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Der Israelit · 1925-07-16 · Heft 29 (16.7.1925) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 29 (16.7.1925)
Date
1925-07-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 29 Einh eitsg erneind e geblieben. Die dortigen Gesetzestreuen — und es hat in Breslau immer eine stattliche Anzahl ana^ und an*in gegeben — haben sich zur Zeit der Maienblüte der Reform etwas weltfremd und selbstgenügsam in ihre Klausen und Minjanim geflüchtet, die Gemeinde Gemeinde sein lassen und — weitergelernt. Daß dabei für die Äufrechterhaltung eines lebendigen, seiner selbst bewußten und die Jugend begeisternden Judentums viel herausgekommen wäre, kann kein Kenner der Verhältnisse behaupten. Inzwischen haben sich unter dem Druck des Austrittsgesetzes einerseits, des allgemeinen Abflauens der Reformbegeisterung andererseits auch in Breslau, wie fast überall, Thoraleugnung und Gemeindeorthodoxie in der Gemeinde friedlich nebeneinander eingerichtet; der beamtete Verkünder des mrn und der gesetzestreue 21 leben als „Kollegen" im Gemeindedienste einträchtig nebeneinander, und die Gemeinde befriedigt mit derselben kommunalen Unparteilichkeit — Religion ist ihr offenbar Sache des persönlichen Geschmacks —die religiösen Bedürfnisse des bibelkritischen Vogelsteinianers mit Orgel und Damenchor wie diejenigen des kaschrusgläub.igen Orthodoxen alten Schlages oder des Choffids aus dem Osten mit seiner Mikwa. Man Hilst sich über den wahrheitswidrigen Jammer dieser Zwiespältigkeiten durch die geniale Erfindung getrennter „Kultuskommissionen" und Synagogen für die einzelnen „Richtungen" hinweg. Aber es gibt Fälle, in denen man damit nicht über die unbequeme Wahrheit hinwegkommt, daß eine jüdische Religionsgemeinde schließlich doch einmal Farbe bekennen muß, ob sie als einheitliche Körperschaft die Autorität des jüdischen Religionsgesetzes ganz anerkennt oder ganz verleugnet. Ein solcher Fall liegt jetzt in Breslau vor. Der Rabbiner der „konservativen Richtung" hat im Einklang mit dem Standpunkt seines Vaters^ b"xt' entschieden, daß das passive Frauenwahlrecht gegen den klaren Wortlaut der Halacha verstößt. Er hat das offenbar nicht nur für die „konservative Richtung" oder die konservative „Kultuskommission" entschieden, sondern für die G e s a m L g e m e i n d e. Cr kann ja nicht anders. Was aber geschieht? Die Gemeindekörperschasten gehen achselzuckend über die Entscheidung hinweg und beschließen die Gesetzesverletzung mit einer Gemütsruhe, als ob es sich um die selbstverständlichste Sache in der Welt handle. Der Aufsichtsrat irgend einer Aktiengesellschaft, der so handelte, hätte ein Strafverfahren zu gewärtigen; da dem Gesetze der Thora aber _D e r Isra e l i 1. die Vollzugsorgane fehlen, fühlt sich die zur Wahrung eben dieses Gesetzes berufene „Religionsgemeinde" berechtigt, die eigene Willkür an die Stelle des Gesetzes zu setzen. Hierxzeigt sich der tiefste Sinn des Begriffes der gesetzeslosen „Einheitsgemeinde" — und die „Konservativen" schweigen natürlich; sie würden ja, Gott behüte, die Gerechtigkeit der „Separatisten" anerkennen müssen, wenn sie ihrer besseren Erkenntnis folgen und der Gemeinde gegenüber die Autorität des Thoragesetzes aufrechterhalten wollten. Lieber soll auch der konservative Gemeinderabbiner die Ohrfeige hinnehmen. Um des Friedens willen. Radikaler Fanatismus. Der bekannte radikale hebräische Schriftsteller Dr. Josef Klausner veröffentlicht in seiner Zeitschrift „Haschiloach" einen langen, leider nicht besonders kurzweiligen Artikel über die jüdische Einheitsfront, der sich mit der in London stattgehabten zionistisch-agudistischen Konferenz beschäftigt und die zionistische Leitung mit bitteren Vorwürfen überhäuft, daß sie sich herbeigelassen habe, mit den Vertretern der Agudas Jisroel an einen Verhandlungstisch zu gehen. Daß dabei von Agudas Jisroel die abenteuerlichsten Märchen erzählt werden, nimmt weiter nicht wunder. U. a. berichtet Herr Klausner, die polnische Aguda habe von der Regierung verlangt, sie solle nur die jiddischen Schulen, nicht aber die hebräischen unterstützen: aus der Kenessio Gedauloh sei der Hauptgegenstand der Tagesordnung die Frage gewesen, wie man die Verehelichung mit solchen Familien verhindern könne, in deren Kreise das grundlegende jüdische Reinheitsgesetz nicht beobachtet werde; bei der Universitätseröffnung hätten die Agudisten überall Fast- und Trauertage angeordnet, und endlich habe der Führer der Aguda öffentlich erklärt, wer sich nicht zu dem kleinsten q'vv des Schulchan Aruch bekenne, habe keinen ZutrittzurjüdischenGemeinde.!! Aber diese Erfindungen, die sich Herr Klausner durch wer weiß welchen journalistischen Till Eulenspiegel hat ausbinden lassen,und die er gierig ausgenommen hat, sind noch nicht das Schlimmste. Herr Klausner kommt im Verlaufe seiner Ausführungen zu folgender grandiosen Folgerung, die wir wörtlich wiedergeben: „In Wahrheit sind es nicht etwa extreme orthodoxe Juden, mit denen wir hier zu tun haben — sondern Gojim, die Mizwaus halten. Ja ja! Diese Bart und Peos tragenden Leute, welche den Rabbiner Sonnenfeld in Jerusalem und ■. ___ 16. Juli 1925 den Rabbiner Breuer in F r antsürt unt* gebe n, wie sie sich in ihren Zeitungen, im „kot Jisroel", im „Israelit" rc. offenbaren, sind in Wirk-, lichkeit überhaupt keine Juden, sondern Gojim, welche einzelne praktische Mizwaus halten. Denn was ist ein Jude ohne jüdisches Herz? Ein Judeohne Interesse für den Bestand des Volkes, für die Einheit des Volkes, ohne prinzipielles, prophetifch-tal. mudisches Judentum (sie geben ja nicht nur die Propheten preis, sondern auch die talmudische Agada), ohne positive Beziehung zur lebendigen hebräischen Sprache und zu deyr lebendig arbeitenden Erez Jisroel? Was. ist das Judentum eines solchen Menschen und was lem Chasiidus? Und zu Leuten solchen Schlages tritt der Zionismus in irgend welche Berührung!" Es genügt, diesen Erguß niedriger zu hängen. Stark mit verantwortlich für solche Orgien des blinden Haffes sind nach unserer Ueberzeugung allerdings diejenigen gesetzestre u e N'Kreise, die sich nicht scheuen, Woche für Woche die unabhängige Orthodoxie zu beleidigen und systematisch darauf ausgehen, von deren Wollen und Wesen wider besseres Wissen wahre Zerrbilder zu entwerfen. Herr Klausner braucht beispielsweise nur das Achduth-Organ aufmerksam zu lesen, um zu der Ueberzeugung zu gelangen, daß die Agudas Jisroel oder zum mindestens der größte Teil ihrer Führer außerhalb des Judentums stehen müssen. Die HalberstSdter Konferenz vom 28. bis 29. Juni, n. Während der erste Teil der Verhandlung der Frage der Lehrerausbildung galt, wurde am Montag Vormittag über die größere Annäherung der selbständigen gesinnungsgenössischen Organisationen zur gemeinsamen Arbeit verhandelt. Das Bedauern über eine gewisse Hyperthrophie an Organisationen und Vereinen im Läger der Orthodoxie, die letzten Endes alle die gleichen oder doch ähnlichen praktischen Ziele verfolgen, sind in den letzten Jahren auf fast jeder Tagung der gesinnungsgenössischen Verbände vorgebracht worden und die Erkenntnis ist allgemein, daß eine an sich unnötige Verschwendung von Kräften durch dieses Nebeneinander vorhanden sei. Diese Klagen lassen sich bis in die Anfangsstadien der Agudas Jisroel-Bewegung in Deutschland zurückverfolgen. Agudas Jisroel erstrebt nach ihrem Programm die Lösung sämtlicher Gegenwartsaufgaben im Geiste der Thauro und hat damit eigentlich alle Aufgaben übernommen, welche der Stärkung der Gesetzestreue in Lehre und Leben, in der Gesamtheit, in Gemeinde und Haus dienen. Wie großartig die Erfüllung dieses Programms z. V. in Polen in Angriff genommen ZumTodeskagvon Tnonpnx* i. Zur Frage des Herrn Rabb. Dr. Winkler in Nr. 27 Ihres geschätzten Blattes wäre zu bemerken: Nicht nur Raschi sondern auch die Toffaphot und ihnen folgend der Maharscha übersetzen das „sie wurden gesehen-. Diese Uebereinstimmung legt vielleicht die Annahme nahe, daß sowohl Raschi, wie auch Tossaphot die rrvi'A (Lesart) -ikI’I (mit einem Jud) statt ikt’I hatten. Eine Bestätigung dieser Annahme finde ich in A. Berliners Rafchiausgäbe, in der — entgegen den meisten sonstigen Raschiausgaben — tatsächlich inmi in dieser Lesart steht. Aber selbst, wenn die m unserer und '"Vl vorhandene Lesart ikT'I die richtige ist, ist das Rätsel der Raschierklärung, für den, der mit dem Wesen der npn bx Erklärungen vertraut ist. so unlösbar nicht. Bereits Maimonides in seinem Mmeh-hanebochim (3. Buch, Kap. 23) bat darauf hingewiesen, daß alle diese npn Vx Stellen nichts anderes als poetische Gleichnisse sind, die an einen Bibelvers angelehnt werden. Ihm folgten alle späteren Erklärer, diese mizm nur als rvunoox zu bettachten, so Rabbi Zebi Hirsch Lhajes in seinem Mebo-Hatalmud und K. A. Perla in seinem Ozar kol, der mit besonderem Nachdrucke betont: Es ist unseren Weisen nie in den Sinn gekommen, irgend eine Korrektur an der richtigen Lesart vornehmen zu wollen und ihr Grundsatz lautet: vpa XLi' xipa px löitPö» Bon dem berühmten Würzburger Raw, b"i ismyaaxa an pnjp n ist im Jahre x"hir> ein naxn Xllp Iso betiteltes Werkchen erschienen, in dem er es sich zur Ausgabe macht, alle -»ipn Stellen im Talmud und Midraschim zu erklären. Die Richtlinien, die ihn bei diesen Erklärungen leiten, setzt er in einer langen Vorrede auseinander und sie sind so wichtig und lehrreich, daß man es mir gewiß Dank wissen wird, wenn ich den markantesten Satz im Original wiedergebe: - oiaxn bnn mm paai Hab viVL pi nh'hni vn 'nxnpn naxn M2^h p xbx p npn hx p laini hp 'p onn’aVn ’iapa pp dvt bv nbyw öVwn maxi -wx asn hp rp bv nai mal ua hx aiaxa b"in uvd xh mun imana nxm i^xai w*v»stfr psm s'ha ixipa wih pi p xbx p npn ih'xa mnsna xinn piomw nmnsnxinn piosn hv Db'ivb" bnn wn nx:E> nm nax iL>xa awa ,vn annaia ia«p nxa p "mxp pi n'ahnh mx ♦p xbx p npn hx '.ihxa anxpn Zu der in Frage stehenden Stelle in Roschhaschanah 3 gibt der genannte Verfasser eine Erklärung, die ich in ziemlich wortgetreuer Übersetzung hier ansühre: Zu ikt'I xbx ixi'i npn hx erklärt Raschi: ihJvl. im Sinne von Resch-Lakisch, der das n von '2 als Begründung des Vorhergesagten auffatzt, d. h. die Gemeinde wurde ausgedeckt (blotzgelegt) weil Aharon gestorben war. Raschi beabsichtigt mit dieser Erklärung zu beweisen, daß das Wort inti in diesem Verse gewiß nur in der Bedeutung von ..sehen", vom Stamme nrri zu verstehen ist, und daß es auch Rabbi Abuhu gewiß nicht dieser Bedeutung entrücken wollte. Rabbi Abahus Erklärung besagt nur: es ist so, als ob hier wnjn (d. h. die Rifalform vom Stamme n*n) stünde, darum bemerkt Raschi dazu ,T?p Raschi bezweckt mit dieser Erklärung. daß man nicht etwa glaube, Rabbi Abahn wollte das inii im Sinne von Furcht (d. h. als Kalform vom Stamme x"r) erklären, zumal dieser Irrtum umso verzeihlicher wäre, als Rabbi Abahn das mit Doppeljud anführt, darum betont Raschi ganz besonders, daß dies keineswegs in der Absicht des Rabbi Abahu lag. Deutlicher und besser kann Raschis Absicht ix-mi trotz des Doppeljod mit „es wurde gesehen" zu übersetzen, wohl kaum erklärt werden. Leipzig. Dr. P. Jacob Kohn. ». Herr Dr. Winkler findet in Raschis Erklärung von Bamidbar 20,29 einige Schwierigkeiten (Nr. 27 des Israelit). Die Stelle nhx *ixti npn b$ laste nur die Lesart wajiru zu und (wegen der zwei '>>) nicht Raschis Lesart wmi- Das ist an jich richtig. Aber offenbar hatte Raschi in seinem Talmudexemplar die Lesart irrmi rrhx (mit einem ") vor ÜÄ; das gcht klar aus seinem Kommentar zu Taanith 9a hervor, wo er das irri'i aus I Kön. VIII 8 als Analogiestelle bringt. Keinesfalls aber dürste Raschts Erklärungswort an Unserer Stelle passivisch ( F wurden gesehen' ) ausgefaßt werden; damit wäre M auch für die Uebersetzung des n mit „weil" garnichts

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