Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1925)
- Date
- 1925-06-25
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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1 zugt wurde und in unzähligen Fällen weniger wert war und sich nur dadurch bezahlt machte, daß auch die männliche Arbeit durch die Konkurrenz billiger wurde, was leidet die Gründung von Familien in unzähligen Fällen verhindert hat. '; Erinnern wir uns aber, ob die Behörden von den Leistungen des weiblichen Kriegsersatzes immer entzückt waren, und ob diese Frauen in den meisten Fällen Jdealtypen waren? Und ebenso daran, ob unter den zahlreichen studierten Frauen nicht auch ein Typus der „femmes fa vantes" und „Blaustrümpfe" oft den Spott Hervargerufen hat? Betrachten wir die Frage vom großen, naturwissenschaftlichen Standpunkte aus. Gewiß, die „Entwicklung" hat zahlreiche Frauen befähigt, in männlichen Berufen Tüchtiges zu leisten, ja öfters ganz Hervorragendes. Aber diese Entwicklungsfähigkeit hat ihre Grenzen. Niemand glaubt heute wie z. Zt. der Blüte der Descendenztheorie an eine unbeschränkte Entwicklung. Das Artgesetz — ira^ — beherrscht die Welt und nur die zum Leben notwendige Variation — Schwankungsbreite — eines Typus konnte eine Zeitlang den Wahn entstehen lassen, daß von der Urzelle an Art zu Art sich bis zum Menschen hin entwickelt habe, und dieser sich zum Uebermenschen entwickeln werde. Auch der Typus Weib hat eine Variationsbreite aller seiner Fähigkeiten. Steigt aber die geistige Leistung einerseits oder eine besonders sportliche Entwicklung andererseits über ein gewisses Maß hinaus, so leidet die typische Leistung des Weibes, die für die Erhaltung des Menschengeschlechtes notwendig ist. Und niemand ist da, der dem Weib diese ihre spezifische Leistung abnehmen kann. Der Versuch, eine Art zu überzüchten, rächt sich durch Entartung, d. h. durch Zerstörung der Art. — Das ist ein Naturgesetz. Die Entwicklung der Moderne hat unzählige Frauen zum nervösen Zusammenbruch, viele zur Perversion gebracht, sie ihrer Lebensfreude beraubt. Was einigen besonders glücklich Veranlagten ohne erheblichen Schaden gelingt, ist noch keine Regel. Und daher ist die schematische Gleichmacherei der Neuzeit überhaupt, aber auch das Gleichmachen von Mann und Frau in ihren Wirkungsbezirken Unnatur und straft sich unbarmherzig bis ins dritte und vierte Geschlecht. Die Entfremdung, welche die moderne Entwicklung bei einer Anzahl von Frauen dem Mutterberuf gegenüber gezeitigt hat, darüber kann jeder Arzt aus den Erfahrungen der Sprechstunde ein besonders trauriges Lied fingen, ist ein ernstes und Unheil verkündendes Fanal am Hammel der Menschheit und läßt den Untergang des Abendlandes befürchten. Das Gleichstellen beider Geschlechter im öffentlichen Leben, im Beruf usw. hat bei der Frau auch das Streben in der Folge, das Recht zuin Ausleben zu haben. Die sozialdemokratische. Weltanschauung hat ihren breiten Volksschichten das Bewußtsein von der sexualen festeren Bindung der Frau schon sehr schwach werden lassen — in Konsequenz der gezeichneten Entwicklung. Der Künstlerin räumt die moderne Moral vielfach die Lockerung „philiströser" Sitten ein, besonders in der darstellenden Kunst, was mit deren Anforderungen allerdings in gewissem Zusammenhang steht. Die freie Liebe und Ersatz der Ehe durch Verträge liegt auf der Linie dieser Entwicklung. Beide Partner sind in Pflichten und Rechten gleich. Dabei wird der grundlegende Unterschied zwischen den Geschlechtern außer Acht gelassen. Während für den Mann bei seiner nach außen gerichteten Tätigkeit die Liebe in engerem Sinne eine Episode ist, füllt die Liebe, die Fortpflanzung und der ganze Kreis dieser Funktion den größten Teil der Seele der Frau aus, wie sie ihren Körper beansprucht. Ganz anders wirkt eine Entgleisung hier als dort. wichtige, weil sie die Gleichstellung öffentlrch festlegt. Während das passive Wahlrecht nur eine Reihe hervorragender Frauen in Aemter ruft, richtet sich das aktive Wahlrecht an jede Frau, wirkt also viel stärker nivellierend. Sie trägt in jede Ehe die Möglichkeit des Zwistes, wenn die Frau ihre vom- Mann abweichende politische Meinung durch Stimmzettel zum öffentlichen Ausdruck bringt und ihren Einfluß in der Oeffentlichkeit gegen ihren Mann zur Geltung bringen will. Dabei hat die politische Tätigkeit der Frau in keinem Lande wesentlich Neues gebracht. Die Stärken der politischen Parteien sind nirgends durch sie verschoben worden; nur fallen sie in den extremen Parteien durch ihre unkritische Hemmungslosigkeit auf. Das Vorrecht für die Frau ist nichts als „le dernier cri“ der demokratischen Entwicklung Europas, die mit ihren kulturellen Folgen die geschilderte gefährliche Bahn der Unnatur, der Perversion, der Entartung, der Entheiligung der Ehe betreten hat. Wir als Volk der Thora haben die Pflicht, nicht die tri*n npn nachzuahmen, unsere eigenen Wege zu gehen und her Welt unfern Weg zu weisen — zum Heile der Menschheit! min ssn px» ■o. ■Ml .1 ■— «I — \ Postscheck - Konto der Laadesorganisatiaa: Gruppenverband der „Agudas Jisroel“ in Deutschland, Halberstadt Nr. 18901 Berlin. - 1 Neues von der „Bete Zakob"-Bewegung. Mit dem Prophetenwort „Beis Jakob — lechu wenelcho beaur haschem" — begannen unsere Brüder und Schwestern in Polen, zähe, erfolggekrönte Arbeit für die weibliche Iugend ihres Landes. Schon im letzten Iahrzehnt vor dem Kriege hatten die Zeitereignisse gefordert, neue Mittel und neue Wege zu ersinnen, um auch die Töchter zu rüsten und zu schützen gegen die Anfechtungen einer Zeit, die an Stelle der heiligen Güter der Vergangenheit neue und falsche Ideale setzen wollte. Die Konferenz in Ezernowitz, welche auf Veranlassung der großen rabbinischen Führer kurz vor dem Kriege zusammentraf, rief zu energischer Arbeit für den Ehinuch der weiblichen Äugend. Mit dem Weltkrieg verzögerte sich die Ausführung großer und sorgfältig vorbereiteter Pläne. Die Schrecken des furchtbaren Völkerringens, die gerade in Galizien und Polen und zu furchtbarer Auswirkung gelangten, waren indes noch nicht gewichen, als man in Krakau schon den Grundstein legte zu systematischer Arbeit für den Ehinuch Habonäus. Die erste Phase der heiligen Arbeit ist vorüber. Geradezu mit stürmischer Gewalt hat die Idee im ganzen Lande sich verbreitet. In wenigen Jahren wurden 50 Schulen errichtet und viele Tausende junger Seelen schöpfen mit Inbrunst das Licht der heiligen Lehre. Kein Tag vergeht, ohne daß:>nicht von irgend einem Orte-der Ruf ertönt: '>,-Kommet und helfet auch uns, eine solche Lehrstätte zu gründen." Leider muß aus Mangel an Kräften so mancher Wünsch versagt werden. Soll das große Werk segensreich für Generationen wirken, so darf ' das Fundament nicht leichtfertig gebaut fein. Nicht der Enthusiasmus allein verleiht die Kraft zu Schöpfungen, die den Sturm des Tages überdauern sollen; die, Kraft -der Hingabe an ein großes Werk bildet die Voraussetzung, unter den schwierigsten Verhältnissen die Arbeit erfolgreich zu beginnen. Mit solcher Eiüstellüngeröffnen die Führer von Beis Iakob die zweite Phase ihres großen Werkes. Sie haben sich vor einigen Wochen in Warschau in.einer Konferenz zusammengefunden, haben eine Rückschau gehalten über den bisherigen Weg und schonungslos, sich selbst die Fehler gezeigt, die nunmehr zu beseitigen sind. Ihre Hauptsorge galt den jungen Führerinnen, die berufen sind, die Seele des jüdischen Kindes für die wahren Ideale des Judentums zu wecken. Viele von ihnen fühlen es selbst, daß sie von der Vorsehung zu gewaltiger Ausgabe berufen und deshalb in höherem Maße zur Selbstvollendung verpflichtet sind. Sie haben es mit größter Freude begrüßt, daß nun alljährlich durch Kurse ihre Weiterbildung gefördert werden soll. Im Spätsommer dieses Iahres soll der erste Kurs in.Krakau veranstaltet werden, unter Mitwirkung von Pädagogen des In- und Auslandes. Kein Zweifel, daß die Bewegung durch ihn neue, kräftige Impulse erfahren wird, kein Zweifel, daß die also ertüchtigte junge Lehrerschaft mit größter Energie das Werk zu Ende führen wird. Es ist hier nicht der Ort, ausführlich von all den Dingen zu sprechen, welche die erste Beis Jakob-Konferenz beschäftigt haben. In seiner warmen, eindrucksvollen Eröffnungsrede hat der Samborer Raw die historische Bedeutung der Bewegung gewürdigt. Mit nüchternen, aber gerade deshalb besonders eindrucksvollen Berichten schilderte O. Spira-Krakau den bisherigen Entwicklungsgang der Beis Iakob-Arbeit und zeigte, wie im Verlaufe von wenigen Jahren das Werk aus kleinen Anfängen zu anerkennenswerter Höhe emporgewachsen ist. Würdigt man ferner die Hingabe der Leiterin, Frau- Schenirer, die keine Mühe scheut, um ihre Zöglinge ständig zu fördern und zu leiten, so braucht nicht einen Augenblick gezweifelt zu werden, daß das heilige Werk zu den schönsten Hoffnungen berechtigt. 8 Von den Größten in Polen wird das Ge- J§ deihen von Beis Iakob als Schicksalsfrage des polnischen Judentums empfunden. In der Gegenwart gibt es kein Land, das in der Erziehung der männlichen Iugend so Gewaltiges erfolgreich geleistet hätte, wie Polen. Chedorim und Jessaudei Hathora, welche Polen besitzt, finden sich kaum in solcher Vollendung anderswo in der Welt. Gelingt es, eine ebenbürtige Erziehungsstätte auch für die weibliche Jugend zu errichten, dann wird , sich das Prophetenwort, welches zur Devise gewählt wurde, in schönster Weise erfüllen. Wenn Beis Iakob, die weibliche Iugend, vorschreitet zur Höhe göttlichen Glaubens, dann — wenelcho — wird die Gesamtheit Israels „wandeln im Lichte Gottes". * * * .. t Ein Rundschreiben an die deutschen Mädchengruppen. Wir haben vor einiger Zeit Veranlassung genommen, uns an die Mädchengruppen; der Agudas Jisroel an allen Orten zu wenden und ie zu bitten, sich mit ganzer Kraft dafür einzuetzen, daß das erhabene Werk der jüdischen Mädchenerziehung im Osten durch ihre Mitwirkung gefördert und gesichert werde. Wir baten damals darum, daß die Mädchengruppen und mit ihnen alle Kreise in der jüdischen Frauenwelt, in deren Herzen der Ruf unserer Schwestern aus dem Osten Widerhall findet, sich mit aller Kraft dafür einzusetzen, daß, es gelingen möchte, die Summen aufzubringen, die erförderlich sind, um der Bees Jakauw-Bewegung Dauer und den Aufgabendie aus ihr entspringen, Lösung zu ermöglichen. Unser Ruf hat — das sei freudig anerkannt — an manchen Orten leb- I Seite 2 Nr. 13 Der I s r a e i i t Blätter 25. 3uni 1925 . Die Wahlrechtsfrage ist eine Etappe in kulturhistorischen Entwicklung und' zwar eine m