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Der Israelit · 1925-07-30 · Heft 31 (30.7.1925) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 31 (30.7.1925)
Date
1925-07-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Sette 6 Nr. 31 Inangriffnahme der Rettnnssmatznahmen für die jüdischen Hafenemigranten. Paris, 27. Juli. Die soeben in Paris unter Beteiligung von Louis Marshall, Dr. Stephen S. Wise, Repräsentanten der Jewish Colonisation Association (Jca), Vertretern des Vereinigten jüdischen Emigranten-Komitees in Berlin und der Hias in New Port abgehalteno Hilfskonferenz hat bekanntlich ein „Vereinigtes Evakuationskomitee für Emigranten" gegründet. Dieses Komitee begann bereits am 23. Juli feine 2lrbeit. Es mürbe ifym eine hinreichende Summe zur Verfügung gestellt, um alle jüdischen Emigranten, die infolge des plötzlichen Einwanderungseinschränkungsgesetzes in den Vereinigten Staaten in den verschiedenen europäischen Häsen sitzen geblieben sind, aus ihrer gegenwärtigen verzweifelten Lage herauszubringen und sie in anderen Ländern anzusiedeln. Diese Rettungsarbeit wird von den folgenden drei Direktoren des Evakuationskomitees geleitet: Louis Oungre von der Jca, Dr. Bernhard Kahn vom amerikanisch-jüdischen Emigranten-Rettungskomitee (Emergency) und I. Efroikin vom Emigrations-Direktorium und den ihm angeschlossenen Gruppen. Sitzung des zionistischen Aktionskomitees. Die Erweiterung der Agency. — Verhandlungen mit Agudas Jisroel. — Die befriedigte Opposition. London, 24. Juli. Das große Aktionskomitee tagte unter Vorsitz von Oberrabbiner C ha j e s -Wien. Weizmann und Sokolow erstatteten allgemeine Referate über die Lage. Das Problem der Erweiterung der Jewish Agency sowie die Verhandlungen mit der A g u d a über das palästinensische Gemeindegesetz nahmen einen großen Raum in der Diskussion ein. Dr. Weizmann und Nahum Sokolow äußerten sich auch aus manche Anfragen hin über die Angelegenheit der Krim- Kolonisation. In der Sitzung von Sonntag, den 19. Juli, erstattete Dr. Georg H a l p e r n Bericht über den Jewish Colonial Trust (Jüd. Nationalbank) für das Jahr 1924. Die sechste Sitzung des Aktions-Komitees wurde durch einen Bericht Dr. Eder's über die hebräische Universität eingeleitet. Die Funktionen der Zionistischen Organisation mit Bezug auf das Besitzerrecht werden unverändert bleiben. Die Konstitution soll von der Zionistischen Organisation und dem Direktorat gestaltet werden. Das judaistische Institut wurde als ein Teil der Universität anerkannt, es besitzt aber Autonomie mit Bezug auf das Budget, Programm und die Professorenwahl. Nach einer Diskussion wurde der folgende von Robert Stricker gestellte Antrag einstimmig angenommen: „Das Eigentum der Zionistischen Organisation und deren Fonds werden dem Direktorenrat der Universität nicht eher übermittelt, als bis nicht die Konstitution des Rates der Organisation mitgeteilt und von ihr gebilligt worden ist." Colonel F. H. Kisch erstattete Bericht über die Lage in Palästina. Er gab Rechenschaft über die Verhältnisse im Jmmigrationswesen, die Beziehungen zwischen der palästinensischen Exekutive und dem Waad leumi und referierte dann über die Lage des Erziehungswesens und den jüngst vorgekommenen Streik der hebräischen Lehrerschaft. An diesen Bericht knüpfte sich eine mehrere Stunden dauernde Diskussion, .in die auch Weizmann und Sokolow eingrisfen. In derselben Sitzung wurde noch die folgende Resolution angenommen: Das Aktions-Komitee beauftragt die Exekutive, die Verhandlungen mit der Organisation Agudas Jisroel fortzufetzon, auf der Grundlage, daß die nationale Einheit der jüdischen Gemeinschaft in Palästina unangetastet bleibt. In der Sitzung vom 20. Juli erstattete Mr. Leonard Stein, der soeben in Amerika die Verhandlungen über die Erweiterung der Jewish Agency geführt hat, Bericht über den Fortschritt dieser Verhandlungen. Nach einem Crgänzungsbericht Dr. Weizmanns wurden u. a. die solgendenEntfchlüfsemit einer Mehrheit gefaßt: 1. Der Council, der ungefähr aus 150 Mitgliedern bestehen soll, soll zusammengesetzt werden zur einen Hälfte aus Vertretern der Zionistischen Organisation und zur Do» $ * i o e i l r anderen Hälfte aus Vertretern der jüdischen Gemeinschaften in den verschiedenen Teilen der Welt. Es ist die Frage aufgeworfen worden, ob es nicht so notwendig sein wird, daß die Exekutive nach Errichtung des Council der Jewish Agency Schritte einleitet mit Hinblick auf eine Abänderung des Art. 4 des Mandates. Die Exekutive wünscht auszusprechen, daß nach ihrer Auffassung es nicht notwendig sein wird, und daß es auch von keinem Gesichtspunkt aus wünschenswert wäre, Schritte zur Aenderung des Textes des Mandates einzuleiten. Die Exekutive erklärt daher, daß sie vom 14. Kongreß fordern wird, der künftigen Exekutive dis Vollmacht zu erteilen, den Council der Jewish Agency zu schaffen und eine Sitzung des Council einzuberufen, um die Annahme einer Konstitution der Jewish Agency zu beraten, die den Charakter eines Ueboreinkommens zwischen der Zionistischen Organisation und den teilnehmenden jüdischen Gemeinschaften haben soll. 2. Es wird angenommen, daß der Council einberufen werden soll, wenn die Zionistische Organisation die Mitteilung erhalten hat, daß mindestens 50 Mitglieder der nicht von der Zionistischen Organisation eingesetzten Hälfte des Council, die mindestens 6 Länder vertreten, bestimmt worden sind. 3. Die Exekutive wird ferner dem Kongreß vorschlagen, daß die Konstitution der Jewish Agency eine Klausel enthalten soll, daß diese Konstitution zunächst für eine Periode von drei Jahren von dem Tage, an welchem sie vom Council angenommen worden ist, Geltung haben soll. Am Ende dieser Periode soll die Frage einer Erneuerung durch ein Uebereinkommen zwischen der Zionistischen Organisation und den anderen teilnehmenden Parteien entschieden werden. Herr Dr. Nahum Gold mann gab die folgende Erklärung ab: „Im Namen meiner Freunde Grünbaum und Stricker, sowie in meinem eigenen Namen, habe ich mit Bezug auf die Erklärung der Exekutive zur Frage der Jewish Agency folgendes zu sagen: Die Erklärung der Exekutive stellt mit aller Deutlichkeit fest, daß der Versuch der Erweiterung der Jewish Agency in der von ihr geplanten Form provisorischen Charakter tragen soll und insbesondere keine Aenderung des Artikels 4 des Mandates in Frage kommt. Damit erscheint uns eine der Hauptgefahren, gegen die wir feit Jahren gekämpft haben, als beseitigt. Das Projekt der Exekutive hinsichtlich der Konstituierung der Jewish Agency enthält doch Bestimmungen, die unserer Ansicht nach nicht ausreichend sind, um die Prinzipien der Souveränität des Kongresses und der Verantwortlichkeit der Mitglieder der Jewish Ageny vor demokratisch zusammengesetzten Körperschaften vollständig sicherzustellen. Wir behalten uns deshalb vor, dem Kongreß in dieser Hinsicht unsere Vorschläge zu unterbreiten." paläftiua. Jerusalemer Brief. Die ausgehobene Neuwahl. — Ablehnung des zweiten Mis rachi-Vorschlags. — Oberrabbiner Kook über das Frauenwahlrecht. - Agudas Jisroel fordert zur Wahlenthaltung auf. — Für den Mieterschutz. Jerusalem, 15. Juli. Wie vorauszusehen war, hat die scheinbare Entschlossenheit der Linken im Waad leumi es doch nicht vermocht, die überstürzte Neuwahl und die dadurch beabsichtigte Ueberrennung der konservativen Opposition durchzuführen. Die Wahl würde, wenn man an dem Termin von Ende Tammus festgehalten hätte, ein jämmerliches Rumpfparlament ergeben haben, da die Rechte bereits zu Sonderwahlen am gleichen Tage aufgefordert hatte. So blieb den Vertretern der Arbeiterpartei nichts anderes übrig, als buch Stimmenthaltung einen Beschluß zu ermöglichen, der die Neuwahlen zur Delegiertenoersammlung auf drei Monate hinausschiebt. Damit ist Zeit gewonnen und eine Einigung wohl ziemlich sichergestellt. Allerdings hat der Waad leumi den neuerlichen Vorschlag des Misrachi, die Frage, ob eine Volksabstimmung über das Frauenwahlrecht entscheiden solle, dem zionistischen Kongreßgericht zu unterbreiten, abgelehnt. Allein es werden sich andere Mittel und Wege finden, um dem Misrachi und seinem Gefolge den Wiederanschluß zu ermöglichen. Oberrabbiner Kook, der pon einem Vertreter des „Doar Hajaum" interviewt worden ist, hat erklärt, die _ 30. Juli 1925 Einheit sei die Hauptsache, und Rechte, und Linke müßten sich darum bemühen. In Bezug aus das Frauenwahlrecht soll Oberrabbiner Kook, wenn der Bericht authentisch ..i, sich sehr vorsichtig ausgedrückt haben. Die« Sache hänge, meinte er, von vielen Bedingungen im Leben der Gemeinschaft ab. Die Läge sei nicht gleich in allen Ländern und in allen Gesellschaften. Wer von einer Stadt zur anderen und von einem Land zum anderen in dieser Hinsicht einen Beweis bringen wolle, der erfasse die Frage nicht in ihrer Tiefe. Als der Interviewer weiter drängte und fragte, was der Oberrabbiner vom rein religiösen Standpunkte aus über die Frage denke, erhielt er die Antwort: „Auch von diesem Gesichtspunkte aus gibt es positive und negative Seiten, deshalb ist es schwer, etwas Klares zu antworten. Vielleicht wird die Zeit noch kommen, in der wir die Frage ohne Bedenken lösen können." Es scheint demnach, daß auch Oberrabbiner Kook die Frage von einer Volksabstimmung abhängig machen will. Vertreter der Agudas Jisroel besuchten vorige Woche Tel Awiw, Tiberias, Safed und Haifa, um mit den dortigen Gruppen über die Stellungnahme zur Neuwahl für die Delegiertenversammlung zu beraten. Es wurde beschlossen, durch einen Aufruf die Orthodoxie auszufordern, sich ün den Wahlen nicht zu beteiligen. In diesem Sinne sprachen am letzten Sabbat in der Jeschiwoh „Meo Scheorim" die Herren Rabbiner Jodler, Katzenellenbogen und Sienkiewitz. Die Bewegung in Mieterkreisen gegen die beabsichtigte Aufhebung der Mieterschutzgesetze zieht immer noch weitere Kreise, und es dürfte der Regierung kauin möglich sein, darüber hinwegzugehen. Personalien. München. 24. Juli. Hier wurde in dieser Woche eine Frau im Alter von 76 Jahren zu Grabe getragen, die es verdient, daß ihr Bild der Nachwelt erhalten bleibt, Frau Amalie Wolf. Eine der ganz großen jüdischen Frauengestalten. Aus einer vornehmen Familie stammend, Enkelin des Münchener Rabbiners Hesse/begründete sie in Sulzbürg ihren Familienstand. Man müßte das nvrr -Lied wiederholen, wollte man alle ihre religiösen und Hausfrauentugenden ausschöpfen. In ihrem Hause wohnte die Atmosphäre der alten jüdischen Welt. Den iirrv.n niiw kannte sie auswendig, ebenso wie den rcnas nrtm und auch im übrigen religiösen Schrifttum war sie bewandert. Jeder bedürftige mw/ der an ihre Türe pochte wurde nicht etwa einfach mit Almosen bedacht, sondern geehrt wie ein Mitglied der eigenen Familie. Wir würden der Selbstlosigkeit und Bescheidenheit dieser seltenen Frau nicht gerecht werden, wollten wir alles das Gute, das sie in Familie, Gesellschaft und Gemeinde gestiftet, in Breite hier erzählen. Nur das eine fei hier (in ihrem eigenen Sinne) hervorgehoben, wie unendlich glücklich sie in ihren letzten Lebensjahren, dis sie in der Familie eines Münchener Sohnes verbrachte, sich fühlte, daß alle ihre Kinder, in alle Richtungen zerstreut, durch ihren rechtlichen und religiösen Wandel alle die schweren Mühen belohnte, die sie unter nicht immer günstigen äußeren Verhältnisse auf ihre Erziehung einst verwendet hatte und in Liebe gegen sie sich überboten. — Ein prächtiger Sohn fiel unter Hinterlassung von Frau und Kindern im Kriege. — Herr Hauptlehrer Emanuel Wertheimer in Hardheim, den Lesern dieser Zeitung wohlbekannt, ist ihr Schwiegersohn, rras”* Markelsheim (Wttbg.), 26. Juli. Frau Sofie Strauß von hier, die Witwe des langjährigen Kirchenvorstehers Moses Strauß, rrs? begeht am Sonntag, den 2. August, in völliger geistiger und körperlicher Frische ihren achtzigsten Geburtstag. Wir wünschen der Jubilarin ein gesegnet, frohes Greisenalter. nw .irr» Badenweiler, 20. Juli. Der hier zur Kur weilende bekannte Maler und Radierer E. M. Lilien ist am 18. Juli gestorben. Er hat ein Alter von nur 51 Jahren erreicht. Lilien, der aus Galizien stammt, war ganz Autodidakt und hat sich hauptsächlich als Illustrator betätigt. Bekannt sind seine Zeichnungen zu Rosenselds Liedern und zum Balladenbuch „Juda" dos Freiherrn von Münchhausen. Zuletzt widmete sich Lilien der Illustration eines Bibelwerkes und verbrachte als Vorbereitung hierür längere Zeit in Palästina. London. 10. 3uli. Die Universität Cambridge besitzt, was wohl nicht allgemein bekannt sein dürfte, schon seit dem 17. Jahrhundert einen Lehrstuhl für rabbinische Wissenschaft. , Die Universität hat seitdem es als ihre Ehrenpflicht betrachtet, diesen Lehrstuhl ausrecht zu erhalten, der seit 20 Jahren von dem bekannten Gelehrten, Dr/ Israel Abrahams, ausgefüllt wird. Zu Ehren dieses Gelehrten fand in dem Londoner Universitätsklub ein Meeting statt, an dem dem Jubilar eine künstlerische Adresse und eine Ehrengabe überreicht wurde. Der Geehrte dankte in einer eindrucksvollen Ansprache und erklärte, daß er die überreichte Summe zur Verbreitung des von ihm demnächst erscheinenden Werkes: „Der Ruhm Gottes" benutzen werde, einen Teil davon zur Errichtung eines Heimes für religiöse und soziale Arbeit unter den Studenten der Universität Cambridge.

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