Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1925)
- Date
- 1925-07-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seste 4 Nr. 29 Der Israelit 16. Juli 192g Halberstadt gefaßten Beschlüsse sich recht bald letauwas Hakelall auswirken mögen. Herr Dr. Moses Auerbach bittet uns, festzustellen, daß er in seinen Ausführungen auf der Halberstädter Konferenz nicht, wie berichtet, vom Nabbinerfeminar, sondern von Rabbiner-Bildungsanstalten überhaupt gesprochen hat. Die religiösen Verhältnisse in den badischen Landgemeinden. Mit der beständigen Abnahme der Seelenzahl der Landgemeinden, die seit Lriegsbeginn große Fortschritte machte, geht der Zerfall des religiösen Lebens unaufhaltsam mit. Eine ganze Anzahl Gemeinden haben keine Lehrer mehr, weil sie die Losten nicht aufbringen können, die eine Wiederbesetzung der Stelle mit sich bringt Man darf zwar nicht glauben, daß damit 'das religiöse Leben in den Lehillos aufhört. Wo noch eine Spur von religiösem Sinn vorhanden und die zahlenmäßige Möglichkeit dazu gegeben ist, sucht man den geordneten Gottesdienst wenigstens an gehobenen Tagen fortzuführen. Und viele Gemeinden, denen es das Äahr hindurch an der Zehnzahl gebricht, scheuen nicht Mühe und Losten, um wenigstens an den Feiertagen Minjan und Chasonim zu beschaffen. Chasonim aus der eigenen Mitte aufzubringen, ist den wenigsten Gemeinden möglich. Das noch an seßhaften Gliedern der Zwerggemeinden vorhandene Material ist seit Iahrzehnten so mangelhaft mit jüdischen Lenntnissen ausgestattet worden, daß da jeder Versuch scheitern muß. Fehlerlos hebräisch zu lesen, gelingt in den wenigsten Fällen. Und die Verantwortung für diese Zustände trägt der Oberrat und die Synode, die religiös gesinnten Glieder dieser Organe nicht ausgenommen. Wer mit offenem Blick das Unterrichtswesen des Oberrats zunächst in den Landgemeinden betrachtet, wer nicht den Lopf in den Sand steckt und alles, was ihn nicht direkt berührt, für gut findet, den muß ein Grauen erfassen bei diesen völlig unbegreiflichen Zuständen. Seit Jahren werden in den Landgemeinden alljährlich oder auch weniger oft Prüfungen von den Bezirksrabbinern abgehalten, die meistens in ihrem Erfolg nichts sind, als eine Sinnestäuschung. Niemand von der Behörde weiß, wie oft in jeder Lehillo der Unterricht stattfand. Lein Tagebuch wird geführt, vielfach wird der wöchentlich oft nur eine Stunde betragende Unterricht — wenn er nicht ganz ausfällt —, von allen möglichen Nebeybeschäfti gungen unterbrochen, die oft die ganze Unterrichtszeit beeinträchtigen. Was weiß davon der Oberrat und die Synode, was wissen davon die Bezirksrabbiner! Und beim Oberrat sind orthodvXe geistliche und Weltliche Mitglieder, die längst solchen Zuständen ^gegenüber, wenn sie sie nicht ändern können, mit ihrem Austritt hätten antworten müssen. Sollte da keine Besserung zu erzielen sein? Es wäre nicht allzuschwer, sie zu erreichen! Aber mit eisernem Besen muß da eingegriffen werden,' in vielen Fällen muß — namentlich für die lehrerlosen Zwerggemeinden — Schechito und Unterricht in verschiedene Hände gelegt und alle jene Lehrer müssen rücksichtslos entfernt werden, die den Unterricht nicht pünktlich und mit Eifer erteilen. Die anderen aber, die Pflichtgetreuen, zahle man zeitgemäß, damit keine Nahrungssorge sie in ihrem hohen Berufe beeinträchtigt. Man sage mir nicht, wem soll man denn die Schechito anvertrauen, es ist ja niemand da, der sie ausüben kann, der die Dinim lernen kann und religiöses Vertrauen verdient. Ich mache in dieser Hinsicht keinen Unterschied zwischen Schochtim, die zugleich Lehrer sind und anderen Schochtim, wenn sie beide kein religiöses Vertrauen verdienen. Die Unterrichtsfrage muß einer befriedigenden Lösung in schnellstem Tempo entgegengeführt werden, oder aber die badische Organisation hat ihre Lebensberechtigung verloren — eine Tatsache, an der mancher denkende badische Jude nicht mehr glatt vorüberkommt. Was nützen Formen, die ein völlig erstarrtes Wesen verbergen! Wie segensreich könnte ein gesetzestreuer badischer Gemeindeverband, etwa unter Führung der Larlsruher Neligionsgesellschaft, für das ganze religiöse Leben mancher Landgemeinden wirken an Stelle einer Organisation, die glänzender wie jeder andere Beweis, die Verkehrtheit der „Achduth"-Bervegmch dartut. Man betrachte nur die Schechitazustände auf dem Lande! Nur in ganz wenigen Gemeinden wird ausreichend gezeichnetes Loscherfleisch verkauft. Der Verwechslung ist jede Möglichkeit geboten. Es gibt Schochtim, deren Autorisation in Jahrzehnten nicht nachgeprüft wurde. In vielen Lehillos wird das Loscherfleisch nicht geporscht und so gegessen. Weder Schochtim, noch Rabbiner kümmern sich darum. Wollen die orthodoxen Mitglieder des Oberrates diese Zustände decken? Sie wären undenkbar, wenn. die einheitliche Landessynagoge nicht ihre Fittiche darüber hielte, aber sie wären auch nicht in diesem Ausmaß vorhanden, wenn eine gesetzestreue Organisation daneben existieren würde, deren Beispiel unbeachtet bleiben könnte. '! Wenn die badische Landessynagoge nicht abhilft, ist sie zum Untergang reif und ih Schicksal wird sich erfüllen. i^-mrpoM«re« « Ilacbricbien Deutsches Reich. Breslauer Brief. (Von unserem Korrespondenten.) Das neue Gemeindestatut. — Offene Mißachtung rabbinischer Entscheidungen, — Die Aufstcht im jüdischen Krankenhaus. Breslau, 1. Juli. Die Repräsentantenversammlung vom 17. Juni IW galt der ersten Durchberatung des neuen Gemeindestatuts, welches von einer aus Vorstands- und Repräsentantenmitgliedern zusammengesetzten Kommission in beinahe jahrelanger Arbeit entworfen worden war. Doch angesichts der bevorstehenden Neuauflage des Judengesetzes ergaben sich zunächst Zweifel über die Zweckmäßigkeit einer solchen Beratung. Wie Geheimrat Goldfeld nach ihm gewordenen Informationen mitteilt, zeige die Regierungsvorlage Tendenzen, die den Wünschen der preußischen Gemeinden durchaus nich in allen Punkten entsprächen. Vor allem in der Austrittsfrage. (Das scheint die Herren am meisten zu beunruhigen. D. Res.) Dennoch fei es angebracht, in die Beratung des Statutenentwurfs einzutreten, um bei eventuellen Wünschen gegenüber der Regierunsvorlage auf ein vorhandenes Statut Hinweisen zu können, wie esden Wünschen der Grohgemeinden entspräche. Abschnitt 1, welcher über Gemeinde und Gemeindemitglieder handelt, wird fast ohne Debatte angenommen. Sodann wird Abschnitt 2, Gemeindevertretung, nach welchem nunmehr auch Frauen das passive und aktive Wahlrecht erholen sollen, behandelt. Zu diesem Punkte waren seitens des Vorstandes Gutachten von beiden Gcmeinderabbinern eingeholt worden, von denen das des konservativen sich mindestens gegen das passive Wahlrecht aussprach. Wie jedoch vorauszusehen war, wurde sowohl das aktive wie das passive Wahlrecht ohne Widerspruch akzeptiert. Aus dieser Tatsau-e ergibt sich, daß die autoritative Stellung des Rabbi ne rs im Gemeindeleben noch recht reviionsbedürftigist. Nachdem die Auffassung des liberalen Rabbiners widerspruchslos gesiegt hatte, entspann sich nunmehr eine Jonatan und Targ. jeruschalmi sei damit der Ozean gemeint, dann folgen dort einige unverständliche Ausdrücke: ■>vv>3 itoidi iias. die ich wie folgt entziffern möchte: Für das Chirek unter dem Bes des '11'2N ist eine Zere zu setzen, 'ii'2rr ist gleich 'i'in „sein Luftraum": anstatt ito-© ist irvnio (v. gr. perichoros „Gebiet") zu lesen, imi ist nach Targum zu Jesaja 20,6, mit „feine Inseln", zu übersetzen und anstatt muß es sicher, da es neben mm'so steht, n'/ir&K heißen, — ein Wort, das in 's v's Kirn *?na vorkommt und „Staken" (die langen Stangen zur Bewegung der Boote) bedeutet. Die Erklärungen die. der gibt, sind durchaus unzutreffend. -— Dis Targumim sehen sich zu all diesen Angaben genötigt, um die Bezeichnung des Ozeans als Westgrenze Palästinas plausibel zu machen. kleines Feuilleton. Die Unwahrheiten des „Emes". „Epres" ist der Name eines jiddischen BolschewistenblatteH in Moskau und wahr an ihm . ist nur der Name. Cr überrascht jetzt die Welt mit der Neuigkeit, in Rostow habe der große Rabbiner Goldberg sich öffentlich vom Rabbineramt und der Religion losgesagt und sich dem Bolschewismus zugewandt. Es mag schon wahr sein, daß ein Goldberg in Rostow von der Religion zum Bolschewismus gegangen ist. Einer unser Vielen in dieser Zeit der Verirrung. Einen „großen Rabbi" mit Namen Goldberg in Rußland hat aber die Welt bisher nicht gekannt. Ihm hat der „Emes" die j,Morenu" gegeben. Her „Emes" macht feinem Namen weyfg Ehre! ..... •«! C ' ‘ n ' rt, n-nb 4<J Golusleid. (Aus dem Jargon). Die Sonn' verglüht in Flammen. Von fern steht man sie kaum. So auch vergeht mein Hoffen, Wie sie versinkt mein Traum. Es kommt die Nacht, so finster, So still, wie tiefer Schmerz. Ihr Düster ist mein Leben, Ihr gleichet auch mein Herz. Du Welt der Freude, zage nicht, Bald strahlet auf dein Tag, Mir aber bleibt mein Trauern Und ewig meine Klag'. Dr. S. Goldmann. (Nürnberg feiert das Lchewuothfest am 19. Tammus.) In der uns vorliegenden „Nürnberg-Fürther Morgenpost" von Freitag, den 10. Juli 1925, gibt die Israelitische Kultusgemeinde, Nürnberg, in einer vom Rabbinat Unterzeichneten Anzeige bekannt, daß sie Gottesdienste zum Wochenfeste am Freitage den 10. Juli, abends 7 Uhr und Samstag, den 11. Juli, vormittags 9 Uhr, mit Predigt veranstaltet. Wir erwarten in außerordentlicher Spannung die Nachrichten unseres Korrespondenten über den Inhalt dieser Schewuothpredigt des Herrn Rabbiners Dr. Freudenthal, die sich jedenfalls auf di^ in onra '3 enthaltenen Mufsaf-Opfer des Schewuothfestes gestützt haben wird. . (Am unerreichten Pol.): „Und was wäre wohl Ihr stärkster Eindruck am Nordpol gewesen?" fragte das blonde Fräulein den berühmten Forscher. „Das berauschende Gefühl," erwiderte jener, „endlich ein Wanderziel erreicht zu haben, das nicht mit Hakenkreuzen beschmiert war." Wochenkalender. 18.-25. Juli 1925. , - 26. Tamus bis 4. Aw 5685. Samstag Juli IS JlltJÖ »yoa 26 n an Rausch-Kbaudesch benschen Mauled Mtttw! nachm. 3”* somitag ly 27 Montag 20 28 vienstag 21 29 JDj? 1122 DT» Mittwoch 22 1 28 Rausch-Chaudesch Donnerstag 23 2 Freitag 24 3 Samstag 25 Ü122 4 ■Jim N2V Es ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inserate «eil enthaltenen Empfehlungen ritueller Ware» oder sonnig» Angabe« religionrgesetzlichen Charakter» auf Ihre Zu^erlasfigkeit zu vrüsen. hil J m:: J. Gischler, Elektrische Anlagen mit und ohne elektrischer Einrichtung:. Schwere Ausführung äuß preis vert Große Bockenheimerstr. 52 56 Telefon Haü&a 5079 TeleföH Hansa s ■ odc ‘ ' W ' Uv ■. :