Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1925)
- Date
- 1925-07-09
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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9. Juli 1925 D er Isr a e Li t Blätter Nr. 14 Seite 3 Gegen diese Tendenz tritt nun das orthodore Judentum auf und rüstet sich zum Kampfe. ' - Kein Kampf der Personen ist es und kein Partei- . kämpf, sondern der Kampf um don Bestand unseres Volkes. Das Programm i - der „Agudas Iisroel" "spricht es klar aus, daß sie alle Gesamtprobleme des -jüdischen Volkes im Geiste der Thora und der Mizwaus lösen wolle. So sehen wir auf der einen Seite den Angri ffs kämpf der Zionistischen Organisation vor" uns, die der jüdischen Gesamtheit die über sie herrschende Souveränität des -einzigen Gottes rauben, wil und auf der anderen Seite den Ab wehrkampf der „Agudas Iisroel", die diese; Souveränität wie vor Jahrtausenden aufrecht zu erhaltenwünscht und die auch heute noch .wie ehedem in den Gesetzen der Thora das Lebensgesetz des jüdischen Volkes erblickt, das Lebensgesetz des Volkes, das Gott fich zum Erbteil erkor.; Wenn man sich diesen Gedankengang vor Augen hält, so kann bei einer Verständigung und praktischen Zusammenarbeit zwischen agudistischer und zionistischer Organisation nicht mehr davon die Rede sein, datz die Spezi als rag a der Schulen oder der Kwuzaus die Herstellung eines Friedens hindere, denn die Schulen und die freien Kwuzaus find ja nur die logischen Konsequenzen der zionistischen Anschauung über die Bestimmung des jüdischen Volkes.. Und solange das Grundmotiv dasselbe bleibt, können die daraus abzuleitenden Konsequenzen sich nicht ändern. Solange die zionistische Theorie die alte ist, kann die Zionistische Organisation Nicht aufhören, Schulen und kwuzaus in ihrem Geiste zu fördern und auch" wenn sie aus politischen Gründen den Orthodoxen irgendwelche Konzessionen machen wollte, so würden sich aus der anderen Seite noch betrübendere Folgen ergeben. Solange die' trübe Quelle nicht versiegt, kann der Zionismus nicht aufhören, das jüdische Volk mit den bitteren Wassern seines Geistes und Giftes, zu tränken. Wie . sollte es bei derartigen weltanschaulichen Gegensätzen, die die Existenzgrundlagen des jüdischen Volkes berühren, möglich fein, zum Besten dieses Volkes zusammenzuarbeiten? Ich kann auch nicht einsehen, daß der Gedanke, der Aguda die Rolle des „Jissochor" und dem Zionismus diejenige des „Sebulun" Zuzuweisen, irgend welche Berechtigung hat. Agudas Iisroel mutz als organisiertes jüdisches -Volk Jissochor und Sebulun in einer Person sein. Agudas Iisroel ist nicht geschaffen ' worden, um Mikwoaus zu beaufsichtigen, vielmehr ist es als organisierte Gesamtheit ihre Pflicht, alle geistigen und materiellen B e d ü r f n i s s e des jüdischen Volkes im Geiste der Thora zu befriedigen. Genau ebenso ist die Zionistische Organisation genötigt, da sie sich ' ebenfalls als das organisierte jüdische Volk auf autzerreligiöser Basis betrachtet, in ihrem Geiste -den gesamten nationalen Bedürfnissen vorzusorgen. Es ist daher kein Wunder, datz die Londoner Konferenz — von wirtschaftlichen Frageil abgesehen — nicht die Ergebnisse ge- - zeitigt hat, auf die viele naive Juden gehofft haben. Datz man vielmehr gerade in London bei der Zusammenkunft der Führer der beiden ° Organisationen zu der klaren Erkenntnis kam, datz eine tiefe ^luft beide trennt, datz Agudas Iisroel unmöglich von Kompromissen oder Konzessionen sprechen kann in Dingen, von denen nach ihrer ll eher zeug un g das Leben des jüdischen Volkes abhängt. Auch die Führer.der Zionistischen Organisation haben das im Verlaufe 'der Konferenz erkannt. / Zwei Fragen bildeten neben den hier ausgeschalteten Wirtschaftsfragen den Hauptinhalt der Tagesordnung.' das G e m e i n d e g e s e tz für Erez Iisroel und die Teilnahme der Aguda an der Iewish Agency. In beiden Punkten konnte ein Einvernehmen nicht erzielt werden. ' Aber weil die ^.Frage des.:. Gemeindegesetzes tziner Kommission zur weitereit Wratun^ "übergeben wurde, will ich in diesem Augenblicke auf die m. E. vorhandene Unmöglichkeit eines Ausgleiches nicht eingehen. Anders ist es mit der Frage der Iewi sh Agency. Hier ist man sofort zu der Erkenntnis gelangt, datz die Anschauungen sich diametral widersprechen. Unmöglich ist es für Agudas Iisroel. sich in den Sitzungen einer Iewish Agency an Abstimmungen zu beteiligen, die über religiöse Lebensfragen des jüdischen Volkes, in denen das orthodoxe Judentum keinerlei D i s - küss ion zulassen kann, durch Mehrheitvoten entscheiden soll. Auch Herr So ko low hat das, noch vor der Londoner Konferenz, durchaus eingesehen. Aeutzerte er sich ja nach einem Berichte im „Hajaum" Nr. 27 gegenüber den ausländischen Zeitungskorrespondenten, die er in Erez Iisroel empfing, wörtlich wie folgt: „Was Agudas Iisroel betrifft, so möchte die Zionistische' Organisation alle Juden und auch „Agudas Iisroel" zum Aufbau unseres Nationalheimes heranziehen. Eine gemeinsame Arbeit mit der Aguda ist jedoch nur insoweit möglich, als diese sich allen Beschlüssen der Agency unterwirft, im anderen Falle schlieht sie selbst sich aus Klall Iisroel aus, und es ist mit ihr eine gemeinsame Arbeit nicht möglich." Die hier geäußerte Anschauung lätzt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Sie besagt, datz die Zionistische Organisation die Agency als Vollmachtträgerin der jüdischen Gesamtheit betrachtet; wer fich von der Agency fernhält, scheidet nach dieser zionistischen Anschauung „aus Klall Iisroel aus", und dieser Sokolowsche Klall Iisroel ist eben der, der auf seine Fahne geschrieben hat.. datz er keinerlei Anteil mehr hat am Gotte Israels und datz dieser Klall Iisroel nichts zu tun hat mit der Thora. Agudas Iisroel braucht die Worte des Herrn Sokolow mit seinem Klall Iisroel nicht weiter ernst zu nehmen. Sie weiß, datz Herr Sokolow nicht berufen ist, darüber zu urteilen, was „Klall Iisroel" bedeutet. 'Wir leben nicht von den Aussprüchen des Herrn Sokolow. Agudas Iisroel ist sich vielmehr über den alten Grundsatz klar: *(ö 171122 Nlin.l sv 17119,1 a"nn wer sich pon der Thora trennt, ist, als ob er sich vom Leben; trennt! Aber wer sich von einer unjüdischen areligiösen Agency trennt, der erfüllt nur seine Pflicht gegenü ber seinem Volke, und er braucht sich nicht darüber zu grämen, datz Herr Sokolow ihn aus Klall' Iisroel herauswirft. Auch die Karäer haben sich für „Klall Iisroel" gehalten. Aber eine andere Frage ergibt sich angesichts dieser Situation für uns: Haben wir das Recht zu schweigen in einem Augenblicke, in dem andere sich vor der Öffentlichkeit als Vertreter des Klall Iisroel aufspielen, in dem das zionistische Zentralorgan (Haolam Nr. 20) offen erklärt: „Wer glaubt, datz die Agency lediglich eine Erez Iisroel berührende Institution sei, befindet ich in einem gründlichen Irrtum?" Dürfen wir die Hand in den Schoß legen und ohne Protest zusehen, wie man das heilige Siegel des Klall Iisroel in seiner Ursprünglichkeit zu fälschen sucht? Dürfen wir.mit ansehen, wie Männer, die dem Judentum fern stehen, das Gepräge ihres eigenen Geistes, soweit die Vertretung nach außen in Betracht kommt, dem alten Klall Jisroel-Begriffe aufdrücken? Mitansehen wie sie vor den Regierungen das Wort führen in allen Angelegenbeiten, die unser Volk in seinem Lande und im Golus betreffen, und dazu schweigen? Hoffen wir, datz die Leitung der Agudas Iisroel die ungeheure Gefahr erkennt, die dem. orthodoxen Judentum von. dieser angematzthn .Vertretung droht, datz sie keinen Augenblick versäumt, um die nötigen. Schritte zur Abwehr des Unheils zu unternehmen und zur Rettung: des Judentums! Der Gott Israels möge ihr beistehen. kewono. Von Rabbiner Löwy in Hamburg. Die Belebung des sich im Gebete zum Höchsten emporringenden Gedankens, Beseelung der Worte, die aus Menschenlippen fließen, ist n:i2* Sie verleiht dem Worte Dauer, und nur durch ruia allein wird die Sprache Des Gebetes lebendig und Leben spendend. — — Nicht nur „Andacht" im volksgewohnten Sinne ist nn> sie ist erst Vorbereitung zu ihr. So sagen die Weisen deutlich: (ni2i2 K"» rrs); I2i2'i7 »12 "7inrr .iz/w onit7 in d’2H7ki,i annn aipa^ aa^ Die alten Frommen bereiteten sich in zielbewutzter Ruhe eine Stunde vor dem Gebete vor, um nachher (während des Gebetes) ihr Herz in richtiger ,1212 zu Gott richten zu können." Beschauliches Versenken und Sammlung der Gedanken ist V o r.n r b e i t. und nur durch solches Abwenden fremder und hemmender Gedanken ist wirkliche Arbeit zur Erreichung des Zieles möglich. Energien, die tief in der Seele des Menschen schlummern, müssen wach werden, inneres Sehnen und inneres Fühlen müssen sich ungestüm nach außen drängen und den Körper, die Materie, die Seele selbst emporreitzen zum höchsten Fluge. Lebendig gewordene und in Tat umgesetzte Kraft, den Körper und die von ihm beeinflußte Seele überwindende Energie ist n2i2* Eine köstliche Worterk'ärung des groben n x'bvivvxa fiVvVb bringt uns den Gedanken der ,1212 zu näherem Verständnis. Der Talmud (:v"2 mm») erzählt: Als unser Lehrer Moscheh rrv prophetischen Geistes das schreckliche Ende Rabbi Akibas erschaute, rief er aus: „.11217 in min it — dies die Thora und so ihr Lohn?" Da entgegnete ihm Gott: nawrrn n^jrrp finw Schweig! So stieg der Gedanke vor mir auf." Das heißt: Unerforschlich, mit unserem irdischen Verständnis nicht zu erfassen, sind Gattes Wege.' .Weiter wird uns («"v ni2ia) von den letzten Minuten Rabbi Akibas berichtet. Zum Richtplatze geführt. wo qualvolle Marter seiner iarrten, sprach er ruhig das Sch'mah. „Täglich beim Sprechen des Verses: 'i. na. namn 11722 ^221 -jaaV l?22 Du sollst lieben Gott deinen Gott mit ganzer Seele, — das heißt: bvi2 *]ffS2 nrr mit Hingabe deines Lebens — ersehnte ich den Augenblick, in welchem ich dieses Gebot erfüllen könnte. Sollte ich mich jetzt am Ziele meiner Sehnsucht nicht freuen?" ^bemerkt nun hierzu: Nicht bloßes Gebet oder nur Bekenntnis, wenn auch mit größter Andacht gesprochen, war dem Rabbi Akiba das Sch'mah. Er fühlte sich in die Gedanken der. Worte 11722 bvi2 ii"28 - 11722 ^aa mit solcher Energie und mit solcher Lebendiges hinein, datz der Körper aus seiner Erdenschwere hinausgehoben wurde und das Geübt für die Hingabe an ai7,i t7iij? lebendig wach geworden war, datz er tatsächlich im innersten Bewußtsein das körperliche Leid und die seelische Hingabe des 1792,1 niTon i) R. Simson aus Ostropolja (Polen), starb den Märlyrertod bei dem Kosakenaufstande 1648. — 'Verwendet tftguda-OTlavfien ♦ £rfiäff(icfi In allen Ortsgruppen.