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Der Israelit · 1925-07-02 · Heft 27 (2.7.1925) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 27 (2.7.1925)
Date
1925-07-02
Page
– (sequence 19)
Language
German
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2. Juni 1925 Der Israelit Nr. 27 Seite 19 bald. Zn Hammelburg auf dem wetten Marktplatz bat man ihn an den Pranger gestellt und dann enthauptet. Seiner Mühle hastete der Fluch an, sie zerfiel and längst ist von ihr kein Stein mehr zu sehen. Zn den Landgemeinden des Saalegaus und auch in angrenzenden Gebieten sind die Juden seit vielen Jahrzehnten Feldbesitzer geworden und betreiben vielfach ihre Bauerei selbst. In hohem Alter starb vorigen Sommer in Westheim ein solcher Mann, der sich fast ausschließlich vom Ackerbau ernährt hatte und mit Leib and Seele ein Bauer war. Er wußte gar vieles zu erzählen von alter Zeit, wo die bayerische Regierung den Versuch, machte, die Juden wieder mehr dem Handwerk und dem Bauernstand zuzuführen und daher von' den Juden die Ablegung einer Prüfung im Handwerk oder Ackerbau forderte. Die viele Jahrhunderte alte Zwangskultur, die den Juden von der Zunft der Handwerker und vom Bauernstand ausgeschlossen hatte, konnte aber durch einrge Federstriche der Negierung nicht ungeschehen gemacht werden. - .So passierten denn allerlei. lustige Stücklein. Da war einer Schreinermeister geworden und fabrizierte für die Synagoge eine Doppelleiter, die man nie besteigen konnte, ohne vorher sein Testament zu machen. Ein anderer, bewies seine Tischlerkunfl durch eine ähnliche Leiter, die aber so schwer war, daß ein Mann allein sie gar nicht recht bewegen konnte. Da war einer in Westheim, Feist wollen wir ihn nennen, der sollte als Oekonom eine „Staatsprüfung" ablegen. Cr mußte zur Probe ein Stück Feld pflügen. Feist hatte, aber noch niemals einen Pflug in Händen gehabt. Merkte also nicht, daß Spottvögel ihm die Pflugschar umgekehrt angeschraubt hatten. Merkte auch nicht das verstohlene Lächeln der „hohen Prüfungskommission". Dis Peitsche knallte, und mit „Hü" und „Hott" begann der Angriff auf das Feld, das sich indessen als sehr widerspenstig erwies, der Pflug wollte und wollte nicht gehen. Feist probierte hin und her, Feist mühte sich verzweifelt ab. Feist - lief der Angstschweiß von der Stirne, alles umsonst, es ging einfach nicht, und Korn wäre schwerlich auf dem Acker aufgekommen, wenn nicht hernach ein wirklicher Bauer sich des Feldes angenommen hätte. Die gnädige Prüfungskommission bescheinigte unserem Feist aber doch, daß er sein (Examen — bestanden hat. Doch schon in der darausfolgenden Generation fanden und finden wir Leute, die ganz tüchtige Bauern sind. Nur das Handwerk will unter den Juden des Saaletales nicht so recht aufkommen. Ob eine etwa fehlendes handliche Geschicklichkeit oder die uralte Entwöhnung von diesem Beruf schuld an dieser Tatsache sind, läßtsich nicht beurteilen. Indessen würden gerade die Landgemeinden ihre Existenz festigen, wenn die" Eltern ihre Kinder nicht ausschließlich dem Händlertum, sondern auch den Berufen zuführen würden, von denen das Wort Rabbr Joses gilt: „Wie schön ist doch die Arbeit Sie macht einen warm, wenn man mit ihr geht." -die große Rolle des Juden in der Heilkunde aller Jahrhunderte erweisen. Reben diese Gesetze tritt von Anfang an, aber vielfach nach den Bedürfnissen der jeweiligen Gegenwart entfaltet und entwickelt, die Wohltätigkeit. Die Zedakah im deutschen Judentum wie im Ausland soll in eindrucksvollen Dokumenten veranschaulicht werden. Unsere Vereine, zumal 'die Frauenvereine und die Chewroth, aber auch die mannigfaltigen Schöpfungen der neueren Zeit sollen in Bild unv Photographie, in lebensvoll dargestellten Ziffern wie die moderne Kunst eindrucksvoller Verkörperung der Statistik sie ermöglicht, den Besuchern. großen Opfern ,die nach den fürchterlichen polnischen und ukrainischen Progromen nach Kriegsende gebracht werden mußten, dazu die gewaltigen Leistungen der Juden Amerikas, Hollands und anderer neutraler Länder für die Rot der Massen und der Institutionen in Mittel- und Osteuropa in den Jahren des Krieges und des Nachkrieges. Von der Nothilfe wird sich die Ausstellung dem jüdischen Aufbau zuwenden. Man wird dort die Wirksamkeit der Ose für die Hebung der gesundheitlichen Verhältnisse unter den Juden des Ostens finden, und einen breiten Raum wird die allseitige Tätigkeit für die Besiedelung, die Assanierung Palästinas einnehmen, und an diese Gruppe wird sich eine jüdische Sportausstellung anschließen. Das Werk ist groß ' und bedarf dringender Hilfe aller. Die Vorarbeiten liegen in den Händen einer örtlichen Geschäftsleitung (Rabbiner Dr. Eschelbacher, Vorsteher der Synagogengememde Erich Felsenthal, Dr. med. et phil. Adolf Sindler), sowie eines Arbeitsausschusses, dessen Leiter Rabbiner Dr. Grunwald, Wien, der Schöpfer der jüdischen Hygiene-Ausstellung in Dresden 1911, und Professor Dr. Heinrich Löwe, Berlin, sind. Viele unserer tüchtigsten Männer und Frauen haben sich bereits in den Dienst des großen Unternehmens gestellt. Aber darüber hinaus ergeht an alle Juden der Ruf zur Mitarbeit, zur Unterstützung mit Geld, denn die Kosten werden gewaltig fein, aber auch durch Rat und Anregung und durch lleberlassung von geeignetem Material. Für jede Mithilfe wird die örtliche Geschäftsleitung (Adresse: Düsseldorf, Bilkerstraße 25) dankbar sein. Aus der Leidensgeschichte der elsässtschen Judenheit. Der Iudenbrand von 1319. vor Augen treten. An die offene Wohlfahrtspflege reiht sichdas Bild der geschlossenen. Anstalten, die über den Bereich ihres Sitzes hinaus für ganze Landesteile oder für das Reich von Bedeutung sind, soll im Bild oder im Modell gezeigt werden, im Film soll ihr inneres Leben erscheinen. Die Statistik über ihre Insassen und deren Schicksale über Leistungen und Erfolge sollen einen anschaulichen Begriff von den Leistungen des modernen Judentums auf charitativem Gebiete in allen Ländern geben. Besonders werden diejenigen Ausgaben hervortreten, die der jüdischen Wohlfahrtspflege vorzugsweise und mehr als jener anderer Bekenntnisse gestellt sind. Zwei Gebiete treten hier vor allem hervor, die Fürsorge für Auswanderer und ihre für Durchwanderer. Was unsere Jüdische Hygiene. Von Rabbiner Dr.- Mar Eschelbacher in Düsseldorf. Im Mat 1926 erössnete die Stadt^ Düsseldorf unter Beteiligung des Reiches' und des Preußischen Staates eine Große! Ausstellung für Gesundheitspflege, soziale! Fürsorge und Leibesübungen (Gefolei).^ Diese Schau .wird ein großes Ereignis' werden. Sie wird einen Ileberblick übers einen guten Teil unserer gesamten Kultur?, geben und wird auch zeigen, was die^ verschiedenen Bekenntnisse auf allen Ge-, bieten ihrer Wirksamkeit leisten. In' diesem Wettkampf soll auch das Judentum mit Ehren bestehen. Darum wird, der Großen .Ausstellung eine jüdische! Abteilung angegliedert werden. Hier hat auch das Judentum vieles zu zeigen. Die Thora ist von Anfang an als ein Baum des Lebens gepriesen worden. „Langes Leben ist in ihrer Rechten". Unser Religionsgesetz trägt den Charakter eines göttlichen Gebotes, es ist keineswegs in erster Linie eine Sammlung hygienischer Verordnungen. Aber es wirkt sich allerdings auch im Bereich des leiblichen Lebens aus. Deshalb, soll in der geplanten Gruppe „Hygiene der Juden" Milah, Mikweh, Speisegesetze, Sabbat, Pessach, zuletzt mich das Beerdigungswesen dargestellt werden. Eine historische Abteilung wird zeigen, unter welchen äußeren Verhältnissen diese Gesetze gewirkt haben. Bilder alter und neuer jüdischen Siedlungen, Ghettr des Mittelalters und moderne jüdische Massenviertel werden zeigen, wie unsere Väter lebten und große Teile der Judenheit heute noch leben. Bilder jüdischer Aerzte aus allen Zeiten sollen --j:- .. ' „ /- .< , " H n r Jr '* Kt/ ' ■ »/'■ .. * ’ . i V- Der Frankfurter Verein mxö -wie? bei seiner Jahres-SLuda. großen Organisationen im Osten sin Mitteleuropa, in Amerika zur Aufklärung der Auswanderungslustigen, zur Beratung und Unterbringung der Auswandernden, für ihren Schutz für Ausbeulung, für rituelle Verpflegung auf den Schiffen, für die Betreuung in der neuen Heimat leisten, wird von berufener Seite gleichfalls in Bild, Modell und statistischer Tabelle vorgeführt werden. Nicht weniger aber die Fürsorge für unsere vielen Heimatlosen und Bettler, deren Ziel heute wahrscheinlich größer ist, als je. Neben alles, was im ruhigen Verlauf der Dinge bei uns geleistet wird, soll dann aber das Bild jener ausgedehnten Hilfstätigkeit treten, die wir in Zeiten schwerer Katastrophen gegenseitig einander leisten, die Fürsorge für die Opfer der Progrome, beginnend mit den Leistungen des Russenkomitees von 1882 bis zu den (Das fünflindzwanzigjährige RegienmgsjuvUSum König Victor Emanuels und die Judenheit Italiens.) Am Tage des fünfundzwanzigjährigen Jubiläums des Regierungsantritts König Victor Emanuels III. fand im jüdischen Tempel zu Rom ein feierlicher Gottesdienst statt, dem der Unterstaatssekretär Grandi als Vertreter des Ministerpräsidenten Mussolim, Prinz Colonna als Vertreter des Königlichen Hofs, der Bürgermeister von Rom, sowie einige jüdische Senatoren und andere hochgestellte Persönlichkeiten beiwohnten. Der Oberrabbiner von Rom, Prof. Sacerdott, der den Gottesdienst leitete, rühmte in seiner Predigt die großen menschlichen Eigenschaften des Königs und hob dessen Verdienste um das italienische Volk und dessen freundschaftliche Beziehungen zur italienischen Judenheit hervor. Zum Schluß des Gottesdienstes sprach Oberrabbiner Sacerdoti in Anwesenheit der offiziellen Persönlichkeiten das Kaddischgebet zum Andenken an die im Kriege gefallenen jüdischen Soldaten aus Rom. Auch in anderen Städten Italiens, so z. B. in Florenz und Triest, fanden in den Synagogen Jubiläums-GoNesdienste statt. In Triest fand bei dieser Gelegenheit in Anwesenheit offizieller italienischer Persönlichkeiten, die feierliche Enthüllung von zwei Gedenktafeln statt: die eine zum Andenken an die Regierungsepoche des Königs Victor Emanuel III-, bie zweite zum Andenken an die im Kriege gefallenen jüdischen Soldaten aus Triest. Beide Tafeln rühren von dem bekannten jüdischen Künstler Arduine Beltram her. Auch eine Abordnung der Judenheit der italienischen Kolonien erschien zur Beglückwünschung beim König. Die Abordnung wurde mit großen Ehren empfangen. Der Führer der Abordnung, der Präsident der jüdischen Gemeinschaft kn Tripoiitalien Simeone Haggiag hielt eine Ansprache an den König, und der Oberrabbiner von Benghasi Hammus Fellah sprach den Segen über den König. Nach Schluß der Zeremonie unterhielt sich der König längere Zeit mit den Mitgliedern der Abordnung und erkundigte sich über die Zahl und die wirtschaftliche Lage der Juden in den Kolonien. Der König verabschiedete sich in herzlichen Worten von den Mitgliedern der Abordnung und bat sie, der jüdischen Bevölkerung in den Kolonien dir herzlichsten Grüße zu übermitteln. (Bibel-Tantieme für den Aufbau Palästinas.) Der junge norwegische Gelehrte Errc Olsen aus Bergen, ein Nichtjude, wandte sich an die Rabbiner in Schweden mit einem Exposee, in welchem dargelegt wird, durch eine Tantieme beim Bibelverkaus könnten große Fonds für den Aufbau Palästinas aufgebracht werden. Olsen schlägt vor, ein Komitee des Völkerbundes mit dem Hauptsitz in Genf solle den Verkauf von Bibeln in der ganzen Welt kontrollieren und eine Tantieme von jedem verkauften Exemplar einheben und für Ausbauzwecke in Palästina reservieren. Auf diese Weise werden die Völker ihren Dank an das „Volk des Buches" abstatten. Die

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