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Der Israelit · 1925-07-09 · Heft 28 (9.7.1925) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 28 (9.7.1925)
Date
1925-07-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Frankfurt a. m., den ö« Der Israeli Öl\| Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum IlfSSf W B SS Begründer von Dr. Lebmami in Mainz. TT» i Begründer von Dr. Lehmann in Mainz. Abonnement ab Januar 1924: Deutschland 1 Goldmark monatlich; Ausland: Viertel» tahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutsch-Österreich: Schilling 8.-; Amerika 1 Dollar; England 1 sh.; Frankreich 18 Fr.; Belgien 15 Fr.; Holland8 sl.; Italien 8» Lire: Jugoslawien 70 Din.; Litauen 7.80 211.; Rumänien 200 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 8 Zloty; Schweiz 8 Fr.; Tschecho-Elowakei 28 Kronen; Ungar» 80000Kronen; Dänemark 6 Kronen; Norwegen 6 Kronen; Schweden 3.80 Krone«. Einzelnummer dreißig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 40 Goldpf. für die stebengespaltene Nonvareille-ZeUe. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 30Pf. 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Die Sonne glüht mit versengender Gewalt, alles in der Natur strebt der Reife und Vollendung zu, Freude an der Fülle beseelt jede Brust, nur Iisroel kann sich nicht freuen, denn die Sonne des Thamusmonates weckt in jeder jüdischen Brust die Erinnerung an das furchtbar tragische Ende unserer einstigen staatlichen Existenz, das am 17. Thamus durch die Erstürmung Jerusalems begonnen hat. Noch vier andere Unglücksfälle trafen das jüdische Volk am selben Tage. Es ist dies kein zufälliges Zusammentreffen.' All diese Unglücksfälle bilden bloß die Glieder einer verhängnisvollen Kette von Verirrungen: in allen ist dieselbe eine Gotteshand wirksam, in allen wirkt eine Ursache mit, die immer die gleichen Wirkungen und Erscheinungen zeitigte. Als erstes Glied in dieser Kette erscheint das Unglück der mmVn ivra^' das von Gott als Wurzel und immer milwirkende Ursache aller künftigen Verirrungen und der durch sie hervorgerufenen Katastrophen bezeichnet wird: •’mpD'i nps dt»t. Vierzig Tage waren - erst verstrichen, seitdem Iisroel fein gesprochen, und Iisroel umtanzt das goldene Kalb. Der Führer steigt vom Perge hinab, nahet dem Lager, in seiner Hand die Tafeln, Tafeln von beiden Seiten geschrieben, er sieht das Kalb, hört das Jauchzen, sieht die Tänze und sein Zorn lodert auf. d.ie Tafeln entsinken seinen Händen und zerschmettert liegen sie unten am Berge. Die Tafeln sollten dem Volke zeigen, wie der Geist Träger der Materie ist. Durch die Schrift Gottes, die die Tafeln durchdrang, wurde der Stein gehalten. Aller menschlichen Berechnung ' ach muhten die Buchstaben, die den Stein durchdrangen, fallen, da sie ja jeden irdischen Halt verloren haben, aber von Gottes Hand berührt, hört der Stein auf Stein zu fein, durch den Gottesgeist, der den Stein durchdringt, werden die Gesetze aufgehoben, die sonst die Materie beherrschen. Der Stein trägt eben-nicht die Schrift, sondern die Schrift trägt ihn. Flieht der Geist aus den Tafeln, dann wird der Stein seiner natürlichen Schwerkraft überlassen^ und stürzt unfehlbar zu Boden und wird zerschmDert. •nimia,. yMni nnarwa mnV?! Und gls die Materie vernichtet war, da führten dis "Buchstaben ein eigenes Dasein, sie wirkten als reiner Geist und fanden den Weg zum Geiste des Voltes, der geweckt und der Erkenntnis befähigt wurde, im Geiste den Träger des Stoffes zu sehen. Solange der Geist den Stoff hält, existiert er, verläßt er ihn, so fällt er der Vernichtung anheim, während der Geist losgelöst und befreit von der Schwere der Materie sich erst recht zu seiner ganzen Höhe und Reinheit entfaltet. Die mrms nrn)*?' die im Aether schwebenden Buchstaben zeugen für die Unsterblichkeit göttlichen Geistes. Auch das jüdische Volk sollte diese Wahrheit einer ganz im Materiellen versunkenen Welt durch sein Dasein künden. Nach allen Gesetzen der politischen Berechnung hatte Iisroel keine Möglichkeit eigenstaatlicher Existenz. Es fehlten ihm alle Vorbedingungen hierzu, aber von Gottes Schrift 'durchdrungen, von göttlichem Geist getragen, spottet es ieoer Berechnung. Der Geist ist dem menschlichen Auge verborgen und das Göttliche vermag kein Mensch zu wägen. Der göttliche Geist im Volke schuf sich den Staat, und solange der göttliche Geist den Staat durchdrang, existierte er. Diese Existenz des jüdischen Staates war eine Manifestation göttlichen Geistes, denn nur solange der Staat Träger des Eottesgeistes war, trug und hielt dieser Geist den Staat. ak xttm Die Buchstaben hielten die Tafeln, die Thoralade trug ihre Träger wie die Seele den Körper und wie Gott die Welt trägt. Als die Buchstaben die Tafeln verließen, ninibn *nnnt£r2 und als der Geist Gottes den Staat verließ. Tvn nopain sank der jüdische Staat in Trümmer. — Im Mittelpunkte des jüdischen Staates stand das Gesetzesheiligtum, der to’n» von dem Licht hinausstrahlen sollte in die Häuser, in die Familien, der ein jedes einzelne Glied des Volkes heiligen sollte, ihn weihen sollte, selbst 'n Träger göttlichen Geistes zu werden. Das Thoraheiligtum war die Seele dieses Staates, der Geist, der es hielt. Aber das Volk verfiel in den alten Wahn, der schon einmal zu einer nationalen Katastrophe, zu der Zertrümmerung der Tafeln führte. Der ^2'n war ihm nicht mehr Mittel zu dem Zweck geistiger Durchdringung der Glieder des Volkes, zur Heranbildung unzähliger mVDVi' sondern Tasnn der ward zum Götzen, mit dem tevr wurde ein Fetisch, ein Abgott aufgestellt. Lange, lange vor der Einäscherung des Tempels war der GM Gottes, war die nros? aus dem b^n entwichen und es war fast selbstverständlich, daß der Vau zusammenbrechen mußte, als der Geist aus ihm entflohen war. Die Materie, ihrer eigenen Schwerkraft überlassen, durch nichts gehalten, finkt unfehlbar zu Boden und wird zerschmettert. nrr ikdd ^rm d’ui hu trpVfc vara •jsrcra xbn nm "b ’sn’a «ps1? nrp *i?np to>n bMaai ö’s» Vy inan Es war längst nicht mehr Gottes Heiligtum, als der Feino die Brandfackel schleuderte, der Geist fehlte und der Grimm ergoß sich nur über totes Holz und fühllofen Stein. Gottes Heiligtum war es nicht mehr, als es zum Fetisch geworden, und der Götze konnte nur ins Heiligtum gebracht werden, weil es selbst zum Götzen geworden, ba'na L>bL nasnn Der Götze fand Eingang ins Heiligtum, weil>2'N2 abs mvin mit dem bs'n abgöttischer Kultus getrieben wurde. Die rmasr im Heiligtum, die nusnp' die Opfer waren Form der Gottesverehrung. Diese Form erhielt ihren Inhalt durch den Geist, der den nmnp zugrunde liegt, der das eigentliche Opfer und die wahre rrmy ist. nbwn mui nNT nbivn rr'n - Die Lehre des nbty ist das eigentliche Opfer, oas Wesen und die Seele des Opfers, die die Form trägt und weiht. Als aber die Seele den Körper, der Geist die Form, verließ, als das Opfer zu geistloser Spielerei, zu mechanischem, gewohnheitsmäßigem Kultus hinabsank, da löschte Gott die Altarfeuer aus. Tann bva« Die Form versank, als der Geist sie verließ. Tan nbiv — Opfer der Stetigkeit und der Ständigkeit sollten die Opfer sein, denn Gott begnügt sich nicht mit einzelnen gehobenen Momenten, mit Feierstunden des Lebens, sondern verlangt das ganze Leben, daß es ihm ganz geweiht sei, daß all unsere Kräfte und Bestrebungen, unsere Gedanken und Handlungen, all unser Streben und Genießen im häuslichen und öffentlichen Leben ein einziges Opfer feien, ihm gebracht, dem dieses Leben zu eigen. Sein Geist soll, unser ganzes Leben beseelen, sein Wort alle unsere Zeiten in allen ihren Teilen gestalten. Man brachte noch Opfer zur Zeit des ja-nri' mein suchte nach Gelegenheiten, um die Ideen der Nim zu feiern, sich mit diesen Ideen zu schmücken, um sich durch diese Feiern für den Verrat und die Verleugnung zu entschuldigen, deren man sich im wirklichen -Leben gerade gegen diese Ideen schuldig machte. Tann bva. Die ständige stetige Gottesweihe des Lebens in all leinen Beziehungen hatte das Volk eingebüßt und da verwarf

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