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Der Israelit · 1925-07-09 · Heft 28 (9.7.1925) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 28 (9.7.1925)
Date
1925-07-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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®?tte 6- Nr. 28 die lebhafte Schilderung der Debatte über das Schächtverbot im Münchener Tierschutzkongreß. Sodann begrüßte der Vorsitzende die Vertreter des Verbandes gesetzestreuer israelitischer Jugendoereine Bayerns, die Herren Dr. Münz und M. Gutmann- Nürnberg. Herr Dr. M ün z-Nürnberg dankte herzlich für die Einladung des Bundes und legte dar, wie der Verband gesetzestreuer israelitischer Jugendvereine Bayerns zu arbeiten gedenkt, wünschte dem Bunde Gelingen seines Werkes und versprach nach allen Kräften mitzuarbeiten. Um 2 Uhr nachmittags folgte der Hauptvortrag des Herrn Rabb. Dr. B r a d e r -Ansbach: „Das Judentum als Weltanschauung". Obwohl der Vortrag ty2 Stunden währte, gelang es dem Redner von Anfang bis zu Ende die ungeteilte Aufmerksamkeit der Zuhörerschaft fest zu halten. Es ist unmöglich, in wenigen Zeilen die Fülle der Gedanken auch nur anzudeuten, die der Redner in leicht verständlicher, gefälliger Form der Versammlung darbot. Er zeigte das Streben nach einer Weltanschauung in der Wissenschaft, die aber zu allen Zeiten nicht in der Lage war, auf das Letzte eine irgendwie befriedigende Antwort zu geben. Das Judentum an sich ist die Weltanschauung von der Schöpfung der Welt aus dem Nichts, von der Göttlichkeit der Thora und deren verpflichtender Kraft. Die Gegenargumente der sogenannten „voraussetzungslosen" Wissenschaft, sind für den gläubigen Juden hinfällig, denn sie bauen in Wirklichkeit von vornherein auf einer ihm entgegengesetzten Voraussetzung (Unmöglichkeit des Wunders und der göttlichen Weltleitung) auf, ohne jemals objektiv den Standpunkt des Judentums auch nur in Erwägung zu ziehen, selbst dort wo ihnen eigentlich kein Ausweg mehr bleibt. Die jüdische Weltanschauung muß Ausdruck finden im jüdischen Leben, in gleichmäßig unbedingter Erfüllung sowohl der Pflichten gegen Gott, als auch gegen die Nebenmenschen; erst beide vereint bezeugen den wahren Jehudi. Der Vorsitzende dankte unter dem lauten Beifall der Anwesenden dem Redner für seine trefflichen Ausführungen. Zugleich dankte er der Versammlung (der Bundestag hatte weit über 100 Teilnehmer) für ihr zahlreiches Erscheinen. Der Bundestag ist allen. Teilnehmern zu einem nachhaltigen jüdischen Erlebnis geworden,. Hoffen wir, daß die weiteren Bundestage, derennächster s. G. w. im Oktober in Ansbach stattfinden wird, noch besseren Besuchs sich erfreuen, daß insbesondere auch die Landgemeinden» sich noch stärker beteiligen werden. Repräsentantenversammlrmg der Jüdischen. Gemeinde. Berlin, 7. Juli. In der Sitzung des Repräsentantenkollegiums der Jüdischen Gemeinde am Abend des 2. Juli wurde nach vielen Kleinigkeiten beschlossen, der Talmud-Thora Ez Chajim (des Bfoiner Raw) auf ein Jahr eine Subvention von 5000 Mark zu bewilligen; dies geschieht mit Rücksicht aus die vielleicht bevorstehende Fusion dieser nach Zahl der Talmidim gut florierenden Schule mit der Talmud-Thora Keneßeth Jisroel des Herrn Rabbiner Dr. W. Levy. Andere wichtige Punkte, so die Subvention der Passauer Straße wurden auf die Schlußsitzung (8. Juli) vertagt. Die untergehenden jüdischen Gemeinden in der Provinz Posen. B e r l i n, 2. Juli. Der Vorstand und das Kuratorium des Vereins der Grätzer in Berlin richtet einen Aufruf an alle Grätzer Landsleute, in welchem es u. a. heißt: „Die jüdische Gemeinde in Gätz, einst eine der blühendsten und geistig regsamsten der ganzen Provinz Posen, existiert nicht mehr. Es leben in Grätz zur Zeit noch zwei jüdische Familien und eine Anzahl hilfsbedürftiger jüdischer Frauen, die natürlich den Kultus nicht mehr aufrecht erhalten können. Man hat die Absicht, den altersgrauer)/ Tempel auf Abbruch zu verkaufen, damit er nicht das Schicksal so vieler anderer verlassener Gotteshäuser erleiden soll, die zu Pferdeställen umgewandelt worden sind. Alle übrigen Institutionen bestehen nicht mehr. Es verbleibt einzig und allein der Friedhof. Wenn Menschen schweigen, werden Steine reden. Unsere ganze Fürsorge muh jetzt der Instandsetzung und dauernden Erhaltung des Friedhofs und im Zusammenhang hiermit der Friedhofsmauer und der Leichenhalle gewidmet _Der 3 i g e i 11_ sein. ... Wir treten nicht mit einer Bitte an Euch heran, sondern Ihr habt als Grätzer Kinder die selbstverständliche Pflicht, die Gräber Eurer Großeltern und Eltern nicht verfallen zu lassen." Es wird gebeten, Spenden an Herrn Max Stern (Berlin W. 62, Lutherstraße 10) zu senden. Rheinlandkundgebuna dev deutschem Juden. Köln, 1. Julll Der Zenttaloerein deutscher Staatsbürger jüdischeit Glaubens hat am Sonntag, den 28. Juni, im Rahmen einer Westdeutschen Verbandstagung seine Mitglieder zu einer Kundgebung für Rheinland und Deutschtum in das Kölner Opernhaus eingeladen, das von fast 2000 Teilnehmern dicht gefüllt war. Der Vorsitzende des linksrheinischen Landesverbandes, Herr Bernhard Feilchenseid begrüßte die Vertreter der staatlichen und städttschen Behörden, der Kölner jüdischen Gemeinde, sowie die Mitglieder des Hauptvorstandes und die übrigen Führer es Zentralvereins. Die deutschen Juden, sagte er, liehen sich trotz des Judenhasses ihre Freude am deutscheit Vaterland nicht schmälern ode rgar rauben. Wir sind Deutsche und werden es immerdar bleiben. Aehnlich sprach auch Dr. H o l l ä n d e r. -- Die Festr ede hielt Gemeinderabbiner Dr. Adolt Kober (Köln). Einstimmig wurde eine Entschließung angenommen, in der es heißt: „Eine weit über 1% Jahrtausende nachweisbare, in den Anfang des dritten nachchristlichen Jahrhunderts zurückreichende Geschichte gibt so Kunde von der Verbundenheit jüdischer Menschen mit rheinischer Erde.' Und auch in unseren Tagen haben die deuffchen und rheinischen Juden ihre Willens- und Schicksalsgemeinschaft mit deutscher und rheinischer Erde durch das fürs deutsche Vaterland vergossene Blut ihrer Väter, Söhne und Brüder besiegelt. Wir deuffchen und rheinischen Juden, Juden nach Religion und Abstammung, Deuffche nach Vaterland und Kultur, haben darum ein Recht aus diesen deutschen Boden als gleichberechtigte deuffche Bürger wie unsere christlichen Mitbürger, und wenn in unseren Tagen auf rheinischem Boden sich das Geschick des deutschen Volkes, der Kampf um seine Einheit und das Gefüge seines Reiches entscheidet, und wie wir überzeugt sind, siegreich sich erfüllt, so wollen wir deutsche und rheinische Juden hier und heute laut und vernehmlich das Bekenntnis oblegen und bekräftigen: Wir deuffche Juden, fest mit dem deutschen Heimatboden verwurzelt, fühlen uns allezeit, in frohen und in traurigen Zeiten, heute und in alle Zukunft unlösbar mit dem deutschen Vaterland verbunden, und im heiligen Dienst an deutschem Volk und deuffchem Boden werden wir auch in aller Zukunft, in Willens- und Schicksalsgemeinschaft, in sittlicher, geistiger und materieller Förderung heimatlich deutscher Erde uns von niemand übertreffen lassen." Die Schächtfrage vor der Bremischen Bürgerschaft. B re men, 2, Juli. Auf eine Anfrage der Deutschvölkischen Fraktion betreffend das Schächten nach jüdischem Ritual erwiderte der Senat in der . Sitzung der Bremischen Bürgerschaft am 26. Juni: Ob das Schächten der Schlachtttere eine Tierquälerei bedeutet, ist eine Streitfrage, die von namhaften Sachverständigen verneint wird; auch das. Reichsgesundheitsamt hat sich noch , am 14. November 1924 in einer Zuschrift an den Herrn Reichsminister des Innern dahin geäußert daß-in dem jüdisch-rituellen Schächten der Tiere, wennes vorschriftsmäßig ausgeführt wird, eine Tierquäulerei nicht, erblickt werden kann. Für ein Verbot dieses Schlachtversahrsys ist aus praktischen Erwägungen eine landesrechtliche Regelung ungeeignet, wie die Entwicklung im: Lande Sachsen, in welchem das Schächten. vorübergehend, untersagt, war, erwiesen hat. Es muß der Reichsgesetzgebung überlassen bleiben, ob die jetzt in allen deuffchen Ländern geübte Duldung des Schächtens aufgegeben werden soll. Synagogendau. Chemnitz, 1. Juli. Vor kurzem berief der Vorstand des Vereines „Beth Israel" eine außerordentliche Mitgliederversammlung ein, zwecks Aussprache und. Fühlungnahme über die käufliche Erwerbung eines Grundstückes für.eine.große Synagoge. Es waren zirka 70 Herren erschienen. Der 1. Vorsitzende, Herr S. U n g e r, leitete die Versamm- _ „_9. Illy 1826 lung und führte in eindringlichen Worten die Notwendigkeit des Baues vor Augen. Nachdem noch mehrere Herren das Wort ergriffen hatten, wurde folgender Antrag angenommen: 1. Die Versammlung beschließt einstimmig den Ankauf des Grundstückes tnkl. Umbäukostm für Mk. 80 000.—. 2. Es wird sogleich ein Aktions- Kymitee, bestehend aus 10 Herren gewählt. Inzwischen ist der Ankaufperfekt geworden und die erste Sammlung des Komitees brachte-sogleich Mk. 12 000. Ein gleicher Betrag wurde uns außerdem in Papieren zur Verfügung gestellt. Es wird ein großer Segen sein, wenn wir jedem taditionell lebenden Juden in Chemnitz endlich einmal die Gelegenheit geben können, bequem und der- Würde eines Gotteshauses entsprechend an einem geordneten Gottesdienst teilzunehmen. Die Genehmigung der polnisch-jüdischen Verstau, digung durch den Sejmklub. (Von unserem Korrespondenten.) Warschau, 3. Juli. Die Genehmigung der polnisch-jüdischen Verständigung seitens des jüdischen Sejmklubs stieß in der zu diesem Zwecke am 25. Juni stattgehabten Sitzung auf eine bedeutend stärkere Opposition als allgemein erwartet wurde. Die zahlreichen zu Worte gekommenen Redner äußerten die Befürchtung, daß die Akzentuierung der in Zukunft vom jüdischen Klub einzunehmenden loyalen Stellung zu der Großmachtpolitik Polens, zu der Unberührbarkeit. der Grenzen und der inneren Konsolidierung des Reiches, sehr leicht mißdeutet und von den Antisemiten ausgebeutet werden könnte, als ob die Juden selbst anerkennen, daß sie bisher illoyale Bürger waren. (Daß diese Befürchtung auch begründet sei, beweist ein inzwischen in dem judenfresserischen „Dwa Grosze" erschienenen Artikel, der Wort bei Wort diesen Vorwurf enthält). Manche konnten auch nicht einwilligen, daß sich der jüdische Klub in seiner parlamentarischen Tätigkeit bindet „ausschließlich" —wie es in der Erklärung lauten sollte— für die jüdischen Interessen einzustehen. Sie sahen darin eine Einschränkung der Handlungsfreiheit auf der. parlamentarischen Arena, wie auch eine gewisse unaufrichttge Handlung den anderen nationalen Minderheiten gegenüber und'überhaupteine tiefe Verletzung der jüdischen Gerechtigkeitsgefühle, welche nie und nimmer in den engen Rahmen des nationalen Egoismus eingeschlossen werden können. Die vom Dep. Rabbiner Lew in im Namen Agudas Jisroel vorgelesene Erklärung hatte olgondon Wortlaut: „Wiewohl unsere Fraktion unmittelbar an den Verhandlungen mit der Regierung nicht teilgenommen hat, begrüßen wir dennoch mit Zufriedenheit das Resultat dieser Verhandlungen, in denen wir den ersten Schritt zur Realisierung der uns durch die Konstitution garantierten und bisher im Leben nicht verwirklichten Gleichberechtigung erblicken." „Von diesem Standpunkte ausgehend und in dem Wünsche unserer Bereitwilligkeit zu einem friedlichen Zusammenleben, gestützt auf' gegenseitiges Verständnis zum Wohls des Staates und aller seiner Bürger, Ausdruck zu verleihen—nehmen wir den Bericht des Präsidenten Dr. Reich und des Dr. Thon zur Kenntnis und erklären' für die vorgelegte Resolutton unter folgendem Vorbehalte zu stimmen: „Alle Fragen, sowohl aus dem kültreilen wie auch wirtschaftlichen oder gesellschaftlichem Gebiete, die nur in irgend welcher Beziehung.zum religiösen Leben stehen, können vom Klub nur dann d er Regierung. yor ge l e g t w er d e n, me n n i e d i e V i l l i g u n g u,n d S a n k t i o n d e r o r t h o - doxen Fraktion bekommen haben. Das bezieht sich insbesondere und vor allem aauf die Ein - u nd Errich tun g der reli giösen Gemeinden und des jüdischen Schulwesens." „Mit Rücksicht auf die Britische,, ja säst verzweifeln: Lage der jüdischen Bevölkerung Polens in ökonomischer Hinsicht — fordern wir die Vorsteher des Klubs, welch die Verhandlungen mit der Regierung führen, auf, kein ' Mühe zu scheuen, daß die Postulats bezüglich der Bc-

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