Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1925)
- Date
- 1925-08-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2450337-2450369--72421-2529793- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 33 Qettfc 7 13. August 1626_ mänien nach Frankreich zu bringen, richtet die französischantisemitische Presse heftige Angriffe gegen die Regierung, die eine Einwanderung von Juden zutassen will. Insbesondere tut sich „Action Francaise" in dieser Hetze hervor. In „Petit Bleu", die keine antisemitische Zeitung ist, wendet sich M. de Montgon gegen eine Masseneinwanderung von Juden, durch welche seiner Ansicht nach die französische Rasse vernichtet werden könnte. Er schreibt: „Es wimmelt bei uns von Polen, Russen und Chinesen, nun sollen wir auch noch die Juden dazu bekommen. Es wäre besser, wenn wir die uns verwandten Belgier in unser Land rufen." In dem gleichen Zusammenhang erklärt „Petit Parisien", daß sich die Zahl der Ausländer in Frankreich von 1 732 868 im Jahre 1914 auf 2 834 949 am 1. Januar 1925 vermehrt habe. Im Zusammenhang mit diesen Angriffen erklärt der Landwirtschaftsminister in der Presse, die Regierung habe von sich aus keine Sondermission nach Bukarest entsandt, UM jüdische Siedler für Frankreich anguwerben. Jerusalemer Brief. Arbeiter und Mittelklasse. - Arabische Arbeit. - Die Wasser- Kalamität—Jemen-Auswanderung.—Ztontstisch-agudistische Verhandlungen. Jerusalem, 4. August. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß der starke Zustrom von bürgerlichen Einwanderern, wie er seit neun Monaten andauert, Line gewisse Krisis in die Beziehungen der Arbeiterklasse zu der Gesamtheit der palästinensischen Bevölkerung heraufzubeschwören im Begriffe ist. Bis zum Beginn dieser bürgerlichen Einwanderung war das Uebergewicht, ja sozusagen die Alleinherrschaft der von der Zionistischen Oroanisation mit reichen Geldmitteln geförderten Arbeiterorganisationen nahezu unbeftrittsn. Angesichts der Verschiebung der Mehrheitsverhältnisse aber wird sich diese Klassenherrschaft kaum in der bisherigen Weise aufrecht erhalten lassen. Hinzugekommen ist ein von der Arbeiterorganisation vor kurzem unternommener verhängnisvoller Schritt, der auch die rein national empfindenden Kreise stark gegen die Arbeiter verstimmt hat: die Ausnahme arabischer Arbeiter in die jüdische Gewerkschaftsorganisation zur H o ch h a l - tung der Löh ne und Ausschaltung der arabischen Arbeitskonkurrenz. Mit diesem Schritt haben die Arbeiter den jüdischen Arbeit g e b e r n ohne weiteres die Möglichkeit eröffnet, auch ihrerseits, ohne sich dem bisher sehr starken Druck der öffentlichen Meinung auszusetzen, zwischen jüdischen und arabischen Arbeitern keinen Unterschied mehr zu machen und sich lediglich von wirtschaftlichen Interessen leiten zu.lassen. Wie gefährlich das ist, liegt auf der Hand. In der Tat zeigt sich jetzt, daß der Schritt der Arbeiterorganisation auch in weiten Kreisen der Arbeiter Widerstand findet, die nur nicht wagen, öffentlich hervorzutreten. Die Wafferkalamität wird angesichts der sommerlichen Hitze aufs drückendste empfunden. Sie bringt auch wirtschaftlich schwere Schäden, da in Jerusalem wegen des Wassermangels überhaupt nicht gebaut werden kann. Man begrüßt es daher wie einen Hoffnungsstrahl, daß der Grieche Mapromitis, dem bekanntlich durch den Haager Schiedsgerichtshof an Stelle von Ruthenberg die Jerusalemer Elektrizitätskonzession zugesprochen worden ist, zusammen mit der Einrichtung des Elektrizitätswerkes aüth eine Wasserzufuhr nach Jerusalem aus dem Jarkonflusse organisieren will. Hoffentlich werden die Hoffnungen sich dieses Mal nicht als trügerisch erweisen. Es ist kaum zu verstehen, daß die englische Verwaltung, die doch schon schwerere Probleme gelöst hat, sich bisher hinsichtlich der Wasserversorgung Jerusalems als gänzlich unfähig zu einer energischen Aktion erwiesen hat. Nach Berichten, welche die hiesige Jemenitenge m e i n d e empfängt, bereitet die Regierung in Jemen der Auswanderung der dort unter unglaublichen Der Israelit Schikanen leidenden Juden neuerdings gewaltige Schwierigkeiten. Man ruft nach einer Intervention, damit den Unterdrückten wenigstens das Tor ins Freie nicht verschlossen werde. Die Diskussion über die z i o n i st i s ch - a g u - distischen Verhandlungen wird in der hiesigen Presse fortgesetzt. Indessen darf man annehmen, daß vor dem Zionistenkongreß angesichts der unsicheren Stellung der zionistischen Leitung irgend welche Förderung der Verhandlungen wohl kaum möglich fein wird. Man hat den Eindruck, daß die gemäßigten Kreise des Waad leumi der Bildung freier Ausschüsse, die durch Zusammenfassung der Gemeinden eine Auhenvertretung aller jüdischen Kreise ermöglicht, jetzt nicht mehr so ablehnend gegenübersteht wie in früheren Zeiten. Was die Juden Palästinas von Lord Plumer fordern werden. Jerusalem, 9. August. Die Jerusalemre hebräische Tageszeitung „Doar Hayom" beschäftigt sich in einem Artikel mit den von der arabischen Zeitung „Felestine" bekanntgegebenen Forderungen der Araber an den neuen Oberkommissar Feldmarschall Lord Plumer und führt aus: „Auch wir Juden Palästinas werden an den neuen Oberkommissar unsere Forderungen zu stellen haben. Wir werden fordern, daß die Bestimmungen des Mandats verwirklicht werden. Die arabischen Forderungen aber stehen im Widerspruch zu dem Mandat und zu den internationalen Verpflichtungen der britischen Regierung. Wir wollen keine Schwäche zeigen, sondern Ausdauer und Konsequenz. Wir haben bisher in dieser Beziehung nicht wenig gesündigt, wehe, wenn wir in Zukunft in gleicher Weise verfahren. Wir werden in Zukunft auf der Wacht sein müssen, da sich die Attacken auf unsere nationalen Rechte anscheinend verstärken werden." Personalien. Breslau, 6. August. Am asn nypn verschied, nach nur zweitägiger Krankheit, in Bad Salzbrunn die Gattin unseres hochverehrten Rabb. Assessors, Herrn Abraham M u g d a n , Frau Rosalia M u g d a n geb. Steyer im 71. Lebensjahr. Wer die Verstorbene kannte, wer Gelegenheit hatte, ihr frommes Walten zu beobachten, der mußte in ihr eine herrliche Frau verehren, eine echte Sarah an der Seite ihres Abraham. In Liebe und Verehrung sah der würdige Gatte in ihr die Krone seines Lebens, die ihn schmückte, deren Glanz ihm immer neue Leuchtkraft verlieh. Ihre Kinder, welche sich zur heiligsten und vornehmsten Pflicht machten, den Lebensabend ihrer betagten Eltern zu verschönern und angenehm zu gestalten,'waren ihr größter Stolz. Ein schönes, inniges Familienleben wurde durch den plötzlichen Tod der teuren Verblichenen zerstört, vielen Kranken und Bedürftigen, denen sie in aller Stille eine Helferin war, ist ihre beste Stütze entrissen. Möge es den trauernd Hinterbliebenen ein Trost fein, daß ihr Andenken weiter lebt in den Herzen vieler. Thüngen, 10. August. Jp körperlicher und geistiger Frische feiern die Eheleute Oskar und Karolina Forchheimer von hier, letztere geborene Heinemann, am Sonntag, den 23. August, das Fest der goldenen Hochzeit. Beide führen ihr Mehl- und Getreidegeschäft noch ununterbrochen bis heute fort. Von den 7 während des ganzen Weltkrieges an der Front befindlichen Söhne haben zwei den Heldentod gefunden. Außerdem standen auch zwei Schwiegersöhne im Feld. nrv ns» iv Altona, 12. August. Herr Direktor Dr. Joseph C a r l e b a ch -Hamburg ist zum Oberrabbiner der Gemeinde Altona gewählt worden und hat die Wahl angenommen. Vermischtes. Berlin-Lharlottenburg, 3. August. Eine geradezu musterhafte Einrichtung, den ihr anvertrauten Kindern religiöses Leben praktisch beizubringen, hat die Berliner jüdische' Gemeinde geschaffen. Die Zöglinge des 2. Waisenhauses der jüdischen Gemeinde zu Berlin in Pankow werden in ihren Ferien nach Wustrow in Meklenburg geschickt. Um die Kinder nun so früh wie möglich jüdischem Leben zu entfremden, hat man ihnen als Haushälterin und Köchin eine andersgläubige Dame, Frau Larosche, beigegeben. Wenn die Anstalt es wagen kann, so etwas in aller Oeffentlichkeit zu tun, wie muß es erst i n der Anstalt aussehen! Was sagen die Vertreter der gesetzestreuen Parteien im Vorstande und in der Repräsentantenversammlung zu diesem Ereignis? Es wäre dringend erwünscht, hier endlich durchgreifende Remedur zu schaffen. vberhof, 1. August. Auf Veranlassung des Inhabers des Hauses Nix, Herrn B. Z e i t l in, veranstaltete Herr Oberkantor Manfred Lewandowski, Berlin, der sich in diesem Hause zum Sommeraufenthali während seiner Ferien befand, ein Konzert, in dem er mit feiner schönen Stimme Arien italienischer und deutscher Komponisten und als Zugabe Lieder von Brahms darbot. Das jüdische Publikum des Hotels dankte dem Ausführenden für fein abwechselungsreichss Programm, das er mit Geschmack und Können vortrug, durch zahlreichen Besuch und herzlichsten Beifall. Auf Veranlassung des Herrn Zeitlin wurde das Programm zu Gunsten des Keren Hathora verkauft. Es wäre wünschenswert, daß die Besitzer anderer jüdischer Hotels diesem nachahmenswerten Beispiel folgen würden. Kassel, 10. Juli. Unter dem Vorsitz des Lehrers Schaumberg-Neukirchen bei Ziegenhain fand im Hotel Meier die 53 Jahresversammlung der Israelit. Lehrerkonferenz Hessens statt, die nicht so stark, wie in sonstigen Jahren besucht war, da Viele an ihrem Kommen behindert waren. Das Vorsteheramt aus Kassel war vertreten durch Landrabbiner Dr. Walter, Justizrat Dr. Rothfels und Bankier Blumenthal: das zu Marburg durch Prov.-Rabbiner Dr. Cohn; das zu Hanau durch Prov.-Rabbiner Dr. Gradewitz: die Gemeinde Kassel durch Bankier Elias und Kaufmann Engelbert: der Hessische Volksschullehrerverein durch Lehrer Treibert-Bessa. Lebhaften Widerhall fanden die mannhaften Worte des Lehrer Treibers, der im Bezirksreferat die Interessen der jüdischen Volksschulen Hessens und ihrer Lehrer vertritt. Er betonte die Treue und den Eifer der jüdischen hessischen Lehrer, trat für den Gedanken der Einheitsschule ein und zollte hohe Anerkennung der Betätigung jüdischen Geistes im deutschen Kulturleben. Wie er den Auswüchsen antisemitischer Zerstörungswut entgegentrat, alles, was unsittlich sei, aus welchen Reihen es auch komme, bekämpft wissen wollte, so sehe er in den Deutschen verschiedenen Glaubens einer Mutter Söhne, und gab er endlich dem mit größter Begeisterung aufgenommenen Wunsche Ausdruck, daß das so oft bewährte jüdische Geistes- und Kulturleben einmünde in den Strom deutscher Gesittung und Kultur. Lehrer Schuster-Groß-Krotzenburg hielt dann einen Vortrag über „Aufbau des jüdischen Unterrichts". Wenn auch die vom Referenten in fleißiger, auf gründlichem Studium beruhender Arbeit ausgesprochenen Gedanken, die Vertiefung des Wissens und Weckung religiösen Lebens auf Grund hochgesteckter methodischer Aufgaben zum Ziele hatten, wie die umfangreiche, auch entgegengesetzte Meinungen widerspiegelnde Aussprache bewies, nicht einmütige Zustimmung fanden, so wurde andererseits die auf Veredlung jugendlicher Seelen hinzielende und vielen zweckmäßige Anregung bietende Tendenz des Vortrages anerkannt. Der Vorsitzende dankte dem Vortragenden für seine fleißige Arbeit. Lehrer Gans -Nieberaula erstattete dann den Kassenbericht. Nach halbstündiger Mittagspause wurden Wahlen, Berichte, Anträge und Mitteilungen erledigt. Nachmittags wurde die Stellungnahme zur Besteuerung der aktiven und pensionierten Lehrer zur Gemeinde- und Provinzialsteuer erörtert. Die Versammlung zog sich bis 6 Uhr hin. Die nächstjährige Versammlung findet in Bebra statt. Zürich, 5. August. Zu den bereits in Nr. 31 unter dieser Rubrik veröffentlichten Hotels, welche den Mitgliedern der Agudas Jisroel eine Vergünstigung gewähren, kommen noch hinzu: Hotel Reischer, Engelberg: Pension Feurewerker, Gens; Pension Feuerwerker Montreux. Wien, 3. August. Am 14. August feiert „D i e Wahrheit", die österreichische Wochenschrift für jüdische Interessen das Fest des 40jährigen Bestandes. Gegründet wurde diese Zeitung von Oberkantor Jakob Bauer als Fachblatt, welches sich speziell mit den inneren Angelegenheiten der jüdischen Gemeinden der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie beschäftigte und vor allem den Vorgängen in der Wiener Kultusgemeindo ihr Augenmerk widmete. Doch allmählich wuchs der Aufgabenkreis dieses Blattes über diesen engen Rahmen hinaus, daß die „Union deutsch-österreichischer Juden" dasselbe zu ihrem offiziellen Organe machte. Geprüfte Religionslelirenn bisher an Schule u. Heim als Erzieherin tätig, sucht Stelle evtl, auch in streng relig. Privathause. (Gymnasialbildung u. musikal.) Off. mit Gehaltsbeding. unter 17871 an die Erp. Etaatl.' geprüfte, erfahr. Kindergärtnerin nimmt noch Kinder zum Spielkreis an. Kinder w. evtl, abgeholt. 17889 Ffm., Waldschmidtstratze (Nähe Röderbergweg). Für ein am nap u. v»» geschl. Wurst- und Aufschnittgeschäftm.Restauration in Franks, q. M. wird ein orventl. gewandtes Fräulein als Verkäuferin gesucht, das schon in ähnlich. Betrieben tätig war. Off. m. Zeugnisabschriften und Lebenslauf UNt. 17879 a. d. Erp. Junger Kaufmann sucht Beschäftigung. Off. unter 17867 an die Erp- Ich suche für Verwandten, der seine 2jährige Lehrzeit bei mir beendet hat, eine Stelle als Verkäufer in lebhaftem Manufakturwaren-Gefchäft. 17861 Samuel Münz, ' Altengronau, H.-N. Gebildete, unabhängige Witwe mittleren Alters, gesund, sucht Stellung zur Führung eines bürgerlichen Haushalts. Off. unt. 17809 Heilbronn a. Neckar, Hauptpostlagernd. Chordirigent für hohe Feiertage gesucht. Off. mit Ansprüchen an Lehrer Grünebaum, Seligenstadt, Hessen. Schadchen. Wer die Absicht hat, eine Heirat einzugehen, bringe ich meine Dienste in Empfehlung. Mein Prinzip: „streng reell, zuverläss. u. verschwieg.", gewährleistet stets den gewünscht. Erfolg. Gefl. Aufträge erb. ich mir unt. 17897 durch die Erp. zu erteilen. 2 Freundinnen, Waisen, momentan im Auslande lebend, 34 Jahre alt, angenehmes Aeußere, äußerst tüchtig, elw. Vermögen vorhanden, suchen sich zu verheiraten. Witwer mit Kind, in guter Position, nur relia., nicht ausgeschlossen. Off. unter 17872 an die Erp. Tüchtiger, junger Kaufmann an selbständiges Arbeiten gewöhnt, sucht sich per 1. Oktober a. c. entsprechend zu verändern. Off. unt. 17898 an die Erp. Mcklige Jlo cn i n für Herrschaftshaus bei hohem Gehalt per 1. Sept. gesucht. Off. unter 17916 an die Erp. ■nnMHBHHB Junger Mann mit langjährig. Erfahrung in Hotelu. Restaurationswesen, sucht Betätigung, gleichviel welcher Art. Angebote unt. 17889 an d. Erp. Staatlich geprüfte Lehrerin str. tcl., mit mehrjähriger Unterrichtspraris, sucht sich zu verändern. (Haus oder Pensionat). Off. unt. 17890 an die Erp. 2 junge Leute finden gute. Melle Vollpension ebenso können 4—5 Person, an gutem Mtttag-u. Abendtisch teilnehmen bei Wolpe, Iahnstr. 51 M. •HHM