Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1925)
- Date
- 1925-07-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2450337-2450364--72333-2529700- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Lebe 4 Nr. 28 Die religiöse und weltliche Poesie der Juden vom7tenbis16tenJahrhundert. Trier 1893. Sigmund Mayer. Targ um scheni zum Buch Esther. Uebersetzt und mit Anmerkungen versehen. Frankfurt a. M. 1920. I. K a u f s m a n n. Bilder aus der jüdischen Vergangenheit. Ein Quellenbuch für den Unterricht und zum Selbststudium. Frankfurt a. M. Zweite vermehrte und verbesserte Auflage 192 3. I. Kaufsm a n n. Die Ethik des Judentums. Auszüge aus dem „Buch der Frommen". Frankfurt a. M. 1923. Sänger und Friedberg. Wie schon die Liste zeigt, war es nicht allein die strenge Wissenschaft, der sich Sulzbach ergeben hatte, sondern es fesselte ihn nicht minder der ästhetische Gehalt des jüdischen Lebens, das er in manchen größeren und kleineren feuilletonistischen Arbeiten dichterischen Charakters zu gestalten suchte und dessen Niederschlag in den Werken der großen hebräischen Dichter des Mittelalters ihn immer wieder anzog. Denn er hatte die göttliche Thora nicht nur als Inbegriff unseres geistigen Lebens erwählt, sondern ihre M i z w o s waren es, denen er mit schwärmerischer, man möchte sagen kindlicher Liebe anhing und die ihm das Leben lebenswert machten, auch als ihn durch den frühen Tod der ebenbürtigen Gattin das Härteste traf, das ihm hätte beschieden sein können. Jeder Minhag und jeder mxaa den er bei seinem Lehrer und Vorbild, dem Würzburger Raw, gesehen, war ihm ein unverletzliches Gut persönlicher Tradition, und die Würzburger Lern-Methode in ihrer Einfachheit blieb auch ihm sein Leben lang maßgebend. Aufgeschlossenen Sinnes stand er bis ins höchste Greisenalter hinein, auch nachdem er im Jahre 1912 nach einem halben Jahrhundert angestrengter Lehrtätigkeit in den wohlverdienten Ruhestand trat, den Erscheinungen und den Menschen gegenüber; er liebte die schöne Gotteswelt und er liebte die Menschen und niemals kam, auch wenn er die Schwächen der Jungen und Alten durchschaute und es zuweilen spöttisch um seine Mundwinkel zuckte, ein Wort über seine Lippen, das der Htzrs des anderen zu nahe trat. So wandelte er alS^ freundlicher, jugendlicher Greis, ein Bild herzerquickender seelischer Gesundheit, getragen von der Liebe und dankbaren Verehrung seiner Schüler, in unserer Mtite; noch vor anderthalb Jahre der ersten einer beim Morgengottesdienst, allsabbatlich als Dozent des L i w j a t h C h e n - Vereins das Midraschwort deutend, schien er sich unbegrenzter Arbeitsfrische zu erfreuen — sein jüngstes Werk erschien 1923 —, da trat fast plötzlich der Verfall der physischen Kräfte ein, der nun den Tod als Erlöser nahen ließ. und der Ferne, ihre letzte Fahrt hierher angetreten haben und veren Hinterbliebenen, soweit sie noch vorhanden sind, in allen Teilen unseres Vaterlandes und über seine Grenzen hinaus bis in die überseeischen Länder ihre Wohnungen aufgeschlagen haben und von Zeit zu Zeit diese heilige Stätte aufsuchen Auch ich war vor einigen Tagen dort, und der Anblick trostlosen Zustandes, in der ich sie vorgefunden, hat mich sehr betrübt und zum Niederschreiben dieser Zeilen Veranlassung gegeben Dadurch, daß die Gemeinden jetzt für sich eigene cfcu; vn haben, kümmert man sich nicht mehr mit der nötigen Umsicht um sie und der Verfall dieses großen abry ma in Haarhausen schreitet fort. In Dorngesträuch und üppig wucherndem Unkraut scheint der Fuß zu straucheln, wenn er von -w zu *up gehen will. Auf vielen /rnx» ist bie Schrift mit Mühe und Not zu entziffern, auf anderen gar nicht mehr, viele der Steine überzieht Moos, sie stehen schief oder sinken in die Erde. Möchte doch hier bald Wandlung geschaffen werden! Am Grabe meiner Lieben schweiften meine Gedanken zu meinen Vüdern und Schwestern in der Nähe und Ferne bis über das Weltenmeer, die in Unkenntnis der Sachlage mir Dank wissen werden, wenn ich ihnen zurufe: Kümmert Euch um die Gräber Eurer Lieben soweit es Euch möglich ist oder beauftragt, wenn Raum und Zeit es nicht zulassen, die Gemeindeältesten oder einen Freund mit nötiger Vollmacht ausgestattel, dies zu tun. Da, wo keine Hinterbliebenen mehr vorhanden sind, ist es Sache der betreffenden Gemeinde, die Schäden ausbessern zu lassen. Endlich aber wird auch mancher der geehrten Leser und Leserinnen gern die Gelegenheit zur Betätigung einer großen Mizwoh ergreifen und gern ein Scherflein dazu beitragen, umsomehr, als ein Areal von diesem Flächenumfang immer Arbeit und Geld erfordert, das früher als offenes Terrain vor einigen Jahren durch größere Beiträge der betreffenden Gemeinden Umzäunung und eisernes Tor erhielt und nun _Der Israelit_ ' c>'»' V2V1 ist er dähingegangen; beglückt von dem Bewußtsein, in allen seinen Kindern und Schwiegerkindern ausnahmslos würdige Fortträger seiner jüdischen Lebensprinzipien sehen zu dürfen, gesegnet von-der Treue vieler Hunderte von Schülern und von der Anerkennung der jüdischen Gesamtheit, die den Namen Mb r ah am Sulzbachs für alle Zeiten als wahrhaften jüdischen Gelehrten und Lehrer des jüdischen Volkes in die Annalen ihrer Geschichte eintragen wird. . rrnsirv Die Halberstädter Konferenz. Halber st adt,1. Juli. Auf Anregung des Preußischen Landesverbands gesetzestreuer Synagogen-Gemeinden, Halber st adt, fanden sich am Sonntag und Montag, 6. und 7. Tamus, die Vertreter der verschiedenen gesetzestreuen Institute und Organisationen Deutschlands zusammen, um in gemeinschaftlicher Aussprache über die in letzter Zeit so viel erörterte „k ü n f - tige Ausbildung jüdischer Lehrer und R e l i g i o n s l e h r e r" eine Klärung der Meinungen und, wenn möglich, eine Verständigung über die hierbei einzuschlagenden Wege herbeizuführen. Selbstverständlich konnte und sollte es nicht Zweck der Halberstädter Tagung sein» ein bindendes Programm aufzustellen, etwa die jüdische Oeffentlichkeit vor ein sait accompli zu stellen, aber trotzdem gebührt dem Halberstädter Verband Dank dafür, daß er die Initiative ergriffen hat, die Frage der Lehrerausbildung aus der theoretischen Erörterung der „Fachkreise" heraus zum Gegenstand des Interesses und der ideellen und materiellen Mitarbeit aller orthodoxen Kreise und Organisationen zu machen. Da man sich außerdem aussprechen wollte über die „Teilung der Arbeitsgebiete unter den gesinnungsgenössischen Organisationen", und die verschiedenen für die Erhaltung von Thauroh und Jiroh arbeitenden Vereinigungen ihre Vertreter nach Halberstadt entsandt hatten, ist zu hoffen, daß diese Zusammenkunft nach doppelter Richtung hin segensreiche Erfolge zeitigen wird. Für die verschiedenen Lehranstalten waren erschienen: für das Rabbiner-Seminar, Berlin, Herr Rabb. Dr. Moses Auerbach; für das Lehrer-Seminar,Köln, Herr Rabbiner Dr. E. Carlebach; für das Lehrer-Seminar, Würzbürg, Herr Oberlehrer S t o l l; und für die Thora-Lehranstalt I e s ch i w a h, Frankfurt am Main, Herr Dozent I. Ehrentreu, 9. "Juli 1825 während für die Organisationen^ mebön Herrn Rabbiner Dr. I. Auerbach, Halberstadt, dem Vor- .sitzenden des Landesverbandes und Leiter der Versammlung, folgende Herren anwesend waren: für den Bund gesetzestreuer jüdischer Gemeinden .Herr Rabbiner Dr. M. S ch l e - s in g e r; 7.. für die Landesorganifation der Ägudas Jisroel in Deutschland Herr Rabbiner Dr. Fr än kl und Herr Dr. med. Auerbach, Halberstadt; für die Jugendorganisation der Agudas Jisroel Herr Rabbiner Dr. S. B a m b e r g e r. Köln und Herr Bezirkssekretär Posen, Heilbronn; für die Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums, Herr Emil H. Lehmann, Frankfurt a. M. für das Landesdirektorium des Keren Hathorah in Deutschland Herr Wolf S. Jacobson, Hamburg und Herr Gottfried G 0 lösch m i d t, Halberstadt. . Nach begrüßenden Worten des Vorsitzenden und des Vorstandes der Gemeinde Halberstadt entwickelten die Vertreter der Lehranstalten zunächst ihre Ideen über die künftige Lehrerausbildung und fanden in der sich hieran anknüpfenden lebhaften Diskussion noch weiter Gelegenheit, ihre Vorschläge zu ergänzen und zu erweitern. Herr Rabbiner Dr. Carlebach, der seine Forderungen über die Ausbildung der jüdischen Lehrer in der Zukunft, in klar formulierten ausführlichen Thesen niedergelegt hatte, führte etwa folgendes aus: Im Gegensatz zur Forderung einer möglichst gleichmäßigen Vorbildung der jüdischen Volks schullehrer mit den sogenannten Religionslehrern, d. h. den jüdischen Lehrern schlechthin, erblicke er gerade in einer nach drei Seiten hin differenzierten Ausbildung den richtigen Weg. Man müsse unterscheiden zwischen akademisch gebildeten Lehrern für höhere Schulen, Lehrern an Volksschulen und „jüdischen Lehrern". Es sei zu wünschen, daß jeder an einer jüdischen höheren Schule angestellte Oberlehrer, sei er Philologe oder Mathematiker, durch Besuch einer jüdischen Lehrer-Akademie, und durch Ablegung einer Prüfung die Fähigkeit zur Erteilung von Religions-Unterricht erwerbe, um auch profane Gegenstände im jüdischen Sinne seinen Schülern variragtN zu können. Für den Volksschullehrer sei der Studiengang vom Staate vorgeschrieben. Um jedoch jüdischer Volksschullehrer im wirklichen Sinne des Wortes zu sein, bedarf es einer gründlichen Vorbildung, die am besten an einer „jüdischen Lehrer- Akaals ein abgeschlossenes Ganzes die Ruhe unserer Lieben, den Frieden dieser Stätte vor Unbefugnis und Willkür schützt, n-.x» nix» -off- Unser Wandern. Was ist der Weg so hart und krumm! Steine und Spott um uns herum: Unser Wandern. Der Weg, — kein Ende weit und breit! Von Ewigkeit zu Ewigkeit: Unser Wandern. Wir bleiben. Und die Sonne flieht, — Ein halbgesungenes Sehnsuchtlied: Unser Wandern. Und immer Steine und Spott! Warum? Was ist der Weg so hart und krumm? — Unser Wandern. _ I. Raphael. Lehmarmsche Erzählungen. Lehmanns Jüdische Hausbücherei erscheint bei I. Kauffmann in geschmackvoll ausgestatteten einzelnen Heften. Es sind erschienen: Heft 1—9: Lehmann, Rabbi Joselmann von Rosheim, je Rm. 1.25 und Heft 10: Max Speier, Daheim und Draußen (zweite vermehrte Auflage). Für die folgenden Hefte sind in Aussicht genommen: M. Lehmann: Rettung. — Vorurteile. — Therese. — Moses Erthal. — Süß Oppenheimer. — Bostanai. — Lefsings Nathan der Weife. — Benjamin. — Sühne. — Pintho von Amsterdam. — Gedolah Legimah. — Familie y Aguillar. — Fürst von Coucy. —Agnes. Säen und Ernten. — Zur rechten Zeit. — Licht der Diaspora. — Graf oder Jude. — Rabbi Elieser Askenasy. — Gabriel. — Das Testament. — Sohn der Witwe. — Der Kabbalist. — Das Wirtshaus im Walde. — Johann Fetzer. — Vater und Sohn. — Vereinsamt. — Aus der Brieftasche des Regierungsrats u. a. m. Die meisten dieser Erzählungen sind in Buchform bisher noch nicht erschienen. (Die Juden in Tunesien.) Wie den soeben veröffentlichten Volkszählungsziffern zu entnehmen ist, leben gegenwärtig in Tunesien 48 436 Juden unter einer Gsfamtbeoölkerung von 2 093 939. Man nimmt aber an, daß mindestens 80 000 Juden im Lande wohnen. Die Juden in Tunesien genießen Gleichberechtigung auf dem Gebiete des Handels, der Industrie und der geistigen Berufe, von politischer Betätigung sind sie aber vollkommen ausgeschlossen. Wochenkalender. 11.-18. 3uli 1925. / 19.-86. Tamus 5685. Samstag Juli 11 tmra 19 n»n Sonntag 12 20 Aontag 13 21 Oienstag 14 22 Mttwoch 15 23 Donnerstag 16 24 Freitag 17 25 Samstag 18 niv» 'N0» 26