Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 32 (6.8.1925)
- Date
- 1925-08-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Set'e 4 Nr. 32__ Die seinen geistigen Wirkungen, die hier in Frage kommen, treten nicht von heute auf morgen katastrophenarlig in die Erscheinung, aber sie sind psychologisch unvermeidlich. irptf!? sagt ein altes jüdisches Wort; „mag der Wein dem Eigentümer gehören, die Dankbarkeit erwirbt sich der, der ihn eins ch e rr k t." Alles menschliche Denken und Urteilen ist von unbewußten Gefühlsregungen abhängig, und das Gefühl des äußersten Wehes, der ä u ß e r st e n Gegensätzlichkeit, das nach dem Willen des Gottesgesetzes den treuen Juden gegenüber allem mr» nun einmal beseelen soll und muß, ist unvereinbar mit der seelischen Lage eines mehr oder minder gehätschelten Subventionsempfängers gegenüber seinem Wohltäter. Diejenigen gemeindeorthodoren kreise, die es mit ihrer Orthodoxie ernst meinen, sollten froh und dankbar sein, daß auf diese Gefahren kräftig hingewiesen und daß das Gewissen vor allem der jüngeren Generation geschärft wird. Delegierkentag derAgudasIisroel- Jugendorganisation. lDorläufiger Bericht). Würzburg, 3. August. In Anwesenheit von etwa 150 Delegierten und etwa ebenso vielen Gästen eröffnete mit kurzen Worten Sonntag den 2. August Leo Munk, der Vorsitzende des Organisationsvorstandes der A. I. 2. O. die Tagung. Sofort wurde zur Wahl der Tagungsleitung geschritten. Es wurden gewählt zu Präsidenten Dr. Siegmuno Stein-Berlin, Ruda-Wilhelmshaven, S ch n e r b -Frankfurt und Dr' M ü n z-Nürnberg. Dann übergab Leo Munk den Geschäftsbericht, dem wir entnehmen: Die Tätigkeit der A. I. 2. O. erstreckte sich nach zwei Richtungen hin: 1. auch in den kleinsten Orten die Liebe zur Tauroh zu wecken und 2. sämtliche Gruppen durch das Band der Agudas Iisroel zusammenzufassen. Bezirkssekretäre: Bereits die frühere Leitung, die in Frankfurt ihren Sitz hatte, beauftragte Herrn Dr. Herz in Fulda, in der hessischen Iugend die Agudas Iisroel-Idee wachzurufen; wir haben das segensreiche Werk in diesem Sinne fortgesetzt. Herr Dr. Herz bearbeitete in der Hauptsache den engeren Fuldaer Bezirk, in dem er nach kurzer Unterbrechung auch heute noch mit großem Erfolg arbeitet. Seit mehr als einem 2ahr besteht ein württemberg-badisches Sekretariat, dessen Leil0,i°/0]; in Afrika 426.253 {i°/0]; in Amerika 3.884.089 {2,l°/oj; in Australien 24.002 (o,40/0]- Jn der ganzen Welt leben demnach 14.163.542 Juden, die 1% der Gesamtbevölkerung der Welt bilden. Nach Hinzurechnung der schätzungsweisen Vermehrung feit den letzten Volkszählungen lebten Anfang 1925 14.830 832 Juden. (Lin Gespräch zwischen Bismarck und seinem Bankier Bleichröder.) Der bekannte rheinische Lichter Herbert Eulenberg schildert in seinem Buch „Gestalten und Begebenheiten" (Verlag Carl Reißner) eine Unterhaltung zwischen Bismarck und dem Bankier Bleichröder. Diesem Kapitel ist die folgende interessante Antwort Bismarcks zu entnehmen: „Ein brandenburgischer Deutscher ist bekanntlich ein ganz anderes Tier als ein bayerischer Deutscher; und ein deutscher Jude, sollte der nicht seine Nase für sioallein haben dürfen? Freilich: deutsch mutz er vor allem anderen sein, so lange er bei uns sitzt, und die Juden, die bei Mars la Tour gefallen sind, sollen ebenso wie die Makkabäer fühlen, daß sie fürs Vaterland ihr Blut ließen. Sehen Sie sich doch Ihre Künstler an, Bleichröder; ich kenne dieses Terrain ja schlecht. Hat es.Heinrich Heine oder Felix Mendelssohn-Vartholdy in ihrer Kunst geschadet, daß sie Deutsche waren? Haben sie nicht ebenso schön gezwitschert, wie weiland ihre;el'.gen Könige David und Salomo psalmiert haben. Herrscher und Dichter von Gottes Gnaden, die ich übrigens für bessere Poeten als unsere Bayernkönige halten muß? Oder hat es meinem Deutschtum etwa geschadet, daß ich die Bibel, unser aller Mutter, die stets auf meinem Nachttisch liegt, halb auswendig kann? Sehe ich so aus, als ob ich darum restlos im Mosaischen aus- Der Israelit__ tung Herr Marcus Posen inne hat. Demselben ist es in verhältnismäßig kurzer Zeit gelungen, eine ganze Reihe von württembergifchen und badischen Orten zu einem Bezirksverband zufammenzufchließen. Bisher hatte Herr Posen seinen Sitz in Heilbronn. Ueber 30 von Herrn Posen neu gegründete Gruppen sind diesem Sekretariat angeschlossen. Die in der dortigen Gegend amtierenden Herren Rabbiner Dr. Michalski-Karlsruhe, Dr. Feinberg-Heilbronn, Dr. Kahn-Mergentheim, Dr. Ansbacher-Stuttgart und Dr. Berlinger-Hall haben unsere Tätigkeit durch ihr Wirken und ihre segensreiche Unterstützung sehr gefördert. Ein besonderes Ruhmesblatt in der Geschichte unserer Jugendorganisation hat sich die in Nürnberg amtierende Leitung des Verbandes gesetzestreuer jüdischer Iugendvereine Bayerns erworben. In unausgesetztem Bemühen haben sich dort junge, taurohbeflissene Menschen gefunden, die allwöchentlich die jüdische Landbevölkerung besuchen und durch regelmäßige Vorträge und besondere Fühlungnahme es verstanden haben, die Tauroh und den Namen der Agudoh zu Ehren zu bringen. Ihnen, sowie ihrem geistigen Führer, Herrn Rabbiner Dr. Klein- Nürnberg, gebührt großer Dank. ' In Ostsriesland hat sich seit einigen Jahren ein reges Agudohleben entfaltet. Wenn schon in früheren Zeiten die Tätigkeit der Herren Jacob und Mar v. d. Walde in Emden für uns in Emden selbst von großem segensreichen Einfluß war, so hat sich die Agudohtätigkeit erst voll entfaltet, als Herr Sally Boley das Bezirkssekretariat Ostfriesland, Emsland, Oldenburg übernahm. Herr Boley ist in aufopferungsvollster Weise die ganze Woche über im Bezirk tätig, und -die in den letzten Jahren stattgesundenen 5' oder 6 Bezirkstagungen haben bewiesen, wie sehr der Gedanke der Agudas Iisroel Wurzel gefaßt hat. Wir können den Bericht über dieses Sekretariat nicht schließen, ohne auch den Herren Rabbinern Dr. Blum- Emden, Dr. de Haas-Oldenburg und Dr. Aber- Bremen unseren herzlichsten Dank für ihre aufopferungsvolle Mitarbeit zum .Ausdruck zu bringen. Auch wollen wir nicht verfehlen, Herrn Lehrer Wolfs in Aurich, der unter Beteiligung von Hunderten von Personen das Glück hatte, sein 50 jähriges Amtsjubiläum vor mehreren Monaten zu feiern, unseren Dank für seine Hilfe und unsere Wünsche für sein zukünftiges Leben zum Ausdruck zu bringen. Gemeinsam mit dem Verein für die jüdischen Interessen Rheinlands haben wir Herrn Lehrer Fein in Boppard beauftragt, in einer gegangen wäre? Muß ich deshalb etwa zu mauscheln anfangen, oder müssen'Sie v c; ve^a toeil Sie deutsch reden und fühlen können, gleich in ein Korps eintreten und den Grafen Zitzewitz duzen und ihm in Hoppegarten einen Hundertmarkschein pumpen? Sie werden sich bedanken! So wenig wie ich mich dazu dränge, in der Synagoge vorzubeten, weil ich die großen und die kleinen Propheten vor- und rückwärts hersagen kann. Hol der Henker meinethalben uns Germanen, wenn wir das Judentum nicht verdauen könnten!" Es ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inseratenteil enthaltenen Lmvfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesehlichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. ’l’Wiiesidky Strohle/nt FRAMKFC/&raM*Jt&tSttPQA<rZ 7f « 7r£RKR<y/^22<?3 .6. August 1925 ganzen Reihe oberrheinischer Gemeinden Religionsunterricht zu erteilen. Unsere zweite Ausgabe wäre gewesen, auch die Großstadtgruppen regelmäßig zu besuchen und durch Austausch der gemeinsamen Interessen den Zusammenhang und den Zusammenhalt der Gruppen untereinander zu fördern, und damit eine machtvolle Jugendorganisation für die Agudoh-Idee zu schaffen. Dazu hätte sich aber ein Generalsekretär finden müssen, der dauernd die Gruppen besucht hätte. Unseren vielfachen Bemühungen, einen solchen zu finden, ist bisher kein Erfolg zuteil geworden. Unsere vielfachen Rundschreiben haben nie genützt, und werden auch alle derartigen Bemühungen, auf rein schriftlichem Wege auf die Gruppen Einfluß auszuüben, erfolglos bleiben, da nur von Mund zu Mund das Klallbewußtsein geweckt werden kann., Unseren Großstadtgruppen ist es durch die vielen lokalen Verpflichtungen, die auf ihnen lasten, bisher noch nicht zum Bewußtsein gekommen, daß jede Mitarbeit dazu dien!, ganze Provinzen, viele jüdischen Seelen vor geistigem Untergang zu retten. Hoffen wir, daß die nächste Geschäftsperiode die Agudas Iisroel Jugendorganisation instandsetzt, die geeignete Persönlichkeit als Generalsekretär zu finden. Es ist eine Selbstverständlichkeit, daß insbesondere in unserer Zeit, wo auch leider in unseren Reihen Not und Elend an vielen Stellen herrscht, eine Jugendorganisation ihren Aufgaben nicht gerecht wird, wenn sie sich nicht auch auf sozialein Gebiet zu betätigen versucht. In der Verichtsperiode wurde die früher bereits betriebene soziale Arbeit fortgesetzt und darüber hinaus wesentlich erweitert. Die Erweiterung geschah aus doppeltem Grund: 1. verschlechterte sich infolge der fortschreitenden Inflation die Lage des Mittelstandes, und infolge der immer trauriger werdenden Verhältnisse im Osten die Lage der Juden in den östlichen Ländern, wodurch die Einwanderung der Ostjuden nach Deutschland stieg. 2. War gelegentlich der Kenessio Gedaulo eine ständige Kommission zur Beratung über eine Zusammenfassung des Hilfswerks der Agudas Iisroel tätig, an deren Arbeiten unsere A. I. I. O. insofern einen besonderen Anteil nahm, als diese Kommission von Mar Eohen geleitet wurde. Es wurde damals in Wien besprochen, daß, um eine wirkliche Durchschlagskraft zu erzielen, eine Erweiterung der ganzen sozialen Arbeit der Weltorganisation erstrebt werden müsse. Damals wurde in Wien ein gut arbeitendes und imposantes Hilfswerk der Agudas Iisroel geschaffen, in Berlin wurde ein gleiches Hilfswerk aufgebaut, viele Gruppen bei uns und in anderen Ländern widmeten sich der sozialen Arbeit auf den verschiedensten Gebieten. Dieser Bericht wäre nicht vollständig, wenn wir nicht auch des Berliner Hilfswerks der Agudas Iisroel gedächten. Dort wurde eine musterhafte Organisation geschaffen, die insbesondere durch die glänzende Leitung des Herrn Dr. Falk Schlesinger außerordentlich viel Gutes stiften konnte. Es läßt sich gar nicht in Worte fassen, wieviel Berlin auf dem Gebiete der Krgpkenfürsorge, der Bekleidungshilfe, der Lebensmittelunterstützung getan hat. Es war ein großes Lokal mit einem ganzen Stab von Angestellten nötig, um diese Riesenarbeit zu leisten, und wir haben die Genugtuung, festzustellen, daß die Berliner allgemeinen jüdischen HilssOrganisationen in dem Institut der Agudas Iisroel die beste Leistung auf diesem sozialen Gebiet überhaupt erblicken und demzufolge die Leitung des Berliner Hilfswerks der Agudas Iisroel bei allen allgemeinen Beratungen stets an erster Stelle zugezogen wurde. Endlich wollen wir nicht unerwähnt lassen, daß eine ganze Anzahl unserer Jugendgruppen einen eigenen oder einen von ihnen in weitestem Umfang subventionierten Kindergarten haben.