Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1925)
- Date
- 1925-07-02
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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lif A A una /-»GDen Olluslrierle Beilage zum„Osraelif \ E. D\G Die Jüdische Abteilung in der Iahrtausend-Aeier zu Köln. Von Betty Stern. (Mit drei Bildern.) Ein Jahrtausend ist über deutschen Boden dahin gegangen, Epochen sind zeitenmätzig verschwunden, Menschen kamen und gingen auf dem Arbeitsplatz der deutschen rheinischen Erde. Sachwerte gingen unter, wurden vergessen, verfielen. Nicht so die kulturellen und religiösen Güter. Ueber Gräber wuchs Gras, doch der Geist der Dahingeschiedenen blieb lebendig. Pietät und Tradition, das sind die beiden starken Träger unserer hoffnungsfrohen, festbegründelen Gegenwart! Welche deutsch-rheinische Stadt wäre wohl besser dazu angetan, gastlich die Pforten zu öffnen und auszurufen: „Deutsche Frauen, jüdische Mütter und Männer, kommt zu uns an den Rhein, in das alte, erfahrungsreiche Köln!" Wie die mündliche Lehre von Einem zum Anderen, so hat sich auch das gemeinsame jüdische Geschick überliefert, wovon die wunderbare, einzigartige Jüdische Ausst e l l u n g, die im Gefüge der Iahrt a u s gjt d- Ausstellung eingegliedert ist, eine zum jüdischen Herzen sprechende Zeugin ist! Es ist ein überwältigendes Gefühl für die jüdische Seele, zum e r st e n Mal in solchem Rahmen eine so imponierende Fülle an jüdischem Geistesleben, lebendig gewordener jüdischer Geschichte und Literatur und Ritualkostbarkeiten — eine tausendjährige Ueberschau — so greifbar vor Augen und Herzen zu haben. Zu arm ist die Sprache, um die seelischen Eindrücke der jüdischen Herrlichkeiten in Worte zu fassen! Gerade in unseren Tagen flieht einem das schämen zu müssen. Und so nimmt es nicht Wunder, dah schon bei der feierlichen Eröffnung der Iahrtausendseier die hohen Gäste aus dem übrigen deutschen Reich sich mit grohem Interesse und sichtlichem Wohlgefallen die jüdische Abteilung bei ihrem Rundgang durch die kulturhistorische Gesamt-Ausstellung von unglaubhaftem Reichtum zeigen und erklären liehen. aufgeschreckte Herz und der sorgenvolle Sinn über beim Eintritt in die feierlichen Räume der jüdischen Ausstellung und wem nicht der letzte Funke jüdischen Gefühls erstorben ist, dem drängen sich beim Eintreten die impulsiven Worte auf die Lippen: „Gelobt seist Du,, Ewiger, der Du mich diese Zeit hast erleben lassen." Unser jüdisches Herz, das an Wunder gewöhnt ist, empfindet auch dies eigentlich Natürliche als Wunder, dah man in unserer Zeit der jüdischen Abteilung auf rheinischer Erde den gebührenden Anteil gegeben hat. Und Dank erfüllt uns — und auch ein bihche Stolz — wie gut die Synagoge aus dem 18. Iahrhundert, unsere Machsorim und Memorbücher, unfer vollkommener Sed er tisch, unsere Thora-Rollen und Leuchter, unsere Wimpeln und Mäntelchen neben den wahrlich wundervoll-kostbaren Schätzen anderer Konfessionen bestehen können, ohne sich Generationen steigen auf, Familien tauchen auf, für die einer der silbernen Kidduschbecher Fürsprache hält. Alte Memorbücher lassen Gemeinden auferstehen. Selichoth stimmen weihevoll. Da sind Bibelhandschriften aus dem 13. Iahrhundert! Heirats- und Niederlassungsbriefe zeugen von jüdischem Leben in Gemeinde und Staat. Kaiserliche Urkunden, Iudeneide, Schutzbriefe, Grabsteine und Tauchbäder, Vürgschaftsdokumente zeigen religiöses Leben und jüdische Geschichte von tausendjähriger Abstufung und Entwicklung. Vom Schofar bis zur Mesussoh, vom Misrach bis zu Kidduschin und Miloh ist nichts vergessen! Und dies alles in hochkünstlerischen, kostbaren, unersetzlichen" Eremplaren! Nicht nur dem „Haus-Herrn" der Iahrtausend- Ausstellung, der Stadt Köln, müssen wir alle, ob wir die Ausstellung zu sehen das Glück haben oder nicht, Dank wissen, sondern auch Herrn Rabbiner Dr. Kober, welcher in unermüdlicher, 'fast einjähriger Arbeit alle Schätze hat Zusammentragen helfen. Ein Außenstehender kann sich überhaupt keine Vorstellung machen von der Fülle der rein praktischen Arbeitsamkeit. die eine so restlos gelungene, vornehme, herzerfreuende, lehrreiche Ausstellung benötigt. Da sind vertreten: Bonn, Koblenz. Köln, Deutz, Frankfurt -Main, Trier, Worms, Mülheim, Krefe.ld, Goch, Cleve, Heidelberg, Ehrenbreitstein und Zons am Rhein. Natürlich sind das längst nicht alle Aussteller! Fräulein Dr. Elisabeth Moses (vom Kunstgewerbe-Museum in Köln) war dem Abteilungsleiter, Herrn Dr. Kober, dabei eine unentbehrliche Kraft und Hilfe. Das Verdienst einer solchen Zusammenfügung jüdischen Lebens im Hause, in der Gemeinde und im Staate — liegt in der einzigartigen A u s st e l l u n g selber. Kein Iude sollte es versäumen, sie zu besuchen. Aus der Leidensgeschichte der elsässischen Judenheik. (Mit zwei Bildern.) Die Jahrtausend-Ausstellung in Cöln: Thoraschild aus Mainz (Barock). Es ist unmöglich, in diesem Rahmen sich in Details zu verlieren, denn ein einzelnes Buch, ein einziger Becher, ein noch so kleines Ritual spricht Bände, geschweige die Kostbarkeiten und Originale! Die Rabbonim werden sich nicht losreitzen können von den Bücherschätzen, der Illustration und dem Buchdrucke. Ieder Gegenstand scheint neu beseelt. In Straßburg bildete die Judenvernichtung im Schreckensjahre des schwarzen Todes 1349 den Abschluß eurer kleinen Revolution der Bürgerschaft und der Zünfte gegen die Räte, die die Juden unter allen Umständen gegen die Beschuldigung der Brunnenvergistung und bis zuletzt in Schutz nahmen und darum abgesetzt wurden. Zum Zwecke der Verteidigung der Juden wurden vom Straßburger Rate Zeugnisse und Gutachten aus anderen Städten am Rhein eingeholt. Die meisten der einlaufenden Gutachten waren aber von Haß und Vorurteil diktiert, so daß der Mob, besonders diejenigen, die an die Juden verschuldet waren und darum deren Vernichtung anstrebten, neue Massen in die Hand bekamen. Wie überall am Rhein, wurden auch in Straßburg die . Juden von der Pestilenz mehr oder weniger verschont, was natürlich ihrem Leben in Ent-