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Der Israelit · 1925-07-23 · Heft 30 (23.7.1925) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 30 (23.7.1925)
Date
1925-07-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 30 Seite 5 4 23. Juli 1925 _ Nachbarn abhängt, sondern das sich anschickt, die Hegemonie des britischen Ostens, zu übernehmen. . . . Fieberhaft baut England die Verbindung zwischen Jerusalem und Bagdad, richtiger zwischen Jerusalem und Mosul, sowie Basra, den beiden Petroleum-Gebieten des Irak, aus. Die Straße von Amman nach Jerusalem, vor 15 Monaten nock ein elender Karrenweg. ist heute -ine gute moderne Autostraße geworden — Heerstraße des Empire, Weg nach Persien.". Ueber die zukünftige Bedeutung Palästinas als Handelsplatz schreibt . Dr. v. Weift: „Bisher mußten syrische und palästinensische Waren, aber auch anatolische, kurdische, selbst nord-mesopotamische, aus ihrem Transport nach Südarabien, nach dem Sudan, nach Afrika und dem fernen Asien den kostspieligen Weg durch den Suezkanal wählen, ebenso wie die asiatische Einfuhr nach diesen Ländern der Levante. Die Bahnverbindung über den glänzenden Naturhafen Akaba (der kaum 120 Kilometer von der Hedschas-Bahn, kaum 320 Kilometer von dom palästinensischen Bahnnetz entfernt ist) kann für diese Enter den Weg über Port Said überflüssig machen. Marashash der palästinensische, und Akaba, der trans- . jordanische Hasen am Noten Meer, werden wie zu Salomons Zeiten wieder Umschlagsplätze des Levantehandels werden — sobald England daran Interesse haben wird/' Der Verfasser schließt seinen Brief aus Jerusalem wie folgt: „Transjordanien ist zufrieden, weil es den, Zugang zu.m Meer bekommen hat. Emir Abdalla, der Zweitälteste Sohn Husseins und Herrscher Transjortzaniens, ist zufrieden, weil sein Land um 32 000 Quadratkilometer vergrößert wurde. . . . Jbn Saud ist zufrieden, weil sein Todfeind Hussein, der ihn 1910 geschlagen hat, gedemütigt und verbannt ist. Die Juden sind zufrieden, weil Palästina wieder jenes Durchzugsland des Welthandels zu werden beginnt, das es unter Salomon (und später unter Rom) war, und weil sie schließlich die administrative Trennung zwischen Palästina und .Transjordanien nur als vorübergehend ansehen und dieses letztere als Reservetank für dre Zukunft betrachten. . . . Während in China und Marokko der Orient verzweifelt gegen Europa ringt, schreitet still und ruhig England und Arabien vor, auf Palästina gestützt. Das Palästina-Mandat scheint allmählich seine Früchte zu tragen." Repräsenkantenversammlung der Jüdischen Gemeinde.. B e r l i n , 17. Juli. In der letzten Sitzung vor den Ferien wurde ein' Antrag angenommen, in den Synagogen der s u b v e n t i o - nierten Gemeinden noch vor den Feiertagen die notwendigen Reparaturen ausführen zu lassen. Breiten Raum nahm eine Aussprache über die Gemeindeb i b l i o t h e k ein. Es wurde beschlossen, eine Auswahl der wertvollsten. Bücher der Gemeindebibliothek in einem Katalog zusammenzustellen und diesen den Gemeindemitgliedern zugänglich zu machen. Auch sollen im Gemeinde- Buch zu rühmen und dem jüdischen Haus zu empfehlen, bedarf's nicht vieler Worte. Die Königin von England kauft eine Ehanukkah'Lampe. Die Königin von England hielt sich während ihres Besuches in der Britischen Reichsausstcllung zu Wembley am 3. Juli etwa 15 Minuten im Palästina-Pavillon auf, wo sie die Ausstellungs-Objekte mit großem Interesse betrachtete und ihre Bewunderung über das kunstvolle Arrangement ausdrüikte. Besonderes Interesse widmete sie der Kunstarbeit der Bmreniten und kaufte eine kunstvolle Chanukka- Lampe für ihre Sammlung. Wochenkalender. von 25. Juli bis 1. Aug. 1925. / 4.-11 Aw 5685. 5amstag ' Juli 25 . Einn 4 2« pm rav sonntag 26 5 Nontag 27 6 Dienstag 2Ö 7 Mttwoch 29 8 vonnerstag 30 9 283 VV1VN Freitag _ 31 10 Samstag 1 pn/wi 11 Der Israeli t__ hlatt literarische Übersichten über neue Bücher sowie Verzeichnisse der Neuanschaffungen der Bibliothek veröffentlicht werden. Ferner wird die Einrichtung von L e s e - ha l l e n in verschiedenen Stadtteilen angeregt. Die Repräsentantenwählen sollen am 29. November stattfinden. In geheimer Sitzung wurde beschlossen, die seit der Pensionierung des Herrn Justizrats Lilienthal unbesetzte Stelle eines Gemeindesyndikus in Kürze wieder zu besetzen. In der Bleibtreustraße hat der Gemeindevorstand ein Haus erworben, in dem eine neue M i k w a h für das Westend eingerichtet werden soll. Die neue Gemeindesatzung. Breslau, 10. Juli. Am 1. Juli fand die Weiterberatung der Satzung statt. Neben anderem bezog sich die Aussprache hauptsächlich auf die Teilnahme der Gemeinderabbiner an den Sitzungen des Vorstandes. Während sich der' Vorstand einmütig dagegen aussprach, setzten sich die Repräsentanten — insbesondere die liberalen und zionistischen —. energisch dafür ein. Mit großer Mehrheit wurde der Antrag a n g e n o m - m e n> Ueber die unbegreifliche Stellungnahme gerade der konservativen Vertreter — gegen den rabbinischen Einfluß wird noch zu sprechen sein. Eine Aenderung gegenüber bisherigen Gepflogenheiten bedeutete auch die Annahme eines Beschlusses, den Gemeindebeamten das passive Wahlrecht zu verleihen. Erwähnenswert ist auch die neu angenommene Fassung, die das Vorschlagsrecht der Kultuskommission für die Rabbinerwahl betrifft. In Zukunft müssen der Repräsentanz drei, solche Kandidaten vorgeschlagen werden, von denen es feststeht, daß sie bereit sind, das Amt zu übernehmen. Damit soll verhütet werden, daß der Repräsentanz durch Präsentierung einer Liste, die nur einen ernsten Bewerber neben zwei anderen nicht amtsbereiten enthält, dieser eine aufgezwungen wird. Der große Prozeß in Lemberg. (Von unserem Korrespondenten). L e m b e r g, 16. Juli. Das Lemberger Bezirksgericht ist seit 8 Tagen das Objekt der allgemeinen Aufmerksamkeit, die dank der im Prozesse gegen die Juden Jäger, Kornhaber, Glasermann und Privat-Detektiv Dwornicki gemachten sensationellen Enthüllungen vom natürlichen Interesse zum Gegenstand der Gerichtsverhandlung sich bis zur höchsten Spannung steigerte. Bekanntlich wurden diese angesehenen, in den kaufmännischen Kreisen Lembergs sehr geachteten jüdischen Bürger angeklagt, die Untersuchung im Prozesse gegen den jüdischen Studenten Steiger, welcher des im September vorigen Jahres gegen den Reichspräsidenten Wojciechomski in Lemberg verübten Attentats beschuldigt wird und bis heute in Untersuchungshaft verbleibt, auf Jerusalem. Das Lied um dich schwankt an der Kette der Erinnerungen, irrt durch den Wind, ein müdes Kind, von Zeit und Not bezwungen und singt, daß wir noch immer elend sind. - Aus Lust und Iubelsturm gebcren einst, aus enger Stille, fliegt es vorbei. Und dir gilt seiner Melodien Fülle, Der Gottesstadt, gilt seiner Seele Schrei. Aus Jubel kam dein Leid, da deines Volkes Sonnentage vom Widerhall des Glückes dir zerpreßt viel bange Klage. Da war dein Lied kein hossnungsleerer Schall. Und Jubel war, als noch der Sieg auf beinen stolzen Zinnen treu bei dir stand ... Dein Lied sah letzten Abendglanz verrinnen, es zitterte mit dem gequälten Land/ Um dich kam Stille, eng und bang. Gelegt aus tote Trümmer hast du die Pracht, die Krone deines Haupts. — So ward dem Schimmer, dem frohen Lied dein Opfer dargebracht . . . — Wir haben es nicht ausgesungen. — Im wilden Wind irrt es umher, und seine Melodien sind zersprungen, — das Lied um dich, solang wir elend sind. I. Raphael. Irrwege geleitet und unschuldige Personen als angebliche Attentäter verleumdet zu haben. Diese Anklage stützte sich auf die Aussage eines ukrainischen Studenten namens Mikitin. Kurz nach dem Attentat bekam die Redaktion der in Lemberg in der polnischen Sprache erscheinenden jüdischen Zeitung „Chwila" in kurzer Reihenfolge zwei Briese, welcher von einer geheimen ukrainischen terroristischen Organisation gezeichnet waren. In diesem Schreiben erklärte diese geheime Organisation, daß das Attentat von einem Ukrainer auf ihren Beschluß und nach ihren Weisungen vollsührt wurde und daß Steiger unschuldig sei. Bald darauf meldete sich beim Untersuchungsrichter obgenannter Student Mikitin, der auf zwei bekannte Kommunisten Pancryszyn und Fidik als die vermeintlichen Verbrecher hinwies. Nach einer gewissen Zeit wurde Mikitin als der Verleumdung verdächtig verhaftet. Vor dem Untersuchungsrichter Rüdka zog Mikitin seine früheren Aussagen vollständig zurück und erklärte, daß die genannten Juden ihn für eine versprochene Belohnung von 5000 Dollars bewogen hätten, den Verdacht auf Panczyszyn und Fidik zu lenken, welches doch um so leichter Glauben finden könnte, als die beiden Personen als Kommunisten bekannt waren. So habe er auch nach dem Diktat dieser Juden die erwähnten Briefe an die Redaktion der „Chwila" geschrieben. Auf diese Weise sollte Steiger der Strafe für das angeblich begangene Verbrechen entzogen und seine Glaubensgenossen der Mitverantwortung für jenen von einem jüdischen Menschen begangenen Frevel e::hc.bc! werden. Nun hat jetzt das Lemberger Gericht diese schwere Beschuldigung zu prüfen und ein Urteil über die Richigkeit oder Unrichtigkeit einer der beiden oder vielleicht auch beiden sich widersprechenden Aussagen Mikitins zu fällen. Es scheint, daß die Aufgabe des Gerichtes nicht allzu schwer sein wird. Schon am ersten Tage der Gerichtsverhandlung bereitete Mikitin dem Tribunal und dem gespannten Gorichtsauditorium eine nicht geringe Ueberraschung durch die kategorische Erklärung, die er vor dem Tribunal abgab, daß alle seine Beschuldigungen vor dem Untersuchungsrichter gegen die Angeklagten falsch seien und er halte seine erste Anklage gegen die Kommunisten Pancryszyn und Fidik voll und ganz aufrecht. Diese Erklärung, wiewohl sie überraschend genug war und ganz unerwartet kam, verfehlte nichtsdestoweniger den gehörigen Eindruck, kam sie doch vom Munde eines Mannes, an dessen Glaubwürdigkeit man Grund genug hat zu zweifeln. Allein, was er da in den nächsten Tagen aussagte, rief durch die Unerhörtheit seiner Enthüllungen, die er mit entschlossener Sicherheit machte, allgemeine Verblüffung hervor. Er behauptete nichts mehr und nichts weniger, als daß er vom Untersuchungsrichter und Protokollführer Piotrowski terrorisiert und durch verschiedene Mittel gezwungen wurde, seine Anzeige gegen die wirklichen Verbrecher zurückzuziehen und die Schuld dieser Verleumdung auf die Juden zu schieben. Diese beiden Ehrenmänner hätten ihn belehrt, was er bei der Gerichtsverhandlung auszusagen, und wie er sich bei der Konfrontation mit den Angeklagten zu verhalten habe. Als Beweis dafür, daß man ihm den Judenhaß zu suggerieren versuchte, damit er nicht auf die Stimme des Gewissens höre und etwa die inspirierte falsche Beschuldigung zurückziehe, gibt er die Tatsache an, daß der Untersuchungsrichter ihn mit so einer Lektüre wie das Gift und Galle speiende antisemitische Werk, von Niemojewski: „Die jüdische Seele im Spiegel des Talmud" während der Untersuchungshaft speiste. Die Vernehmung Mikitins nimmt bereits einige Tage das Tribunal in Anspruch, er erklärte jedoch gestern, noch manches erzählen zu können. Möglich, daß noch weitere Seusationeu beoorstehen. Schon vom interessanten Prolog dieses Prozesses, der wahrscheinlich noch lange dauern wird, ist zu erwarten, daß er Helles Licht auf die fast alle Schichen der polnischen Gesellschaft dürchmühlende antisemitische Strömung, welche sogar vor den Gerechtigkeitsorganen keinen Halt machen will, werfen wird. Wenn die Unschuld der angeklagten Juden bewiesen werden sollte, wird es vielleicht die Augen der aufgeklärten polnischen Kreise auf die drohende Gefahr der schrecklichen Demoralisierung öffnen, die den Fußstapfen des Antisemitismus folgt und vielleicht doch den ersten Anstoß zu der für die Verwirklichung der polnisch-jüdischen Verständigung vorausge-

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