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Der Israelit · 1925-07-02 · Heft 27 (2.7.1925) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 27 (2.7.1925)
Date
1925-07-02
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 18 Nr. 27 Der Israelit 2. Juli 1925 haltsamkeit und nach dem Religionsgesetz zu danken war. Neid und Hatz klagten aber die Juden an, sie hätten, um sich an den Christen zu rächen, alle Brunnen vergiftet. Die vom Straßburger Rate eingeholten Gutachten aus Köln, Zovingen, Colmar beruhten zumeist auf Aussagen, die angeklagten Juden mit der Folter abgezwungen waren. Der Rat von Köln mahnte zur Vernunft, da er selbst „die Juden von Köln solcher Taten Die Jahrtausend-Ausstellung in Cöln: Miniatur aus dem Mischneh-Thora-Coder in?? •Ztrebiisc. v'3tw*Vsey?W»nrti«Sw»Ä»;: tte rimjir ,wrB rt»'iUimTi»iu>;; ts^rccW ir*'*£s für unfähig halte." Eine Deputation der Handwerker ber Schwarber, der damals an der Spitze des Rates von Straßburg stand, bestand kategorisch auf der Forderung, die Juden zu vertreiben. (Siehe Bild.) Schwarber und der Rat wehrten sich tapfer. Das Verhängnis kam am Samstag den 14. Februar 1349, da die Räte vom wütenden Volke gestürzt und aus der Stadt verbannt wurden. Nun konnte der Einbruch in das Judenviertel ungestört vor sich gehen. Ueber die Verbrennung berichtet A. G l a s e r in seiner „Geschichte der Juden in Stratzburg". (Verlag .I. Kauffmann, Frankfurt a. M.), dem wir auch die zwei Bilder entnehmen, u. a. wie folgt: Am letzten Tage dieser aufgeregten Woche, am Samstag, den 14. Februar (am St. Valentinstage) vermochte endlich das Volk feine blinde Wut zu sättigen. In rasendem Taumel fiel es, Bestien gleich, über seine wehrlosen Opfer her, schleppt«? sie nach ihrem Friedhof und verbrannte sie auf einem hölzernen Gerüste. — Ilm ihre Leiden zu vermehren, ritz man ihnen die Kinder, welche sie mit in das Feuer nehmen wollten, aus den Armen und taufte sie vor ihren Augen. Nur wer sich taufen ließ, den ließ man am Leben. Aber selbst dann noch waren die Getauften, wenn sie Feinde hatten, Denunziationen ausgesetzt, welche ihnen fast unfehlbar den Tod zuzogen. Wer sich durch die Flucht dem Flammentode zu entziehen suchte, wurde in den Straßen umgebracht; nur wenige entkamen. Mit Ausnahme derjenigen, welche die Taufe annahmen, erlitten gegen 2000 Unglückliche (darunter der Rabbiner der Gemeinde, Rabbr Jacob) den Märtyrertod, Opfer der Roheit, des Fanatismus und besonders der Habgier. Der Eigennutz hatte den größten Anteil an diesem unmenschlichen und grausamen Vorgehen gegen die Juden. Man hatte den zum Scheiterhaufen Geführten die Kleider abgerissen, weil man darin Geld versteckt glaubte'; das Absuchen und Durchstöbern der Brandstätte wurde jedoch untersagt und behielt der Rat sich selbst vor. Die Pfand- und Schuldbriefe wurden teils vernichtet, teils an die Schuldner zurückgegeben und diejenigen, welche nicht aufgefunden werden konnten, für ungültig erklärt. Das Geld der unschuldig Gemordeten wurde vom Rate gesammelt und unter die verschiedenen Zünfte (nach Verhältnis) verteilt. Einige Aengstliche trugen Scheu, das blutbefleckte und gestohlene Geld zu behalten und gaben es, auf den Rat ihrer Beichtväter, der Kirche. (!) Der neue, judenfeindliche Rat beschloß außerdem, daß 100 Jahre lang kein Jude in Straßburg wohnen dürfte! Nachdem Alles zur alten Ordnung zurückgekehrt, kam man sehr bald zur Uebergeugung, daß jeder Verdacht der Brunnenvergiftung durch die Juden grundlos gewesen; besonders aber als (erst!) vier Monate später der schwarze Tod seine Geißel über Straßburg schwang und seine Opfer zu fordern begann, wiewohl die vermeintlichen Urheber der Pest verschwunden waren. Die Stadt wurde dermaßen von dieser Seuche heimgesucht, daß fast 16 000 Einwohner innerhalb 6 Monaten hinweggerafft wurden. Pilgerfahrt zum Grabe des Rein Muff«. (Mit zwei Biledrn.) Das „Nebi-Mussa" (Prophet Moses)-Fest der Araber, das alljährlich stattfindet, ist bekannt. Die feiernden Araber gehen zum angeblichen Grab Moses in Transjordanien. Unsere Bilder zeigen: I. Vor dem Jaffa-Tor zu Jerusalem. Araber (im Vordergrund) erwarten ihre Glaubensbrüder aus Hebron. Man bemerke das viele Militär, das hier Wache hält, um Zwistigkeiten vorzubeugen. II. Die pilgernden Araber auf dem Wege zu ,, N e b r - M u s s a ", dem Grab Mose. Im Hintergrund Jerusalem. Streifzüge durch das Fränkische Saalekal. Eine kulturhistorische Plauderei von Jul. Straus, Volksschullehrer in Westheim. (Schluß.) Auch in der folgenden Zeit hatten die Juden gar manches auszustehen. Das zeigt so recht eine Eingabe, die der Westheimer Judenvorsänger Jakob Feist (Berliner genannt) an das Landgericht Euerdorf richtete (1613). „Mit weinente Augen mutz ich inerne Belchwärden gegen den Landgerichtsdkener untherthänigst Vorbringen, daß ich viele Klagtäg nicht Vorkommen kann ber dem Herrn Landrichter, durch Rumhalt des Dieners. Wenn es Amtsbefehl ist, so bütt ich den Amtsvater, es nur zu sagen, damit ich nicht viele Tag und Stunden vor der Thür zu stehen brauche. Wo ich die Höflichkeit und Menschheit bei mir selbst habe, daß ich das Landgericht nicht überlässig habe (-- belästigt) wenn die Noth nicht trängt, wenn ich würklich beim Herrn Aktuar eine Auspfändung auswürke, so hat selbiger nicht viel Respekt dafür und werde nicht vollzogen . . ." Hier sieht man förmlich vor Augen den Gerichtsdiener, der mit dem Juden Schrrdluder treibt und die sich in dem interessanten Schriftstück als ergebungsvoller Stoiker, er fetzte neben ferne Unterschrift den Randvermerk „will waren, wie er mös", d. h. er will das werden, was er werden muß. Um jene Zeit mußten sich die Juden auch bürgerliche Namen beilegen, und es lohnt sich schon, nachzuforschen, wie unsere Vorfahren der Anordnung entsprachen. Da machte sich ein llntererthaler Lederhändler in Umkehrung des Leders zum Redelberger, ein Westheimer Manufakturwarenhändler, der anscheinend eine Vorliebe für Musselin hatet, wurde zum Mußliner, ei» Eoldarbeiter zum Goldschmidt usw. Die Kohanini Die Jahrtausend-Ausstellung in Cöln: Thora-Vorhang aus Mainz. (Priester) wurden wie auch anderwärts zum „Kaz" (d. h. Kohen Zedek.) Da es aber zu viel Katzen gab, tauschte ein Familienzweig dafür den Namen Adler ein. In der Hauptsache aber schöpfte man bei dieser staatlichen Holekrasch aus der Geographie, so daß es in Westheim außer dem selbstverständlichen Westheimer gab: Hanauer, Frankfurter, Oppenheimer, Berliner, Sondheimer, Hirschderger, Regensburger, Frankenberger und -burger, Holländer, Schnssbsrger, Fulder, Nothenfelder und den etwas seltsamen Namen Klingenstem. Da um die Mitte des vorigen Jahrhunderts der Jude erst dann heiraten und sich ansässig machen durfte, wenn irgend ein anderer in den staatlichen Matrikeln eingetragener Familienvater durch den Tod den Platz geräumt hatte und weil auch die wirtschaftlichen Verhältnisse damals ungünstig waren, sind zahlreiche Familien aus dem Saalegau ausgewandert. Die meisten fanden jenseits des Meeres eine neue Heimat und man begegnet dort häufig den Namen Klingenstein, Berliner usw. In anderen jüdischen Gemeinden bevorzugte man Namen aus der Naturkunde, so gab es m dem abgelegenen Dittlofsroda: Adler, Straus, Erünlaub, Nußbaum. Alle die vergangenen Geschlechter eint der Friedhof zu Pfaffenhausen. Er ist uralt. Wer von Hammelburg nach Kissingen fährt, sieht ihn gleich rechts drüben am Bergabhang liegen. Die Juden bis weit in dir Rhön nach Brückenau, Geroda, Riedenberg, bis ins Maintal nach Gemünden waren gezwungen, hierher ihre Toten zu bestatten. An der Friedhofsmauer liegen zwei Gräber, von denen meine Mutter mir erzählte, daß hier ihre' Tante und deren Dienstmädchen ruhen. Eine schauerliche Geschichte knüpft sich an diese Gräber. In Dittlofsroda lebte um die Mitte des vorigen Jahrhunderts ern angesehener frommer Jude — ein Sohn diese? Mannes war übrigens 1 der unlängst hochbetagt verstorbene Kultusvorstand und Landrat Michel Nußbaum in München — dieser betrieb ein kleines Ladengeschäft. Eines Tages war er von zuhause fort und dieses machte sich ein verschuldeter habgieriger Müller zunutze. Er kam in den Laden, überfiel die noch junge Frau, ermordete sie und raffte alles zusammen, was er finden konnte. In diesem Augenblick naht, nichts ahnend, das jüdische Dienstmädchen mit einem frischgebackenen Kuchen. Voller Grausen erblickt es den Mörder, der noch un Gelde wühlt und daneben, halb stehend, sagt man, sei die tote Herrin gewesen. Entsetzen lähmen das junge Mädchen, und bevor es schreien oder flüchten konnte, hatte der Unmensch auch schon die unerwartete Zuschauerin gepackt und ermordet . . . Dann entweicht er. Das Geld vergräbt er. Doch das Schicksal erreicht ihn Aus der Leidensgeschichte der elsässtschen Judenheit. Deputation der Handwerker bei Swarber. mm MM Juden begrüßten es denn auch mit Freude, als in der Folge das Ländchen im Saaletal an Bayern kam, zumal der erste Bayernkönig als ein humaner Fürst galt. Jenesmal befragte man die Judenschaft des Fuldaer Landes, das inzwischen die verschiedensten Landesherren hatte kommen und wieder gehen sehen, ob sie königlich bayerisch oder kaiserlich gesonnen sei. Dieser jüdische Volksentscheid siel in Westheim zugunsten Bayerns aus. Nur einige Juden verhielten sich vorsichtig und diplomatisch. Jsak Katz erklärte, er sei „neitterall" (= neutral, also parteilos). Dem Seligmann Arig war es „gleichgültig" — hieraus können wohlwollende Hakenkreuzler den entschiedenen Beweis für die Jnternatwnalität der Juden ableiten. '— Und Löb Arje zeigt

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