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Der Israelit · 1925-08-13 · Heft 33 (13.8.1925) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 33 (13.8.1925)
Date
1925-08-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Selle 4 Nr. 33 In solch schlimmer Weise läßt sich die Gerechtigkeit auch in Polen nicht mißhandeln. Es ist ein Symptom, daß das judensrefferische Warschauer Blatt „G a z e t a P o r a n n a" in einem großen Artikel Steiger als unschuldig erklärt und dem Untersuchungsrichter wie seinen Genossen kräftig zu Leibe rückt. Es sieht beinahe so aus, als sollte das Gewissen in Polen erwachen, als fei auch hier ein Anwalt bes Rechtes -mit seinem mächtigen „Ich klage an" nicht gar zu fern. Aber noch schmachtet Steiger im Gefängnis und es ist fraglich, ob je und wann das Gewissen so weit erwacht sein wird, um dem unschuldigen jüdischen Studenten die Freiheit wiederzugeben. Antisemitische Revanche. Bei aller gebührenden Einschätzung des Kulturstandes unserer Antisemiten war doch nicht vorauszusehen, daß sie das himmelschreiende Elend der nach Zehntausenden zählenden um Haus und Hof gebrachten deutschen Optanten aus Polen zum Gegenstand parteipolitischer Machenschaften und einer rüden Judenhetze machen würden. Daß Deutschland das Vorgehen Polens Zug um Zug beantwortet, ist nach dem „Zahn um Zahn-Prinzip", das heute leider die Politik ganz Europas beherrscht, erklärlich. Aber die Völkischen im Reichstag — und im Münchener Stadtrat sogar die Deutschnationalen — haben nicht genug mit bloßen Gegenmaßregeln. Sie verlangen kategorisch als Antwort auf die polnische Unmenschlichkeil die Ausweisung aller O st j u d e n aus Deutschland. Es wird dieses im Reiche wie in Bayern frommer antisemitischer Wunsch bleiben, er bereichert aber immerhin unsere Kenntnisse um die Psyche, richtiger Nachkriegspsychose, der deutschen Antisemiten. Im Mittelalter hieß es oft im Streite der Länder: „Schlägst du meine Juden, so schlage ich deine Juden"; eine Formel, die immerhin noch mehr hausbackene Logik für sich hatte als die verworrenen Revanchewünsche der blindwütigen Iudenhasser von heute. Man überlege klar, um was es geht: Nach dem Wiener Abkommen haben die deutschen Optanten in Neupolen und umgekehrt die polnischen Optanten in Deutschland, Polen bezw. Deutschland zu einem gewissen Termine zu verlassen. In Polen, d. h. in den polnisch gewordenen Teilen Ostdeutschlands, handelt es sich um Leute, die, zum Teil auf Anraten der deutschnationalen Freunde, sich mit dem Minderheitsrechte nicht begnügten und nun heimatlos in der alten Heimat in Auswanderer- und Durchgangslagern an der Grenze einer unbestimmten Zukunft entgegen harren. Ob und wieviel Juden unter diesen sind, wissen wir nicht. Aber wir wissen noch mehr: Die Juden aus der Provinz Posen und Oberschlesien haben zum allergrößten Teile gar nicht gewartet bis sie von der Ausweisung ersaßt wurden, nicht einmal bis die Optierüngsfrage an sie herantrat. Sie hatten schon gleich nach der Wandlung der Dinge in den Ostprovinzen in Massen die Heimat verlassen unter Preisgabe von Haus und Heim, Geschäft und Existenz. Sie haben somit mit der Tat und nicht bloß mit einer Unterschrift für Deutschland optiert zu einer Zeit, als die anderen noch auf eine Wendung ihres Schicksales in Polen hofften. Aus dieser Massenabwanderung ergab sich der Untergang der blühenden jüdischen Gemeinden in der früheren Provinz Posen. So stehen die Dinge. Nur die deutschen Antisemiten können, von Haß geblendet, all dieses nicht sehen und machen aus dem Optantenelend so etwas wie eine jüdische Angelegenheit. Die Ostjuden, die weder aus den betreffenden Provinzen stammen, noch je für Polen optiert haben, sollen als Opfer herhalten. Sie haben zwar zum großen Teile mehr wie einmal den Willen gezeigt für Deutschland zu optieren. Aber gerade dieses wird ihnen verwehrt. Die Einbürgerung polnischer Juden in Deutschland muß verhindert werden, und sie -müssen allesamt des Landes verwiesen werden — Der Isr o c 1 H_ als Revanche für die Ausweisung der deutschen Optanten aus Polen. Das ist zwar nicht gerecht und nicht logisch, aber gut d e u t s ch v ö l k i s ch. Die »Äußerlichkeiten" des Thorajudenkums. Von Rabbiner PH. Fischer in Sarospalak (Ungarn). (Schluß). Und ganz analog verhält es sich auch mit den göttlichen msa- Sie sind Vermittler göttlicher Wahrheiten an den Staubgeborenen in einer für den Menschen geeigneten Symbolsprache. Wie diese Parallele sich auch in einem rätselhaft klingenden Midraschausspruchs darstellt. Nach dem Midrasch sprachen nämlich die diensttuenden Engel, die jhiwj ■’ax^a» vor Gott, als derselbe seine Thora Moscheh übergab: D'atrn hy *|Tin nan„(5tb deine Herrlichkeit an den Himmel!" — Hierauf aber sagte Gott zu :ntya naiton->mn„Erteile du ihnen Antwort." — Hierauf erwiderte n??a: *?ana 'ais-ny' xaw MX st on’saip ,,Ich fürchte mich, vielleicht verbrennen sie mich mit dem Hauche ihres Mundes." — Hierauf Gott: ün^ nimi *man xoaa rinx iaay l^y Tons xoa md mxa ama nawn „Fasse an den Thron meiner Herrlichkeit und gib ihnen Antwort, wie es geschrieben ist: „Er erfaßte die Vorderseite des Thrones, breitete darüber seine Wolke aus." Sinn dieser Allego' ie: D’atP'n Vy ynn nm„Eib deine Herrlichkeit an den Himmel!" lautete der Zuruf der Engel bei der Uebergabe der Thora an Moses. D. h. wo bleiben die himmlisch erhabenen Prinzipien, Grundwahrheiten der Religion, welche geeignet sind, den menschlichen Geist und das menschliche Gemüt in die himmlischen Sphären der höheren Weihe und Beseligung emporzuheben?'. Diese geoffenbarte Thora enthält doch 'lai ixb nr lauter Satzungen, die viel eher dazu geeignet sind, die sittlich freie Entfaltung des menschlichen Wesenskernes zu hindern, als dieselbe zu fördern! Und für die oberflächliche Denkart scheint sogar diese Behauptung von einiger Berechtigung zu sein. Daher finden wir in unserem Midrasch, wie Moses selber sagt: ‘pana Misnr xaw MX KT ü*TS „Ich fürchte mich, daß sie mit dem Hauche ihres Mundes mich verbrennen werden!" Jedoch unser Midrasch läßt Gott weiter sprechen: nawn vnb Tmi maa xoaa nnx „Fasse an den Thron meiner Herrlichkeit und gib ihnen Antwort, wie es geschrieben ist: „Cr erfaßt die Vorderseite des Thrones, breitet aus darüber seine Wolke." Selbst die Wesenheit Gottes können wir nur in der W 01 k e n e i n h ü l l u n g menschlicher Begriffe und Ausdrücke erfassen. Und ebenso ist es nötig, daß die wichtigsten und beseligendsten Lehren und Wahrheiten der Religion in der äußeren Form und Umhüllung von symbolischen Objekten oder Handlungen ausgeprägt, uns entgegentreten und auf unserem Lebenswege uns begleiten sollen. Und dieser Gedankengang vermittelt uns auch das Verständnis des folgenden Midraschausspruches: *ja nnawai rf?Ma man “jbnn mxmin rrrrix a"aa *]a ^mwa ia „Der König brachte mich in seine Gemächer, wir jauchzen und freuen uns mit Dir!" — d. h. „mit Dir, mit Deiner Thora. „Mit Dir", mit den 22 Buchstaben." (Das Wort ya hat nämlich den Zahlenwert 22.) Auf ganz dieselbe Art und Weise, wie wir in die Gemächer des Königs, d. h. zur Erkenntnis des Königs aller Könige *f7a rrapn tra^an M>^a Gottes gelangen, wie dies nur mit Hilfe menschlicher Begriffe und Ausdrucksweisen möglich ist. die nur ein ganz schwaches und unzureichendes Spiegelbild, tin Qam \ schwacher, unzulänglicher Widerhall der Wirklichkeit sind, — ganz so müssen wir auch in den' Vorschriften der j?"nm einen für uns staubgeborene Wesen unentbehrlich nötigen Hinweis auf _13. August 1925 die höchsten Wahrheiten, einen für das menschliche Tun und Lassen, Handeln und Wandeln lebenspendenden Niederschlag göttlicher Weisheit erblicken und verehren. Wir müssen hinter der „Wolkenverhüllung" der Thoravorschriften die Manifestation, gleichsam den „Thron der göttlichen Herrlichkeit" erblicken. vhy Ttzna xoa mo tnxa ■my. Wir müssen uns in unsere Freude mit der min mit Gott als ihrem Airheber, oder noch richtiger: wir müssen uns mit der min als Ausströmung und Träger erhabenster göttlicher Weisheit freuen, ffvrma *p .“ja nnaBMi n^aa* SOJir dürfen aber nicht unsere für welche unsere heiligen Ahnen ihre kostbarsten Güter, ja ihr Leben aufgeopfert haben, als Tyr ip 126 dw Tyt atv als ein Konglomerat lauter geistloser Satzungen, milbenklaubender Buchstabendeuterei betrachten und — „verachten" tnhun on> Wir sollen eben im Gegenteil von der Ueberzeugung durchglüht sein, daß y'a - ni’rrix a"a die B u chst a b e n der Lichtträger ewiger Wahrheit und göttlicher Weisheit sind, und daß wir uns daher mit ihnen freuen, ihnen begeistert entgegenjauchzen müssen! •rvpmx a"aa *p nnatzMi nV’aa 2a. uns muß die Ueberzeugung durch glühen, daß eben die minaw irrmx a"aBuch staben des Gesetzes, für welche unsere inneren und äußeren Feinde nur Spott und Hohn in Bereitschaft haben, daß eben sie Fackeln sind, deren Licht uns das um das göttliche Wesen gezogene Wolkendüster ~\b pya mao ein wenig erhellen kann, indem man aus den sie beseelenden Motiven und aus dem sie beherrschenden Geiste einen Rückschluß auf das erhabene Wesen des göttlichen Gesetzgebers ziehen kann. Hier ist eben das Dichterwort anwendbar: Es soll das Werk den Meister loben! Und da haben wir es gar nicht nötig, uns etwa den hervorragendsten Vorschriften der Thora zuzuwenden, um aus den, nach unserer Meinung denselben zugrundeliegenden Motiven auf die erhabene Wesenheit ihres göttlichen Initiators zu schließen. Sondern sogar scheinbar nebensächliche Ausstrahlungen göttlicher Gesetze gestatten uns einen Rückschluß auf die Wesenheit ihres Gebers. Wir verweisen z. B. nur auf eine Bestimmung der .Mischnah in Peah, Kap. 4, 1, die wie folg! lautet: Tan *?ya •Vpnai TWa ypnpV aainaa nana nxsn o«a»V pbnai rna „Die nxo (b. i. die Ecke des Feldes, die man nach III. B. M. 19, 9 nicht vollends abschneiden, sondern den Armen überlassen muß) wird gegeben von dem, was am Boden Haftel." D. h. der Eigentümer ist nicht verpflichtet, die Frucht abzuschneiden und sie dem Armen zu übergeben, sondern er überläßt diese Mühe dem Armen. „Von aufgezogenen Reben und vom Palm bäum nimmt der Hausvater die Früchte ab und verteilt sie an die Arme n." Weil das Herabnehmen derselben von den Bäumen, das Hinaufklettern usw. eventuell mit Gefahr verbunden sein kann, daher ist es Pflicht und Schuldigkeit des Eigentümers, auch den nxs -Anteil für den Armen von den Bäumen zu pflücken, damit derselbe bei Erlangung seines Anteils sich nicht gefährden soll. Und zwar wird dies im Talmud Jeruschalmi aus dem Wortlaut der Thora gefolgert. (Siehe Kommentar z. St.) Nun fragen wir: ist diese scheinbar nebensächliche Ausführungsregel des nxs" Gesetzes nicht ein himmlischer Funke, aus welchem ein heller Lichtstrahl auf die beispiellose Erhabenheit des göttlichen Gesetzgebers hervorgehl?!. Und so können wir nun die Worte des Midrasch auch auf folgende Weise interpretieren: l'YW “j^an MX'an „Der König brachte mich in seine Gemächer," d. h. wir können für den menschlichen Verstand faßbare Rückschlüsse aus das erhabene Wesen des göttlichen Königs gewinnen, fii'niK a"aa "ja nnatyai nTaaso wir uns mit den 22 Buchstaben der Thora freuen, so wir in freudevoller Hingabe an das Thora-

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