Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1925)
- Date
- 1925-07-09
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 Nr. 28 machen. Obgleich es nicht dem geringsten Zweifel unterliegt, daß die ungeheure Mehrheit der palästinensischen Bevölkerung aus orthodoxem Boden steht, das Frauenwahlrecht also gefühlsmäßig und aus religiöser Ueberzeugung verwirft, könnte man einer solchen Volksabstimmung nur mit großer Skepsis entgegensehen, denn die Aufstellung der Wählerlisten ist unkontrollierbar und liegt in der Hand der Zionisten. Die frommen jüdischen Frauen werden überdies nicht zur Abstimmung gehen, während von den Chaluzoth keine einzige fehlen wird. Der Waad leumi bereitet die Wahlen zu der neu zu schassenden Delegiertenversammlung mit Feuereifer vor; natürlich raubt das Neue Wahlgesetz den im letzten halben Jahre Eingewanderten, die meist Orthodoxe sind, das Wahlrecht. Der Abschied Sir Herbert S am u e l s in der großen Synagoge, und dann anschließend bei einem Abschiedsmahl, gestaltete sich zu einer wahrhaft erschütternden Kundgebung der Liebe und Anhänglichkeit, die sich der Noziw unter der jüdischen Bevölkerung Jerusalems erworben hat. Er selbst war so gerührt, daß er oft nicht weiter sprechen konnte. U s s i s ch k i n wurde dabei wieder einmal ein Opfer seines Temperamentes, indem er auf den Tisch schlug, Herbert Samuel mit Gedalja verglich und die kühne Behauptung.ausstellte, „Juden hätten wie in Gedaljas Tagen den ersten jüdischen Noziw ermordet." Er dachte wohl nicht daran, daß die Mörder Gedaljas jüdische Nationalisten, die unmittelbaren Vorbilder von Jabotinski und Genossen, waren. Das Urteil des höchsten Gerichtes, wonach das arabische Dorf Atam nicht verpflichtet ist, Wasser nach Jerusalem zu liefern, erregt Sensation. Die Regierung ist blamiert und ihre bisher gezeigte Unfähigkeit, gemeinsam mit der Jerusalemer Stadtverwaltung die Hauptstadt des Landes mit Wasser zu versorgen, tritt durch das Urteil noch schärfer ins Licht. Die Urteilsbegründung, deren Wortlaut noch nicht bekannt ist, soll eine genaue Analyse der juristischen Bedeutung der Balfourerklärung enthalten. Einer der letzten Regierungsakte Herbert Samuels rst leid er eine Verschlechterung der Einw a n d e r um g s v er o r d n u n g, für die allerdings nicht der Oberkommissar selbst verantwortlich sein dürste. Die neue Einwanderungsverordnung erschwert insbesondere die Immigration von Kapitalisten, deren Gesuche fortan zuerst in Jerusalem selbst geprüft werden müssen. Ferner dürfen die aus Zertifikate Zugelassenen nur. noch persönlich einwandern und müssen Frauen und Kinder daheim, lassen. Personalien. Rabbi Joschua Lewinski p"?; in Breslau. .Anläßlich der 25sten Wiederkehr seines Todestages. (25. Tammus 5660.) Breslau, im Tammus 5685. Wir leben in einem Zeitalter, das die Saat der großen Ahnen erntet.. Diese Saat heißt Erneuerung der Jüdischkeit in unserem Lande. Denken wir nur ein Jahrhundert zurück, oder nur drei Viertel desselben. Brach lag in allen Gäuen die Saat des Gotteswortes. Zwar verlosch nie gänzlich Ner Maarovi, des Westens Licht, und an jedem Orte überdauerte sein milder Strahl, aus wenigstens einzelner Thorabeflissener Auge das finsterste Dunkel der Reformjahrzehnte. Noch war jedoch nicht das westliche Morgenrot der Hirfch-Aera übe ganz Deutschland hin sichtbar geworden, da hatten schon einzelne Gipfel des Ostens am Strahle des großen Erneuerers ihr Licht entzündet. Das war. die Zeit, als der noch jugendliche Rabbi Pinczower zu Hirsch flüchtete und als in Breslau,' der Hochburg des Jndifferentismüs, der Geist Lewinskis altneue Bahnen wies. Als einer der ersten, die in Breslau inneres Kulturverständnis mit gründlicher Thorakunde, strengster Gesetzestreue und -echtjüdischem Empfinden zu vereinigen wußte, erwarb er sich während seiner Dajan-Zeit die Liebe der Jereim. und die Hochachtung aller Juden Breslaus. Seine Wirkungsweise war die des stillen, aber stetigen Kämpfers. Dem Einsetzen, seiner ganzen, hochgeachteten. Persönlichkeit war es zu danken, wenn schon damals die Kaschrutheinrichtungen der Breslauer Gemeinde von den Jereim ohne Bedenken benutzt werden konnten. Sein gewinnender, eindrucksvoller Charakter brachte es mit sich, daß sich die Breslauer Orthodöxey nicht zum Gründen einer eigenen Gemeinde entschlossen. ' : . ' Sein überragendes Thorawissen brachte ihn in Verbindung mit den Großen der Thora seiner Zeit, so daßer in regem Schriftwechsel mit dem Kownoer Raw 'pns’-'-v und' V'rnV mit' dem Jerusalemer Raw a"ii "1 Sonnenfeld stand. Er galt insbesondere als Autorität auf dem Gebiete der Hilchoth Tresoth. Nach seinem tra- __Der I s r aelit _ gischen Tode in der Ferne im 54. Lebensjahre zeugten von der inneren Hochachtung, die er allen seinen Zeitgenossen, selbst den Andersgläubigen abgerungen, die Hespedim und Nachrufe, die ihm f. Zt. gewidmet wurden, und in welchen von seinem offenen, geraden, ehrlichen Herzen die Rede war. Ein Zeugnis der Innerlichkeit seiner jüdischen Gesinnung legt die Tatsache ab, daß auf alle seine Nachkommen dieser Geist der Thora sich vererbt hat. Der Dank der gegenwärtigen schlesischen Judenheit, die seinem Lebenswerke ihre Erneuerung verdankt, bestehe, in dem Wunsche, daß dieser jüdische Geist, der jüdische Erbadel, und daß Frieden und Wohlfahrt als ewiger Segen seinen Nachkommen treu bleiben möge. Berlin, 2. Juli. Der berühmte Chassidim-Rabbi von Kossow in Ostgalizien, Moses Hager, ist in Berlin auf der Durchreise nach Bad Nauheim, wo er eine Kur gebrauchen wollte, gestorben. Rabbi Moses Hager entstanimt der Rabbinerfamilie Hager, die in Wischnitz ihren Stammsitz hat und insbesondere in den Karpathenländern sehr populär ist und Hundertlausende Anhänger zählt. Die sterblichen Ueberreste des verstorbenen Rabbi wurden nach Kossow zur Bestattung überführt. Laukerbach (Hessen), 6. Juli. Am kommenden ivnr nav begeht Herr Lehrer Emanüel Z 0 d i ck das 40jährige Ortsjubiläum in seiner Gemeinde. Leid und Freud hat er itt dieser Zeit mit jedermann seiner Gemeinde geteilt. Möge es ihm vergönnt fein, weiter in voller Geistesfrische und hrv zum Wohle seiner Mitmenschen zu wirken. Stuttgart, 2. Juli. Heute verließ uns mit seiner Familie unser verehrter Rabbiner, Herr Dr. Jonas Ansb ä ch e r, um sein Amt in Wiesbaden anzutreten. Als Herr Dr. Ansbacher vor 5 Jahren das Rabbinat der Israelitischen Religionsgesellschaft Stuttgart übernahm, wurden wir bald gewahr, daß der vorzügliche Ruf, der ihm vorausging, vollauf berechtigt war. Was unser Raw in Stuttgart leistete, ist schwer in einem kurzen Zeitungsbericht wiederzugeben. Es war wohl nicht Oedland, jedoch steiniger Boden, auf dem unser einstiger Führer unablässig die herrliche Saat der min aus* streute, und zwar mit dem glücklichen Erfolge, daß unsere Gemeinde, die vorher noch nie einen Rabbiner hatte, von dem Gedanken eines Nachfolgers nicht mehr abzubringen war. Auch in neologen Kreisen wurde er allgemein geschätzt. Getreu dem Ausspruch Samson Raphael Hirschs bewies er gerade den Kreisen, die von dem thoratreuen Judentum wenig Ahnung hatten, daß Judentum herrlichstes Menschentum bedeutet. Rührend war sein Abschied am naw zu mp '0 und recht herzlich sein Anerbieten, uns jederzeit mit Rat und Tat beistehen zu wollen. Besonders wehmütig war auch der Abschied der Kreise, die seinem herrlichen tmisw bei* wohnten, zu deren regelmäßigem Gelingen auch die Gattin des Raws nicht wenig beitrug, in dem sie stets ein gastliches Zimmer für diese Abende bereitstellte. Und ganz besonders wohl tat es uns, aus feinem Munde zu hören, daß' diest Abende zu seinen, schönsten Stuttgarter Erinnerungen gehören werden. Wenn jetzt sein Nachfolger, Herr Rabb. Dr. Bamberger aus Köln sein Amt antreten wird, so..wird er ein von seinem Vorgänger in harten Zeiten vorgepflügtes Feld antreffen. Beim Abschied am Bahnhof war eine stattliche Zahl seiner Verehrer erschienen, die dem fahrenden Zug noth lange nachwinkten. Dessen darf unser scheidender Raw icher sein, daß in der Stuttgarter Religionsgesellschaft sein Name niemals vergessen werden wird. Gelnhausen, 6 Juli. Schon wieder hat die hiesige Gemeinde den Tod eines ihrer besten Mitglieder zu beklagen. An den Folgen einer Operation verschied am 3. Tamus im Alter von 75 Jahren Herr. Jacob S. Gold- > ch m i d t. Mit ihm ist eine Zierde unserer altehrwürdigen n^np' dahingegängen, ein 'um alten Schlages, dessen miarr Ausfluß innerster Ueberzeugung, echt und wahr gewesen. 13 Jahre lang hat der Heimgegangene als ans unserem Gemeindewesen vorgestanden. Seine dem Streite abholde, friedliebende Natur stempelte ihm' zu einem iv, der mit allen ihm zu Gebote stehenden Kräften nach Versöhnung der Gegensätze strebte, wann und wo auch immer diese yuftauchten. Bewundernswert war sein Gottvertrauen, das ihn in keiner Lage des Lebens verließ. Die Liebe und Verehrung zu diesem Manne kam )ei seiner p^vnpn 's aiy vormittags erfolgten Betattung zum Ausdruck. Herr Lehrer Marx entwarf ein getreues Lebensbild des Entschlafenen. Herr Synagogenältester Josef Lorsch dankte namens des Kollegiums dem Heimgegangenen dem Heimgegangenen für die langjährige treue Mitarbeit in schwerer Zeit unter häufig chwierigen Verhältnissen. -Tiefbewegt nahm als letzter Redner der Sohn, Herr. Rechtsanwalt Dr. S. Goldschmidt Frankfurt a. M, Abschied von dem geliebten Vater, dankend für die aufopfende Liebe, mit welcher derselbe die" engere und weitere Familie stets beglückte. Wie als' höchste Lobeskundgebung das heilige Schriftwort von ii'arr apy erwähne, er fei ein iMi-an v'rr gewesen, so könne er diese Prädikate auch auf seinen Vater apy anwenden und sagen: er war ein einfacher, rechtlich denkender, rechtlich handelnder. Mensch, dem selbst im Scherz das Wort der Lüge -nie über die Lippen gekommen. —. Als wir den frischen Grabeshügel verließen, erklängen in uns die Worte des heidnischen Sehers Bileam: -inaa vmnx ’nni mne" nia 'e>w nan Wiesbaden, 7. Juli. Am Sonntag, den:5. Juli, fand in der überfüllten Synagoge der A l t i s.r a.el i t i s ch e n _ 9 Juli 1928 K' u l t u s g e m e i n d e die feierliche Einführung unseres neuen Rabbiners, des Herrn Dr. An s b ach e r aus Stuttgart, statt. Mit dieser Feier verband sich der Abschied von unserem allverehrten bisherigen m' Herrn Dr. Leo Kahn, der 5.6 Jahre die von. ihm gegründete Gemeinde geleitet und äußerst segensreich in ihr für das gesetzestreue Judentum gewirkt hat. Dieses brachte bei der ^eißr Herr Ferdinand Baum in schöllen Worten zum Ausdruck und übermittelte im Namen der Gemeinde herzlichen Dank Herrn Dr. Kahn für die Riesenarbeit, die einen solchen Aufschwung, wie die Gemeinde ihn genommen, ermöglichte. In bewegten Worten verabschiedete sich Herr Dr. Kahn mit dem Wunsche, daß die Gemeinde unter seinem Nachfolger stetig weiter emporblühen möge. Nunmehr begrüßte Herr Vorsteher B l u m e n t h a l den neuen Rabbiner, welcher daraus in großangelegter Rede sein Programm den Gemeindemitgliedern vor Augen führte: nipp *p .narr das feien die Gesichtspunkte, nach denen er seine Arbeit einstellen wolle. Die Feier wurde umrahmt von verschiedenen Gesängen, welche unser Chor, sowie unser pn, Lehrer M. Hes, in eindrucksvoller Weise zu Gehör brachten. Wiesbaden, 7. Juli. Der Zufall wollte es, daß gerade an dem Tage, da Herr Rabbiner Dr. Kahn seinen Abschied nahm, er voll tiefer Wehmut seine letzte Amtshandlung vollziehen mußte bei der rmap unseres langjährigen ersten Gemeindevorsitzenden, Herrn Leopold Ackermann. Ueber 30 Jahre hat Herr Ackermann in unermüdlicher Tätigkeit sich bemüht, unter den schwierigsten Umständen unserer Gemeinde immer höheren Aufstieg zu ermöglichen. Er scheute weder Zeit noch Geld, um seine Pflichten als Vorsteher in bewunderungswürdiger Weise zu erfüllen, immer beseelt von dem Gedanken, daß er für in^n' vVn arbeite und Gutes für '«r i>i>a leiste. Was wir an ihm verloren haben, schilderte Herr Dr. Kahn in einem ergreifenden naan vor einer Menschtznsülle, wie unsere Leichenhalle sie noch nie aufzuweisen hatte. Den Dank der Gemeinde rief Herr Vorsteher Julius Katz wehmütig dem Verstorbenen nach Für die Loge sprach Herr Ferdinand Baum, und für die iwnp man Herr Neustadt. Während der nsav wurden fernere a'ison gehalten von Herrn Sanitätsrat Dr. Kornblum und Herrn Lehrer M. Hes. Vermischtes. Dresden, 5. Juni. F i n st e r b e r g e n , ein kleiner Luftkurort in Thüringen, Autoverbindung ab Friedrichroda, versendet dieses Jahr Prospekte, die auf de!m ersten Blatt innen einen - großen Stempel tragen: „Nur für christliche Familien", und um allen Anforderungen zu genügen, preist sich noch besonders ein . „Deutschvölkisches Heim" — „Haus Hainfels", Bes. Frau Margarete Leue — an. Der Ort sollte als geeignete Nachkur für Bortumgäste empfohlen werden. Aurich (Ostfriesland), 29. Juni. Auf Veranlassung des Talmud-Thora-Vereins hatte sich eine große Anzahl Mitglieder am Sonntag, den 1. Juni, zu einer Besprechung zusammengefunden. Die bisherigen regelmäßigen Schiurim, bestehend aus Lehrvorträgen, erfreuten sich eines guten Besuches von Seiten der Erwachsenen. Es bestand aber immer schon der Wunsch, unsere Jugend zum aktiven Lernen heranzuziehen mit dem Endziel, sich selbst weiterbilden zu können. Zu diesem Zwecke sollten neue Lehrkurfe eingerichtet werden. Herr Hauptlehrer Wolfs sowohl als auch Herr Lehrer Wetzler erklärten sich freudig dazu bereit, die neuen Schiurim des Talmud-Thora-Vereins zu übernehmen, forderten aber auch die Jugend auf, sich inniger zusammenzuschließen und ersuchten ganz besonders die Eltern, ihren ganzen Einfluß dahin geltend zu machen, daß namentlich die schulentlassene Jugend sich den Bestrebungen des n"n-Vereins anschließen möge, damit die? ni-np Aurich auch weiterhin ihren guten Ruf behalte und ernerhin die Jugend erfüllt bleiben möge vom. Geiste wahrer Jüdischkeit. Anschließend folgte eine Aussprache über Methodik und Ziel des Unterrichts. Unterricht wird in zwei Abteilungen von den beiden genannten Lehrern erteilt, .und zwar mit Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag abends nach Maariw je eine Stunde. Außerdem am rsv mittags von 12—1, nachmittags von 4—ö und 6.30—7.30 abends. Unterrichtsfächer sind: Mifchna, Rafchi, Newiim, Tefillo, Mikro, Dinim, letztere am Sabbat nachmittag 2—3 Uhr durch den Synagogenvorsteher Herrn A. van > Dyk an Hand des iny TnVur nx'p ' und Lektüre. Die Schiurim erfreuen sich bereits eines güten Besuches. Möge es den Lehrern und dem Vorstande des rnn-Vereins gelingen, auch in Aurich einen Kreis junger, thoraerfüllter Menschen heranzuziehen, welche wahre Bürgen sein können für die Aufrechterhaltung der altestrwürditzen Institutionen und Gebräuche innerhalb der >• n^np Aurich. Fanüliennachrichken. Bä r m iz w oh: Julius Farkas, Sohn des Herrn Josef Farkas, Ostendstr. 45 — Walter Mar bstM. Pyhn von Max Marburg, Mannheim am 18. AuÜ in der Klaus.;>y&» hip», 'sj. Goldene Hochzeit. 13. Juli^1925 f. G. w. Saume! S.tein nn^FrAr, geb.-SWi< Mesjelhaufen.