Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1925)
- Date
- 1925-06-25
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Gelte 8 Str. 26 Der Israelit 25 Juni 1925 Die SlobodkoerJeschiwo in Hebron zählt, nach einer Bekanntmachung des Leiters, Rabbi Mache Mordechai Epsteins, im „Dar Hajom", bereits hundert Schüler und entwickelt sich rapid in die Höhe. Der genannte Rabbi wendet sich an alle früheren und späteren Schüler von Slobodko mit der Bitte, ihm ihre Adressen mitzuteilen und das große Werk im heiligen Lande nach Kräften zu unterstützen. In Tel 2l w i w kriselt es. Die Arbeiterpartei wünscht kategorisch größeren Anteil an der Stadtverwaltung, ohne Rücksicht auf ihre numerische Stellung im Stadtrate. Die Rechte machte Opposition und das Stadtoberhaupt erklärte, daß es nicht gewillt sei, die Stadtverwaltung Tel Awiws in einen „Arbeiterrat von Jaffa" zu verwandeln. Nachdem aber die Forderungen der Arbeiter mit 18 gegen 15 Stimmen durchgegangen sind, erklärte der Bürgermeister von Tel Awiw, Herr D i e s i n g - Hof, seinen Rücktritt. Der Stadtrat genehmigte aber die Demission nicht. Die Lage ist reichlich verworren. Der Abschied Herbert Samuels rückt immer näher und es herrscht Wehmutsstimmung. Der Verwaltung der großen Synagoge des Rabbi Jehuda Hachafsid wurde offiziell mitgeteilt, daß der Oberkommissar beabsichtige, sich am Sabbat, den 27. Juni, durch Teilnahme um Hauptgottesdienste von der Gemeinde zu verabschieden. Es werden Vorbereitungen für eine imposante Abschiedsfeier getroffen. Rabbi Chananja Gabriel, Mitglied des sephacdischen Beth Din in Jerusalem, erhielt einen Ruf als Rabbiner nach Aegypten. Das jüdische Schiff „Präsident Arthur" brachte dieser Tage mit vielen lebenden Reisenden aus Amerika auch die Gebeine eines in Amrika verstorbenen Rabbiners, Rabbi Samuel F r u m m e r, nach Palästina, auf daß sie dort nach dem letzten Willen des Verstorbenen in der heiligen Erde begraben werden. Die Bestattung fand einen Tag nach der Landung auf dem Oelberge unter Beteiligung aller Mitreisenden des Schiffes statt. In der Talmud Thora „Ez Chajim" wurde die Grundsteinlegung für einen Neubau gefeiert, verbunden mit einem Syjumfeft der Zöglinge auf zwei Talmudtraktate. Die Feier wurde verschönt durch eine tiefgründige Rede des Oberrabbiners Kuck. Der Palästinensischen Telegraphen-Agentur wird ossiziell mitgeteilt, daß die Nachricht, wonach der Generalstaatsannßilt und Justizsekretär der Palästina-Regierung, Mr. Norman Bentwich, von feinem Posten zurückgetreten märe, nicht zutrifft. Mr. Bentwich verbleibt auf seinem Posten. Die aus Hebron hier eingetroffene Nachricht, daß der Gouverneur von Nord-Palästina, Abramson, ein Christ, von Arabern ermordet worden sei, bestätigt sich nicht. Mr. Abramson war das Opfer eines Attentatsversuchs, kam aber mit dem Leben davon. Die polizeilichen Aebergriffe am Grabe des Schimeon Hazadik. Jerusalem, 18. Juni. . Wie schon mitgeteilt, hat die Jerusalemer Polizei am 31. Mai d. I. mehrere tausend Juden, die der Tradition gemäß zu einer Andacht am Grabe des Schimeon Hazadik versammelt waren, brutal auseinander getrieben, weil einige der Andächtigen in der Exstafe ausgreufen hatten: „Samuel ist unser Vater, Palästina unser Vaterland!, Lang lebe Balfour!". Nunmehr erscheint eine offizielle Mitteilung, in welcher versucht wird, die Haltung der Polizei zu rechtfertigen. Es wird gesagt, gewisse Personen hätten sich sehr störend bemerkbar gemacht, so daß die Polizei sich mit Recht genötig gesehen hat, die ganze Ansammlung aufzulösen und mit Gewalt auseinander zu treiben. Ferner wird mitgeteilt, daß gegen zwei Personen, die dam-als verhaftet worden sind, gerichtlich eingeschritten werden wird. Diese offizielle polizeiliche Darstellung hat unter der Judenheit Jerusalems lebhafte Entrüstung hervorgerufen. Das allgemeine Urteil geht dahin, daß das Verhalten der Polizei gegenüber den Tausenden Andächtigen von einer nicht zu verstehenden Brutalität war. Sie hieb mit Knütteln aus die Menge ein. so daß mehrere der Andächtigen Verletzungen davon getragen haben. Der Befehl zu diesem Vorgehen erteilte der Distriktskommandeur der Jerusalemer Polizei, Major Partridge, und Mr. Lamont. In jüdischen Kreisen erinnert man an die antijüdischen Demonstrationen der Araber während der Nebi Musa-Tage, die von der Polizei in keiner Weise gestört wurden. Das Oberrabbinat von Palästina hat beim Oberkommissar energischen Protest gegen das Vorgehen der Polizei erhoben. Im ’ „Kol Jisroel" werden von Augenzeugen die schweren Ausschreitungen der Polizei bestätigt. Sie spielten sich in nächster Nähe de^ Agudabureaus und der Redaktion des „Kol Jisroel" ab. Dis Sprengung der Züd schen Nationalversammlung Palästinas. Jerusalem, 22. Juni. Die gegenwärtig in Jerusalem tagende Nationalversammlung der palästinensischen Juden (Assefat Haniwcharim) hat nach dem Auszuge der orthodoxen Abgeordneten das neue Wahlgesetz angenommen und beschlossen, die Neuwahlen zur Nationalversammlung noch vor dem 14. Zionistenkongreß stattfinden zu lassen. Die Misrachisten und anderen orthodoxen Gruppen der Assefat Haniwcharim, die während der Debatte über das Fräuenrecht die -agung der Nationalversammlung verließen und sich in einer Sondertagung zu einer Nationalversammlung, der unabhängigen orthodoxen Juden konsumierten, beschlossen, Wahlen für eine Nkstionalversammlung orthodoxer Juden abzuhalten. Die provisorische Nationalversammlung wählte aus ihren Reihen einen provisorischen Nationalrat (Waad leumi), der als das repräsentative Organ der orthodoxen Juden die Wahlen vorbereiten und leiten wird. Es wurde ferner besa-wsten, zum 14. Zionistenkongreß, der am 18. August in Wien beginnt, eine eigene Abordnung zu senden, die die Forderungen der palästinensisch-orthodoxen Judenheit vertreten wird. Zur Lage in Bagdad. Bagdad, 10. Juni. Vom Judentum in Bagdad ist leider wenig Erfreuliches zu verzeichnen. Eine Verschlechterung der äußeren Lage macht sich bemerkbar, seitdem die Araber die Zügel in der Hand haben. Schikanen und Verfolgungen aller Art ist der Juden Los in Bagdad. Es ist kein Kläger und kein Richter da. Bei Ueberfällen auf Juden geht es immer so aus, daß die Ueberfallenen und Ausgeplünderten noch obendrein bestraft werden. Auch nach innen ist die Entwicklung keine erfreuliche. Es wird geklagt über die geradezu unfreundliche Haltung der Schulleiter gegen die jüdischen Disziplinen und die hebräische Sprache. In den Allianceschulen wird in der Hauptsache die französische Sprache gepflegt, nebenher auch Englisch und Arabisch, und nur einige Stunden fallen, für Hebräisch und jüdische Religion ab. (Wie paßt das zum Erlaß des Generalsekretärs der Alliance an die Direktoren und Lehrer in Palästina? Oder soll in den anderen Teilen des Orients mit anderem Maße gemessen werden als in Palästina? Die Redaktion.) Zu den Eigenheiten und frommen Hebungen der Juden in Bagdad gehören die Pilgerfahrten zu den Gräbern der Propheten, die hier, im früheren Babylon, gelebt und ihre letzte Ruhestätte fanden. Das Grab des Propheten Jecheskel befindet sich in einem Dorfe bei Divania und ist mit einem Turm versehen, genannt „Jecheskel-Turm". In K u r n a an den drei Strömen soll sich die Grabstätte von E s r a befinden, an anderen Stellen werden die Gräber von Daniel, Mischael und Asarja gezeigt. Insbesondere eignen sich die Schwuaustage zu solchen Wallfahrten und kann man dort an diesem Feste hunderte von jüdischen Familien sehen, die in der Nähe der Gräber unter freiem Himmel kampieren und das Fest der Gesetzegebung feiern. Personalien. Hamburg, 22. Juni. Am Sonntag Abend fand in der Aula der Talmud Thora Realschule eine Gedächtnisfeier für den verstorbenen Direktor Dr. Joseph Golds ch m i d t statt. Neben den Angehörigen des Dahingegangenen hatten sich Vertreter des Vorstandes der Deutsch-Israelitischen Gemeinde, des Synagogenverbandes und eine zahlreiche, das Auditorium bis auf den letzten Platz füllende Gemeinde von Verehrern versammelt. Wehmutvolle Stimmung lag über dem Ganzen. Schwere Kandelaber ergossen ihr Licht auf das schwarzumflorte Bildnis des Verstorbenen und die schwermütigen Weisen des Enausch kechozir jomow, vorgetragen und begleitet durch die Herren Oberkantoren Rosenblatt und Dreiblatt, erfüllten den Raum und die Herzen mit der ernsten Feierlichkeit einer Haskoras neschomaus-Feier. Namens des Schulvorstandes ergriff Herr Rechtsanwalt David das Wort, um --als Schüler.,, dem Meister, als Mitglied der Gemeindeverwaltung namens der jüdischen Gesamtheit Hamburgs dem vorbildlichen Wirken und Leisten Goldschmidts den Tribut des Dankes und der Verehrung zu zollen. Goldschmidt habe aus der Schönheit von Jephet das feinsinnige Verständnis für die Aufgaben des Pädagogen genommen, aber gewohnt hat er in den Zelten Sems und den Gottesgeist dieser Zelte heimisch gemacht in seiner Schule. Mit einem Kranz von ehrenden Aussprüchen aus Bibel und Talmud wußte der Redner das Haupt Goldschmidts zu umwinden. Nach ihm gab dann Herr Dr. L. Schlesinger ein ausführliches- Lebensuyd Charakterbild , des Direktors Goldschmidt; wie er so ganz aus einem Stücke war, wie er all sein Tun und ,Lassen von den höchsten jüdischen Gesichtspunkten lenken ließ. Was andere Pedanterie nennen, das war bei ihm Treue, Gewissenhaftigkeit, Freisein von Menschensurcht und Menschentadel, gepaart mit der großen Liebe des Lebens zur Aufgabe, zu den Menchsen und zur jüdischen .Pflicht. Nach einem Zwischengesang des Herrn Oberkantors Rosenblatt (Psalm 16) gab dann Herr Direktor Dr. Earlebach in wenigen Strichen dem ewigen Dank der Schule an ihren Neugründer und Leiter Ausdruck, der ihr ein so prächtiges Heim geschaffen, der alle Schwierigkeiten der pädagogischen Ausgabe durch die Geschlossenheit und Macht seiner Persönlichkeit zu überwinden gewußt hat. „Wie frischer Trunk am Erntetage wirkt das Bild dieses treuen Dieners feines Herrn auf die Seele." Spr. 25. Stehend hörte dann die Versammlung in tiefer Ergriffenheit das El mole Rachamim Gebet für den Verstorbenen an und mit dem Kaddisch seines Sohnes erhielt die Feier ihren Abschluß, die Zeugnis ablegte für die große Verehrung und Liebe, die sich der Verstorbene in Hamburg für alle Zeit erworben hat. Höchst i. Odenw., 14. Juni. Heute feierte unsere Gemeinde das silberne Dienstjubiläum ihres Lehrers Hermann Kahn. Die Mitglieder aus Höchst und allen angeschlossenen Bezirksgemeinden versammelten sich, um den Mann zu ehren, dem ihre Wertschätzung, ihre Liebe und Dankabrkeit gebührt. Herr Kahn, hat es verstanden, in unermüdlichem Pflichteifer, in nie rastender Arbeit und Fürsorge seinen Gemeinden ein herrlicher Lehrer und Führer zu sein, der Jugend den Geist unserer heiligen n-nn in unverfälschter Treue einzuimpfen, die Männer und Frauen seiner Gemeinde mit tiefem jüdischen Sinn zu erfüllen. Unter welch unsäglichen Opfern an Zeit und Geld hat Herr Kahn seiner Gemeinde ein modernes rrps geschaffen! Mit welcher flammenden Begeisterung, mit welcher ^unversiegbaren Willensstärke arbeitete er im verflossenen Vierteljahrhundert daran, alle religiösen Institutionen seiner Gemeinden der Tradition gemäß einzurichten, auszubauen und zu erhalten! Ob es die.Einrichtung von Minjan- und Lernvereinen, von und Synagogenchören betrifft, an welches Gebiet seines reichen Arbeitsfeldes man auch denken mag, überall war Herr Kahn der ms, von dessen Lippen man Belehrung und Erkenntnis schöpfte, zu dem man in Ehrfurcht aufblicken konnte! — Die Gemeinden waren es sich deshalb bewußt, die Verdienste ihres Führers an seinem Jubiläumstage anerkennen und laut verkünden, ihm Beweise von Liebe und Dank geben zu müssen. Weite Teile der christlichen Bevölkerung hatten es sich schon am Abend zuvor nicht nehmen lassen, den in allgemeiner, hoher Achtung stehenden Mann durch Fackelzug und Ständchen zu ehren. Die Vorstände der einzelnen Gemeinden und die Jugendvertreter überbrachten reiche und sinnige Geschenke, fanden zur Ehrung des Jubilars schönste Lobesworte. Herr Bick aus Michelstadt überbrachte die Grüße des Hess. Jüd. Lehrervereins und wies im Anschluß an das Prophetenwort . . . m . um -o auf das reichgesegnete Wirken des Jubilars hin. In . tiefer Andacht nahm die Versammlung die mit vmr-Worten geschmückte Rede entgegen, in der die Gemeinden aufgesordert wurden, diesem — an seiner Stelle großen — Führer in Jisroel weiterhin treue Gefolgschaft zu leisten. Vorträge und Reden, Theaterspiel und Musik erhielten die Fessttimmung bis zum Morgen. Dem verehrten Jubilar ein m-v, nbül Fürth i. B., 13. Juni. Allgemeine tiefe Trauer löste in hiesiger Stadt und weit darüber hinaus die schmerzliche Nachricht aus, daß Frau Emma Farntrog, geb. Berliner, kurz vor Erreichung ihres 70. Geburtstages in den frühen Morgenstunden des '? ro® abberusen wurde. Wer, wie Schreiber dieses, das Glück gehabt hat, die seltene Herzensgüte und tiefwurzelnde, echte Frömmigkeit dieser Frau kennen zu lernen, wird den tiefen Schmerz ermessen können, der sich der hiesigen Gemeinde bemächtigt hat. Ihre Gottergebenheit in gesunden wie schon durch Krankheit getrübten Jahren war eine solche reine und große, wie wir sie aus der Geschichte nur von unseren Heldinnen Eenncu. Sie war in der Tat in dem großen Kreise, den bis vor etwa einem Jahrzehnt ihr rühmlichst bekannter Galle, Jsak Farntrog?"s?, und bis zu ihrem Lebensende ihre Kinder, ihre Enkel und Geschwister in hingebungsvoller Liebe um sie bildeten, die weithin leuchtende und erwärmende Sonne, zu der sich alle hingezogen suhlten, weil alle frommen und humanen Bestrebungen bei ihr kräftige Stütze und förderndes Gedeihen fanden. Und wie traulich war gerade am Freitag Abend der Aufenthalt in ihrer von inniger Frömmigkeit behaglich durchwehten Räumen. Wie ein hehrer Glorienschein erstrahlte aus ihren milden Zügen die wahre Begeisterung für alles Jüdische. Ganz besonders verehrte sie den heiligen - in aliehrwürdiger Weise und ließ es Hon anfangs der Woche ihr ernstestes Anliegen -fein, .diesen „lieblichen' Tag so würdig zu feiern^.als es nur ist Ihren Kräften lag. Die materiellen Güter, 'mit welchen Zie Gott gesegnet