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Der Israelit · 1925-07-16 · Heft 29 (16.7.1925) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 29 (16.7.1925)
Date
1925-07-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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66. Jahrgang. Frankfurt cr. At., den 16. Juli 1925 24. ^ammus 5685 Nr. Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Abonnement ab Januar 1824: Deutschland 1 Goldmark monatlich; Ausland: Werteltahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Stretfband-Verlandes) Deutsch-Österreich: Schillings.-; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; Frankreich 15 Fr.; Belgien 18 Fr.: Holland 3 fl.; Italien 30 Lire; Jugoslawien 70 Din.; Litauen 7.50 Lit.; Rumänien 300 Let; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 8 Zloty; Schweiz 8 Fr.; Tschecho-Slowakel 25 Kronen; Ungarn 50000Kronen: Diinemark 8 Kronen: Norwegen 8 Kronen; Schweden 8.80 Kronen. Einzelnummer dreißig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 40 Goldpf. für die fiebengespaltene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bet Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 30 Pf. Die 76 mm breite Reklame,eile: letzte Textseite 1.80 Mk.. vorletzte Texrfette 3.— Mk.; Thiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach . Tarif. Bet laufenden Inserataufträgen tarifül. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Inferatenannahme durch den Berlag des Israelit Gm. b. H>, Franks, a. M., Gr. Eschenheimer Straße 33, Tel. Hansa 6843 sow. durch siiMU.Annoncen,E»ved. des In- und Auslands. Alleinige Inseratenann. fiir Frankf. Geschäftsanzeigen: Jul. Schmidt, Langestraßs 7, ll. Platzvorschrtften ohne Berbindnchkeit. Zahlungen direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) Nr. 19803. — Außerdem an: Postsparkasse Wien Nr. 79806 — Postsparkassenamt Budapest Nr. 18434 — Postscheckkonto Warschau Nr 190787. - Postscheckamt Zürich Nr. Vlll 7W4 — Inkasso-Bank Rotterdam — Postscheckamt Amsterdam Nr. 34869 —Böhmische Unionbank in Prag —Lene» Marmarosch Blank & Co. in Bukarest — Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. . Klarhett und Wahrheit. Von Rabbiner Dr. Winkler in Kopenhagen. nvriK.tf? ]t>x ..Hm Zions willen darf nicht ichweigen ich Wenn man all die Kundgebungen und Polemiken liest, die die Eröffnung der Universität in Jerusalem hervorgerufen hat, so ist es geradezu erstaunlich zu sehen, welche Unklarheit über den fraglichen Gegenstand in manchen Kreisen herrscht, welche falschen Gesichtspunkte da oft entwickelt und wie achtlos an dem Kern der Sache orbeigegangen wird! Auf den Bergen Zions, von denen „die Thauro ausgeht", wurde eine Universität errichtet, die neben anderen Fakultäten auch eine jüdisch-theologische (sog. judaistische) hat. Was ist eine Universität? Eine Hochschule, auf welcher alle Zweige des menschlichen Wissens und Erkennens, in vier Fakultäten gruppiert (Theologie, Jurisprudenz, Medizin und Philosophie), bis zu den höchsten Stufen gelehrt und gelernt werden. Die Universität ist ihrer ganzen Struktur, ihrem Wesen und Charakter nach, ein Tempel,dermenschlichenVernunst erbaut, in dem diese als Alleinherrfcherin unumschränkt thront und vor deren Forum alle Wissenschaften, auch die theologische, gezogen werden. Wenn bei allen anderen Völkern, die an „Thauro mm haschomajim" nicht gebunden sind, eine solche Institution durchaus existenzberechtigt ist, — könnte und dürfte auch beim jüdischen Volke r>on dergleichen Einrichtungen die Rede sein? Dürfte innerhalb des jüdischen Volkes, dessen Lebenselement einzig und allein die Erkenntnis, die Ueberzeugung von „Thauro min ha- I ch o m a j i m" ist, auch nur entfernt an die Möglichkeit gedacht werden, der Thauro eine Dienstwagdstellung im Tempel der -Gebieterin Vernunft anzuweisen? Im Sinne jenes Ideals, das eine glückliche Synthese von Thauro und allgemeinem Wissen anstrebt, könnte ich mir nur drei Möglichkeiten vorstellen: Daß Talmide Chachäwim, wie es bereits mehrfach üblich.ist, nichtjüdische Universitäten besuchen oder eirte jüdische Hochschule, selbst in Jerusalem, an der ausschließlich allgemeine Wissenschaften unterrichtet würden, — in dem einen wie in dem änderen Falle bliebe die Sou- Verästität der Thauro, einer Welt für sich, völlig ilnaMetastet, — yoär eine 3:e s chiwo gdau - l o, aus welcher neben Thauro alle notwendigen Hochschullehrfächer gelehrt und gelernt würden, wodurch vor aller Welt gezeigt werden könnte, mm NLv ]Y»xa '> daß in Zion die Thauro allein Herrscherin sei im Reiche des Geistes! Eine Universität aber mit einer jüdischtheologischen Fakultät neben profanen Fakultäten, — die Thauro, anderen Disziplinen gleich, in den Dienst und unter die Kontrolle der Großmeisterin Vernunft zu stellen, — das heißt, um es ganz klar und ungeschminkt herauszusagen, der Thauro ihre Göttlichkeit absprechen, sie zum Erzeugnis menschlicher Geistestätigkeit stempeln; das heißt unser Heiligtum entweihen, ja die Axt an die Wurzeln unseres Lebensbaumes legen! Welche Bedeutung noch hat dieser ungeheuerlichen Tatsache gegenüber der Hinweis aus die Persönlichkeit der Dozenten oder sogar auf den Umstand, daß der eine oder der andere unter ihnen im Käppchen unterrichtet?! — Wie konnte man sich nur so weit verirren und die Jerusalemer Universität den Gründungen Hirschs und Hildesheimers an die Seite zu stellen? Dort ist ja die Thauro durchaus souverän, überwacht und leitet sie das Ganze, indes die allgemeinen Wissenschaften in einem dienstbaren und abhängigen Verhältnis zu ihr stehen! Hier dagegen ist die Thauro den weltlichen Disziplinen gleichgestellt: Beide sind der Oberhoheit des menschlichen Intellekts untergeordnet, beide sind gleichmäßig Zöglinge der alma water, die allein voraussetzungslose Wissenschaften in ihre Pforten einziehen läßt! — Es mutet ganz eigenartig an, von der „Besorgnis um die zukünftige jüdisch-religiöse Entwicklung der Universität" reden zu hören! — Eine jüdisch-religiöse Universität! Ein weißer Neger! Der bloße Namen Universität birgt ja schon eine nämlich dieAusschaltungdes Begriffes „Thauro min ha'fchomajim", in sich! Weil dieser Namen ja nichts anderes bezeichnet als die Stätte, wo alles, was Menschen geist erzeugt hat, — die Thauro also mit einbegriffen, — gelehrt wird. Bestenfalls ließe sich vielleicht von ihr Voraussagen, daß sie keine Lehrstätte des Atheismus fein werde; nie und nimmer aber kann sie jüdisch-religiös sein, das heißt, Thauro min haschomajim anerkenn e N , w e i l g er a d e d i e s de mffiefen einer Universität iü b e r h a u p t u n d der Jerusalemer ganz besonders (im Hinblick auf die Gesinnung ihrer Schöpfer und Verwalter) von Grund aus widerspricht! Das Zustandekommen dieses Werkes zu verhindern, lag freilich nicht in der Macht des orthodoxen Judentums, auch dagegen Einspruch einzulegen, hätte keinen sonderlichen Erfolg gehabt. Aber daß so manche aus den Reihen der religiösen Juden sich dazu haben bestimmen lassen können, aktiven Anteil an der Eröffnungsfeier zu nehmen oder Glückwünsche dazu zu überbringen, — dagegen hätte, meine ich, das gesamte thoratreue Judentum, unsere Großen an der Spitze, den allerschärfsten Protest erheben müssen! Das hätte aufklärend auf die Masten gewirkt, die nun ganz irre sind und schlechterdings nicht wissen, wie sie sich zu diesem Problem stellen sollen. Die Kundgebung des „Chofez Chajim" war durchaus wirkungslos, weil sie gar nicht gegen die Existenz der Universität, deren Bedeutung ihm gewiß ganz fremd sein dürfte, an sich, sondern allein gegen ihre Bezeichnung als „Heiligtum" gerichtet war. Markig und treffend war allein die Kundgebung des Jerusalemer orthodoxen Rabbinats; auch die des „jungen Agudisten" gab dem Schmerze des religiösen Juden beredten Ausdruck; doch fehlte beiden die klare, überzeugende Begründung, darum konnten sie so leicht angegriffen werden. Die Universität auf dem Skopusberg ist die Krönung des radikal-neologen Kulturwerkes, das in die geweihten Gasten des Heiligen Landes hineingetragen ward und das eine Gefahr von unabsehbaren Dimensionen für das Judentum bedeutet. Doch drohender noch, scheint mir, ist die Gefahr, daß noch viele unter uns zu blind find, sie zu erkennen! lVochenrundschau. Aus einer Einheitsgemeinde. Wir veröffentlichen im Nachrichtenteil einen Brief unseres Breslauer Korrespondenten, der über Vorgänge von symptomatischer Bedeutung in der dortigen Repräsentantenversammlung zu berichten weiß. Breslau ist>.eine sogenannte 1

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