Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1925)
- Date
- 1925-07-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2450337-2450364--72331-2529698- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 2 Nr. 28 Der 3 st aelil 9. IM 1925 Gott auch das Symbol, aus dem der Geist und die Seele entschwunden waren. Und das letzte Unglück! rmnn nanwa Seele unseres ganzen Lebens zu sein, wie die unsichtbare Lebensglut unser ganzes Wesen zu beseelen, unser ganzes Sein zu erfüllen, hat Gott die min gesandt, damit sie uns trage, daß sie unsere Sitten reinige, unsere Herzen adle, unser Familienleben heilige, uns für alles Reine, Gute und Edle begeistere, daß sie unsere Häuser zu gottgeweihten ’ Tempeln, unseren Tisch zum Altäre und unser ganzes Leben und Streben zu einer Hymne der Gottesverherrlichung gestalte, daß jede noch so kleine Regung unserer Gedanken und Gefühle, unserer Worte und Taten, unserer Bestrebungen und Genüsse getragen sei von dem Geiste dieser Lehre, die uns Kraft und Mut, Heiterkeit, Frieden und Seligkeit spendet, die uns durch allen Wandel und Wechsel der Geschicke und Zeiten trägt. Als aber die min aufhörte, die beherrschende Kraft unseres Lebens zu sein, als der Geist aus der Thorarolle schwand, da wurde die Rolle selbst ein Raub der Flammen. - 'pmwa minus ni'nixi Und diese mnus nr>rv»K> diese im Aether schwebenden Buchstaben, wie haben sie sich erhalten und die Geister gefunden und geweckt! Ja, nach dem Sturz des Staates, der stürzen mußte, weil ihn der Geist verlassen hatte, der ihn bis dahin getragen, begann der Triumphzug dieses Geistes durch alle Länder. Von der Schwere der Materie befreit, erhielt der Geist Flügel und trägt schon seit fast zwei Jahrtausenden die Heimatlosen auf diesen Flügeln und zeigt so die ungebrochene Tragfähigkeit des göttlichen Geistes und zeugt so für Gottesherrschaft und Iisroelberuf. Diese nin-ns ni’mx zeigten dem Volke des Gesetzes, daß es sein einziges Unglück ist, “iai 'S nni 'jni 'mns xVi n nrd Gott und "sein Gesetz zu verlassen, aber nicht das ihm von seinem Gotte zugefügte Geschick, denn dieses Geschick ist nur eine natürliche Folge der Verirrung, die es aber auch belehrt und auf den rechten 'Weg weist. "jn'Din *|*niawav Der äußere Rahmen fiel, weil der Geist ihn vorließ, der Geist wird sich stark genug erweisen, den Rahmen aufs neue zu schaffen, erfüllt und getragen von dem Geiste, der sich durch die Jahrtausende bewährt und die Bresche in den Mauern wird geschlossen, die sich erheben werden um das in der Thora geeinte jüdische Volt auf heiliger Heimaterde im Lande der Väter! Aus dem Pentateuchkommentar •rmnn bv wpi'n Besprochen von A. Mannheimer, Jettel'vach. - (Schluß.) Sodann wird durch die verschiedenen Himmelsrichtungen, von denen im »-na die Rede ist, die Rotation durch Centrrfugalkraft angedeutet, wobei die bevorzugte Ansicht des xrjn 12 x»n der sechs Richtungen kennt, die Vorstellung von der Kugelgestalt der Erde voraussetzen läßt. Wir sehen, es geht hier wie bei so vielen Fragen der Thauro-Erklärung. Die Kritik setzt den Hebel am richtigen Punkt an. Sie stellt die Fragen so richtig wie weiland Kaiser Hadrian — aber die Antworten sollte sie sich nicht selbst geben, die sollte sie sich, wie die darin viel vernünftigeren römischen Denker, die in dem Punkt bescheidener waren, beim Judentum holen. Schön und instruktiv liest sich, was der Kommentar zu Kap. 10 uns bietet, zur „Völksrtafel" in n-- „Die hier folgende Völkertafel ist viel bespöttelt worden. Das ganze Gift des schlimmsten Hasses wurde gegen sie gespritzt. Umso größer ist die Schlappe dieser voreingenommenen „Forscher", als die Aus- Wochenrundschau. Das polnisch-jüdische Abkommen. Die polnisch-Mische Verständigung ist trotz heftiger Opposi.ion von seiten der Ultranationalisten beider Parteien gegen das Abkommen vom Außenminister Skrzynski und dem Jüdischen Klub unterzeichnet, in der Theorie wenigstens sichergestellt. Der Pakt enthält 52 Punkte, von denen einige nunmehr bekanntgegeben - werden: Demnächst wird die Regierung dem Sejm eine Vorlage unterbreiten, wonach die Geschäftslokale an Sonntagen zwei Stunden offen bleiben dürfen, ferner eine zweite Vorlage, daß die Vorschriften wegen der praktischen Anwendung des Numerus clausus in Polen unwirksam werden. Außerdem hat die Negierung u. a. die folgenden Verpflichtungen übernommen: Die jüdischen Schulen mit jüdischer und hebräischer Unterrichtssprache erhalten Oeffentlichteitsrecht; die jüdischen Fachschulen werden von der Regierung finanziell unterstützt: die jüdischen Postulate mit Bezug auf das Gesetz über die jüdischen Gemeinden werden berücksichtigt: jüdische Gerichtsaspiranten werden angestellt; ab 1. Januar 1926 werden allmählich und systematisch jüdische Beamte in Regierungsinstitutionen aufgenommen: die jüdischen Forderungen betreffend Militärwesen werden berücksichtigt; die jüdische Bevölkerung erhält eine proportionelle Vertretung in den Handelskammern, Kredit- und Finanzinstitutionen des Staates. Die polnische Staatsbank wird den jüdischen Kaufleuten gleiche Kredite wie den nichtjüdischen einräumen; jüdische Lieferanten werden bei staatlichen Bestellungen in gleicher Weise berücksichtigt wie die nichtjüdischen. Die „Jüdische Emigrationsbank", u. a. noch nicht legalisierte jüdische Institutionen erhalten die Genehmigung von der Negierung. Die Frage der Staatszugehörigkeit soll in kurzem erledigt werden. Das Schriftstück enthält auch einen Passus, daß auf die polnische Rechtspresse in dem Sinne eingewirkt werden wird, daß judenhetzerische Artikel unterbleiben. Das ist nicht grade wenig, ganz abgesehen von der historischen Bedeutung des ganzen Abkommens. Es dürfte ohne Beispiel in der grabungen außer israelitischer Ueberlieferungen die Universalgeschichte dieser Völkertafel in ihrer historischen Genauigkeit bewundern lassen. Was bei den Eingeborenen der namhaft gemachten Länder verhältnismäßig kurze Zeit nach deren staatlichem Untergang in Vergessenheit geraten war, hat die min treulich ausbewahrt, um es aus uns Spätgeborene zu vererben. An dieser Völkertafel allein bewährt sich schon der Ausspruch: (5,1) „ a™ dies ist das Geschichtsbuch der Menschheit." Umsoweniger begründet scheint der ganze Sturmlauf gegen die Völkertafel, als sie ja ganz uninteressiert für das israelitische Volk sich zu erkennen gibt. Ihr Vorhandensein umgibt „das israelitische Volk ebensowenig mit Nimbus" als ihr Fehlen ihm etwas hätte rauben können. An der unerschütterlichen Wahrheit und Geschichtstreue des Gotteswortes wird jeder zu Schanden, der es anzweifelt oder gar zu begeifern wagt."-Treffend ist der Hinweis, (S. 176) daß in der Völkertafel nicht nur Einzelpersonen genannt sind, sondern auch Völkerschaften. Es könnten auch weiblichen Personen sein, von denen Völker abstammen, wie die weiblichen Formen 0022 n^-in andeuten. Damit würde sich die Schwierigkeit beheben, daß (Kap. 25,3) ■pn als Nachkommen von Abraham sich finden, während sie in rn als Chamiten erscheinen. Sie wären dann eine Mischrasse, . würde somit nicht gerade die Söhne, sondern „Stämmlinge" überhaupt bezeichnen. Es galten die Kufchiten lange als Semiten. Es sind die Abessinier und Nubier, ihre Sprache ist ein semitisches Idiom. Wir lesen aber hier in Kap. 10, daß sie Chamiten sind. Sie sollen sich tatsächlich lange in den südarabischen Landstrichen aufgehalten haben und haben dabei ihre ursprünglinge Sprache, das „Koptische", abgelegt und sich die semitische Sprache angeeignet. Die ot-'A ’32, die Elamiten galten immer als langen jüdischen Geschichte dastehen, daß eine Staatsregierung mit jüdischen Parteien ein Abkommen zur Stützung ihrer Innenpolitik avschließt. Ueber die Opposition gegen das Abkommen in jüdischen Kreisen gewinnt man nunmehr aus den Zeitungsberichten (siehe insbesondere den Bericht unsres Warschauer Korrespondenten in der vorwöchigen Nummer dez „Israelit") ein klares Bild. Unzufrieden waren in erster Reihe die Zionisten einschließlich der Mrsrachisten, als deren Wortführer Dr. F a r h st e i n den Pakt für wertlos erklärte. Er hält es für sehr zweifelhaft, daß der Sejm die zwei Arbeitsstunden am Sonntag für die fabbalhaltenden Juden, schon an sich eine sehr minimale Konzession, genehmigen werde. Er wünscht neue Verhandlungen auf neuer Grundlage. Schärfer gegen die jüdischen Unterhändler ins Feld zogen die Vertreter der zionistischen Arbeitspartei „Hitachduth". In lebhaften Tönen gab auch die ukrainische Presse ihrer Unzufriedenheit Ausdruck. Die Ukrainer wie die anderen Minoritäten befürchten von dieser Verständigung eine Minderung ihrer eigenen Rechte, eine Auffassung, deren absolute Haltlosigkeit unser Warschauer Korrespondent in der jüngsten Nummer nachgewiesen hat. Die Haltung der Orthodoxie zu der Verständigung zeichnet sich deutlich in der Erklärung, die Deputierter Oberrabb. Lew in, Sambor, im Namen der Agudavertreter abgab. Obwohl, so führte der Deputierte aus, das Ergebnis der Unterhandlungen nicht befriedigen könnte, sind die Agudavertreter bereit, die Verantwortung mit zu übernehm en, nachdem auf Seiten der Regierung der gute Wille unverkennbar sei. Der Pakt ist nun von beiden Partnern unterschrieben, und man darf hoffen, daß er vom Sejm, wenn auch nicht ohne Kämpfe, ratifiziert wird. Es wird vielfach bezweifelt, ob die polnische Regierung die Macht in Händen haben wird, all die Versprechungen, gegen den Ansturm der Nationalisten und Judenhasser von Profession, durchzuführen. Wie dem auch sei, grundsätzlich müssen wir den eingeschlagenen Weg der Verständigung, auf den die Orthodoxie schon zu einer Zeit hingewiesen und hingearbeitel hat, da ihn noch keiner sah und schon die bloße Idee als Verrat bezeichnet wurde, mit Freuden begrüßen. Im übrigen hoffen wir mit Herrn Oberrabbiner Lewin, daß bei der von der Negierung aufgebrachten Summe von gutem Willen im weiteren Ausbau des bisher Erreichten die wahre und restlose Verständigung nicht cmsbleiben wird. Arier. Eine französische Expedition, die in Susa Ausgrabungen veranstaltet hat, fand aber deutliche Spuren, daß Elam in den ältesten Zeiten nur eine babylonische Provinz mit ausgeprägtem semitischem Charakter war. Die Geschichtsschreiber setzten die Gründungszeit Babylons 900 Jahre vor der christlichen Zeitrechnung an, während sie in Wirklichkeit 1500 Jahre früher erfolgte. Nur der babylonische Priester Berosos hatte die keilschriftlichen Urkunden der alten Babylonier gelesen. Außer ihm niemand von den alten Völkern, während die niin die einzige Geschichtsurkunde ist, die seit Jahrtausenden von der einstigen Größe Babylons berichtete. Sie wurde systematisch deswegen mißachtet und jetzt kommen die Zeugen der alten Zeit und geben sich dankbar als die Verschollenen zu erkennen, denen die Thora einen unverwitterten Grabstein gesetzt hatte. Das Kap. 10 mit seinem Nimrodbericht führt uns gleichfalls neuzeitlich wissenschaftliche Ergebnisse vor Augen, iirr ist als Uruk, jetzt Warka am linken Ufer des unteren Euphrat indentifiztert, px-8lkkad oder Agade. Nach dieser Stadt hat das „Akkadische" seinen Namen, die Sprache der chamitischen Kultur, mim wurde ungewollt das Bindeglied zwischen Cham und Sem. Daher auch wohl die „semitische" Kultur Babylons. (Di»' Ruinen von Ninive wurden Moful gegenüber voi- Lapard entdeckt, auch -1^2 ist gefunden. Zwischen beiden liegt das Ruinenfeld von Res-em, wie pn auf In fchriften von Sancherib genannt ist.) Wir wählten in Obigem absichtlich einen Ausschnitt aus den Teilen, die sich mit der „Bibelwissenschaft' aneinander setzen, weil das für manchen vielleicht das Verlockendste ist, die nimn v'pip sich zu beschaffen Es ist aber selbstredend, daß der Kommentar die glän zende Corona der gesamten a'vnm in Betracht zieht und in interessanter Art seine eigene Meinung bringt, in'-