von Keren Hajessod, Keren Kajemes und auch die in Amerika sind Misrachi zu verdanken, wofür aber der Misrachi von der Organisation keinen Dank erhielt. Mit der bisher geübten Geduld müsse es nun ein Ende haben. Die Phrase, der Zionismus habe mit Religion nichts zu tun, müsse weichen, und das neue Budget müsse für alle religiösen Bedürfnisse des Misrachi weitreichende Mittel zur Verfügung stellen. Oberrabbiner Dr. C h a j e s stellt in seiner Begrüßung der Konferenz die Formel auf: „Judentum ohne Zionismus ist kein Judentum". Er mahnt die Misrachisten, mir ihren Forderungen nicht zu weit zu gehen und mit ihrer Kritik nicht zu scharf zu sein. — Rabbiner Dr. Feuchtw a n g , im Namen der österreichischen Misrachisten, teilt mit, daß Misrachi in Wien sehr gering an Zahl ist. Seine Schluhparole lautet: „Die Zionistische Organisation ist heilig, Misrachi aber ist das Allerheiligpe:' Es folgt noch eine Begrüßung des Herrn L i p s ch ü tz , Jerusalem, im Namen des misrachistifchen Lehrerseminars. Die Verhandlungen am Dienstag vormittag leitet F a r b st e i n , Warschau. Unter den Delegierten sitzen fünf Frauen, von denen eine, Frau Dr. Möller, gleich zur Tagesordnung spricht. Rabbiner F i s ch m a n n klagt über die ungenügende Berücksichtigung des Misrachi im zionistischen Budget, worunter das misrachistische Lehrerseminar in Palästina zu leiden hat. Sehr benachteiligt fühle sich auch der „Hapoel Hamisrachi". Er spricht dann über die Differenzen mit den misrachistifchen Arbeitern. Bezüglich der Frauenfrage meint er: „Nachdem wir hier mit den weiblichen Delegierten an einem Tische sitzen, so können wir uns in dieser Frage auch in Palästina nicht selbst desavouieren. Unser Protest richtet sich nur da- Es ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesetzlichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. ZUCKERKRANKE Aleuronat - Gebäcke von allen Autoritäten empfohlen MAGENKRANKE ßodenbach’s Grahambrof KARL KISSINGER Herrenschneiderei Massanfertigung in höchster Vollendung ZEIL 123' (Zeilpalast) Tel. Taunus 429 Die glückliche Geburt eines gesunden JUNGEN zeigen hocherfreut an Jakob Michael u. Frau Erna geb. Sondheimer z. Zeit Zürich, Klinik Prof. Walthard. 26. August 1925. gegen, daß die Linke sich dem Volksentscheid über das Frauenwahlrecht in den Weg stellt. Nachdem >s Misrachi in fünfjähriger Arbeit gelungen ist, auf die gemäßigten Gesetzestreuen dahin einzuwirken, daß sie sich in dieser Frage einem Volksentscheide unterordnen, sei es unverantwortlich von der Linken und von der Organisation, daß' sie diese Enquete verhindert. Die zionistische Organisation ignoriert Misrachi vollkommen. In religiösen Fragen verhandelt sie mit Agudas Jisroel und in wirtschaftlichen mit der Arbeiterpartei. Bei den Londoner Verhandlungen i st es unsnachtelegraphischen und schriftlichen Protesten noch in zwölfter Stunde gelungen, eine Stimme in der Kommission zu erhalten. Eine Vereinbarung der zionistischen Partei mit der Aguda würde eine Zerstörung des Judentums bedeuten, weil das Gemeindegesetz in der Fassung der Agudas Jisroel eine direkte Gefahr für den Einheitscharakter der palästinensischen Judenheit ist." Professor P i ck verlangt, auf den gegen die misrachistischen Arbeiter in Jaffa und Haifa ausgeübten Terror hinweisend, mehr misrachistische Vertreter in der Exekutive. In der folgenden Sitzung unterzieht Landau, Warschau, die Misrachileitung einer scharfen Kritik. Schwere Angriffe richtet er gegen Rabbiner Fischmann, den er für die Trennung der Misrachiarbeiter verantwortlich macht. Für eigentliche Palästinaarbeit habe Misrachi kein Geld, dagegen recht viel für seine politischen Zwecke. Im Neuangestellten Beamtenstabe des Nationalfond befinde sich kein einziger Misrachist. Weiter ergehen sich in scharfer Kritik gegen die Misrachileitung, speziell auch gegen Fischmann, Deputierter Federbusch, M. D. Großmann, Dr. Barth, Philipp Meier, Rabbiner Gold. Ein „linker Misrachiarbeiter" kommt in V e n n u n aus Palästina zu Wort. Er sagt, die „linken Misrachisten" seien genau so religiös wie die rechten. Die jetzige Leitung des Misrachi bedeute eine Zerstörung der Organisation. Neunzig Prozent des „Poel Hamisrachi" haben sich angeschlossen und der Rest wird es bald tun müssen, da Hapoel Hamisrachi für sich nicht existenzfähig sei. — Landau, Warschau, erkennt den „linken Misrachisten" das Recht ab, sich Misrachi zu nennen, wiewohl sich auch unter ihnen, wie übrigens auch unter den Agudisten, (?) vereinzelt gute Juden befinden mögen. Am Mittwochnachmittag referiert Frau Dr. Pick unter Vorsitz des Rabbiners Samuel Brod aus Lipna über die Lage in Palästina. Am Donnerstag vormittag spricht Dr. F e l d m a n n, Warschau, über den Zionismus in Polen. „Der Zionismus will, gegen die bisherige Auffassung, die Religion sei das einzige Lebenselement des Volkes, zeigen, daß Land und Sprache schon als Zusammenhalt genügen. Das fei aber unwahr. Die Formel: „Religion ist Privatsache", bedeutet die Entnationalisierung des alten historischen Judentums zu Gunsten einer neuen Nation, von der es noch fraglich ist, ob sie jemals gebildet wird. Misrachi ist seinem innersten Ideengehalte nach Gegner des Zionismus. Es gibt bei uns keine Grenze zwischen heilig und profan. Wer in den Bethäusern verkehrt. hätten schon längst sagen müssen, daß der Zionismus eine Gefahr für das jüdiscye V o l k ist. Wir sind nur gut als Geldgeber, wenn wir etwas erhalten sollen, dann sind wir Schnorrer." Aehnliches sagt Rabbiner R i b a n s k i, Klschinew. Die jüdischen Massen in Bessarabien wollen die zionistischen Redner nicht anhören. Ein zionistischer Redner für -en Keren Hajessod konnte, als er in der Synagoge zur Thora gerufen wurde, nicht die Brocho sprechen. Er, Rabbi Ribanski, müsse drei Monate im Jahre schwer arbeiten, um den Keren Hajessod bei den Massen populär zu machen. Lazarus Barth, Berlin, tritt der Kritik entgegen. „Es darf nicht die Meinung Platz greifen, daß die M i s r a ch i - I d e o l o g i e der Schulchan Aruch ist. Nicht der Schulchan Aruch, sondern das jüdische Volk steht im Mittelpunkt der Mlsrachi-Jdee. Der Schulchan Aruch ist ein Produkt des G o l u s. Als wir aus Palästina auswanderten, hatten wir T n a ch, und wir greifen, nach Palästina zurückgekehrt, wieder nach dem Tnach. Wir können uns in Palästina nicht an Schulchan Aruch allein halten." — Farbstein: „Solches v^n einem Misrachisten in einer Misrachiversammlung zu vernehmen, ist unerhört. In der Wahl zwischen Erez Jisroel ohne Thora und Golus mit Thora wählen wir das letztere. Die Ansichten Barths decken sich mit denen Grünebaums." Dr. W o l f f s b e r g meint, es sei Aufgabe des Misrachi, einen Weg zu suchen zum geistigen Kompromiß zwischen Forschung und Ueberlieferung. — Rabbiner Beermann, Jerusalem,sagt,dieAreligiösiM in Palästina schade stark der ganzen zionistischen Politik, denn die Völker erkennen uns Palästina nur auf Grund des biblischen Rechtes zu. — Rabbiner Roth ist der Meinung, daß die Misrachisten jeden Anspruch auf diesen Namen verlieren, sobald sie nur einen Punkt ihrer religiösen Forderungen fallen lassen. Der zionistischen Neutralität gegen die Religion traut er nicht. — Mine, Wilna, ist ebenfalls der Ansicht, daß man für Keren Hajessod nicht arbeiten könne, solange in Palästina ösfentlich der Sabbat entweiht wird. Im Wilnaer Palästinaamt werden die Chaluzim vor der Erteilung der Zertifikate einem förmlichen Examen bezüglich ihrer zionistischen Gesinnung unterzogen. Sollte es nicht möglich sein, die Tore Palästinas weit der religiösen Emigration zu öffnen, so werden die Wilnaer Misrachisten aus der Organisation austreten. — Rabbiner Teitelbaum, Amerika, sagt, daß solange Misrachi von selbst die Ausgaben nicht bestreiten kann, er in der Organisation bleiben muß. — Lazarus Barth verteidigt noch einmal seinen Standpunkt über die Unverbindlichkeit des Schulchan Aruch in P alästin a. Hielten wir fest an dieser Verbindlichkeit, so sähe er keinen Unterschied zwischen Misrachi und Aguda. Wiederum stellt er die Behauptung auf, Talmud und Schulchan Aruch seien nur ein Kompromiß zwischen Erez Jisroel und dem Golus. Den Schulchan Aruch will er im Golus lassen und in Palästina zum Tnach zurückkehren. Er meint zum Schluß: „Wir sind doch unter uns und könnten uns offen aussprechen." — Rabbi Meier Berlin ist tief betrübt, daß solche Meinungen in der Konferenz zum Ausdruck gelangen konnten. Wir haben in Wahrheit die gleichen Anschauungen wie Agudas Jisroel, nur, daß wir in der Praxis ein geeintes Judentum wollen. Teitelbaum, W'en, meint gar, Misrachi lebe, im Gegensatz zur Aguda, nach dem Rambam, womit er einen solchen Tumult auslöst, daß er die Tribüne verlassen muß. Damit ist die öffentliche Sitzung geschlossen. Der Rest der Verhandlungen wird in Kommissionssitzungen hinter geschlossenen Türen erledigt. (Siehe „Wochenrundfchau".) Das Urteil im Lemberger Prozeß. Lemberg, 20. August. Am 18. August abends ist das Urteil in dem Prozeß gegen die Lemberger Juden verkündet worden. Die jüdischen Angeklagten, Ing. Kornhaber, Buchdruckereibesitzer Jäger und Apotheker Glasermann, sowie der Privatdetektiv Dwornicki wurden von der Anklage der Verleumdung und der Anstiftung zu falscher Zeugenaussage reigesprochen. Der frühere Polizeikonfident Mikietin wurde wegen der erwähnten Delikte zu drei Jahren schweren Kerkers und zur Zahlung von 6000 Zloty Entschädigung an den Rechtsanwalt des Ukrainers Panczyszyn verurteilt. Durch dieses Urteil hat das Gericht ausgesprochen, daß Kornhaber, Jäger und Glasermann von sich aus keine Anstalten getroffen haben, in das Verfahren gegen den jüdischen Studenten Steiger einzugreifen, sondern nur, als Mikietin an sie herantrat, und sich erbot, Beweise für die Schuld Panczyszyns und die Unschuld Steigers an dem Attentate gegen den Staatspräsidenten zu erbringen, Schritte unternahmen, um die Wahrheit aufzuklären. Freilich gelang es der Verteidigung nicht, den Gerichtshof dazu zu bewegen, die Verdachtsmomente gegen Panczyszyn und die Entlastungsmomente für Steiger näher zu prüfen. Der Prozeß, der vom 8. Juli bis 18. August währte, hat die Judenheit Polens in ununterbrochener Spannung gehalten; der Freispruch der jüdischen Angeklagten wurde mit großer Genugtuung entgegengenommen. — Der Prozeß gegen Steiger wird im Oktober stattfinden. NRHRM1TTELFABRIK FRIEDRICH GÜNTHER Verkauf Hermes weg 3—12 » Hansa 3862 u.795 sowie in den Filialen der Brot- 11. Kecksiabrik Osthaien G. m. b. H. weiß, daß das Volk den Zionismus ablehnt. Misrachi hat hierin Missionsdienste geleistet. Unsere Stellung im Zionismus ist eine recht traurige. Wir haben die Ausgabe, als Agitatoren zu wirken für eine Bewegung, die dem jüdischen Volke schädlich ist. Wir

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