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Der Israelit · 1925-08-13 · Heft 33 (13.8.1925) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 33 (13.8.1925)
Date
1925-08-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Der Israelit Nr. 33 Seite 3 13. August 1925 _ Es muß dabei laut betont werden, daß wir auf unserem Wege zur Geulah gar nicht die Aufgabe haben, uns als treue Schüler der europäischen Kultur zu bewähren, die nach der Richtung der Moral und Ethik ja vollkommen versagt hat, sondern unser eigenes jüdisches Ich zur Geltung und unsere Stimme zu Gehör zu bringen. Und wir sind dessen sicher, daß der Mut der selbständigen Handlung, wie sie unserem Geiste entspricht, uns viel mehr Ehre einbringen wird, als alle Nachahmungen und Nachäffungen äußerer Einrichtungen, die ja nur ein Zeichen innerer Schwäche sind. Was aber den dritten Gesichtspunkt betrifft, so ist das Ideal der jüdischen Frau eng verknüpft mit dem Ideal höchster Reinheit der Familie und des Volkes, ein Ideal, das im heutigen Kulturleben, bei all seinem äußeren Glanz nicht erreicht werden kann. Dieses jüdische Ideal soll die Welt erobern und beherrschen. Jeder übereilte Schritt, der in entgegengesetzter Richtung unternommen wird, ist ein Rückschritt und ein Abweichen von dem Ziele das wir zu erreichen haben. Nur die Rückkehr Israels in sein Land und sein Reich, zu seinem heiligen Geiste, zum Geiste seiner Propheten und seines Heiligtumes, nur diese mutige Rückkehr kann ihm und der Welt das höhere Licht bringen, nach dem heute alle tieferen Seelen sich so heiß sehnen. All dieses kann nur erreicht werden, wenn wir uns unseren alten wahren Charakter erhalten, getreu den Gesetzen der Thora, die uns zu einem höheren Leben hinaufführt, ZU einem Leben der wahren Freiheit und Erlösung. Dies ist meine innerste Ueberzeugung, die ich Euch, geliebte Brüder, in aller Herzlichkeit und im Harren auf baldige göttliche Hilfe übermittele." Klar und deutlich hat Rabbiner Kuk hier nicht nur nachgewiesen, in wie tiefem Gegensatz das Frauenwahlrecht zum Geiste der jüdischen Lehre steht, sondern er hat unzweideutig ausgesprochen, es verstoße „gegen den rn". Wie können die Führer des „Misrachi" das Gegenteil behaupten? Hat der Misrachi seit dem Jahre 5679 eine neue Thora empfangen oder muß man auch hier wieder die traurige Tatsache der allmählichen Assimilation an den «religiösen Zionismus feststellen, die die langsam, aber sicher eintretende Folge der organisatorischen Unselbständigkeit ist? lVochenrundschau. Eine neue Dreyfuß-Affäre in Lemberg. In Lemberg spielt sich seit drei Wochen ein Prozeß vor den Schranken der Strafkammer ab, der es verdienen würde, die Aufmerksamkeit der Welt aus sich zu lenken, wie seinerzeit die Dreyfuß-Affäre in Paris. Hier wie dort schmachtet ein völlig Unschuldiger hinter Gefängnismauern und berufene Instanzen sind mit Hilfe dunkler Elemente eifrig an der Arbeit, alle Verdachtsmomente von den wahrhaft Schuldigen auf das unschuldige jüdische Opfer zu lenken. Am 5. September 1924 wurde in den Lemberger Straßen gegen den polnischen Staatspräsidenten Wojciechowski ein Attentat versucht, das mißglückte. Es genügte, daß jemand auf einen in der großen Menge der Neugierigen sich befindenden jüdischen Studenten als den angeblichen Bombenwerfer hinwies, daß dieser sofort von der Polizei als Attentäter in Haft genommen wurde. Der Unglückliche, ein gänzlich unpolitischer Student namens Steiger, sitzt nun seit bald einem Jahre hinter Gefängnismauern, und jenseits derselben wird der Prozeß gegen ihn und die Hetze gegen die gesamte Judenheit Polens mit aller Energie und mit Hilfe der amtlichen Stellen vorbereitet und betrieben. Zwar konnte das sofort nach dem Attentat zusammengetretene Standgericht aus Mangel an Beweisen kein Urteil fällen; das Schwurg e r i ch t, an welches die Sache verwiesen wurde, hatte aber noch nicht getagt, weil der Untersuchungsrichter R u t k a die Akten der Untersuchung bis jetzt noch nicht abschließen konnte. Es fehlen eben die Hauptmomente-gegen Steiger, und er, der Untersuchungsrichter, wird nicht eher ruhen, als bis sich die Anklage gegen den jüdischen Studenten so verdichtet hat, daß das Opfer schlachtreif wird. Dagegen spielt sich jetzt ein anderer damit eng zusammenhängender Prozeß vor den Schranken des Lemberger Gerichtes ab, der in die ganze Affäre so hineinleuchtet, daß er in jedem anderen europäischen Staate das Glück und Ende des Untersuchungsrichters und seiner Helfershelfer bedeutet hätte. Angeklagt sind, wie unsere Leser aus dem Nachrichtenteil unseres Blattes wissen, die Juden Jäger, Kornhaber, Glasermann u. a. wegen Verleumdung bezw. wegen Verleitung zur Verleumdung und Irreführung des Gerichtes. Diese genannten Männer hatten, überzeugt von der Unschuld des Steiger, einige Zeit nach dessen Verhaftung herausgefunden, daß das Attentat eine kommunistische Tat war und von einem bekannten Terroristen namens Panczyszyn im Aufträge seiner Genossen verübt wurde. Als Kronzeugen für ihre Anklage konnten sie einen früheren Kommunisten namens M i k i e t i n nennen. Da aber Mikietin aus Furcht vor der Rache der früheren Parteigenossen mit der Wahrheit nicht herausrücken wollte, bedienten sich die genannten Herren, die sich in den Kopf gesetzt hatten, der Gerechtigkeit zu ihrem Siege zu verhelfen, der Hilfe eines Privatdetektives, der nun mit den Juden die Anklagebank teilt. Mikietin machte erst feine Aussage vor dem Untersuchungsrichter gegen Panczyszyn, nahm sie zurück, bestätigte sie aber jetzt in dem neuen Prozesse in allen Einzelheiten wieder unter Anführung einleuchtendster Beweise und begründet die Widerrufung seiner Aussage damit, daß der Untersuchungsrichter Rutka und dessen Schriftführer ihn unter Drohungen gezwungen hätten, von diesen gefälschte Protokolle zu unterschreiben. Er dürfte, so sagte ihm der Untersuchungsrichter, „das Judengesindel nicht entlasten. Ein Jude muß das Attentat begangen haben." Er wurde auch gezwungen, sich als Verfasser von anonymen Briefen zu bekennen, die der Untersuchungsrichter erhielt und in denen der Versuch unternommen war, die Untersuchung auf die richtige Spur zu leiten. Und nun steigert sich das Drama. Unter höchster Spannung des Publikums erklärten an einem der letzten. Verhandlungstage auch der als Zeuge vernommene geheime politische Polizeidetektiv Chechnowski und der Polizeikommandant I a d k o w s k i aus Warschau, daß es völlig absurd sei, den Täter unter den Juden zu suchen, die im Staatsoberhaupt ihren Freund sahen. In Betracht kämen nur.die Kommunisten oder die extrem nationale ukrainische Partei. Dieser Ehechn o w s k i mußte nun leider den Mut zur Wahrheit mitdemTodebüßen. Eine Kugel aus der Flinte eines Kommunisten streckte ihn darnieder, als er den Gerichtssaal verließ. Zur Strafe dafür, daß er in seinen Aussagen die Kommunisten belastet hatte. Vermutlich auch, um diesen Kronzeugen, der sicherlich noch mehr zur Aufdeckung der wahren Schuldigen wußte, rechtzeitig beiseite zu schaffen. Und der Prozeß geht dennoch gegen die Juden weiter, gleichsam als Vorspiel zum Hauptprozeß gegen Steiger, den Attentäter. . . . wurden wir durch Nebuchadnezar vertrieben. Nach dem Niedergang des assyrischen Staates sind unsere Vorfahren nach dem Osten Asiens gegangen, wanderten von Ort zu Ort, bis sie endlich zum fernen Osten kamen. Der größte Teil unserer Vorfahren hat sich in China niedergelassen und nur ein kleiner Bruchteil hier im Landes In Japan leben wir schon 2000 Jahre. Die historischen* Dokumente und die alten Vorkommnisse sind in unsere Bücher eingetragen, nach der mündlichen Uebergabe von einer Generation zur anderen." Auf meine weiteren Anfragen habe ich folgendes erfahren: Die Juden Japans besitzen keine Thorarollen. Ihre ganze Lehre Tiber die jüdische Religion ziehen sie aus der Bibel, die sie auf Pergament in japanischer Sprache ausgezeichnet besitzen. Den Beschneidungsrhlts halten sie streng und führen ihn während des ersten Lebensjahres des Kindes aus.- Dis wichtigsten Festtage der japanischen Juden sind: Pessach, Schewuoth, Sukoth. Eie werden durch vollständige Arbeitsruhe gefeiert. Dagegen unterscheiden sich die anderen Feiertage nicht vom Nlltag. Außer den einfachen jüdischen Feiertagen werden dio Tage des 13. bis 16. Juli als große Feiertage geheiligt, vis Gedenktage für die verstorbenen Seelen. Bekannt ist, daß dieselben Feiertage von den Buddhisten gefeiert werden. Jeden Samstag sowie Feiertuge kommen die japanischen Juden in den Gebethäusern zusammen. Bevor er in den Tempel tritt, muß der Betende baden, die besten Gewänder anziehen und stolz mit erhobenem Haupte dem Eingang des Tempels zugehen. Bei der Tür wäscht man die Hände in dem Brunnen und bevor man ins Innere des Tempels elnnitt, muß man in einen dort hängenden Spiegel hineinschauen, das soll bedeuten: „Gleich wie du dein Anüitz > a Spiegel siehst, so schaut Gott in dein Herz hinein und best alle deine Gedanken." Talith und Tefillin besitzt jeder japanische Jude, nur ziehen sie diese nickst an, sondern behalten sie als Heilig-- tum in einem elfenbeinernen Kästchen. Während des Gottesdienstes liest der Rabbiner Abschnitte der Psalmen, während die Andächtigen die größte Ruhe bewahren. Nachher hält der Rabbiner die Predigt. Eheschließungen gehen die japanischen Juden nur unter sich ein. Die Verlobten sehen sich nicht, bevor der Bräutigam seine Braut in sein Heim führen kann. Die Eltern erledigen alle Vorbereitungen. Sogar in der Synagoge, wo die Trauungszeremonie unter dem Baldachin stattfindet, ist die Braut mit einem Schleier vom Kopf bis zu den Füßen bedeckt. Die jüdische Gemeinde in Japan zählt 3000 Seelen. Alle sind ausschließlich mit Handwerk beschäftigt und wohnen in Osoki, Kioto und Umgebung. Ihre Sitten und Gebräuche unterscheiden sich gar nicht von den japanischen Nichtjuden. Während einer Unterhaltung sagte mir der Rabbiner flüsternd: „Israel! Israel! Glaubt, Freund, daß wir Israeliten sind und an den einzigen Gott glauben, an einen Gott Israels. Weder früher noch später hat bei uns jemand seinen Glauben verlassen und ist nie dem Glauben unserer Vorfahren abtrünnig geworden." (Aus der Wiener „Wahrheit".) '“ü'm Aus dem großen Nachlaß des bekannten Gelehrten Rabbi Josef Engel V"** ist jetzt, nach den bereits erschienenen zwei Werken „Ozroth Josef" Band 1 und 2 Drusch, der erste Teil seiner Glossen zum Talmud Vabli und Jeruschalmi erschienen. Noch mehr als in den bisherigen Werken tritt hier das gewaltige Wissen des Verfassers zutage. Seine eigene Art, durch Zitate, sei es halachifchen oder agadischen Inhaltes, das Lernen leichter und angenehmer zu gestalten, findet hier ihre Vollendung. Die schwersten Stellen werden, trotz der intensiven Bearbeitung, in leichter Sprache und für Jeden verständlich behandelt. Dieses Werk wird jedem Lernenden zum Nutzen und zur Freude gereichen. Es ist zu wünschen, daß dieser ersten Ausgabe, die nur Irma 'oa und o’jnr behandelt, bald die Ausgabe auf den ganzen Talmud Babli und Jeruschalmi folgen möchte. Zu beziehen ist das Werk vom Vereine „Ohawei Thora" Wien 2, Leopoldgasse 16/24, der sich die Aufgabe gesetzt hat, die nachgelassenen Werke Rabbi Engels V'-xt der Vergessenheit zu entreißen. Der Reinertrag fließt Thoralernenden zu. Zahlenwert und Frauenrechk. Asmuth, der humoristische Feuilletonist des „Doar Hajom" hat einen neuen Remes gegen das Wahlrecht der Frau gefunden, und zwar in den bekannten widerstreitenden Sätzen des Koheleth: xx» ,-wx xxa 3iv und maa na nmn nx 'irr xxiai. Das Wort nwx hat den Zahlenwert von 306, w'x dagegen 311. Wenn somit nfc'K kx» der Mann d i e Frau gefunden hat, die weniger Rechte für sich in Anspruch nimmt als er, dann aia xxa hat er Gutes gesunden. nwxn hat aber den Zahlenwert von 311 genau wie w'K' der Mann selbst. Salomo findet also die Frau mit gleichem Rechte wie der Mann rnaa na bitterer denn den Tod rnaa na .nwx ,n rix 'ix xxiav Familiennachrichten. Geburten: Einen Sohn. Heinrich Lion, Lehrer und Frau Berta, geb. Fleischmann. Grünstadt (Rheinpsalz). Barmizwo: Fredi, Sohn des Predigers I. Isaak, Limburg (Lahn). 15. August.

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