Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1925)
- Date
- 1925-07-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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166. Jahrgang. Frankfurt a. M., den 23. Juli 1925 2. Arv 5685 Nr. 30 Der Israeli Ein Centralorgan lür das orthodoxe Jndentnm Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. jahrpretse (entsprechend dem'deutschen' Inlandspreis ä taubes) Deutsch-Österreichs SchMngS.-; Amerikal Abonnement ab Januar 1824: Deutschland 1 Toldmart monatlich; Ausland: Viertel« ' '.'r- ---—xrj*-— ^-,Jnzüglich Kosten des Stretfband-Ver» . , _Dollar; England 4 ffi.; Frankreich ft.; Italien 30 Lire; Jugoslawien 70 Din.; Litauen 7.B0”Sit.; Rumänien 20Ö Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 8 Zloty; Schweiz 3 Fr.; Tschecho-Slowakei 86 Kronen; Ungar« 30000Krone»; Dänemark 5Krone«; Norwegen 8 Krone«; Schweden 8.60 Kronen. Einzelnummer dreißig Goldpfennige. Der Israelit erscheint teden Donnerstag. Inserate 40 Goldpf. för die stebengespaltene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 30 Pf. Die 75 mm breite Skettnmezetter letzte Te»tsette 1.80 Mk., vorletzte Tertsette 3.— Mk.: Thifftegebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Jnferataufträgen tarifm. Preiserhöhung jeder,. Vorbehalt. Jnseratenannahme durch den Verlag des Israelit <9. nt. b. tz., Franks, a. M., Gr. Eschenheimer Straße iS, Tel. Hansa 6848 sow. durch sSmtl.Annoneen-E»ved. des In- und Auslands. Alleinige Jnseratenann.fiir Franks. Geschäftsanzeigen: Tut. Schmidt» Langestraße 7, ll. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Zahlungen direkt an den Verlag auf s Warschau Nr 190757. - Postscheckamt . Heckkonto Frankfurt (Main) Nr. 19808. — Außerd« m § 9lr. VIII7954-~ * “ ~ ■ - -Jnkafso-Bank Rotterdam - Bukarest - Filiale des i «ßerd,m an: Postsparkasse Wien Nr. 79805 — Postsparkallenamt Bude Postscheckamt Amsterdam Nr. 34 869 — Böhmische Nnionbank in Prag - B ts Wiener Bankvereins in Agram. „Sie weint in der Nacht . . . (Zum neunten 2«.) Don Rabbiner SßMpp Atscher inSarsspatak (Ungarn). rrrtf? bv M1V221 .1^2 rmn .122 „Sie weint in der Nacht und ihre Träne ist auf ihrer Wange..." Seit fast Zwei Jahrtausenden schon ertönt alljährlich am Vorabende des Neunten Ab zu traurig-finstrer Nachtzeit, in unerleuchteten Gotteshäusern Israels das erschütternde Klagewort: '121 H22 S i e w e i n e t i n d e r N a ch t nay anrix 512221 .1212 n^2 .22271 ,122 „Sie weinet in der Nacht, und läßt auch a n d e r e tnitrn einentautet bie Paraphrase der Weisen. Es gibt einen Schmerz, den nur das eigene Herz kennt, ein Wehe, das bloß vom eigenen Innern empfunden wird. Die Mitwelt aber, die Mitmenschen — sie verstehen nichts davon, haben weder Aug' noch Ohr, haben kein Herz und kein Gefühl dafür. Ja, sie verhöhnen es vielleicht noch als törichte Einbildung, als Produkt phantastischen Größenwahns, als Gefühlsüberschwenglichkeit. ' Deine Klage aber — 0 Zion! — verstehet alle Welt. Jeder fühlende und denkende Mensch muß beim Anblicke deiner Leiden und Schmerzen, deiner Wunden ulld Tränen, beim Anblicke all ^>er Geschickesschläge, die dich zu ihrem bejammernswerten Zielpunkte gemacht haben, tieferschüttert innehalten und sein Beileid dir spenden. Oder aber ist es kein das tiefste Mitleid wachrufender Anblick, den der Klageprophet mit den ergreifenden Worten schildert: '121 ri2 ,22V' n2’K "2tch, wie sitzet sie so einsam die Stadt die einst an Volk so groß, wie ist sie Witwe geworden. Die so groß unter den Völkern, Fürstin unter am Ländern, sie, ist frvhnend geworden.". Ist es kein erschütternder Anblick, wie ein materiell und kulturell hochstehendes Volk von seiner Himmelshöhe in die tiefsten Tiefen seines geschichtlichen Zusammenbruches geschleudert worden ist?! Tnxsn pk ö’aar» Müssen da nicht Himmel und Erde, Berge und. Täler miteinstimmen in die tiefergreifende ^rauerklage der weinend^x Tächter Zions?! „ Und müßten wir Spätgeborene am Ermnerungstage jenes beispiellosen nationalen Un- Mcks^, nicht heiße Zähren vergießen, in bittre Klagen ausbrechen, selbst wenn die Länder unserer unfreiwilligen Zerstreuung uns zur l i e b e v 011 sten Heimat worden wären. Aber ach, rmwi rrn*? ,Jhre Träne ist noch immer auf ihrer Wange!" Die Träne, die von jüdischem Leid und Weh', von jüdischer Not und jüdischem Elend, von jüdischem rii'»-Geschick und Märtyrerlos erzählet, die Träne, die der Haß der Mitwelt dem jüdischen Auge erpreßt — d 1 e jüdische Träne — fte perlt noch immer auf unserer Wange! Israel ist der ewige Sündenbock nxvn.2 tw der Völker. Und wie im grausigen Mittelalter, so wird auch in der angeblich erleuchteten Gegenwart noch immer Israel für alles Unglück in der Welt verantwortlich gemacht. Der ewige Jude ist der ewige Blitzableiter. Für die Ausschreitungen einzelner jüdischen Volksabkömmlinge'will man noch immer die ganze jüdische Volksgemeinschaft verantwortlich machen. Wir haben aber nicht bloß um den Verlust materieller Nationalgüter zu klagen, sondern noch weit mehr um den Verlust geistig-sittlicher Nationalschätze. Und so klagt, auch der Prophet: Tnma rmw 1'7113228 *?2 stI72 brr225' 9°?2 2'1X2 'T?r»n n'ixi 51'NM nun' 1122 2i'i „Der Herr wurde uns feindesgleich,, er bestürmte Israel, bestürmte seine Paläste, zerstörte seine Festen, da mehrten sich der Tochter Judas Stöhnen und Seufzen." Diese Worte bezeichnen den Verlust Israels an materiellen Erdengütern. Gleich nachher heißt es aber: 5ni "iwij?» 282« 1N252 'irr „Der Herr verwarf seinen Altar, verwüstete sein Heiligtum." Der Verlust der. heiligsten geistigen Nationalschätze trifft uns noch viel tiefer und schmerzlicher als derjenige der materiellen Güter. Denn mit dem Verlust unserer eigenen Heimat sind uns auch die kostbarsten geistigen Natiönalfchätze genommen worden, mi 151212 „Er verwarf seinen Altar." Wir reden nicht mehr die heilige Sprache, worin Gott sich unseren Ahnen offenbarte, worin die Propheten die erhabensten und beglückendsten Lehren in die Welt hinauskündeten, und worin das Allerheiligste der von der Thora beeinflußten nationalen Denk- und Gefühlsweise ihren Ausdruck fand. in2i8 mi In Trümmern liegt der Altar des treuen, restlosen Auswirkens und Auslebens unserer auf der niviipn mui basierenden Geistesart. nun x*n B’W2 Der Aufenthalt unter den Nationen erschwert die vollkommene, lückenlose Verwirklichung des nun-Ideals durch uns, in uns. Schon bezüglich jenes Geschlechtes, über welches — seiner Fehler wegen — die Verbannung aus der Heimat verhängt worden ist, heißt es: musr 21*121 *3135» nun' nnb) „Juda wanderte ins Exil aus Elend und aus zu vielem Dienste." Israel verlor seine Heimat, weil es Vielen, Allzuvielen dienen wollte. Es genügte ihm nicht, Israel zu sein und zu bleiben, jüdische Denkungsart und Lebensweise zu pflegen, es wollte zugleich auch Aegypter und Astyrer, Chaldäer und Syrer sein, n'2'iu *?2 2U22N ]’2 nwn „All seine Feinde erreichten es zwischen den Grenzen." Es trieb sich Zwischen den Grenzen der Nachbarn herum. Es bewunderte all die Sitten der Fremden und ahmte ihnen nach. Es glaubte all die Torheiten der Völker mitmachen zu müssen. Das eigene urjüdische göttliche Gut trat es aber mit Füßen. Wenn dies bezüglich jenes Geschlechtes gilt, welches den nationalen Untergang erlebte, so muh es leider auch von den späteren ni^-Geschlechtern heißen: n'21221 nuv '2' 51221 „Auch in den Tagen des Elends und der Verfolgungen, auch in den bitteren nibz-Tagen denkt Jerusalem zurück an all die Herrlichkeiten in den Tagen der Vorzeit vnp'»'2 nuana ^2. audjimmh und trotz des ni^a hängt Israel noch immer an den Wahngebilden, an den Herzensidolen der Vorzeit, die es in jener alten Zeit vergötterte, da es in der Feinds Hände fiel 2X tu nav Visaa und welche Idole es schon einmal um Heimatsland und Heiligtum gebracht haben.*) -712V5N 'N"2PN 512221 N212 '51^2 .22271 5122 ..22V 71115211 2'22 «pKl ll'2V 4 „Sie weint und läßt den Heiligen, gesegnet werde sein Name, die diensttuenden Engel, Himmel und Erde, Berge und Hügel mitweinen." Zu einem heiligen Zweck, für einen hohen und erhabenen Berus hat Gott Israel auserkoren. Cs sollte dort in brnr?' px auf eigenem Grund und Boden, im Mittelpunkte des Weltverkehrs der alten Welt, zwischen Asien, Afrika und Europa gelegen, so daß^es die Aufmerksamkeit der kulturell hochstehenden Völker des Altertums aus sich lenken mußte, mnxn Vva .2121 ^X2v' px also es sollte dort in Himmel und Erde gleich Zeugenschaft für Gott als Weltschöpfer und Gesetzgeber ablegen. Für Gott, dem, wie das ganze Weltall, Himmel und Erde, Berge und Täler, die diensttuenden Engel und die rasch dahinwelkende Blume durch unentwegte Befolgung der in ihnen wirkenden gottergebenen Gesetze, so auch der Mensch mit allen Fasern seines.ganzen Wesen sich *) Diese Auslegung entnahm ich meinem Großvater und Lehrer V-xt in nivp nxt>n