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Der Israelit · 1925-08-06 · Heft 32 (6.8.1925) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 32 (6.8.1925)
Date
1925-08-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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©eite 6 Nr. 32 Der Israelit 6 August 1828 sei es von jüdischer oder nichtjüdischer Seite, sich schützen zu können. Woran es fehlte, ist folgendes: Dem Schülertum fehlte es an Familieni'ingebung, die ihm im jüdischen Wollen und Handeln vorbildlich sein könnte (es gibt keine solche Familie in der festländischen Großstadt). Der Schule mangelte es aber zuerst an klarer Einsicht in Ziele und Mittel zur 'E.reichung dieser. Es fehlte an ausgebildeter Lehrerschaft, an Erfahrung und Kenntnissen. Zu mancher Zeit und in manchem Ort fehlten auch die materiellen Vorbedingungen, hie und da auch die organisatorischen Fähigkeiten. Gerade an diesem Punkte ist aber Hilfe bei gutem Willen möglich. Was im Westen an pädagogischem und schultechnischem Gute vorhanden ist, darf nicht dem Orte vorenthalten bleiben, wo es unter günstigen Bedingungen, sich reichhaltiger auswirken könnte; da mutz mit Rat und Tat eingesprungen werden, aber nur Rat wird eigentlich verlangt. Wenn es gelingt, mit E.nst und Treue am Aufbau tätige B'iia zu gewinnen, kann hier Grotzes gedeihen. Nun lassen wir die Tatsachen sprechen. Seit 5 Fahren bestehen in Riga, (später arich in Dwinsk und Libau gegründet), die von „Zeirei Agudas Iisroel" errichteten und von de: ganzen Orthodoxie getragenen „Thora derech erez"-Schulen, bestehend in einer Knabengrundschule, Mädchengrundschule und einer Knaben-Mittelschule (Gymnasium). Es besteht dis Absicht, sie durch die Gründung eines Mädchengymnasiums, eines Kindergartens, wie auch durch die weitere Ausgestaltung des Knabengy nnasiums für das Schuljahr rs-in zu erweitern. Die ^Schülergesamtzahl ist auf 300 zu berechnen. Das ist auf folgender schulrechtlicher Basi aufgebaut: die zwei in Lettland grundsätzlichen Schulformen sind: 7—6-jährige Grundschule (7—14 Jahren) und die 4-jährige Mittelschule (14—18),~ worauf die Universität folgt. Der Stundenplan der „Thora derech erez"-Schulen, in offizieller Bezsichnung „jüdisch - klassische Grund- und Mittelschulen", ist vom Bildungsnrinisterium bestätigt, mit allen Rechten ausgestattet und im Schulnetze eingerechnet. Der im Regierungsnachrichtenblatte veröffentlichte Stundenplan enthält u. a. folgende Lehrgegenstände: Bibel, Talmud, Religion, Sprache und Geschichte, mit gehöriger Stundenzahl. Das bewährte sich auch praktisch. Dieser Stundenplan wurde der Rahmen eines Schulprogramms, welches nutzer dem Ueblichen, mit gewissen Kürzungen, an allgemeinem Lehrstoff folgendes vom jüdischen Wissen enthält: gründliche Kenntnis der hebräischen Sprache, welche auch Unterrichtssprache ist, Chumisch ganz, zum großen Teil mit Raschi, Nebiim ganz, mit Kommentaren; vom Talmud: Baba Kama, Baba Mezia; einen Kursus der jüdischen Geschichte bis auf das XIX. Jahrhundert; Dinim, ebenfalls ein systematischer Kursus. Soweit in der Grundschule. Auf dieselbe Art wird in der Mittelschule weiter gearbeitet. Das Ziel des Ganzen ist aber nicht nur Wissen, sondern auch. nipya. Eigentliches Ziel ist nvpnb naTip HDn nxV' Verdient das nicht eine Unterstützung? Sicher ist, daß, , wenn diese Institution an Hilfe appelliert hätte, diese Hilfe ihr gewährt worden wäre. Umsomehr hat sie Recht auf intellektuelle Hilfe. Ein Komitee führender Schulmänner des Westens soll gebildet werden, das der Leitung und dem pädagogischen Rat der Schulen mit Rat und Gutachten beisieht. Das Weitere würde sich aus der Arbeit selbst ergeben. Familiennachrichten. Barmizwo: Freds, Sobn des Herrn Josef Weil. 145 Highbury New Park, London N. 5. 15. August. Korrespondenzen « Nachrichten Reich Der deutsch-polnische Ausweisungskrieg und die Juden. Berlin,!. August. Die deutschen Zeitungen teilten vor kurzem mit, die deutsche Regierung sei entschlossen, mindestens 10 000 polnische Staatsangehörige aus Deutschland auszuweisen, sobald die polnische Regierung ihre Absicht verwirklicht, 33 000 Deutsche aus den neupolnischen Gebieten, die für Deutschland optiert hatten, auszuweisen. Ein Teil der Presse wußte sogar zu melden, daß sich unter den 10 000 aus Deutschland auszuweisenden Polen einige Tausend Juden befänden. Diese Nachricht hat unter den in Deutschland lebenden polnischen Juden begreiflicherweise Beunruhigung heroorgerufen. Wie der I. T. A. von informierter Seite mitgeteilt wird, sind diese Besorgnisse übertrieben. Ausgewiesen sollen doch nur — wenn es dazu kommt — solche Personen werden, die in den früher deutschen, jetzt polnischen Gebieten, beheimatet sind und nach Friedensschluß für Polen optiert haben. Unter den in Deutschland lebenden polnischen Optanten aus den neupolnischen Gebieten befinden sich nur sehr wenig Juden. Sir Herbert Samuel in Ungarn. Budapest, 1. August. Der hier weilende frühere Oberkommifsar von Palästina, Sir Herbert Samuel, hat mit Mitgliedern der ungarischen Regierung, wie auch mit prominenten Führern der ungarischen Judenheit Zusammenkünfte gehabt, die der Klärung der Position der Juden in Ungarn galten. Während der Donaufahrt Sir Samuels hat sich ein eigenartiger Zwischenfall abgespielt. Ein Schiffspassagier, ein bulgarischer Student, der in der glühenden Hitze einen Sonnenstich erlitten hatte, rannte auf das Verdeck der ersten Klasse und mit dem Rufe: „Ich bin Sir Herbert Samuel, der König von Palästina!" wollte er sich auf Sir Samuel stürzen. Es mußten Matrosen herbeigeholt werden, die den Erkrankten in seine Kabine brachten. Am 29. Juli gab der britische Gesandte in Budapest, Sir Colville Barolay, zu Ehren des in Budapest weilenden Sir Herbert Samuel ein Diner. Am 30. Juli wurde Sir Herbert Samuel vom ungarischen Staatsverweser, Admiral Nikolas Horthy, empfangen. PsUn. Verständigung und Konzessionsraub. Warschau, 1. August. Das offiziöse Regierungsorgan „Dziennik Ustaw" veröffentlichte am 29. Juli die Ausführungsbestimmungen zu. dem vom polnischen Sejm am 3. Juni d. I. angenommenen Gesetz über die Revidierung der bisherigen Konzessionsverleihungen. Bekanntlich soll auf Grund dieses Gesetzes etwa 36 000 jüdischen Konzessionsinhabern die Erlaubnis zum Verkauf von Spiritussen, Tabak und anderen Monopolartikeln entzogen werden. Dadurch würden mehr als 150 000 jüdische Seelen in tiefste Not geraten. Die Ausführungsbestimmungen sind solche, daß der Willkür der ausführenden Unterbehörden Tür und Tor geöffnet ist. Beim Abschluß des polnisch-jüdischen Abkommens verlautete, die Regierung hätte den jüdischen Unterhändlern versprochen, das Konzessionsgesetz erst in fünf Jahren in Wirksamkeit treten zu lassen. Eine offizielle Veröffentlichung hierüber ist bis jetzt nicht erfolgt. Der Lemberger Prozeß. Lemberg, 2. August. Am 27. Juli wurde der Polizeiinspektor Piatkiew i c z einvernommen, der aussagte, nach seiner Ueberzeugung konnte das Attentat auf den Republikpräsidenten Wojciechowski nur von zwei Seiten ausgeführt werden, von ukrainischen Nationalisten oder von Kommunisten.; die Juden hatten keinerlei Interesse an einem solchen Attentat. Piatkiewicz berichtete weiter, die Untersuchungsrichter hätten ihm suggestive Fragen gestellt und ify, justament auf Aussagen gegen die Juden festlegen wollen. Als er dies nicht mitmachen wollte, wurde er so behandelt, als wäre er Angeklagter und nicht Zeuge. Als die Ver-I leidiger eine Reihe Fragen an Piatkiewicz stellten und! der Gerichtsvorsitzende deren Beantwortung verbot, fom es zu einem scharfen Zusammenstoß zwischen Gerichts.! Vorsitzenden und Verteidigern. Am 29. Juli wurde der ukrainische Kommunist! Panczyszyn vernommen, der von Mikietin uns! dem ermordeten Polizeiagenten Zechnowski ganz bestimmt als der Attentäter gegen Präsident Wojciechowski bezeichnet wird. Panczyszyn leugnete kategorisch, das! Attentat versucht zu haben, jedoch vermag er keinerlei! Beweise für sein Alibi zu erbringen. Der Staatsann teilte mit, er habe die Mitteilung erhalten, baß das! Untersuchungsverfahren gegen Steiger abgeschlossen ist und daß danach keinerlei Grund vorliegt, in Panczyszyn den Täter zu vermuten. Sowjetrussisches. Moska u, 30. Juli. Wie der I. T. A. aus Moskau berichtet wird, ist das weithin populäre jüdische Hilfskomitee in Moskau „Mewopo", . die einzige nichtkommunistische jüdische Hilfsorganisation, die als die Nachfolgerin des einstigen jüdsichen Gemeindekomitees angesehen wurde, in den letzten Tagen behördlicherseits verboten worden. „Mewopo" hat auf dem Gebiete der jüdischen sozialen Fürsorge eine ausgedehnte Tätigkeit entfaltet und hat zuletzt auch das jüdische Kolonisationswerk in Rußland gestützt. Die Verurteilungen und Verbannungen von Zionisten mehren sich mit jedem Tage. Am letzten Donnerstag hatten sich vor dem Moskauer Gericht mehrere junge Leute zu verantworten, die beschuldigt waren, der einen oder der anderen zionistischen Jugendorganisation anzugehören. Von diesen wurden fünf zu je drei Jahren Konzentrationslager, welches bekanntlich schlimmer ist als Gefängnis, verurteilt. Von demselben Gericht wurden 17 Zionisten zu Verbannung nach dem fernen Sibirien für drei Jahre verurteilt. Auch in Minsk fanden dieser Tage zahlreiche Verurteilungen von Personen statt, die im Verdacht prozionistischer Betätigung standen. Auch hier genügten Indizien oder sestgestellte persönliche Beziehungen zu Anhängern der zionistischen Bewegung für eine schwere Verurteilung. Aehnliches ereignete sich in der vorigen Woche i» Kiew, sowie in B e r d i t s ch e w und R ay o n, ebenso in der Krim. Personalien. Rabbi Joseph Pollack Großwardein, 1. August. Ein großer oan i'v^ wie es deren nur wenige in Transsylvanien gibt, ist am 23. Tamus im Alter von 54 Jahren mit Rabbi Joseph P o l l a ck V":st von uns geschieden. Ein hervorragender Schüler des „Schevet Sofer" hat er sich schon als Bachur einen ehrenvollen Ruf im Lande erworben. Er wurde Schwiegersohn des in weitesten Kreisen rühmlichst bekannien großen Talmudgelehrten Rabbi Mose U l l m a n n in Großwaroein, wo er in jungen Jahren vom bedeutendsten jüdischen Verein, der „Schaß-Chewra" als Raw gewählt wurde. Bald darauf wurde er als Dajan der Gemeinde berufen und hat als solcher 30 Jahre lang eine überaus segensreiche Tätigkeit entfaltet. Hochgeachtet und beliebt war er von allen ob seiner unermeßlichen Gelehrsamkeit, strengen orthodoxen Richtung und unerschütterlichen gepaart mit seltener Charakterfestigkeit. Einen herben Verlust erleidet durch sein Ableben in erster Reihe die Gemeinde Großwardein, aber auch die transsylvanische orthodoxe Judenheit, die in ihm einen ihrer größten Männer hatte. An der beteiligten sich viele Tausende Mitglieder der Gemeinde und viele auswärtige Trauergäste. — Trauerreden hielten: Moses P o l l a k, Rabbinatskandidnt, der älteste Sohn des Verstorbenen, Landespräsident Ull - mann, Oberrabbiner Berbenze, Rabbi Pinchas H o r o o i tz, Koffoveideyan, Josef C y r o n, Oberrabbiw r in Buda, Pinchas (£i m e tf> a u m v'-a Rabb. Mosts Klein, Rabbiner S ch ö n f e l d, Mitalfalva, Rabbiner R o s n e r; Serethid, Rabbiner Wein, Nagyfalu, Rabvmer B r i s l, Csehe, Rabbiner Josef Schwarz, Verfasser des „Wajlaket Josef". — Am 23. nachmittags «w 3 Uhr begann die '’ibn, die bis spät Abends fordauene. Rabbi Kowalski y^t. Warschau, 30. Juli. Die sterblichen Ueberreste des in Breslau nach einer Operation verstorbenen Rabbiners und Senators Juda

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