Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1925)
- Date
- 1925-06-25
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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25.-Juni 1925 Widerhall gefunden. Die Mädchengruppen und die weiteren von uns interessierten Preise haben an folgenden Orten die Verpflicht iung monatlicher Zahlungen übernommen: Hamburg, Frankfurt, Halberstadt, Nürnberg, Berlin, Leipzig, während die Orte Mannheim, Fürth, Köln e§ uns versprochen haben, auch ihrerseits Bees Jakauw-Komitees zu organisieren. Der augenblickliche Stand der Bees Jakauw- Bewegung stellt uns vor zwei dringende Aufgaben: 1. Es muh in Krakau das völlig unzureichende Internat so ausgestaltet werden, daß die jungem Mädchen, die sich in selbstlosester Meise, dem ebenso heiligen wie lebenswichtigen Beruf hingeben, für ihre geistig fast völlig verwahrlosten Schwestern zu sorgen, ein einigermaßen würdiges, der Hygiene entsprechendes Heim erhalten, in welchem sie ihre Ausbildung empfangen. Zur Durchführung dieser für den Ausbau des Werkes unbedingt erforderlichen Aufgabe ist nach genauestem Voranschlag ein Betrag von Dollar 4400 erforderlich. 2. Während der Sommermonate soll unter Leitung anerkannter pädagogischer Kräfte ein zweimonatlicher Lehrkursus stattfinden, damit die Bees Jakauw-Lehrerinnen in systematischer Weise für ihren Beruf dort, wenn auch nicht völlig ausgebildet, so doch wenigstens in den großen Grundzügen vorbereitet werden. Die Durchführung dieser Aufgabe erfordert weitere ca. 3000 Dollar. An alle die Frauen und Mädchen, die Herz und Verständnis haben für die Bedeutung unserer Bees Jakauw-Bewegung, richten wir den dringenden und herzlichen Ruf, alle Kräfte zu sammeln und UNS mitzuhelfen, diese erforderliche Summe von ca. 30.000 M. auszubringen. Es ist nicht zuviel gesagt, wenn wir behaupten, daß es von der Durchführung unserer Pläne äbhängt, ob die weibliche Jugend Polens der vollen Erfassung des Judentums zugeführt wird. And darum sollen alle unsere Schwestern im Westen denen im Osten beistehen mit ganzem Herzen, das voll ist von Liebe, mit ganzer Seele, die diese Verpflichtung des Füreinander-bürgenmüssens spürt, mit ganzem Vermögen, mit einer Tatkraft, die es anzuwenden gilt, wenn die höchsten Güter unseres Volkes zu schützen sind. Eröffnung der Talmud Thora des Keren Hakhora in Magdeburg. Sonntag, den 22. Siwan, nachmittags 5 Uhr, wurde die zweite Talmud Thora des deutschen Keren Hatorah — seine erste Gründung, die Talmud Thora in Dortmund, entwickelt sich erfreulicherweise immer günstiger, — in feierlicher Weise eröffnet. Herr Rabbiner 2sak Mayer, Magdeburg, der sich um das Zustandekommen der Talmud Thora in tatkräftigster Weise von Anfang an verdient gemacht hat .eröffnete die sehr zahlreiche Versammlung und führte u. a. aus: „Wenn der deutsche Keren Hatorah nichts anderes geschaffen hätte, als diese eine Gründung der Talmud Thora in Magdeburg, und wenn es ihm gelingt, diese Gründung aufrecht zu erhalten und durchzuführen, so sichert ihm das allein den göttlichen Segen für seine Arbeit, denn unsere Jugend in Magdeburg bedarf dringend dieser geistigen Fürsorge, soll sie die hohen Werte nicht verlieren, die die Eltern aus der fernen Heimat mitgebracht haben, und die hier im Lande, wo wir uns doch erst verwurzeln sollen, doppelt. gefährdet sind." Herr Rabbiner Dr. Lichtig, Hamburg, als rabbinisches Mitglied des Ländesdirektoriums des deutschen Keren Hatorah, eröffnete sodann die Talmud Thora und wandte sich mit warmen Worten an Ellern, Kinder und vor allen Dingen an die Lehrer. Tränenden Auges sprach er zur Jugend: „Als ich hier antam, da sah ich einen großen Festzug, und die Jugend war an Der I s r a e l i.t Bl ätte r __ seiner 'Spitze, und dieser Zug galt dem Gedanken: Der Rhein war deutsch, ist deutsch und muß ewig deu!sch bleiben! Jüdische Kinder, vergeht auch Eure Geschichte nie, und sprecht heute das Gelöbnis: „Die Thora war unser, ist unser, sie muß immer unser bleiben!" Vergeht nicht, daß sie das Einzige ist, das uns durch die Schwere der Zeiten getragen und weiter tragen wird."' Und den Lehrern rief er zu: „Seid wie Josua. Wenn Ihr gegen Amalek kämpfen sollt, dann stark und rücksichtslos und ohne Ansehen der Person, denn Ihr sollt wissen, daß der deutsche Keren Hatorah in diesem Eurem Bestreben hinter Euch steht. Wenn es sich aber darum handelt, unsere Brüder und ihre Kinder für die heilige Thora zu gewinnen, da seid zart und bescheiden in dem Gedanken an die hohe Verantwortung, die unser Vertrauen auf Euch gelegt hat." An diese offizielle Begrüßung schloß sich eine Aussprache, in der über Methodik und Ziel des Unterrichts von Herrn Rabbiner Dr. Lichtig nochmals Aufschluß gegeben wurde. Das Ziel ist: Tauroh und Jiro und nichts Anderes. Wer in diesem Ziel mit uns einig ist, kann über die Frage, wie dieses Ziel erreicht werden soll, mit uns getrennter Meinung sein. Mer ein anderes Ziel bei dem jüdischen Unterricht verfolgt, hat mit unserer Keren Hatorah-Arbeit nichts zu tun. Die Eröffnungsfeier, die fast 3 Stunden dauerte, und im großen Bes Hamedrosch stattfand, machte auf alle Beteiligten außerordentlichen Eindruck. Im Laufe des. Montag wurden sämtliche Schüler, ca. 50 an der Zahl, durch Herrn Rabbiner Dr. Lichtig verhört, in Klassen eingeteilt, und das. L.ehrpensum unter' die beiden Lehrer, die Herren Glicksmann und .Kleinmann, verteilt. Es wird in 7 Klassen unterrichtet, von denen die drei untersten täglich eine Stunde, die vier oberen, täglich, auch am Schabbos, zwei Stunden Unterricht erhalten. Der zweite Vorsitzende des deutschen Keren Hatorah, Herr Rabbiner Dr. Auerbach, Halberstadt/ der sein Erscheinen zur Feier zugesagt hatte, war im letzten Augenblick am Kommen leider verhindert. Möge auch diese Talmud Thora des Keren Hatorah in Magdeburg dazu beitragen, daß unsere Jugend erfüllt wird und bleibt vom Geiste wahrer Jüdischkeit und mithilft, in Magdeburg einen Kreis junger, thoraerfüllter, jüdischer Menschen heranzuerziehen. Konferenz der poale Emune Jisroel in Polen. Ende Siwan tagtenin Warschau die im obigen Verbände organisierten orthodoxen. Arbeiter in Polen. 60 Delegierte vertraten 30 Städte. Die Vorkonferenz eröffnete Herr Broder im Namen des Organisations- Komitees mit einer kurzen Einleilungsrede, in der er in großen Zügen die Aufgaben der Organisation erörterte. Nach Wahl des Präsidiums folgen Begrüßungen, unter denen eine Begrüßung im Namen der Pariser Gruppe der Poale Emune Israel in Polen große Begeisterung auslöste. Nunmehr ergreift Herr Orlean, Warschau, das Wort zum ersten Referate. Der Redner zeichnete in großen Strichen den ideologischen Hintergrund der Organisation. Es gibt zwei Formen von Abwehrkampf gegen die schädlichen Strömungen der Zeit, die religiös - geistige und die praktisch - materielle. Erstere Form obliegt der Agudas Jisroel als Ganzem, die zweite wählten die orthodoxen Arbeiter. 'Verbunden sind beide "Organisationen durch gemeinsamen Willen und gemeinsame Ziele. Das sogenannte Klassenbewußtsein, das auch der orthodoxe Arbeiter besitzt, sei kein Hindernis Nr. 13 Sette 3 für die Mitarbeit in der Gesamtaguda. Das Recht der Arbeit und des Arbeiters ist in der heiligen Thora genügend fundiert. In der zweiten Sitzung am Sonntag abend wurde zunächst in die Debatte über das Referat Orlean eingegangen. Darauf referierte Herr Broder über „Qekonomisch-professio nelle Arbeiterfragen". Die Arbeiter- Vereinigungen, so führte Redner aus, beruhen auf drei Grundpfeilern: Idee, Oekonomie und Politik. Leider hatte die jüdische Arbeiterschaft in letzterer Zeit die beiden ersten Punkte verlassen und sich lediglich auf die Politik geworfen, was Zwist und Hader in die Reihen der Arbeiter getragen hat. Am meisten hatte darunter der religiöse Arbeiter zu leiden. Nun gilt es für den gesetzestreuen Arbeiterverband, die Rechte des religiösen Arbeiters zu schützen und innerhalb der jüdischen Arbeiterschaft zur Geltung zu bringen. Das Referat über die P a l ä st in a a r b e i t verliest Ch. W i r u s ch e w s k i aus Kalisch. Im gegebenen Momente, meint er, müsse das ganze Interesse und die ganze Liebe des jüdischen Arbeiters Crez Jisroel gehören, und er schließt mit einigen praktischen Vorschlägen. Beide Referate lösten eine ausführliche Diskussion aus. Insbesondere führte die Frage des Anschlusses an die „Professionellen Vereine" zu weiten Auseinandersetzungen. Die Lodzer lehnen den Anschluß stritte ab, andere sind der Meinung, daß im jetzigen Momente die religiösen Arbeiter innerhalb der P. V. mit wachsamem Auge bleiben müßten. Nicht minder interessant gestaltete sich die Aussprache über die Palästina- Arbeit. Einheitlich machte sich der Wunsch geltend, die Palästina-Einwanderung zu erleichtern und dem jüdischen Arbeiter zu ermöglichen, nach Erez Jsroel auszuwandern, ohne seine Seele für ein Zertifikat. an den Zionismus verkaufen zu müssen. Der Vorsitzende gibt Auskunft über geplante Unternehmungen der Palästina-Zentrale in Frankfurt zu Gunsten der Arbeiter. Nach kurzer Pause erhält Herr A. S. Friedmann das Wort zu seinem Referate über „Unsere Kulturarbeit". Redner erklärt den Begriff Sozialismus und die Stellung des orthodoxen Arbeiterverbandes zu der sozialistischen Idee. Er geht dann zur Kulturarbeit über, zu der er eine Reihe von Anträgen und Resolutionen einbringt. In der Diskussion über dieses inhaltreiche Referat kam der Mangel an Lehrkräften zur Stärkung des religiösen Bewußtseins in den Arbeiterkreisen zum Ausdruck. Helfen könnten nur die besitzenden Klassen in der Orthodoxie. Andere betonen, daß man die Verfehlungen einzelner Arbeitgeber nicht der gesamten Orthodoxie zur Last legen dürfe. Herr Eck er mann referiert über „Organisation und Propaganda" und Herr Rittmeister hält eine begeisterte Schlußrede. Wie einstens bei der Bauarbeit halten die orthodoxen Arbeiter in der einen Hand den Hammer und in der zweiten die Waffe zur Verteidigung der heiligen Thora. Herr Orlean schließt die Vorkonferenz mit einem Appell an die Delegierten, alle Anregungen zur vollen Auswirkung zu bringen. Es liegt nunmehr an dem Aktionskomitee des Verbandes, die weiteren Schritte zur Ausführung der Beschlüsse zu unternehmen. Dct*wcndc(!RQuda~01Javfeen * Lvküktllek In allen Oi’fsgt’uppen. V- I