Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1925-08-20 · Heft 34 (20.8.1925) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 34 (20.8.1925)
Date
1925-08-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2450337-2450370--72439-2529812
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

*Z<£'iile 6 34 et Israelit 20 August 1925 liegenden Ortsgruppen des Bundes ausgenommen werden, führt die Teilnehmer nach Köln, wo abermals eine Tagung stattfinden wird. Bei den Versammlungen in Worms wie auch in Köln werden prominente Redner wie der Landtagsabgeordnete Justizrat Bernhard F a l das Vundesvorstandsmitglied Dr. Ludwig Haas (Karls ruhe), Staatsrat a. D. und Mitglied des Reichstages u. a sprechen. Ferner werden Vertreter von Behörden und Korporationen das Wort ergreifen. Es wird der Er Wartung Ausdruck gegeben, daß die Teilnehmer schon am Freitag in Worms eintreffen. Auch die Deutschnationalen. München, 16. August. Mit Unterstützung der deutschnationalen Fraktion hat der Abgeordnete Brügel neuerdings die folgende An frage an die Bayerische Staatsregierung gerichtet: „Durch das unglaubliche Borgehen des polnischen Staates gegen deutsche Reichsangehörige werden zur Zeit die Polen, als selbstverständliche Gegenmaßnahme, aus Deutschland ausgewiesen. Hat die Bayerische Staats regierung diese Gelegenheit benutzt, alle in Bayern an sässige Polen, insbesondere polnische Juden, abzu schieben?" Von der Msrachi-Weltkonserenz. Wien, 16. August Auf der M i s r a ch i - W e l t k o n f e r e n z die zur Zeit in Wien tagt, führte Sejmdeputierter Federbusch in der Generaldebatte aus, man hätte es in der Sache des F r a u e n w a h l r e ch t e s in Palästina nicht so weit kommen lassen sollen, es wäre möglich gewesen, den Bruch zu verhindern. Rabbiner Groß (Wien) übte scharfe Kritik an Rabbi Fischmann und seiner Tätigkeit in der Misrachi-Zentrale und regte an, den „Merkas Olami" („Weltverbandsbüro") nach Europa zu verlegen. Dr. Barth (Deutschland) findet die Kritik an Rabbi Fischmann berechtigt; die Spaltung im „Hapoel Hamisrachi" hätte vermieden werden können. Philipp Mayer (Palästina) empfiehlt weniger Kritik und mehr praktische Arbeit in Palästina. Er beantragt die Auswahl fähigerer Persönlichkeiten für die Führung der Misrachi-Weltzentrale. Auch Rabbi de Bries (Harlem) findet die Kritik an sich unfruchtbar, man solle lieber die nötigen Mittel für eine großzügige Arbeit auftreiben. In der Sitzung vom 13. August verlas der Vorsitzende, Rabbi Landau (Johannisburg), eine Reihe von Begrüßungen, darunter vom amerikanischen Rabbineroerband und von dem Chassidim-Rabbi Friedmann aus Husiatyn. E. M. L i p s ch i tz (Palästina) sprach über das Erziehungswesen und führte aus, der Misrachi bestrebe sich, in Palästina einen Schultypus zu schaffen, der keine Trennung von religiösem und profanem Wissen herbeisühre. K. Frankel (Jerusalem) hielt das Referat über die A l i j a h und führte aus, der Wanderapparat müsse so ausgebaut werden, daß er für 5000 Einwanderer monatlich genüge. Landau hielt ein Referat über den „Ehaluz Hamisrachi", der bereits 10 000 Chaluzim herangebildet hat, die auf Einwanderungs-Zertifikate warten. Die (Lcirffnung dos E-iouisteukongreffes. Wien, 19. August. Der Zionistenkongreh wurde Dienstag abend im Konzertsaale unter ungewöhnlich großer Beteiligung eröffnet. Der Kongreß steht buchstäblich unter dem Bajonettenschutz der österreichischen Bundespvlizei. Indes hat man das Gefühl, daß die hakenkreuzlerische Hetze die stärkste Reklame für den Kongreß gewesen ist, denn nie und nirgends hat bis jetzt die jüdische und die Stadtbevölkerung, ja das ganze Land so reges Interesse an dem Zionismus in seiner Heeresschau genommen, wie es jetzt in Wien der Fall ist. Es scheint beinahe so, als wären alle anderen politischen und sozialen Fragen zurückgestellt worden und würde die Oeffentlichkeit nur noch einzig und allein die Kongreßftuge beschäftigen. Am Montag abend kam es in verschiedenen Teilen der Stadt zu förmlichen Straßenschlachten zwischen Bölk' öen und der Polizei, die ganz auf der Höhe ihrer Ausgabe ist. Dienstag abend zur Stunde der Eröffnung war es verhältnismäßig ruhig. Die Polizei hatte alle Zugangsstraßsn zum Kongrehgebäude streng abgesperrt und die Radauszenen vor den Polizeikordonen konnten nicht störend zu den Verhandlungen dringen. Man hofft, daß die Szenen von Montag abend den Schlußakt zu der ganzen Hetze bildeten. Es bewahrheitet sich die alte, überall gemachte «Erfahrung: Ausschreitungen gegen die Juden finden nicht statt, wenn die Polizei nicht will. Die Eröffnungssitzung am Dienstag abend ging mit der üblichen Feierlichkeit vor sich. Reben den etwa 500 Delegierten zählten die Gäste nach Tausenden. Regierung, Staats- und Stadtbehörden waren vertreten, ebenso Vertreter fast aller Gesandtschaften. Große Ovationen wurden dem englischen Gesandten dargebracht. Bei Nennung des Namens Balfour in der Begrüßungsrede erhob sich die ganze Versammlung spontan. Dr. W e i z m a n n verlas die Eröffnungsrede in seiner schlichten Art. Er hofft, daß das jüdische Volk bald als Glied in die Reihe der Völker eintrete und begrüßt dementsprechend mir besonderer Freude die diesesmal in sehr großer Anzahl erschienenen Vertreter Palästinas. Nach ihm spricht der immer noch jugendliche Nachum S o k o l o w im Namen der Exekutive. Nach üblichen Begrüßungen hält Oberrabbiner Dr. Chajes sein Referat über das Thema: „Zionismus als Weltproblem". Seine Ausführungen schließen mit der Feststellung, daß die Behandlung der Juden stets ein Gradmesser für den Kulturstand des betreffenden Landes ist. Damit erreicht die Eröffnungssitzung ohne Störung ihr Ende. Der Lemberger Prozeß. Lemberg, 14. August. Zu spannenden Momenten kam es während der Ver nehmung des Untersuchungsrichters Dr. Piotrowsky der zugleich mit Rutka die Untersuchung gegen die ange klagten Juden geführt hat. Wie erinnerlich, wurde Dr. Piotrowsky gleich zu Beginn des Prozesses vom Gs richtspräsidenten seiner Funktionen als Protokollführer enthoben, weil die Verteidigung zahlreiche Fälle vorge bracht hat, die Piotrowskys Voreingenommenheit erwiesen. Auch diesmal brachten die Verteidiger zur Sprache, daß Dr. Piotrowsky verboten hatte, daß man den jüdischen Untersuchungsgefangenen außer der Ge- «ängniskost, die sie nicht vertragen konnten, etwas zum Essen bringe, während er gleichzeitig Mikietin in dieser Beziehung alle Freiheit ließ, um ihn zu belastenden Ansagen gegen die Juden zu bewegen. Auch durfte Mikietin Briese schreiben und Besuche von Angehörigen empfangen, während dies Jäger, Kornhaber und Glasermann durchaus verboten war. Piotrowsky antwortete daraus, das Elend Mikietins habe ihn gerührt, mit den Juden aber hatte er kein Mitleid, deren Familienange hörige kümmerten sich schon genug um sie. — Große Sensation riefen die Angaben des Verteidigers Dr. Rainer hervor, daß Dr. Piotrowsky die Familie Panczyszyn beraten habe, wie sie vor Gericht auszuagen hätten. Auch habe er während der Beratung der Berteidiger hinter der Tür gehorcht. Dr. Ratner nannte als Zeugen für dieses Verhalten Piotrowskys den Vizepräsidenten der Advokatenkammer Dr. Ludwig Sandawer und Ing. Jäger. — Auch Mikietin erhob schwere Beschuldigungen gegen Piotrowsky und erzählte, dieser abe ihm antisemitische Literatur zu lesen gegeben und ihm einmal einen judenhetzerischen Artikel aus einer antiemitischen Zeitung vorgelesen. (I. T. A.) Ein bedeutsames Dokument für unser Erziehungssystem. K r a k a u, 12. August. Die Räume unserer Talmud Thoraschule, gegründet tm 17. Jahrhundert von Rabbi Joel S i r k e s , genannt der „Vach", zeigten sich vor einigen Jahren als zu klein und es wurde beschlossen, das Gebäude durch den Anbau eines zweiten Stockes zu erweitern. Leider konnte bis jetzt die Arbeit aus Mangel an materiellen Mitteln nicht zu Ende geführt werden. Die Talmud Thoraschule könnte auf eigene Füße gesellt werden, wenn man sich dazu entschließen würde, dem Agudaplane zuzustimmen und profane Disziplinen in bescheidenem Maße in den Lehrplan aufzunehmsn. Es haben darüber schon wiederholt Beratungen stattgefunden, die . aber ohne Resultat verliefen, da die Radomsker Chassidim, aber auch Agudagegner vom linken Lager, alle Pläne vereiteln. Run aber machte man eine enfationelle Entdeckung, die vielleicht auch den Gegnern zu denken geben wird. Man fand eine alte Verordnung aus der Hand des Rabbi Joel Sirkes V'xt die u. a. olgende Paragraphen enthält: 6)' „Der Lehrer und dessen Gehilfe lernen mit den Kindern das Olef bes, das Lesen aus dem Gebetbuch und Chummisch mit der Uebersetzung des nvv -n (vermutlich eine jüdisch-deutsche Uebersetzung der damaligen Zell), ebenso den Raschikommentar und die einschlägigen Gebete vor den Feiertagen. Außerdem haben die Lehrer den Schülern gute Sitte und ordentliche Führung beiznbringen, auch sollen sie die Kenntnis der nichtjüdischen Lettern vermitteln, in denen die prosanen Bücher gedruckt sind, auf daß sie auch aus diesen Büchern Moral und gute Sitte lernen; ebenso die Kunst des Schreibens in den Buchstaben und der Sprache der Nichtjuden. Ferner soll die hebräische Grammatik in der Schule betrieben werden in all ihren Arten, dann auch Rechnen. Zeichnet sich einer der Schüler durch Fähigkeiten für die mchtjüdischen Disziplinen aus, so fange man mit ihm auch gleichzeitig den Unterricht in Gemoro, Raschi und Tosefot an." 8) „Erweist sich ein Junge im Alter von vierzehn Jahren als unfähig für den Gemorounterricht, so führe man ihn einem Handwerke oder einer Handelsl e h r st e l l e zu. Auf all dieses achten die Vorstände der Talmud Thora mit aller Genauigkeit.-" Dieses bedeutungsvolle Schriftstück, eigenhändig unterzeichnet von Rabbi Joel Sirkes, befindet sich in dem Pinkes" (Memoirenbuch) der Talmud Thora und kann von Jedem eingesehen werden.. Würde man sich allerseits an die Verordnungen des „Bach" bezüglich des Minimums von Profanunterricht in der Schule halten, fo wäre das Problem bestens gelöst. Die Schülerzahl würde sich vermehren, das allgemeine Interesse für die Schule würde geweckt und die Regierung wäre überdies mit einer genügenden Subvention zur Stelle, um den Vau vollenden und den Unterricht in vollem Umfange ausnehmen zu können. Hoffen wir, daß sich die Gegner der Aguda nun von den Großen aller Zeiten belehren lassen, daß die Einführung eines Bildungsminimums und das Bestreben. Es ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesehlichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. MaikeusJCliiliec ELTVILLE $etmg fäsci* für Reise, Jagd, Sport und Theater in unerreichter Auswahl 8 #0# Beratung und Besichtigung ohne Kaut zwang DDD s Scfifesicßy-Sfeüfikm 8.m b H. Telefon Hansa 2208 Kaiserplatz 17

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.