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Der Israelit · 1925-07-23 · Heft 30 (23.7.1925) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 30 (23.7.1925)
Date
1925-07-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 30 unterordnen, dienen und huldigen soll. kV dk 'Tiaw kV pKi D’aw mpin .iV'Vi aai’ '71'ia Israel sollte mit seinem auf dem ehernen Fundamente der heiligen Thora basierenden und aus deren Boden die sichersten und untrüglichsten Vorbedingungen herrlichster materieller und kultureller Entwickelung und Blüte gewinnenden Einzel- und Staatsleben; es sollte mit dem Geiste der Wahrheit und Gerechtigkeit, des Rechts und der Liebe, der Reinheit und Heiligkeit, der das jüdische Volksleben vom Gipfel bis zu unterst, in all seinen Schichten und Institutionen zu durchdringen und zu beherrschen hatte; es sollte mit all diesem als Gottesbote an die Menschheit dastehen, als Sprachrohr der Gottheit, als bevollmächtigter Deuter und Künder des Aufrufs der Natur, des Himmels und der Erde, der Berge und der Täler an den Menschen. Es sollte mit seinem ganzen Sein und Wesen'dem großen Weltall gleich die ganze Menschheit zum Gottdienen und zur Gotteskindschaft einladen. Israel aber erwies, sich vor dem Zusammenbruch seines nationalen Seins als unreif für diese hohe Aufgabe, und hierüber klagten Gott und die Engelsscharen, Himmel und Erde, Berge und Täler. . . . * Aber auch sämtliche Nationen weinten mit Israel:nay mm» "v naaoi naia Auch die Völker alle hatten über den Zusammenbruch des jüdischen Staatswesens zu klagen und zu weinen. Denn zum Völkerpharos war Israel bestmmt, zum Leuchtsterne der auf Irrpfade geratenen Menschheit inmitten der brandenden Wogen des Weltgeschehens. Und wie hätten die Völker alle am Beispiele Israels sich erheben und aufrichten können, so sie es vor Augen gehabt hätten, wie inmitten jenes an Zahl geringen Volkes pix T»3a iaip' nani non “jkco paa osr/ai, Recht und Gerechtigkeit, Gnade und Liebe und Wahrhaftigkeit ihren Thron aufgeschlagen, Reinheit und Heiligkeit und Keuschheit ihre herrlichsten Triumphe gefeiert hätten, und wie eben hierdurch das herrlichste Gedeihen und die größte Blüte, der größte Segen und das blühendste Heil zum Anteil der Menschheit geworden wäre. O, sie alle, alle hätten dann begeistert ausgerusen: aan ay pi TrnmiKa naVn rana utp -nin Vmi 'ui pan „Fürwahr, es ist doch ein weises und vernünftiges Volk diese große Nation!" — „Es soll uns lehren von seinen Wegen, und wir wollen in seinen Bahnen wandern." Israel aber bewährte sich als unreif für jene welthistorische Ausgabe — und hierüber hätten die Völker zu klagen gehabt, denn sie haben das pfadweisende Beispiel vermissen müssen. Der I s r a e 11 t „Es war schon einmal die Welt erlösungsdürstig, das war die Zeit, als Zion fiel. Die heidnische Welt war morsch geworden. Die Götter hörten ihr Grabgeläute, in der Brust der Menschen wohnte das Wehe. Unschuld, Manneswürde fanden Gelächter; viehische Lust, schamlose Sehnsucht errangen den Preis. Wahnsinn und Schwäche bestiegen den Thron. Tyrannen, Sklaven jubelten auf Erden, Menschen — seufzten und starben hin. Es hatte die Menschheit ihr Göttliches verloren, nach einem neuen Gott seufzte der Mensch. O, wenn schon damals Zion gestanden hätte, Zion in seiner tausendjährigen Blüte, Zion in seinem tausendjährigen Segen, Zion in seiner ewigen Jugend, und es wären schon damals die Völker gegangen zum Hause Jakob und hätten gesprochen: „Kommt, laßt uns mitwandeln in eurem Lichte! Denn siehe —" Doch still, still, so war es nicht. Zion fiel.*) Daher lasset uns weinen in stiller Nacht, rm .iV'Va naan „Die ganze Erde dürstet nach Erlösung. Jammer und Elend in Hütten und Palästen, in Städten und Staaten wecken Messiassehnsucht, wecken Messiashoffnung in jeder Menschenbrust, und nicht das jüdische Heil allein ist bedingt durch den Auferstehungsmorgen Zions —" O, wenn Zion stehen und strahlen möchte in seiner dreitausendjährigen Blüte, in seinem dreitausendjährigen Segen, in seiner ewigen Jugend, und die Völker hinwallten zum Hause Gottes. — Doch still, still, so ist es nicht! Zion fiel! Und wir wollen weinen und klagen in stiller Nacht. •nV'Va naan naa lVochenrundschau. fi.'j _23. Juli 1925 so sind das Ziffern, die, praktisch bedeutungslos nur den ungeheuren Jammer widerspiegeln, &je'. dieses Gesetz geschaffen hat. Wer zählt di>> Männer, die in harter Arbeit sich, drüben eine bescheidene Existenz gegründet haben und nun Juh^ hoffnungsloser Sehnsucht nach Weib und Kind, nach betagten Eltern oder Geschwistern bringen müssen, die sie herübernehmen wollten und um derentwillen sie alle Opfer und Entbehrungen recht eigentlich auf sich genommen hatten! Noch zeigt sich keine Aussicht auf Milderung des Gesetzes. Ja, selbst der Bedarf einzelner Industrien an Arbeitskräften, der sich schüchtern geltend macht, kann die Lage noch verschärfen, dg man daran denkt, diesen Industrien die kontraktliche Anwerbung der erforderlichen Arbeiter in Europa zu gestatten, sie aber auf die kleine Quote, die den Familien noch zugute kommt, anzurechnen. Der Vorschlag wird von den Gewerkschaften bekämpft, die an dem bestehenden strengen Anwerbungsverbot feschalten und damit die Löhne Hochtreiben möchten. Fast möchte man daher diesen gewerkschaftlichen Bemühungen Erfolg wünschen, denn sie lassen wenigstens wie im Midrasch der versunkene goldene Krug der Königstochter die Hoffnung auf Rettung des irdenen weckt — die Aussicht auf eine gründliche Revision des Jmmigrationsgesetzes offen, sobald die Lage des Arbeitsmarktes dahin drängt. Einstweilen sehen sich die den Weg ins Freie suchenden Massen fast ganz auf E r e z I i s r o e l hingewiesen, das im Juni die Rekordziffer von 4200 Einwanderern erreicht hat, das aber auf die Dauer eine Masseneinwanderung bei der Dürffigkeit seines derzeitigen Wirtschaftslebens kaum wird absorbieren können. So verschleiert sich der Blick, der Rettungswege sucht und man kann, soweit Menschenkräfte im Spiele sind, in dieser Stunde nur immer wieder das dreifache Ziel bewußter Klall-Arbeit aufstecken: Besserung der politisch-wirtschaftlichen Verhältnisse in den Ostländern, intensive Wirtschaftsarbeit in Erez Jisroel und unablässige Bemühung um Milderung der amerikanischen Restriktionsgesetze. Ein trauriger Gedenktag. Am ersten Juli war ein Jahr verflossen, seitdem das neue amerikanische Einwanderungsgesetz in Kraft getreten und damit die Quote der aus den östlichen Ländern Europas nach Amerika zugelassenen Immigranten auf ein lächerliches Minimum herabgedrückt worden ist. Wenn aus Rußland 200, aus Polen vielleicht 600 Seelen in einem Monat das früher so weit geöffnete Tor der amerikanischen Freiheit durchschreiten dürfen, *) S. R. Hirsch, Ges. Schriften I, S. 136. Die polnische Verständigungsaktion, In der vorigen Nummer haben wir nach einer in letzter Stunde von Warschau ausgegebenen Mitteilung den Wortlaut der 12 Punkte veröffentlicht, die der polnische Ministerrat als Substrat der polnisch-jüdischen Verständigung angenommen hat. Diese amtliche Zusammenstellung bringt eine starke Enttäuschung. Denn es sind zum guten Teil selbstverständliche Dinge, die hier als „Konzessionen" verbucht werden, während wichtige und grundlegende Forderungen, vor allem die Ein- ♦dnxön p Von Rabbiner Dr. W. -Lewin in Kamöurg. Dumps und ernst klingen diese Worte binein in unsere jüdische Seele wie ein lauter Weckruf zur Rückschau und Selbstbesinnung. Draußen schlürfen frohe Menschenkinder gierig .aus dem übervollen Wonnenbecher, den die Natur mit ihrer Pracht und Sülle für alle bereitstellt. — drinnen aber in den otteshäusern Israels klagen und trauern fromme andächtige Beter um verblichenen Glanz und verwelkte Blüte. Muß diese Dissonanz sein? Zeugt sie von Weltflucht und Lebensverneinung? Ist das vielleicht io jüdische Art zu klagen, während andere jubeln, während diese genießen, zu entbehren und zu entsagen? Ach nein, jüdische Art, ist es nicht, das Leben zu fliehen und was es an Freuden und Genüssen durch Gottes Gnade bietet. Es ist aber das vielhundertjährige Golus, das unserm Herzen in diesen Wochen den Weherus erpreßt, in diesen Wochen, die so oft im Lause der Geschichte Tage unsäglicher Leiden und Qualen über unsere Gesamtheit gebracht haben. Es sind die Seufzer der Gemarterten und Gequälten, der Verfolgten und Bedrückten •+- aus den Jahrtausenden unserer Geschichte, die uns das Klagewort über die Lippe drängen: 21K2B ff’ DK 1K11 lv'2.1 pi '12!/ Vv D3’VK KV 1SK pin ai’a n imi iffK 'V VVip iffK '2K2aa. Ihr Weggefährten alle. — nie komme es über euch, — schauet und überlegt, ob wohl ein Schmerz dem meinen gleicht, den Gott über mich gebracht da er michs fühlen ließ am Tage, da sein Zorn aufloderte". '311/2 van 21'. Als den Tag fünffacher wehmutsvoller Erinnerung bezeichnen die Weisen und Dichter Israels den 17. Tammus wie den 9. Aw, — die beiden Fasttage, die wie Marksteine uns die Weisung für die drei Wochen geben, daß wir mit dem unsterblichen Sänger der Zionide sprechen: „*t'K 718 2'aVs.i iano' 'a am« riya 7117IV1 Viarr 'V aiy •pTsa. Wie kann ich Speis und Trank zusprechen zu einer Zeit, wo ich die Wende meines Schicksals überdenke!" Ist wirklich nur fünffach gestempelt der 9. Aw zum Trauertage? Hat nicht, seitdem ihn die Weisen so gezeichnet, sich von neuem Leid zu Leid an ihm gefügt? Da könnten wir anders als uns vom Lärm der Gaste, von dem Trubel und Jauchzen der Menschen in unsere Gebetstätten zurückziehen und hier ausschreien zu Ihm, der uns verheißen: »Vaa wnn 'a rmxai 'pVK n jik affa anffpai Vaai “722V. Und ihr werdet suchen von dort den Herrn deinen Gott und du wirst ihn finden, wenn du ihn suchen wirst mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele." Das ist ein gar bedeutsames Wort, das wir da am aaa ay&a lesen. Doll verstanden und begriffen ist es wie der Tautropfen für die lechzende Flur. Klagen und Trauern, Fasten und Entsagen, wie wichtig dies alles auch ist und wie sicher auch niemand sich dem entziehen wird, in dem nur ein jüdischer Funke noch im Herzen lebt, — das ist alles doch nur Mittel und Pfadweifung. Wesen und Sinn dieser Wochen ist doch das „Gottsuchen" — und zwar das Suchen mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele". Wenn wir so Ihn suchen, dann finden wir seine Hand wirksam am Webestuhl unserer wie aller Geschichte und dann haben wir den Weg, aus dem wir gesunden und Heilung finden können. Es wäre verfehlt, wenn wir unsere Geschichte loslösen wollten von der ewigen Weisheit und Allmacht und glaubten, unsere eigenen Wege gehen zu können zur Wiederherstellung, zum Ausbau von Land und Volk: „iVay Kiff Ti'a ,132' kV n a« iaiff ipff KUM’jnw kV n dk ia l'iia. ..Wenn Gott das Haus nicht baut, -*■ umsonst mühen sich darum seine Bauleute; wenn nicht Gott die Stadt hütet, umsonst wacht der Wächter dann". Diese schlichte einfache Weisheit zur Norm zu machen für unsere Lebensauffassung im einzelnen wie in der Gesamtheit, das ist das Ziel, zu dem uns unsere Geschichte, die Rückschau in unsere Vergangenheit führen will und muß. Es mögen gewiß sich unsere jüdischen Herzen heben beim Gedanken, daß jüdische Hände wieder des heiligen Landes Erde bebauen, hier jüdische Städte begründen und Kolonien anlegen, — es sollen dies alles jedoch nicht Werke sein, die dem Kikajon gleich nur Eintagsschöpfungen sind. - ergibt sich da nicht wie mit eherner Notwendigkeit der Schluß, daß wir alledem den Geist unsere« ,11m einhauchen müssen, die uns ohne Land und Zentrum trotz Druck und Verfolgung als eine Gesamtheit erhalten hat und auch die einzig sichere Bürgschaft bilden kann für die Zukunst, daß aus ihrem Grunde, unter ihrer Anweisung und Norm das gelobte Land wieder unser Land wird, von dem wie ehedem ausgehen soll das Licht der Welt, als ihr leben» des und erhaltendes Ferment das Wort Gottes?

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