Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1925)
- Date
- 1925-07-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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D e r Israelit Nr. 27 Sette 5 2. Juli 1925 iir Sielen Ml 40 rfg liefern wir einen eleganten Kneifer mit Gläsern, Double ohne Fassung, der eigens für Nase und G esichtsbildung hergerichtet wird. Es ist nicht mehr nötig, daß Sie sich mit schlechtpassenden Gläsern, falsch und schief sitzenden Kneifern behelfen, die Augen dadurch vernachlässigen und schädigen. Besprechen Sie sich mit unseren Fach leuten ohne Kaufverpflichtung, wir beraten Sie gut und bedienen Sie sehr preiswert. Lieferung für alle Kassen. Orthozentrische Kneifer-Gesellschaft, Opernplatz. Für die Reise Feldstecher, Operngläser von 20,— Mk. an, Schutzbrillen und Kneifer in allen Farben schm Leiiung. Dr. Thon schlicht mit Segenswmten für einen guten Verlauf der Verhandlüugen. Daß dieser Segen nicht in Erfüllung gegangen ist und die Verhandlungen zu einem (5, obus des Misrachi und der anderen tonserv-Uiven Mitglieder geführt haben, ist unseren v.jfern bereits bekannt. * * * Darüber wird weiter berichtet: Nach dem Vorsitzenden ergreift das Wort Kolonel LIi sch. Er mahnt zur Objektivität unD Einigkeit In das Präsidium werden gewählt: Di sing ho ff. Dorsch., Sprintzek, Mejuchas, Nemes, Eisenberg und von der orthodoxen Liste Z a r u n. Nach Ve.Iesung eines Begrüßnngs .elegramms von Herbert Samuel betont der Vorsitzende noch einmal die Wichtigkeit der Verhandlungen und biltet die Redner, sich einer Stürze und Sachlichkeit zu befleißigen. Dr. Thon berichtet über ein Abkommen mit den Orthodoxen, wonach eine geheime Abstimnrung über das Recht der Frau gleich zu Beginn der Verhandlung. vorgenommen werden soll. Sollte Die Abstimmung möge öffentlich vor sich ansgehen, so wolle sich Misrachi von den Beratungen zurückziehen, da er in dieser Bestimmung einen Verstoß gegen die Religion erblicke. Drei Redner polemisieren nun gegen das Abkommen und erklären es als ungültig, worauf der Vorsitzende zur Tagesordnung übergehen will. Dagegen erhebt Rabbiner Ostrowski) heftigen Protest. Eine Abmachung muß Abmachung bleiben. Er, Redner, hatte das Abkommen mit unterschrieben und'alle Mitglieder des Aktionskomitees, sowohl. in Ierusalekn wie in Tel-Awsw, wußten davon. Man lasse noch zwei Vertreter der orthodoxen Fraktion zu Worte kommen. BeN - Zwi, der das Abkommen mit unterzeichnet hat, bestätigt im Ganzen die Ausführungen Rabbiner Ostrowslys, hält aber d;e ultimative Form seiner Forderung für unangebracht. Die Abstimmung möge öffentlich vor sich gehen. Andere dringen darauf, über den Antrag zur Tagesordnung über zugehen. Rabbiner Ostrowsky ergreift noch einmal das Wort und spricht sehr erregt. „Wir kommen von dieser Sache nicht los, morgen oder übermorgen wird das Gesetz über das Frauenrecht doch durchgebrücfr. Das orthodoxe Judentum verharrt aber auf seinem ablehnenden Standpunkt mit aller Lrafj, und das Gesetz bringt nur Zersplitterung. Die Arbeit des Misrachi, das gesetzestreue Judentum für den Aufbau zu . gewinnen, wird dadurch illusorisch. Das gesetzestreue Judentum in seiner Gesamtheit wartet mit Spannung auf die Lösung dieser Frage.. Wird sie gegen uns gelöst, dann bleibt Misrachi nichts anderes übrig, als sich ein eigenes Organ außerhalb der Abgeordnetenversammlung zu schaffen." Ben-Gorion behauptet, es sei den Orthodoxen nicht um die Religion, sondern um die Politik zu tun. Die Herren L. Wai, Onbbiner Werner und Rabbi llsiel unterstützen die Forderung der geheimen Abslimmung. Letzterer sagt, er spräche nicht im mleresse einer Partei, sondern nur im Interesse der jüdischen Einheit, die durch das Gesetz gefährdet ist. Der Vorsitzende Dr. Thon verteidigt David Velin gegen Angriffe, die gegen ihn twgen des Abkommens gerichtet wurden, und bittet, den Antrag der Orthodoxen auf geheime Abstimmung 'anzunehmen. Nach weiterer erregter Diskussion wird darüber abgetimmf, ob das Abkommen mit den Vertretern »er Orthodoxie einzuhalten sei oder nicht. Das Abkommen wird mit 103 gegen 53 Stimmen ab gelehnt, worauf die misrachi st ischen Delegierten unter Anführung Ostrowskys den Saal verlassen. _:-^Tii Korrespondenzen « Dacbricftttn Deutscher Reich. Tagung des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden. <Von unserem Korrespenbeute».) Berlin, 28. Juni. Dritter Verhandlungstag. Vor Beginn der Verhandlungen liegen folgende Anträge des Haushaltungsausschusses auf allen Tischen: Preußischer Landesverband Berlin, 22. Juni 1925. jüdischer Gemeinden. Verbandstag Tagung 1925. Haushaltungsausschuß. Der Haushaltungsausschuß beantragt den Voranschlag für 1925 mit folgenden Abänderungen anzunehmen: Kap. II. Subventionen. Titel 1 Gemeinden und Bezirksgemeinden. 1. Unterstützung leistungsschwacher Gemeinden ant und Bezirksgemeinden für Anstellung und Besoldung von Rabbinern und Predigern 492 009 2. Unterstützung leistungsschwacher Gemeinden und Bezirksgemeinden zwecks Anstellung, Besoldung und Gehaltsaufbesserung der Lehrer. 120 000 3. Unterstützung leistungsschwacher Gemeinden und Bezirksgemeinschasten zwecks Anstellung, Besoldung und Gehaltsaufbesserung von Gemeindebeamten .. 50000 4. Unterstützung leistungsschwacher Gemeinden und Bezirksgemeinden für Sachaufwendungen, Beschaffung von Lehrmitteln und rituellen Bedarfsgegenständen sowie für religionsgesetzliche Einrichtungen .... 75 Zitel 3 Lehrerbildungsan st alten. Lehrerseminar Würzburg, Israel. Präparanden- Mk. anstalt zu Vurgpreppach und Höchberg, Lehrerbildungsanstalten Köln, Münster usw. 50 000 Titel 4 Institute für die Wissenschaft des Judentums. hinzufügen: 7. Arbeiterkulturvereine vertreten durch das Mk. Jüdische Arbeiterfürsorgeamt. Deutschlands 2 500 Titel 5 Wohlfahrtspflege hinzufügen: 17. für Bevölkerungspolitik ....... Mk 14. für Wohlfahrtseinrichtungen dos D. I. G. V. 15. für Wohlfahrtseinrichtungen des Jüdischen Frauenbundes auswerfen für 1—15 insgesamt .. 235000 Titel 6 streichen. Titel 7 bleibt unverändert als T i t e l 6 bestehen. (Beihilfen für wiss. Arbeiten.) Kap. V Verbandstag und Rat. Reise und Tagegelder für die auswärtigen Mit- Mk. glieder des Rates, des Verbandstages und der Ausschüsse sowie sonstige Unkosten des Verbandstages . 50 000 Kap. VI. Bezirksrabbiner. , st.reichen. Kap. VII. Bezirkslehrer. streichen. Kap. VIII. Vildungsan st alten zur Heranbildung von Lehrern, Kantoren und Gemein d e b eamten wird Kap. VI. und erhält als Zusatz: Titel 3 Einrichtung zur Heran- Mk bildung von sozialen Beamten 8000 Kap. IX. unvorhergesehene Ausgaben wird Kap. VII. Berschiedenesundunvor- Mk. hergesehene Ausgaben . . . . 50000 Zusammenstellung der Ausgaben: Kap. 1: Verwaltung.Jl 59 000 Kap. 2: Subventionen.. . „ 1 153 700 Kap. 3: Verwaltungsblatt.. ' 6 000 Kap. 4: Statistisches Jahrbuch ..... „ 4000 Kap. 5: Verbandstag und Rat .... „ 50000 Kap. 6: Bildungsanstalten zur Heranbildung von Lehrern, Kantoren und Gemeindebeamten ...... „ 46000 Kap. 7: Verschiedenes und unvorherge, sehene Ausgaben.. 50 000 Summa Jl 1 368 700 Einnah rnen: 1. Staatsbeihilfen ..Jl 510 000 12. durch Beiträge der Gemeinden aufzubringen .„ 858 700 Summa Jl 1368 700 Besonders bemerkenswert ist der Antrag auf Streichung der . Sonderposition für Bezirks-Rabbiner und -Lehrer. Nach Bekanntwerden der Wahlablehnung des Rabb. Dr. Weinberg wird zur Komplettierung des Rates auf Vorschlag des Herrn Dr. Ist Kahn-Jaffa Herr Gemeinderabbiner M. Hossmann in Breslau in den Rat gewählt. Zur zweiten Etatslesung berichtet sodann Ausschußmitglied W i t k o w s k i begründend über die vorgelegte Aenderung. Die Subvention der Religionseinrichtungen sei aus zwingenden Gründen beschlossen. (1/4.) Schwere Differenzen seien im Ausschüsse über das Berliner Seminar entstanden. Trotz der Neigung desselben zum Separatismus (?) habe man ihm 30000 Mark Subvention auf zunächst ein Jahr g e w ä hrt. (Also hübsch brav sein!) Soweit an Einrichten von Rabbiner- und Lehrämtern zu denken sei, lasse sich diese Aufgabe ganz gut im Rahmen des Titels „Subventionen" erledigen und fei ein besonderer Titel dafür unnötig. — Das Aufbringen der im Verbände vertretenen Gemeinden fei 1.70 Mark pro Seele. Der Ausschuß mißbilligt, die Dankbarkeitspolitik Dr. Freunds; die Subventionen seien vom Staate nicht zu erbitten, sondern zu v e r l a n g e n. Hier sei mit den Abgeordneten und Staatsmännern des Zentrums zusammenzuarbeiten. % Million sei vorläufiges Minimum. — Berbandsbeitrag sei 6°/no der Reichseinkommensteuer. Kap. 1 (Verwaltung) wird debattenlos angenommen. Rabb. Dr. M. H o f s m a n n -Breslau nimmt das Seminar gegen den Vorwurf des Separatismus aufs leidenschaftlichste in Schutz. Die meisten seiner Schüler seien Rabbiner, die im Dienste des allgemeinen Judentums ergraut find. Dann wird Titel 1 und 2 der Subvention ohne Debatte angenommen. Herr Falkenberg (lib.) weist auf die zukünftige Bedeutung des Philantropin in Frankfurt für die dortige zukünftige akademische Lehrerbildung hin und erhebt reichsverfassungsmäßige Bedenken gegen die dauernde Subvention der -bayrischen Lehrerbildungsanstalten. Auchfeijedezusubventioni-erendeAnstalt vom Verbände aufs schärfste zu kontrolliere n. Einem Teile dieser Bedenken tritt Dr. H o r o - v i tz -Frankfurt (kos.) entgegen, vor allem der Forderung der Kontrolle. Titel 4—7, also das ganze Kapitel 3 geht ohne Debatte durch. Ebenso 4 und 5 (Jahrbuch und Tagungen.) Alsdann entspinnt sich eine kleine Diätendebatte und löst sich bald in Wohlgefallen auf. — Die Streichung der Ausgaben für zu bildende Bezirks-Rabbinate und -Lehranstalten geht ohne Debatte durch. Unter Kap. 8 (Bildungsanstalten) forderte G u t t - mann -Berlin (lib.) Vorkehrungen für Lehrerbildung, die momentan nicht zu übersehen seien. Vielleicht seien sofort Kantoren- und Religionsschulen zu gründen. Es könne nicht genug von einem Neligionslehrer verlangt werden, der Primanern Religionsunterricht erteilen soll Und auch sonst den Rabbiner zu vertreten habe. Das Abitur sei Mindestforderung. H i r s ch b e r g -Breslau (lib.) berichtet über den Stand der Vorarbeiten für eine Breslauer Kantorenschule. Die hierfür ausgesetzten