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Der Israelit · 1925-07-30 · Heft 31 (30.7.1925) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 31 (30.7.1925)
Date
1925-07-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 31 Gelle 5 30 JuU 1928 _' kämpftet Auf die Frage nach einem positiven Programm müssen sie die Antwort schuldig bleiben, da die Agnfsrenzgeüieinfchaft ein Konglomerat divergierender Elemento, darstellt, die kern gemeinschaftliches Programm bilden können. Zum Schluß setzte sich Grünbaum in einer tem- ^xi-umentvollen Rede mit den Diskussionsrednern auseinander.. Er führte aus, die Konferenzgemeinschaft hat ihr Programm, das ist das Programm des Zionismus: Die Eroberung der jüdischen Massen, die Kontrolle des Einmanderungsstroms durch Auswahl der aufbauenden, schöpferischen und Zurückhaltung unschöpferischer Elemente. Warum die Opposition Weizmann nicht gestürzt hat? Das Forum hierfür ist der Kongreß. Man will die Opposition mit dem Namen Weizmann einschüchtern,- wenn die Opposition sehen wird, daß sie die Mehrheit auf ihrer Seite hat, dann wird sie nicht zögern, auch die Macht zu übernehmen. Und übrigens: Wenn W e i z - mann unseren Willen tut, dann ist er uns recht. E i n e s st e h t f e st : D i e I e w i s h A g e n c y ist begraben. Der zweite Teil der Versammlung verlief sehr bewegt. Lange über Mitternacht hinaus bildeten sich in der Umgebung des Versammlungshauses erregt diskutierende Gruppen. (I. T. A.) Jüdische Wandererfürsorge. Berlin, 23. Juli. Die Hauptstelle für Jüdische Wanderfürsorge und Arbeitsnachweis hat in den Monaten Juni und Juli Zusainmenkünfte der beteiligten Gemeinden in Breslau, Magdeburg und Nürnberg abgehalten, die zu einem Ausbau der Organisation in den Bezirken Niederschlesien, Thüringen, Bayern führten. Neben Magdeburg soll sine Fürsorgestslle in Erfurt eingerichtet werden, wobei Beschwerde geführt wurde, daß man von Frankfurt aus die Durchwanderer nur auf kurze Strecken beföroere. Die in Nürnberg gefaßte Resolution betont, daß hauptsächlich durch Arbeitsnachweise, Arbeitsstätten und zweckmäßige Gewährung von Unterstützung den Wanderarmen die Existenzgründung erleichtert werden soll. An den Provinzialorten sollen Wanderarmenfürsorge und Arbeitsnachweise kombiniert werden. Der Ausbau der jüdischen Wohlfahrtspflege im Rheinland. Köln, .23. Juli. Die Not der Zeit, das Vorbild von Stadt und Staat, zwingt auch die jüdischen Gemeinden und Organisationen ihre sorgsam gehütete Abgeschlossenheit aufzugeben und in großzügiger Weise die Wohlfahrtspflege so zu organisieren, daß endlich Arbeiten eingeleitöt werden, die notwendig sind, um der ungeheuren Not der' jüdischen Mitbürger, insbesondere der Not unter der Jugend wirksam zu steuern. Bisher ist es immer außerordentlich schwer gewesen, die Groß- und Mittelgemeinden dazu zu bewegen, mitzuarbeiten an. größeren Werken, die im Augenblick keinen Privatnutzen für diese selbst abwerfen oder von denen die betroffenen Gemeinden sich keinen Privatvorteil versprechen konnten. In den kleinen Gemeinden liegen die Dinge noch weit schlimmer, kaum daß diese, wenn sie überhaupt einen geordneten Etat haben, im Höchstfälle einen kleinen Kultusetat als einzige Ausgabe bereitftellen; für Wohlfahrtspflege werden keinerlei Mittel zur Verfügung geftelll. Die Gemeindebünde, die f. Zt. Aufgaben der Gefamtgrineinden durchführen sollten, haben vollständig versagt. Die Gründe brauchen hier nicht untersucht zu werden, weil es die Aufgabe dieses Aufsatzes ist, den Ausbau und die Notwendigkeit des neugegründeten Provinzialverbnndes zu zeigen. Der Prooinzialverband für jüdische Wohlfahrtspflege in der Rheinprovinz, der aus der Initiative des israelitischen Wohlfahrtsamtes Köln vor kurzer Zeit ins Leben gerufen wurde, und dem sich bereits die bedeutcrtyteri Gemeinden, die auch bisher Gutes in der jüdischen Wohlfahrtspflege geleistet (Düsseldorf, Elberfeld, Puchen, Bonn, Trier, Coblenz; M.-Gladbach und andere Gemeinden), angeschlossen haben, hat sich die Aufgabe gestellt, durch geschlossene Organisation den bestehenden Mängeln abzuhelfen und in allen Fällen gemeinsam ein- Zugreifen. Bedauerlicherweise stehen immer noch vier größere und zahlreiche kleinere Gemeinden abseits. Die F'ölle der Arbeiten, die z. B. der katholische Caritas-Verbcmd als geschlossene Organisation geleistet, im Bau von Anstalten, und anderer' Wohlfahrstpflege, die Aner- D e r I s r a e I f t_ kennung und Unterstützung der staatlichen Behörden usw. sollte doch endlich unsere Gemeinden und Organisationen davon überzeugt haben, wieviel schöne und aufbauende Wohlfahrtsarbeit durch eine Großorganisation geleistet werden kann. Die vorläufig angesorderten Mittel, die von den einzelnen Gemeinden gegeben werden sollen, sind so gering, daß diese immer bei einiger Willenskraft aufgebracht werden können. Die Scheu vor etwaiger Steuererhöhung darf keine Begründung für die Teilnahmslosigkeit der Gemeinden fein. Die Wohlfahrtsorganisationen Kölns bauen ihre Anstalten und anderen Werke weiter aus in der Hoffnung, daß die Gelder doch schon ausgebracht werden können. Es darf für uns nicht heißen wie bringen wir die Gelder auf?, sondern was brauchen wir zu steuern. Eigenartiger Weise besteht in vielen Gemeindevertretungen die Anschauung, daß die großen Gemeinden finanziell glänzend stehen müssen. Tatsächlich liegen doch die Dinge so, daß in den Großstädten eine kleine wohlhabende Oberschicht vorhanden, aber eine sehr große proletarische Schicht heute in größter Bedrängnis lebt, dazu kommt noch die große früher wohlhabende Mittelklasse, die heute ebenfalls völlig proletarifiert ist. Diese Schichten fehlen in Mittel- oder Kleingemeinden ganz oder sind nur in einer sehr kleinen Zahl vertreten. Je größer die Gemeinde ist, um so stärker ist die Spannung zwischen der kleinen Oberschicht und der großen Schicht der Bedürftigen. Die Verhältnisse liegen also so, daß die Belastung der Großgemeinden weit höher ist, als die der Mittel- und Kleingemeinden. Die finanzielle Lage der Anstalten in der Rheinprovinz ist besorgniserregend, die großen alten Stiftungen sind in der Inflationszeit verloren gegangen. Es fehlt an allem, um eine tatkräftige durchgreifende Hilfe zu gewährleisten. Es fehlt an Möglichkeiten, Kinder, Säuglinge in Heimen unterzubringen. Gefährdete Kinder können überhaupt nicht untergebracht werden, für schulentlassene Waisen in kaufmännischen Berufen, für junge Mädchen aller Berufe, die bei der heute rasch eintretenden Stellungslosigkeit den Gefahren der Straße sehr schnell verfallen müssen, gibt es keine Möglichkeit der Unterbringung. Was soll mit unseren Siechen und Altersschwachen geschehen? Die Heirne, die vorhanden sind, sind überfüllt. Der körperliche Zustand der Großstadtjugend bedingt Unterbringung in Erholungsstätten. Wohin mit Geistesschwachen und zurückgebliebenen Kindern? Wir sehen, wie viel auf diesem Gebiete getan werden muß. . Ein weiteres großes Arbeitsfeld des Provinzialverbandes ist die Vertretung der Gemeinden in Wohlfahrtsfragen bei Regierungen und Behörden, ferner die Beratung der Gemeinden, die oft aus Unkenntnis der gesetzlichen Bestimmungen falsche Wege in ihrer Arbeit einschlagen. Vergessen wir aber auch nicht die ungeheure Rot in den Kreisen der Zwerggemeinden, die ihren Angehörigen eine Hilfe kaum gewähren können. Zahlreiche Einzelfälle warten bereits der Hilfe des Provinzialverbandes. Seien es nun alte Leute, die sich mit kärglicher Unterstützung durchschlagen müssen, oder junge Leute, die einer Kur bedürfen; tuberkulöse Kinder, für die weder der Staat noch die Kleingemeinden eintreten; die Fälle' mehren sich, wo aus Kleingemeinden die Hilferufe zu uns dringen, zu helfen und zu raten. Naturgemäß wird der neugegründete Verband nicht alle Arbeiten sofort in Angriff nehmen können. Es wird jahrelange harte Arbeit bedeuten, bis wichtige Angelegenheiten erledigt werden, es soll auch nicht Aufgabe dieses Aufsatzes fein, die einzelnen Arbeitsgebiete genauer zu erörtern. Das wird Aufgabe späterer Besprechungen sein. Es wird sehr großer Erziehungsarbeit an zahlreichen Gemeinden bedürfen, am diese davon zu überzeugen, wie notwendig die gemeinsame Arbeit Aller ist, um durchgreifende Hilfe bringen zu können. Wir haben gezeigt, auf welchen Gebieten gearbeitet werden muß; an den Gemeinden liegt es, nur an dem guten Willen der Gemeinden, um den Prooinzialoerband zu einer großen, arbeitsfähigen Organisation zu machen. Zum Schlüsse sei noch betont, daß der Provinzialverband die Wohlsahrtsausgaben des preußischen Landesverbandes in der Rheinprovinz übernehmen wird, da dieser nicht daran denkt, eigene Organe einzusetzen. Einer einheitlichen, von der Regierung anerkannten Wohfahrtsorganisation, werden auch von behördlicher Seite aus finanzielle Zuschüsse gewährt werden können. Der Lemberger Prozeß. — Sensationelle Aussagen Kornhabers. Lemberg, 23. Juli. Am 20. Juli nachmittags wurde der Angeklagte Kornhaber vernommen. Er erzählte ausführlich, wie er zu der Bekanntschaft mit Mikietin kam. Mikietin war der Bräutigam seines Dienstmädchens, Lola Stein. Eines Tages — es war kurz nach dem mißlungenen Attentat auf den Präsidenten Wojciechowsky — erzählte ihm Mikietin, er habe Beweise, daß nicht der Jude Steiger, sondern der ukrainische Terrorist Panczyszyn den Attentatsversuch gewachst habe. Er, Kornhaber, suhlte sich daraufhin verpflichtet, mit Münz und dem Deputierten Rosmarin zu sprechen, damit der Sache auf den Grund gegangen werde. Später wurde er verhaftet und Mikietin ihm als Belastungszeuge gegenüber gestellt. In seiner Gegenwart wurde Mikietin durch den Untersuchungsrichter Rutka gegen die Juden aufgehetzt und zu belastenden Aussagen ermutigt. Kornhaber erklärt, er sei durch Rutka so sehr gepeinigt worden, daß er ein Todesurteil sich eher gewünscht hätte, als weiter in den Händen Nutkas zu verbleiben. Auch das Dienstmädchen Lola Stein wurde vor den Untersuchungsrichter geladen, dort stand schon eine Dame bereit, die sie gegen die Juden aufhetzte und zu falschen Aussagen verleiden wollte. Nach Verlesung des Protokolls von Kornhabers früheren Aussagen vor dem Untersuchungsrichter stellt Kornhaber fest, daß einzelne Stellen des Protokolls direkt gefälscht sind. Sttittaitint. Bildung einer großen unabhängigen Sludentenvereinigung in Rumänien gegen Antisemitismus. B u k a r e st, 24. Juli. In Bukarest hat sich eine Vereinigung der unabhängigen Studentenschaft gebildet, der bereits zahlreiche Universitätshörer beigetreten sind. Die Vereinigung veröffentlichte einen Aufruf, in welchem gesagt wird, die gegenwärtig herrschende Klasse bestrebe sich, aus politischen Gründen die Jugend zu einem Instrumente des Hasses und des Kampfes gegen die nationalen und religiösen Minderheiten zu erziehen.. Diesen für Rumänien äußerst schädlichen Zustand zu bekämpfen, habe sich die neue Studentenvereinigung zur Hauptaufgabe gemacht. In sehr scharfer Weise wendet sich der Aufruf gegen den Antisemitismus und erklärt, die Mehrheit der Studenten Rumäniens fei nicht antisemitisch gesinnt. Dies könne lediglich von einer kleinen Minorität behauptet werden, die von gewissenlosen Politikern für ihre Zwecke ausgenützt werden. Ssh«»eiz. Dir Kalenderreform vor dem Völkerbund. Genf, 26. Juli. Die Völkerbundkommission für internationalen Verkehr und Transit begann am 24. Juli ihre achte Session. In der ersten Sitzung wurde über die geplante Kalenderreform beraten. Es lag ein Bericht der Kalender-Reform- Kommission vor, in welchem auf Grund der im Februar d. I. gepflogenen Verhandlungen mit den Vertretern der verschiedenen Bekenntnisse festgeftellt wurde, daß sich die jüdischen Vertreter ausnahmslos gegen die Institution der „Weißen Tage" ausfprachen, weil durch die Schaffung einer Sechs-Tagewoche der Sabbattag der Juden labil werden und jedesmal auf einen anderen Tag fallen würde. Dadurch würde den religiösen Juden die Sabbatbeobachtung beschwert. Im- Namen der protestantischen Kirche sprach sich Dr. Keller für die Sechs-Tagewoche aus. (I. T. A.) F«r«irk»reieh. Die erste» jüdischen Arbeiter für Frankreich. — Plast für 36.000. Paris, 27. Juli. Die ersten hundert jüdischen Landwirtschaftsarbeiter aus Bessarabien werden in diesen Tagen in Frankreich erwartet. Die Arbeiter werden sofort aus französische Bauernhöfe verteilt werden. Man rechnet hier, daß es allmählich gelingen könnte, 36 000 jüdische Familien als Landwirte und Handwerker in Frankreich anzusiedeln. Es ist aber keineswegs an eine geschlossene Siedlung gedacht, sondern die jüdischen Einwanderer werden auf verschiedene Punkte in Frankreich, je nach Bedarf, verteilt werden.

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