Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 32 (6.8.1925)
- Date
- 1925-08-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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6. August 1925 Nr. 32 Seite 5 Der Israelit iir Sieten Mk. 40 Pli liefern wir einen eleganten Kneifer mit Gläsern, Double ohne Fassung, der eigens für Nase und Gesichtsbildung hergerichtet wird. Es ist nicht mehr nötig, daß Sie sich mit schlechtpassenden Gläsern, falsch und schief sitzenden Kneifern behelfen, die Augen dadurch vernachlässigen und schädigen. Besprechen Sie sich mit unseren Fachleuten ohne Kaufverpflichtung, wir beraten Sie gut und bedienen Sie sehr preiswert Lieferung für alle Kassen. Orthozentrische Kneifer-Gesellschaft, Opernplatz. Für die Reise Feldstecher, Operngläser von 20.— Mk. an. Schutzbrillen und Kneifer in allen Farben fcafe in vielen Gruppen regelmäßig Krankenbesuche betrieben werben, Haushaltshilfe usw. Alles in allem ist zu sagen, baß, wenn auch dic zentralisierte Zusammenfassung nicht durchgeführt werden konnte, so doch das Matz der geleisteten Arbeit anerkennenswert ist und datz, was doch das Wichtigste ist, an den verschiedensten Stellen recht viel Gutes geschaffen werden konnte." Soweit der Bericht. Ergänzend führte Herr Munk zu der Frage „Gsra" aus: Wir wissen sehr genau, datz es nicht Starrsinn ist, datz die Mitglieder der Esraorganisation in einer anderen Weise vorgebildet werden müssen wie die Jugendorganisation es in ihrer Tätigkeit übt. Das Verhältnis des Führers zu den Esräern ist ein anderes als das Verhältnis des Vorstandes einer Jugendgruppe zu der Gruppe. Der Führer einer Esragruppe mutz Vorbild, Stütze sein. Es müßte aber durch gemeinsame Beratung ein Weg gesucht und gefunden werden, der es erlaubt, die Jugendbewegung des Esra als ein Glied und Teil unserer Organisation zu betrachten, bei vollkommen selbständiger, unabhängiger, freier Führung der Bundesleitung des Esra. In der sich an das Referat anschließenden Generaldebatte wurde die' bisherige Tätigkeit der Leitung einer scharfen Kritik unterzogen. Es wurde gefordert eine größere Aktivität des O. V., eine bessere Presse usw. Um 7 Uhr abends vertagte man sich. Die im Laufe des Nachmittags gebildeten Kommissionen für Erez Äisroel, Keren Hathora, Propaganda, Wahlprüfung und Mädchenarbeit traten um 8 Uhr abends zu Beratungen zusammen, die sich bis gegen 11 Uhr abends hinzogen. Die übrigen Delegierten und Gäste vereinigten sich abends zu einem gemütlichen Zusammensein. In der Montag Vormittag-Sitzung spielte die Esra-Frage die Hauptrolle. In durchdachten und formvollendeten Ausführungen vertraten Elie Munk und Dr. Julius Merzb a ch aus Berlin den Standpunkt der Berliner Jugendgruppe, die in der Neutralität der Esra eine unmittelbare Gefahr für die ganze Zukunft der Aguda in Deutschland erblickt und ein Ultimatum an die „Esra" fordert. Nockschärfer äußerte sich der Vertreter von Breslau, während Frankfurt durch Schn erb und Köln durch Dr. Schwarz jede gewaltsame Lösung der Frage entschieden ablehnen ließen. Dem als journalistischer Berichterstatter anwesenden Achduth-Vertreter und Esraführer Dr. K liba ns ky-Breslau wurde mit Zustimmung der Versammlung das Wort erteilt zur Begründung des Standpunktes der nicht-agudistischen Esräer. Jacob R o s e n h e i m legte dar, wie unpädagogisch es sei, wenn eine Erziehungsorganisation sich nicht getraue, dem reifenden Menschen über den Charakter des jüdischen Gemeinschaftsideals eindeutige Auskunft zu geben. Er erörterte die Gründe dieser bedauerlichen Haltung und ihre Konsequenzen. Trotzdem die Aguda notfalls zweifellos die Kraft haben würde, eine ausüesprochen agüdistische Erziehungsorganisation zu gründen, sei er entschieden dagegen. Diese äußerste Maßnahme sei unnötig und darum ein Unrecht. Man'' müsse nur für Stärkung des agudistischen Geistes in der Esra sorgen und eventuell an die ja nicht in Frage stehende freie Unterordnung der Esra unter den rabbiuischen Rat anknüpfen. Es wurde beschlossen, die Beschlußfassung auf die Nachtsitzung zu vertagen. Nachmittags sprachen Dr. Pinchas Kohn über die „Lage der Orthodoxie und die Arbeit des G. A.", Jacob Rosenheim referierte für die Palästina-Zentrale, Wolf S. I a - cobson für den oeutschen Keren halb o r a, Oberrabbiner Schapiro - Piotrkow über den allweltlichen Keren Hathora. Der am Montag abend vor zahlreichem Publikum stattgehabte öffentliche Begrüßungsabend verlief in eindrucksvoller und erhebender Weise. Außer den Vertretern der Gemeinde Würzburg, Herrn Distriktsrabbiner Dr. Hanover und Herrn Julius Engel, begrüßten eine große Reihe von agudistischen und befreundeten Körperschaften durch gehaltvolle Ansprachen. Den Mittelpunkt des Abends bildete eine grotzangelegte Festrede des Herrn Rabbiner Dr. Klein aus Nürnberg über die Grundbegriffe der agudistischen Ideologie und ein von jugendlichem Feuer durchglühter Vortrag von Lehrer R u d a-Wilhelmshaven. Der Abend schloß mit einer kurzen, aber zündenden Ansprache des als Gast anwesenden Herrn Rabbiner S cha p i r a-Piotrkow. In einer Nachtsitzung platzten dann die Geister, wie es sich bei einer Jugendtagung gehört, in der Esrafrage wieder aufeinander. Den Abschluß dieser Debatte bildete die fast einstimmige Annahme der nachfolgenden Resolution: Der zweite Bundestag der A. I. O. begrüßt die seit dem ersten Bundestag gefaßten Beschlüsse des Csra, die die ideelle Gemeinschaft mit Agudas Jisroel und die Unterstellung unter den rabbinischen Rat betonen. Er erhofft vom diesmaligen Esratag, daß er in Ausführung dieser Beschlüsse hinfort seine Erziehungsarbeit von dem Gedanken leiten läßt, daß die Grundidee der Agudas Jisroel, die Anerkennung der Thauro ' als alleiniges konstituierendes Prinzip der jüdischen Gemeinschaft, für die religiöse Erziehung jedes jüdischen Individuums in systematischer Weise fruchtbar gemacht werden muß. Der O. V. wird beauftragt, im Anschluß an die Tagung in Homburg in Verhandlungen mit der Esra- Bundesleitung einzutreten, um eine genaue Abgrenzung der Arbeitsgebiete von Esra und Agudas Jisroel vorzunehmen, sowie durch ständige Fühlungnahme mit der Esraleitung für eine gedeihliche, friedliche Zusammenarbeit der beiden Organisationen zu sorgen. Am Dienstag früh wurde unter dankbarer Anerkennung der Leistungen der Verbandsleitung, Köln für die nächste Periode wieder zum Vorort und Herr Leo Munk zum Vorsitzenden der Jugendorganisation gewählt. Starken Eindruck machte alsdann das durchdachte Referat von Dr. Robert Weiß -Wien über „Aulim und Vauni m." Im Anschluß daran wurden folgende Resolutionen angenommen: 1. Der Bundestag der A. I. I. O. fordert erneut die Jugendgruppen Deutschlands auf, im Rahmen der von der Palästina-Zentrale geleiteten Arbeit, für den Aufbau von Erez Jisroel im Geiste und nach den Bestimmungen der Thauro und auf der Grundlage der Selbstarbeit (Awaudoh azmiß) dahin zu wirken, daß eine möglichst große Anzahl von jungen Agudisten und Agudi st innen nach Erez Jisroel übersiedeln. Voraussetzung hierzu ist eine gründliche Ausbildung der Aulim, möglichst als Landwirte, Gärtner, Handwerker, ferner, falls ein aktueller Bedarf in der palästinensischen Wirtschaft gegeben ist, auch in wissenschaftlichen oder kaufmännischen Berufen. Der Bundestag ist sich hierbei dessen bewußt, daß die Golusarbeit der Jugendgruppen dadurch nicht eingeschränkt werden wird, da die Erfüllung der Pflichten für Golus und für Jischuw Erez Jisroel ein untrennbares Ganzes sind. 2. Der Bundestag richtet an die Palästina-Zentrale das Ersuchen, die Erez Jisroel-Ärbeit der Jugendgruppen dadurch zu unterstützen, daß sie ' durch Bereitstellung von geeigneten Materialien und. Behelfen den Vorständen der Iugendgruppen es ermöglicht, mindestens jeden R.ausch-Chaudesch selbständig eine Besprechung der a k - V tuellen Erez Jisroel-Fragen religiösgeistiger, politischer und wirtschaftlicher Art zu veranstalten. 3. Der Bundestag ermächtigt den O. V., alles Geeignete zu veranlassen, damit eine genügende Anzahl von erprobten Ausbildungsstellen landwirtschaftlicher und handwerklicher Art für die Aulim der A. I. J.-Gruppen Deutschlands jederzeit zur Verfügung stehen. Der Bundestag erwartet, daß die Palästina-Zentrale der A. I. durch Subventionen auch die Ausbildung minderbemittelter Aulim ermöglichen wird. 4. Der Bundestag richtet an die Palästina-Zentrale der A. I. das Ersuchen, alle Unternehmungen in Erez Jisroel, deren Eigentümer Agudisten sind oder der Aguda nahestehen, zu veranlassen, daß in erster Linie ausreichend ausgebildete Agudisten zu allen Arbeiten herangezogen werden und erwartet, daß die Aulim aus Deutschland hierbei entsprechende Berücksichtigung finden werden. Die Nachmittagssitzung wird noch zwei größere Referate von Wolf S. Jacobson- Hamburg und Mai Gulmann -Nürnberg über Aguda-Arbeit in Stadt und Land bringen. Eine Pflanzstätte der Thorakulkur in Lettland. Das fünfjährige Bestehen eines orthodoxen Schulwerkes in Lettland, mit ^manchen Eigentümlichkeiten und Vorzügen, die Ergebnisse dieser Arbeit, Möglichkeiten, die sich im Zusammenhänge damit eröffnen, alles das zwingt einmal auch die Aufmerksamkeit der orthodoxen Oeffentlichkeit, der erziehungstätigen insbesondere, darauf zu lenken. - i* Man ist im Westen an die Rufe um materielle Hilfe, obwohl berechtigten, in solchem Maße, gewöhnt, daß es Notwendigkeit ist, hervorzuheben, es handle sich hier keineswegs um Budgets, Dollars und ähnliches, sondern um intellektuelle Hilfe, roomöglichst gegenseitige. Eine kleine Einleitung muß der historischen Darstellung vorangehen: Das orthodoxe Schulwerk in Lettland genießt, um nicht mehr zu sagen, günstiger schulpolitischer Bedingungen, ist zum großen Teile (in Riga) materiell gut situiert und kommt dennoch nicht zur richtigen Entfaltung. Es sind teilweise die Möglichkeiten vorhanden, diejenige radikale und befriedigende, (wenn es eine solche überhaupt geben kann) Lösung des Thora-derech erez-Problems, die im Westen vorläufig undenkbar ist, Hier zu vollbringen. Der schulpolitisch freie Raum für die Versuche zur innerlich-ganzen und thorazentrischen Gestaltung des Schulwesens ist hier erreichbar. Im lettländischen Judentum (das gewissermaßen ein Amerika ähnliches jüdisches Neuland darstellt) wirken gegen-» und nebeneinander östliche Thoraeinflüsse und europäisches Kulturgut. Es hat genug jüdische Erziehungstradition, um sie wahren zu wollen, doch nicht genug, um sie unverändert bestehen lassen zu können. Die politischen Verhältnisse gestatteten, es bisher m. G. H. gegen mögliche Anfeindungen, Wochenkalender. vom 8.-13. Aug. 1928. / 18.-25. Aw 5685. Samstag Aug. 8 npsr 18 3« Sonntag 9 19 Nontag 10 20 Vienstag 11 21 Mittwoch 12 22 Donnerstag 13 23 Freitag 14 24 Samstag 15 nm 25 Rausch-Chaudesch benschen SflmUb: Mtttrv. nachm. 3°