Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1925-08-20 · Heft 34 (20.8.1925) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 34 (20.8.1925)
Date
1925-08-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2450337-2450370--72435-2529808
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 2 Nr. 34 Der Israelit 20. August 1925 und verlieren infolge ihrer Notlage auch noch den moralischen Halt. Außer den praktischen Vorteilen, die die Gemeinden von einer Aufbauarbeit für die notleidenden Gewerbetreibenden und kleinen Handwerker haben, ist es von jeher die vornehmste Pflicht der jüdischen Gemeinden gewesen, ihren Mitbürgern eine großzügige Hilfe angedeihen zu lassen. Keine Almosen, die nicht einmal das Eristenzminimum erreichen! Sondern rechtzeitige und großzügige Hilfe! Damit geben wir Vielen die Möglichkeit, sich und ihren Familien den Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Die Synagogengemeinde Köln, deren Verhältnisse Einsender im Auge hat — seine Ausführungen treffen aber in gleichem Maße auch für andere Gemeinden der Großstädte zu — wird sicherlich den großen Gemeinden Berlin, Breslau und anderen nicht nachstehen und erhebliche Beträge für den Aufbau der Darlehnskasse bewilligen. Meines Erachtens wären zum Aufbau der Kasse als erster Beitrag 20.000 Mart erforderlich. Die Logen und andere Organisationen haben — für Köln nämlich — größere Beträge bereits zugesagt, so daß dem Aufbau der Kasse keine Hindernisse mehr im Wege stehen, um endlich die Tätigkeit aufnehmen zu können. Bereits in Vorkriegszeiten bestand in Köln eine ähnliche Einrichtung, die mit 40.000 Mark dotiert und in einer weit besseren Geschäftslage notwendig war, um das Kreditbedürfnis der betreffenden Schichten zu befriedigen. Bisher konnten Darlehen in geringer Höhe nur in einzelnen Fällen gewährt werden, da das Wohlfahrtsamt, dem für diese Zwecke keine Mittel zur Verfügung stehen, andre Aufgaben zu erledigen hat. Naturgemäß können bei einem späteren und weiteren Ausbau der Kasse auch andere, und für uns Juden wichtige Aufgaben übernommen werden. Jungen, intelligenten Menschen können Stipendien zum Studium gewährt werbenfür Umschichtungen in andere Berufe, ein Arbeitsfeld, das sicherlich große Früchte tragen würde, könnten bei Eingang größerer Mittel Beträge ausgeworfen werden. Ich denke z. B., daß jungen Leuten, die den festen Willen zu einem bestimmten Berufe haben, der ihnen die Möglichkeit zum Leben gibt, Darlehen gegeben werden. Gerade auf diesem Gebiet gibt es für uns Juden die schönste Möglichkeit, produktive und positive Arbeit zu leisten. Die Darlohnskassen sind in ihrer Zusammensetzung so gedacht, daß außer den Gemeinden und Korporationen wohlhabende Mitglieder einmalig größere Beträge zur Verfügung stellen, Elulgedanken. Von Rabbiner Dr. W. Lewin in Kamöurg. Der Sabbat des jüdischen Jahres nahet wieder, um unserem Erleben Höhepunkte zu bringen, wie sie alljährlich an der Grenze zwischen Sommer und Herbst unsere Herzen und Seelen mobil machen. Da gilt aber auch: Rur der wird voll genießen am Sabbat, der sich rechtzeitig gerüstet und vorbereitet hat. Das ist Sinn und Ziel des Elul mit seinen uns äusrütteinden Schosorklängen- Er will den Schleier zerreißen, der unser Auge verhüllt und den klaren Blick uns trübt. Wir sollen wieder scheiden lernen zwischen Schein und Wahrheit, daß wir nicht dem Zufall huldigen, sondern das Ewige und Unvergängliche, das Reine und Gute auf den Thron setzen. Wir sollen wieder Herren werden über uns selbst» sollen die Leidenschaften und Triebe in uns überwinden, um unsere Seele im Glanze der ihr vom Schöpfer verliehenen Reinheit und Heiligkeit erstrahlen zu lassen. Was da dem jüdischen Könige vorgeschneben war: unsi inftvv kcd irawD rrm tj’iVn D’^nDn ’jsVa nso bv nxtn minn .w» m ft „Wenn er aus seinem Königsthrone sitzt, so soll er sich die Abschrift dieser Thora ins Buch schreiben von dem, das vor den Priestern, den Leviten sich befindet", das gilt jedem jüdischen Menschen. Wollen im Uebrigen möglichst alle Gemeindeangehörigen (soweit sie volljährig sind), Mitglieder der Kasse werden, und je nach Verhältnissen einen Beitrag als erste Einzahlung zur Verfügung stellen, der nach einer bestimmten Kündigungsfrist wieder zurückgezogen werden kann. Außerdem muß monatlich ein'bestimmter Beitrag von mindestens 0,50 Mk. gezahlt werden, ein äußerst geringer Betrag, der jedem die Möglichkeit gibt, an diesem neuen, großen Hilfswerk mitzuarbeiten. Es gilt nun zu prüfen: Wer ist kreditwürdig und wie sollen Kredite gegeben werden? So notwendig die Darlehnskasse zur Befriedigung des berechtigten Kreditbedürfnisses ist, so verhängnisvoll ist andererseits eine zu weitgehende """ 111 ... 3to/ch'fta~fcftono~ 9(ücfou>ünfche Können in drei Größen veröffentlicht werden: Größe 110 Zeilen Ispaltig zu Mk 4. — Größe I115 Zeilen Ispaltig zu Mk. 6.- Größe III10 Zeilen 2spaltig zu Mk. 8.— Die Beträge wolle man aus Postscheckkonto Nr. 19302 überweisen, den Text durch Postkarte emsenden. Texte, die bis zum 13. September morgens in unserem Besitze sind, werden in der Rosch-ha-schono-Nummer, später eintreffende in der darauffolgenden veröffentlicht. Wer seine Glückwünsche zu Gunsten von Erez Jsroel aözukösütt wünscht, wolle dem nach Belieben sestzusetzenden Ablösungsbetrag eine Gebühr von 00 Pfennig für die Veröffentlichung von Namen und Wohnort im Sammetinserat beifügen. Frankfurt a. M., 20. August 1925. Verlag ües „Israelit" 8. m. v. y Befriedigung des Kreditbedürfnisses, die nur geeignet ist, bei dem Kreditempfänger eine gewisse Leichtfertigkeit groß zu ziehen. Es wäre falsch, in Vielen nun die Meinung zu erwecken, wenn wir nicht weiter können, die Kasse leiht uns Beträge. Es ist außerordentlich gefährlich, wenn man großen Teilen unserer Gemeindemitglieder systematisch die Lehre beibringt, daß sie sich ohne Unterstützung der Kasse allein nicht zu helfen vermögen, also ohne Almosen nicht bestehen können. Nichts in der Welt müßte mehr dahin führen, die Mitglieder zu entsittlichen, oder ihre Tatkraft zu lähmen, als wenn sie sich auf solche Weise selbst aufgäben, und wir die Krone, die uns verliehen, in Würde tragen, dann müssen wir nach der heiligen Lehre, wie sie uns überliefert ist, ohne daß wir an ihr deuteln und ändern, die Gesetze unseres Leben« schreiben und unser Sein meistern. Unser ganzes Tun und Lasten muß min mit? sein, den Stempel der heiligen Lehre tragen und für sie zeugend und werbend wirken. ,rnTin ■nso 'iv »ama m n-nso ■w rm imm v>m rma nmw» nmn ms? nssn noinsw nns Unsere Lehrer meinen: „Zwei Bücher hatte der König zu schreiben, zweimal die Thora sich anzusertigen, — die eine blieb in seiner Schatzkammer, die andere geleitete ihn aus allen seinen Wegen." — Das Buch unseres Lebens soll das genaue Spiegelbild unserer Lehre sein, das sind die „zwei Bücher", die auch wir um uns haben sollen, die Lehre, nach der wir unser Leben ausbauen, und das Buch des Lebens, in dom Blatt für Blatt sich unsere heilige Thora wider spiegelt. Keine Kluft darf sich hier austun, wenn es uns ernst damit ist, daß wir Gottes Königtum auf Erden als erhabenes Ziel der Menschheitsveroollkommnung ersehnen. i"N 'v' bn in m»l i»v nnvn Sie sei bei chm, und er lese darin alle seine Lebenstage." Dem merken des Midrasch Lehrer an: ftarftöV KLI' Ivo. „Geht er in den Krieg, sei sie bei ihm. vidi ftM irm r*n nur1?, Setzt er sich zu Gericht, sei sie gleichfalls an seiner Seite, rnaa X'NI av'v sie fehle auch nicht bei seinem Mahle, jik nni1? i"N bn nftftn alle Tage seines Lebens, das will sagen, auch in den Nächten lese er in der Lehre"- — Sollten wir nicht als v'2^2 »w als „Königssprossen" diese Weisung uns zu eigen machen? Die Feinde in unserer Brust, wir ringen sie am besten nieder, wenn uns das Buch der Lehre gegenwärtig ist. Und wollen wir die Widersacher um uns nicht aufkommen lasten, nichts wäre zugleich in seinen Konsequenzen bedenklicher für sie, auf deren Unterstützung mau sie verweist, da nicht abzusehen ist, wie dies auf die Dauer durchgeführt werden sollte. In erster Linie müssen wir die Hilfesuchenden daran gewöhnen. ihre Hilfsmittel in sich selbst zu suchen: wer etwa abstreiten will, daß es dem Gewerbetreibenden oder Kleinhändler daran gebräche, der erklärt diese Klasse für bankrott, und auch die Hilfe der Daxlehnskasse wäre zwecklos. Wir müssen unsere Mitbürger lehren, die in ihnen liegenden Hilfsmittel zu erkennen und zu ergreifen, ihr Selbstgefühl und ihr Vertrauen auf ihre eigene Kraft zu stärken, das ist der große Dienst, den wir leisten können. Nutznießer der Darlehnskasse dürften also nur zahlende Mitglieder sein. Kredite darf nur der bekommen, der diese Gelder nachweislich zum Aufbau seines Geschäftes braucht oder zum Einkauf von Rohmaterialien. Weder dürfen von diesen Krediten Schulden bezahlt, noch die Gelder zum täglichen Bedarf des Lebens gebraucht werden. Wenn ein Kreditnehmer nicht für sich und seine Angehörigen den kümmerlichsten Unterhalt erschwingen kann, sollte der Kredit versagt werden, weil naturgemäß die Gelder für den Lebensunterhalt verbraucht werden. Es muß natürlich geprüft werden, ob der Beruf des Kreditsuchenden überhaupt einen Kredit verträgt, ob der Betreffende einen andern Beruf ergreifen kann, ob er im Stande ist, Bücher zu führen.- die genaue Prüfung der Geschäfte muß von Sachverständigen vorgenommen werden. Es gibt z. B. einzelne Zweige des Handels, die trotz aller Beihilfe nicht mehr aufbaufähig sind. Hier müssen Kredite fortfallen, weil die Darlehen in diesen Fällen Unterstützungen wären, für die die Darlehnstasse nicht zuständig ist. Bei früheren Großgewerbetreibenden ist noch zu prüfen, weshalb sie keine Bankkredite mehr erhalten und weshalb ihre alten Verbindungen versagen. Ueber die Höhe der zu gebenden Kredite wird nach der finanziellen Lage der Kasse zu entscheiden sein. Es ist selbstverständlich, daß für eventuelle Darlehn Sicherheiten zu geben sind: gute zahlungsfähige Bürgen, Hypotheken, auf alle Fälle können Darlehen nur gegen bestimmte Sicherheiten gegeben werden. Zu warnen ist vor Sicherheiten, die der Hausbesitzer für sich reklamieren kann. (Maschinen, Inventar der Geschäfte u. a.) Ferner sind Lebensversicherungen und Aehnliches sehr unsichere Werte. Nicht nur, daß nur eine bedingte Sicherheit vorhanden ist, müssen eventuell noch Zahlungen auf diese geleistet werden, da andernfalls die Versicherungen verfallen würden. die edelste Methode entnehmen wir den Worten der Schrift. Sie zeigen uns, wie wir den Gegner entwaffnen, wie wir ihn ins Unrecht setzen, wenn wir nicht mit Haß und nicht mit Rache ihm begegnen. Und wieder ist das Buch der Thora uns bester Wegweiser, wo wir zu Gerichte fitzen wollen über den andern. Da ruft es mit Macht, mit Eindringlichkeit uns zu-. „■j-nsw bnn ~\b fim wivioi wvrft Richter und Beamte sollst du dir in allen deinen Toren bestellen" —, Dir selber bestimme Richter, ehe du über andere den Stab brichst. Schön heißt es im Midraschin -»ain nws?» rsui imw Tirn snai ft rp?w usftK p snn -inrr mwb nivll- R. Chanina ben Elasar hatte einen Baum in seinem Felde, dessen Zweige in das Gebiet seines Nachbarn störend hineinragten. Eines Tages kam jemand vor ihn zu Gericht und beklagte sich über den Nachbarn, dessen Baum mit seinen hinüberragenden Zweigen sein Feld schädigten. „Komm morgen, dann will ich entscheiden", entgegnete R. Chanina. Inzwischen ließ er gemahnt, durch diesen Vorfall, seinen Baum fällen. Wie verabredet, fand nun die Gerichtsverhandlung am nächsten Tage statt. R. Chanina entschied, daß der Baum umgehaum werden müßte. Da rief der Verurteilte unwillig „Hast du, Rabbi, nicht auch einen solchen Baum in deinem Felde?" „Gehe und steh", antwortete der Richter, „tue so, wie du es bei mir findest." Die Fehler und Mängel,. die wir an anderen gewahren, sollen unfern Blich schärfen für die eigenen und uns Mahnung fein, sie avzulegen, ehe wir den anderen Vorhaltungen machen. Wieviel Kränkungen und Schmähungen könnten bei der Jnnehallung dieser Richtschnur doch vermieden werden! Wie bescheiden und demütig würden wir, wollten nur

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.