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Der Israelit · 1925-07-23 · Heft 30 (23.7.1925) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 30 (23.7.1925)
Date
1925-07-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 6 Nr. 30 D e r I s raelit 23. Juli lWZ setzten Stimmungsänderung innerhalb der polnischen Gesellschaft geben. Eine stürmische Gemeinderatssitzung Lodz, 17. Juli. In der Lodzer Gemeinderepräsentanz ist die Aguda bekanntlich die stärkste Partei. Sie besindet sich aber in der Minderheit gegenüber der Gesamtzahl aller übrigen Parteivertreter, zu denen trauriger Weise auch eine An zahl von Orthodoxen und zwar die sogenannten „Un parteiischen" und die Alexandre Chasstdim gehören. Diese beiden orthodoxen Gruppen besorgen die Geschäste der liberalen und zionistischen Freidenker, nur weil ihre per sönliche Abneigung gegen die führenden Kreise der Aguda sie verhindert, mit dieser Hand in Hand zu gehen. Aus dieser widersinnigen Konstellation erklären sich die Vor gänge der letzten Wochen. Nach der geltenden Gemeinde Verordnung m u tz ein Vertreter des Rabbinats zu jeder Sitzung des Gemeindevorstandes eingeladen werden Diese gesetzliche Vorschrift ist den verbündeten nicht-agu russischen Parteien schon lange ein Dorn im Auge, und der gegenwärtige Vorsitzende, Dr. Rosenblatt, hat sich nuw kurzer Hand über das Gesetz hinweggesetzt, indem er das Rabbinat nicht mehr einlädt. Der Re gierungskommissar hat die Gemeinde ausgefordert sich den gesetzlichen Vorschriften zu fügen, diese aber will bis zum höchsten Gericht gehen, um die verhaßte Be stimmung loszuwerden. Am vorigen Mittwoch hat der Konflikt zu einer von 7 Uhr abends biszumanderen M o r g e n dauernden wildbewegten Gemeinderatssitzung geführt, nachdem die Agudavertreter im Vorstände an den letzten Sitzungen sich nicht mehr beteiligten und die gefaßten Beschlüsse für ungültig erklärten. Auch in der Nachtsitzung gab schließlich Winzberg namens der Agudavertreter die Erklärung ab, daß sie angesichts der offenen Auflehnung der Mehrheit gegen das Staatsgesetz und gegen den Geist der jüdischen Tradition an den Ab stimmungen sich nicht mehr beteiligen würden. Inzwischen ist ein erneutes Schreiben des Negierungskommissars ein getroffen, der die Beschlüsse der Gemeinöeorgane, soweit sie unter Nichtbeachtung der gesetzlichen Vorschriften zu Stande gekommen sind, für ungültig erklärt. Einstweilen ist man nun zwei Monate in die Ferien gegangen und will inzwischen die Regierung im Sinne der demokratischen und antirabbimschen Mehrheit zu beeinflussen suchen. Ritniänisn. Einführung rumänisch-jüdischer Arbeiter nach Frankreich. C z e r n v w i tz, 16. Juli. Seit einigen Tagen weilt hier ein Vertreter der französischen Regierung, der bekannte Schriftsteller Andre Spire, der beauftragt ist, wegen Einführung von rumänischen jüdischen Arbeitern nach Frankreich zum Zwecke des Wiederaufbaus der zerstörten Orte zu verhandeln. Die Anregung ist von der jüdischen Welthilsskonferenz gegeben worden. Die Arbeiter sollen zunächst nach Südfrankreich gebracht werden. Es ist ihnen nach längerem Aufenthalt die Bewilligung der französischen Staatsbürgerschaft zugesagt. F«t»irkreirtz. Das französische Rabbinat über den Palästinaaufbau. Paris, 14. Juli. Die „U n i o n der s r a n z ö s i s ch en R a b b i n e r" ersucht uns um Veröffentlichung folgender von ihrer Plenarversammlung gefaßten Resolution: „Das französische Rabbinat begrüßt nach Anhörung des Exposes des Herrn Großrabbiners von Frankreich mit Freude die beträchtlichen in Palästina erzielten Fortschritte und drückt all denen seine Dankbarkeit aus, die durch ihre Arbeit oder durch ihre Freigebigkeit zur Hebung dieses dem jüdischen Menschen teueren Landes beigetragen haben. Indessen kann das Rabbinat die Befürchtungen nicht' verschweigen, welche ihm die Bestrebungen verursachen, auf heiligem Boden ein rein nationales und weltliches Judentum zu konstituieren und die Gefahren, die aus einer solchen Entwicklung sowohl für das jüdische Palästina wie für das allgemeine Judentum erwachsen. Das Rabbinat beschließt daher in dem Wunsche, die Gemeinden und die Gläubigen für den Ausbau eines wahrhaft jüdischen Palästina zu interessieren, die Schaffung eines Werkes, das allen französischen Juden gestatten wird, zur Entwicklung von Erez Jisroel sowohl in landwirtschaftlicher und in dustrieller Beziehung beizutragen als auch vom religiösen und sozialen Standpunkte aus, indem es in diesem Geiste die schon existierenden oder im Werden begriffenen In stitutionen und Unternehmungen unterstützt. Aus dem 3taf. B a g d a d, 6. Juli. Bei den Anfang Juli stattgehabten Wahlen zur Ver treterkörperschaft des Irak wurden u. a. auch drei j ü d i s ch e Abgeordnete gewählt. Darunter der Finanz minister des Irak, Herr Saffoon. Die ganze Entwicklung des Landes sowohl in politischer als in ökonomischer Hin sicht sticht stark von. dem Aufschwung in Erez Jisroel ab. und ist ein durch den Gegensatz außerordentlich über zeugend wirkender Beweis für den auch rein materiell betrachtet überaus glücklichen Schachzug,' den England mit der Balfourerklärung gemacht hat. Die Wirtschafts läge ifl hier schlecht, Bankrotte sind an der Tagesordnung, trotzdem wird es England zweifellos gelingen, auch hier festen Fuß zu fassen und die nationale Opposition all mählich zur fruchtbaren Zusammenarbeit mit dem eng lischen Element zu erziehen. Leider haben die Juden unter dem seit Jahrhunderten herab geerbten Vorurteil der einheimischen Bevölkerung stark zu leiden und sie finden bei der arabischen Polizei in vielen Fällen nicht den genügenden Schutz. Man dürste wohl erwarten, daß eine von England kontrollierte Re gierung in dieser Hinsicht gründlichen Wandel schafft. Ierusa lem, 6. Juli. Die in Ihrer letzten Nummer gebrachte Mitteilung über die neue Einwanderungsordnung, die sich wohl arst Veröffentlichungen des „Doar Hajum" stützte, ist nicht ganz korrekt. Das Einwanderungsamt hat auf eins Anrage der Einwanderungsabteilung des „Misrachi" ausdrücklich erklärt, daß auch Familienhäupter Zertifikate erhalten und ihre Familienmitglieder mit einreisen lassen können. Die gegenteilige Auffassung beruht auf einem Mißverständnis. Auch sei es noch keineswegs sicher, daß Kapitalisten, fortan ihr Bisa nur direkt von Jerusalem aus und nicht mehr durch die Konsulate selbständig erhalten könnten Verschiebung der Wahlen zur palästinensischen Nakionalversammluyg. J.eru.salem., 15. Juli. Die sephardischen Kreise und andere Gruppen des. Zentrums, haben erklärtdaß sie, solange die im Zuqmmenhayg mit, der Frage der Frauenrechte erfolgte Spaltung her jüdischen Natronalversammlung (Asefath Haniwcharim) sqrtbestehtan den Wahlenzur künftigen Natlonalflersammsung nicht: teilnehmen, werden. Der Jüdische Nationalrat (Waad leumi) hielt am 13. Juli eine Sitzung ab, in welcher beschlossen morde, die für Sonn tag, den 19. Juli, festgesetzten Wahlen zur National Versammlung ans drei Monate zu verschieben, um den Zentrumsgruppen Zeit zu lassen, ihre Bemühungen, den rechten und den linken Flügel der Nationalversammlung auf ein gemeinsame Plattform zu eipigen, fortzuführem Die Vertreter der linken Gruppe enthielten sich der Stimme. Personalien, Berlin, 23. Juli. Am zehnten August cr. begeht der in weiten jüdischen Kreisen bekannte Schriftsteller Jsak T u r o f f die Feier seines 70. Geburtstages. Er betätigte ich als Anwalt der verfolgten Ostjuden und war der Begründer des Kolonijationsvereins „E s r a", der vor dem Entstehen des Zionismus für die Besiedlung des heiligen Landes wirkte. Unter dem Pseudonym „Paul Dimidow" veröffentlichte er mehrere Aufsehen erregende Broschüren, Lihingen, 15. Juli. Herr Distriktsrabbiner Dr. W o h f> g e m uttj l)ttt einen Ruf der Berliner Jüdischen Gemeinde zur Uebernahme des Religionsunterrichtes in den höheren Klassen der Gymnasien und als Prediger in einer konservativen Synagoge angenommen. Trefeld, 14. Juli. Der hier lebende, sich allseitiger Beliebtheit erfreuende Herr Gabriel Paßmann, feiert am kommenden 9. Av seinen 95. Geburtstag in geistiger und körperlicher Frische, i-mtw -p-»p 'n Wiesbaden, 15. Juli. Herr Rabbiner Dr. L. Kahn hat ani 13. Tammus, wie kurz gemeldet, das von ihm. geschaffene Werk, die altorthodoxe israelMche Kultusgemeinde, jüngeren Händen übergeben. 'Ein spr inr wahrsten Sinne des Wortes hat sich damit aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen. Hat Herr Dr. Kahn hoch, durchleuchtet vom Geiste der Thora und im Laufe der Jahre gefestigt durch eure große Lebenserfahrung, sein Leben vollständig' dem -tfo hingegeben. Vor 56 Jahren wurde Dr. Kahn von 'Berlin, wo er sich, dem Studium, gewidmethatte, nach Wiesbaden, berufen. Dort waren einige wenige wr»w«,. die sich dem in jenen Tagen von Äbr. Geiger eingeweihren Tempel nicht anschließen wollten, da sie das Bedürfnis fühlten, unter Juden jüdisch zu leben, was unter jenen Umständen unmöglichwar. -Mit jenen Leuten, die heute längst nicht mehr sind, betrat Herr Dr. Kahn damals den gefahrvollen Weg durch Dornen und. Disteln. Er hat auf den öden Boden, wo Talmudwissen längst begraben war, wo das Thora-, das einfache voin-Studium in den letzten Zügen lag, und wo die Reform bereits ihr Gift auf den siechenden jüdischen Körper gesät hatte, um ihn in seinem kranken Dämmerzustände aus Abwege zu bringen, neues Leben geweckt. Dorthin trat der junge m mutig und tatkräftig, — und nicht nur, daß er binnen kurzem den geringen Rest vor der Reform gerettet hatte, — nein, -res mehrten sich bald die Glieder der neugegründeten Kultusgemeinde, um am orthodoxen Judentum seftzuhalten. Dr. Kahn sollte, wie er sich in seiner tiefbewegten und ergreifenden Abschiedspredigt ausdrückte, dem Säugling die' Mutter sein, ihm zum Leben zu helfen und ihn am Leben zu erhalten. Welche Muttersorgen galt, es dürchzumachen! Bald mußte das Kind gegen den mächtigen „äußeren" Feind geschützt, bald mußten innere Zwistigkeiten verhütet werden! Es kamen für die Gemeinde die Kinderkrankheiten^ die auch die Mutter der Gemeinde aufs bitterste durchzukosten hatte; doch ist auch die Mutter, die sich am meisten freut, wenn ihr Kind gedeiht. Und es ist mit Gottes Hilfe g u th e r a n g e w a ch se n: n»22 0221 Heute steht die Gemeinde im blühenden Jünglingsalter, wo sie eines „B a t e r s" bedarf, der mit weiser und strenger Hand ihre Geschicke lenkt. Mit diesen Worten lä* an-,-) übergab Dr. Kahn seinem Nachfolger, Dr. Unsbacher die Gemeinde, deren Beschützer er in Zukunft sein möge und-in der' er weiter fnfa -nai verkünden wird.. Möge es ihm gelingen, n^-vh-rnw im selben Maße zu verbreiten, wie es sich Dr. Kahn zur Lebensaufgabe gestellt hatte. Alsbach, 20. Juli. Herr Marum Götz hier, der in unserer Gemeinde als. eine besonders achtbare, strengromme Persönlichkeit geschätzt wird, begeht am 24. Juli in völliger geistiger und körperlicher Frische seinen achtzigsten Geburtstag. Wir wünschen dem Jubilar ein geegnetes frohes Greisenalter, Malsch bei Heidelberg» 10. Juli. Allgemeine tiefe Trauer rief die schmerzliche Nachricht hervor, daß Herr Levi H e r z infolge eines Auto-Unglücksfalles nach fünfwöchentlichem Leiden feine reine Seele ausgehaucht hat. Seine Gottergebenheit in gesunden wie jetzt durch Unstück getrübten Tagen war eine solche, wie man sie nur elten. antrifft, Er erfüllte stets jene Worte der Weisen: 21» diVb-3 En;™ nw- Nicht aber bloß in Worten, sondern auch in der Tat, denn allenthalben wo es galt, suchte er nnv2 nach Möglichkeit sein Scherflein beizutragen, wozu die jetzt um-ihn trauernde Gattin und die Angehörigen hilfreich mstwirkten. In seiger-ganzen Krankheit hörte Mgn nie eifi Wart. der Unzufriedenheit. Wie er sanft und zufrieden in..seinem Leben war, Wd zu öllem n 01. rnit# sägteso hällchte et ruhig seine edle Seele aus, sü’m Vhpw- Der Entfchlüfene erfreute sich bei allen, die ihn. kanntenohne Unterschied der Konfession, einer großen Beliebtheit und Hochachtung, von wMer das überaus zahlreiche. Totengeleite. ZengM^äblegte., Hei der Beerdigung ergriff zuerst, Lehrer Lenjin dich. Wot, um der allgemeinen Traue und dem Verlust der Gemeinde Ausdruck zu verleihen. Alsdann schilderte der. katholische Ortsgeistliche, Herx Jfemann, in. eingehender Rede und zu Herzen gehenden warm empfundenen Worten, das Wesen.-hixfM selterM MqnsißK..-' Möge v^v.i Mr, schwer geprüften Familie seinen währen Trost zuteil werden lassen, rrasttv- Vriefkastey, E. L. in S. Es gibt in Madrid eine Mische Gemeinschaft, eMen Rabbiner besitzt sie nicht: N. N. hier. Ihre Ausführungen über FüHorgervefen, die sich zur Veröffentlichung nicht recht eignen, übersenden wir dem Fürsorgeausschuß der Gemeinde. I. W., hier. Geburtstag am 14. Teweth. Die Sidra ist -»mi *s. Familiennachrichten. Barmizwo: Arthur und Hermann Goldberger. Zwillingssöhne des Kaufmanns David Goldberger, Nürnberg. Josefsplatz 20. i»ru ratf. — Felix. Sohn von Jacob Rosenheim, Frankfurt a. M. i»ni rav* Vermischtes. Bell«, 6. Juli. Am zweiten Sitzungstage des Verbandstages des preußischen Landesverbandes hat ein Abgeordneter, Herr Alfred Berger (Poale Zion) sich in abälliger Weise mit den.Wohlfahrtsinstituten des Deutsch-

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