Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1925-07-09 · Heft 28 (9.7.1925) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 28 (9.7.1925)
Date
1925-07-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2450337-2450364--72334-2529701
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

I 9. Mi 1925 _ »'Hernie" erfolgen könne, Je mehr jüdische Vor- I kenntnisse der Kandidat mitbringe, desto kürzer I könne die Ausbildungszeit an der jüdischen »Lehrer-Akademie bemessen sein, unbedingt ^r- I forderlich sei die Ablegung des Religionslehrer- » errnnerrs. I ' Für die Ausbildung als jüdischer Lehrer — I Religionslehrer — komme ausschließlich die jü- I dische Lehrer-Akademie in Betracht. Der Referent I hat seinen Thesen einen Unterrichtsplan beige- I geben, aus dem ersichtlich ist, daß die Ausbildung I in einem Lehrgang von 4 Jahren erfolgen soll; I in dem Entwurf sind für die Ausbildung in den I jüdischen Fächern 36 Stunden wöchentlich, für oie I Prosansächer 16 Stunden vorgesehen. Erst nack> I Beendigung dieses Lehrganges erfolgt eventuell I hie Ausbildung als Schauchet. I Durch Einrichtung von Uebergangsklassen sei I auch Ausländern und solchen Aspiranten, die in- I folge mangelnder Vorkenntnisse noch nicht in die I Lehrer-Akademie ausgenommen werden können, I der spätere Eintritt zu ermöglichen, bei dem I herrschenden Lehrermangel müsse man jede mög- I liche Erleichterung gewähren. Die Einrichtung I eines gemeinnützigen Schüler- und Studenten- I Heimes in Anlehnung an die jüdische Lehrer-Akademie sei zu erstreben. Auch die Ausbildung junger Mädchen zu Religionslehrerinnen, die Abhaltung von Ferien- und Fortbildungskursen für bereits im Amte befindliche Lehrer falle unter die Aufgaben der Akademie. Unter den heutigen schwierigen Wirtschafts-! Verhältnissen sei es zu empfehlen, alle Kräfte I möglichst auf e i n Ziel zu konzentrieren und an Stelle der Zersplitterung durch Schaffung einer einzigen, allen Anforderungen entsprechenden jüdischen Lehrer-Akademie, den Nachwuchs an Lehrern und dadurch den Bestand des Judentums in Deutschland zu sichern. Es sei selbstverständliche Pflicht der Gemeinden und Organisationen, alle Kräfte anzuspannen, die materielle. Grundlage einer solchen Anstalt zu schaffen. - Herr Oberlehrer S t o l l schilderte in anschaulicher Form wie am Würzburger Seminar die Ausbildung der Lehrer erfolge. Da. die gesetzlichen Bestimmungen in Bayern keine Beschränkung in der Zahl der jüdischen Unterrichtsstunden auferlegen, sind die- Vorbedingungen für die Heranbildung von Religionslehrern hier besonders günstig. Auf die Heranbildung guter Chasonim wird besonders Wert gelegt, vor allem aber gewährleiste der dem Seminar angegliederte Fortbildungskurs, der unter Leitung eines hervorragenden Lamdon stehe, eine gründliche Ausbildung der Schüler in Gemoroh mit Mephorschim und eine Vertiefung der im 8jährigen Lehrgang an Präparandie und Seminar erworbenen jüdischen Kenntnisse. Die von Herrn Stoll überreichten Thesen der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt Würzburg bringen weitere Einzelheiten über Lehrgang.und Unterrichtsziele der Anstalt. Herr Dr. Moses Auerbach steht betreffs jüdischer Oberlehrer im Rabbiner-Seminar die gegebene Ausbildungsstätte, hält den Ausbau der bestehenden Lehrerbildungsanstalten im Sinne der von den Vorrednern entwickelten Thesen für begrüßenswert, möchte jedoch eine Differenzierung der Religionslehrer nach der Richtung empfehlen, daß man auf Grund der abgelegten Examina eine Facultas für Unter- Mittel- und Oberklässen erteilen solle. Für Zwerggemeinden sei die Anstellung von Vezirkslehrern zu empfehlen, durch, angemessene Bezahlung die Würde des Standes und Achtung vor dem . Beruf des Lehrers zu heben, insbesondere sei aber die Stelle des. Schauchet, Hessen R?ruf leider Häufig 'Nicht genügend 'als M'teches Cchomajitn gewürdigt werde, moralisch und Materiell zu bessern. Herr Dozent E h r e n t r e u betont die ungeheure .Bedeutung, die der Besuch einer Ieschi - w o y für die Ausbildung der künftigen Religions- Lehrer habe.' Die Jefchiwoh fei der beste Boden, auf.döm wirkliche. Vnei Thauroh heranwachsen k-mnen, hier sei Äüch Gelegenheit zur^Profan- _Der 3 s r äelit _ bilduNg gegeben, aber alles fei der Thauroh untergeordnet und deswegen feien bei einer Ausbildung jüdischer Lehrer an der Jefchiwoh die ersten zwei Jahre ausschließlich dem intensiven „Lernen" gewidmet, erst dann werden die Profanfächer angegliedert, und in praktischen Kursen können Schechitoh und Chasonus erlernt werden. Insbesondere für Lehrer in Großstädten, wd größere Anforderungen an das jüdische Wissen des Lehrers gestellt werden als in den kleineren Orten oder auf dem Lande, fei der Jefchiwohbefuch der Lehrer unbedingt.zu empfehlen. Man dürfte den Einfluß des Milieus einer Jefchiwoh auf die geistige Einstellung der Schüler nicht unterschätzen, hier atmen sie erst wirklich die Luft der Thauroh und bekommen einen Begriff vom Wesen der Thauroh. Herr Dr. I. Auerbach brachte sodann die vom Halberstädter Verband vorgeschlagenen Thesen zur Verlesung und begründete die einzelnen Punkte. Er wies besonders darauf hin, daß in kleinen rabbinerlosen Gemeinden eine besonders große Verantwortung auf den Lehrern ruhe und deswegen vor allem ein Augenmerk auf die Ausbildung der Religions-Lehrer zu richten sei, die neben der Belehrung, die sie der Jugend zu bieten haben, häufig auch für die Erwachsenen die einzige jüdische Instanz bilden. Die in den einzelnen Referaten zur Debatte gestellten Anregungen wurden in einer mehrstündigen Diskussion eingehend erörtert, wobei sich erfreulicherweise in den Hauptpunkten eine weitgehende Uebereinstimmung in den grundlegenden Forderungen ergab. Um das Resultat der Verhandlungen festzuhalten und für die praktische Ausführung geeignete Grundlagen zu schaffen, wurden die Vertreter der anwesenden Lehranstalten gebeten, sich zu einer Kommission zusammenzuschließen, in mündlichem und schriftlichem Gedankenaustausch die geeignete Formulierung für die gemeinschaftlichen Thesen zu finden und alsdann mit einem fertigen Programm vor die Oessentlichkeit zu treten. Damit war der erste Punkt der Tagesordnung erschöpft, mit Dankesworten an die Versammelten schloß Herr Dr. I. Auerbach die Versammlung und vertagte die Besprechung des zweiten Punktes auf den folgenden Morgen. Wir werden hierauf in einem späteren. Bericht entgehen. fc^____V Ti Korrespondenzen « nacftricbten Deutsche» Reich Der Bundestag des Bundes gefehestreüer israelitischer Gemeinden Bayerns. Würzburg, 6. Juli. : Der erste Bundestag des Bundes gesetzestreuer israelitischer Gemeinden Bayerns, der am 28. Juni in Würzburg .stattfand, nahm einen wahrhaft würdigen und harmonischen Verlauf. Schon die eröffnenden Worte des 1. Vorsitzenden, Herrn Rabb. Dr. S t e i n -Schweinfurt über Sinn und Bedeutung der Bundestage, versetzten die Versammlung in eine gehobene Stimmung. Die Bundestage sollen die Jereim aus Stadt und Land zuammenführen, um sie im Bewußtsein gleichgesinnten Lebens und Wirkens zu festigen und zu stärken. Unsere größte Sorge ist die Pflege der heiligen Thora. Die Begrüßungsansprache des Herrn Rabb. Dr. Hannover-Würzburg begann mit einem historischen Rückblick auf die Geschichtetes Bundes und des bayrischen Judentums im letzten Jahrhundert. 'Das Bild vom bayrischen Juden als des schlichten und opferfähigen a-v map hat sich leider stark geändert. In manchen Kreisen aus dem Lande scheint säst alles jüdische Leben erloschen. In ergreifender Weise schildert der Redner die' gtzistige Rot der vereinsamten Juden auf dem Lande, deren Seelen von den materiellen Sorgen fast völlig verschüttet-sind. Und diese Seelen öiyr, Israel sinh es wah/lich wertz^ß _ Nr. 28 Seite 5 man sich in jeder denkbaren Weise um sie bemüht, um das, was noch an jüdischen Funken in ihnen glimmt, wieder zum Entflammen zu bringen. Der Bund gesetzestreuer israelitischer Gemeinden Bayerns, der alle gesetzestreuen Juden Bayerns, ohne Rücksicht aus ihre politische Stellung vereint, ist geeignet, diese Aufgabe zu erfüllen, wenn er viele opferbereite Mitarbeiter findet. Gerade die gegenwärtige Zeit ist für den Kampf um die jüdischen Ideale sehr günstig, denn die Flut des Materialismus, die die Massen gegenwärtig ergriffen hat, ist nur die letzte, und darum scheinbar größte, Welle einer abklingenden Zeitströmung, während im Zentrum bereits eine neue Epoche ihren Anfang genommen hat. Nach, einer Begrüßung der Versammlung durch den Vorsitzenden des Vereins zur Wahrung und Förderung religiöser Interessen in der Kultusgemeinde Würzburg, Herrn Zahnarzt Dr. Nathanfen, berichtete der Vorsitzende, Herr Rabb. Dr. Stein -Schweinfurt, den aufmerksamen Zuhörern von den Arbeiten des Bundes im abgelaufehen Halbjahre: Anstellung eines Sofers, der die Landgemeinden besucht; persönliche Rücksprache beim Ministerium, um die Befreiung israelitischer Volksschüler vom Unterricht am Sabbat zu erreichen: Verhandlungen mit einem Parteiführer wegen sinngemäßer Anwendung der Konkordatsbestimmungen auf die jüdische Religionsgesellschaft u. a. m. Besonders interessant war Es ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesehlichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. ELTVILLE MatheusJlüllec ANTIKE MOEBEL machen ein Zimmer vornehm und zugleich behaglich. Sie behalten ihren Werl und sind deshalb außerdom eine gute Kapitalanlage. — preiswert und geschmackvoll EDUARD GÖTZSCHEL Neue Mainzerstraße 20 <s» 0$ Telefon Römer 1047 Barock, Rokoko, Louis XVI, Empire und Biedermeier in unerreichter Auswahl und jeder Preislage Beratung und Besichtigung ohne Kaufzwang Laboratoriums-Arbeiten /Photo-. MM jr Schlesicky — Ströhlein 6. m.rb.I-L, - -; Telefon Hansa 2208 f-.., Kaiserplatz 17 1 l i < ‘ i

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.