Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1925)
- Date
- 1925-08-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 33 Der Israelit 13. August 1925 Horrc$p6«<ieize> « ßacbricbten Weihe des Roten Wogen David. Berlin, 8. August. Der Verband russischer Juden in Berlin lud für den 6. August abends in das Logenhaus, Kleiststraße 10, zu einem Weiheabend für die vor kurzem gegründete Institution des Mögen David Adom (Roten Mögen David) als eines Zweiges des Internationalen Roten Kreuzes ein. Der Präsident des Berbandes russischer Juden, Staatsrat Richter I. T e i t e l, begrüßte in herzlichen Worten die Versammlung und der hier anwesende hebräische Dichter Saul Tschernichowski hielt darauf einen Vortrag über Wesen und Ziele des Mögen David Adom, der überall da eingreifen muß, wo Juden in Rot sind und seinen Beistand auch den Palästina-Wanderern widmen soll. Hierauf sprach Herr Dr. V r u tz k u s über die internationalen Aufgaben des Mögen David Adom in seiner Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz und den ähnlich gerichteten Institutionen. Hieran schloß sich ein interessantes musikalisches Programm, das von Prof. David Schar aus Moskau durch einen fesselnden Vortrag eingeleitet wurde. Praktische soziale Arbeit. Berlin, 10. August. Von der Zeutralwohlfahrtsstells der dsutschsn Juden wird uns mitgeteilt, daß sie sich entschlossen hat, vom 6 bis 9. September 1925 einen Kursus für praktische, soziale Arbeit in Berlin zu veranstalten. Sie will mit diesem Kursus vielfach geäußerten Wünschen und Anfragen entgegen kommen. Der Lehrplan sieht Vorlesungen und Besprechungen über die Organisation der allgemeinen Wohlfahrtspflege vor, die Organisation der jüdischen Wohlfahrtspflege und die Durchführung der praktischen Fürsorge. Anmeldungen werden bis spätestens 25. August an die Geschäftsstelle der Zentralwohlfahrtspslege, Berlin C. 2, Rosenstraße 2—4, erbeten. Eine Teilnehmergebühr wird nicht erhoben. Jüdische Optanten verlassen Polen. Berlin, 10. August. Unter den vielen Tausenden Bewohnern der neupolnischen Gebiete, die, weil sie für Deutschland optiert haben, nunmehr Polen verlassen mußten, sind auch sehr viele Juden. Freilich haben zahlreiche jüdische Optanten in Voraussicht des Kommenden schon vor Monaten die neupolnischen Gebiete verlassen. Viele jedoch sind erst unmittelbar vor dem letzten Ausweisungstermin, dem 1. August 1925, über die Grenze nach Deutschland gekommen. In mehreren jüdischen Gemeinden der Provinz Posen wurden für die abwandernden Gemeindemitglieder Abschiedsgottesdienste abgehalten. Ein solcher Abschiedsgottesdienst fand in L i f s a statt. Der Gemeindevorsteher Jsmar Landsberg sprach ihnen den Dank der Gemeinde aus und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Erinnerungen an die Heimat eine verbindende Brücke bilden werden zwischen Vergangenheit und Zukunft. (Siehe auch Wochenrundschau.) im letzten Halbjahr allerdings nur 12 von polnischen amten, vom Oberrabbiner bis zum Tempeldiener, tragen Staatsangehörigen seien, darunter freilich von Leuten die historischen Dreieck-Hüte, Talar und kurze Beinkleider, von großem Besitz und Einfluß. Die Synagoge bildet eine der interessantesten Sehens- Daß der Münchener Stadtrat die polnischen Aus- Würdigkeiten Amsterdams. Der 250jährigen Vestandesweisungen als Anlaß nehmen möchte, alle polnischen feier wohnten u. a. der Ministerpräsident Hollands, der Staatsbürger in Deutschland, in der Hauptsache völlig Vizepräsident des Kronrates, ein Vertreter der Königin, unschuldige Juden, heimatlos zu machen, überrascht nach der Bürgermeister von Amsterdam, der portugiesische Konallem, was man schon in München erlebt hat, nicht. Man sul, zahlreiche Oberrabbiner und Vertreter jüdischer Gedars aber mit Sicherheit hoffen, daß die bayrische Nemeinden, auch Vertreter der jüdischen Gemeinden in gierung den Münchener Stadtvätern die Grenzen ihrer Lissabon und Madrid, bei. Beim Umzug mit den Thora- Kompetenzen zeigen wird. (Siehe auch Wochenrundschau.) | Rollen wurde an der Spitze jene Thora getragen, die die Juden bei ihrer Flucht aus Spanien vor mehr als VsLsm. Der Warschauer Magistrat für die Lhadorim. Warschau, 9. August. Angesichts der sehr befriedigt ausgefallenen Inspizierungen der Chadorim (jüdisch-religiösen Schulen) beschloß der Warschauer Magistrat, diesen Institutionen monatlich 1300 Zloty zu überweisen. Die Warschauer Kultusgemeinde stellt für den gleichen Zweck monatlich 3000 Zloty zur Verfügung. 400 Jahren mit sich gebracht hatten. Diese Thora-Rolle war in ihr ursprüngliches Mäntelchen, in welchem fi° seinerzeit gerettet worden war, gehüllt. Der Jerusalemer Gemeindekampf und der Völkerbund. Genf, 11. August. Die nächste Session der Mandatskommission des Völkerbundes beginnt am 19. Oktober. Sie wird sich mit Der Lemberaer Vroieft I**™ Erlichen Bericht der britischen Regierung über - or Palästina beschäftigen; unter anderem wird hierbei auch die Petition der aschkenasi sehen Gemeinde zu Am 3. August wurde die Braut Mlk.etms, Lola Stein, Jerusalem an di- Mandat-kommisswn behände,I vernommen, dibekanntlich Di°n,tmädch°n bei K-rnhab-r Lert(m m ist schon im Herbst 1S24 an den war. Auch siwar von d°r Untersuchung zu s°lsch°n Völkerbund gerichtet worden und konnte in der vorigen Aussagen gegen di- Juden verleitet, bezw. gezwungen aus sormellen Gründen nicht mehr behände» worden, sie glaubte damit, ihrem Bräutigam, Mikietrn, ^^rden) zu dienen. Vor Gericht aber zog sie ihre früheren Aussagen zurück und sagte konform den Angaben der jüdischen > 4t m K Angeklagten aus. Ihre Aussage machte auf das Gericht , . r und die Zuhörer einen starken Eindruck. Sie sagte u. a., Todesurteil für Pogromhetzer. Mikietin sei bald nach dem Attentat zu ihr gekommen und t ,,, Moskau, 6. August, habe ihr erzählt, er sei Zeuge gewesen, wie Panczyszyn Zwei sowjetistische Steuereinnehmer aus Belozerkow, die Petarde gegen den Wagen des Präsidenten Wojctedie jüdische Bevölkerung dieser Stadt lange Zeit chowski geschleudert hätte. Keineswegs hätten die Juden terrorisierten und den finanziellen Ruin zahlreicher jü- 6000 Dollar Mikietin versprochen, im Gegenteil, Mikietin bischer Bürger herbeiführten, Morozowsky und Perednitwar es, der sich an Juden wandte und sich erbötig machte, I fchenko, wurden zum Tode verurteilt, nachdem es sich zur Aufklärung der Wahrheit beizutragen. Sie berichtete herausgestellt hatte, daß sie im geheimen eine gegendann, welchen Drohungen sie und Mikietin seitens des revolutionäre Tätigkeit ausübten. Diese beiden Terro- Untersuchungsrichters Rutka ausgesetzt gewesen waren, risten hatten die jüdischen Bürger in Massen ins Gefäng- Sie sahen die einzige Rettung darin, daß sie im Sinne gesteckt, um bei ihnen Steuersummen zu erpressen, die Rutkas aussagten, daß sie von den Juden gedungen lle nicht leisten konnten. Ihre Waren wurden konfisworden feien, um einen Unschuldigen zu belasten und un& nach anderen Orten verschoben. In der Zaren- Steiger zu entlasten. — Der Prozeß wird wahrscheinlich ö^it waren die beiden prominente Antisemitenführer und noch zehn Tage dauern. nahmen auch aktiv an Pogromen teil. 15 ihrer Mitschuldigen wurden zu Gefängnisstrafen verurteilt. Lemberg, 17. August. Große Sensation brachte die Einvernahme des Untersuchungsrichters Rutka, dem von den Angeklagten und mehreren Zeugen vorgeworfen wird, er habe sie durch Das Ende des Wortes „Szid". Moskau, 7. August. Die Exekutive der kommunistischen Partei Weiß- Drohungen und Erpressungen dazu gebacht, gegen die! Rußlands unterbreitete der Regierung einen Vorschlag, angeklagten Juden belastend auszusagen. Rutka leugnete das Wort „Szid , welches „Jude" bedeutet, aber im anfangs entschieden, die Angeklagten und Zeugen terrorirussischen Volksmunve als Schimpf verstanden wird, aus iert zu haben und bringt sich zum Teil mit den von ihm russischen Wörterbuch und dem Lexikon entfernt abgefaßten Protokollen in Widerspruch. Der Vorsitzende werde. An Stelle des „Szid soll ein adäquates Wort für richtete u. a. an ihn die Frage, ob er wirklich dem De-1 Bezeichnung „Jude in Brauch kommen. Die Revanchewünsche des Münchener Stadkrates. München, 4. August. Als Antwort aus die Ausweisung der deutschen Optanten aus Polen beschloß der Münchener Stadtrat, für die polnischen Staatsbürger bis auf weiteres die Begutachtung der Einbürgerung zu verweigern und die bayrische Regierung aufzusordern, polnische Staatsangehörige nicht mehr einzubürgern und in Bayern jeden polnischen Staatsangehörigen sofort auszuweisen. Der erste Teil wurde gegen die Stimmen der Kommunisten, die Forderung nach Ausweisung auch gegen die der Sozialdemokraten angenommen. Die Reichsregierung, der bayrische und deutsche Städtebund sollen zu gleichem Vorgehen aufgefordert werden. Vom Magistrat wurde mitgeteilt, daß unter 300 Einbürgerungen tektiv D w o r n i ck y gesagt habe, er solle vor Gericht als Zeuge erscheinen, um die Juden endgültig zuzudecken. Rutka antwortete nicht. Der Vorsitzende wiederholte die Frage dreimal, der Zeuge blieb aber stumm. Die Verteidigung richtete eine große Reihe von Fragen an den Zeugen Rutka, die aber das Gericht nicht zuläßt. Auf die anderen zugelassenen Fragen der Verteidigung antwortete .frantreidt. Antisemitismus in Esperanto. Paris, 6. August. Das Esperanto-Organ „Espero Katolika" entwickelt sich zu einem antisemitischen Hetzorgan. In der letzten Rutka mit einem Wort! ausgeschlossen. Die Angeklagten Rümmer dieses Blaues wird gesagt, die Juden seien das und dt- Zeugen geraten in Erregung und sagen all- ^".welcheandem Kriege Vorteile zog. E- Rutka aus den Kops zu, daß er sie in unmenschlicher 6 ft. ra Emaille- und >m Volkerbund -IN- Ober, Weise terrorisiert und diganze Unterredung nach der 6.cr 3u^n' '»"--"-der das Zentrum 0 'der Volker sein. Oberrabbmer Kook in Jesrusalem sei jetzt daran, das Sanhedrin als jüdische Weltoberbehörde zu organisieren; Gleiches planen die Zionisten durch die Schaffung einer Jewish Agency. Nach der Wiederherstellung der jüdischen Obersten Geistlichkeit soll auch der jüdische König, ein Sohn Davids, als der Beherrscher aller Nationen auferstehen. Man müsse blind sein, um nicht zu sehen, daß sich die größte Revolution der Neueinen Richtung geführt habe, die Juden zu belasten. (I. T. A.) Die Feier des 250jährigen Bestehens der portu giefischen Synagoge. Amsterdam, 6. August. Am 2. August wurds in Amsterdam die Feier des l ö^it, als die Rache Israels an der Christenheit, vor 250jährkgen Bestehens der portugiesischen Synagoge bebereitet. gangen. Sämtliche Juden Amsterdams und zahlreiche Der Erfinder des Esperanto war ein Jude, der War nichtjüdische Kreise beteiligten sich an der Festlichkeit. Die jschauer Arzt Zamenhof. holländische Presse widmete diesem Ereignis Festartikel, Die berühmte Amsterdamer portugiesische Synagoge I Gegen die Einwanderung von Juden wurde am, 21. Ab 5435 (2. August 1675) eingeweiht. P a r i s, 4. August. Noch heute bewahrt die Synagoge das äußere Bild und Im Zusammenhang mit der Mission Andre S p i - die Gebräuche aus der Zeit ihrer Gründung. Alle Bej r e's, jüdische Landwirte und gelernte Arbeiter aus Ru-