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Der Israelit · 1925-06-25 · Heft 26 (25.6.1925) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 26 (25.6.1925)
Date
1925-06-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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25. Juni 1925 _ , __ Diner Dr. Norden-Elberfeld referierte über „Ziele und Wege des liberalen Judentums in Amerika und Deutsche land". Er hob das Sendschreiben von Elaude Montesjpre an die.amerikanische Rabbinerkonferenz hervor, das stolz „feststellt", daß das liberale Judentum das Judentum der Zukunft fei. In diesem Sendschreiben ist der Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß Zionismus i!iid Liberalismus, keineswegs innere Widersprüche sind, daß es im Gegenteil darauf ankommt, auch die Zionisten ^on der Notwendigkeit des religiösen Liberalismus zu überzeugen. Rabbiner Dr. Norden schilderte die Entwicklung des Liberalismus in Deutschland. Dem Vorland wurde aufgegeben, die Gründung einer theologischwissenschaftlichen Zeitschrift zu betreiben. Staatsdeitrag für die israelitischen Kuttusgemeinden Bayerns. München, 21. Juni. Im Bayerischen Landtage wurde der Zuschuß für den Verband israelitischer Kultusgemeinden in Höhe von 50 000 Mark für 1914, von 60 000 Mark für 1935 mit 13. gegen 12 Stimmen genehmigt. Dagegen stimmten Kommunisten, Sozialdemokraten, Deutschnutionale und Deutschvölkische. Zwei jüdische Sitze im ungarischen Oberhaus in Aussicht. Budapest, 17. Juni. Die Frage der Vertretung der Juden im ungarischen Oberhaus ist in den Parlamentsausschüssen bereits durchberaten und die Angelegenheit beschäftigt jetzt das Justizministerium. Justizminister Pesthy erklärte Pressevertretern, daß es Heute bereits als fast sicher anzunehmen sei. daß das neue Gesetz über das ungarische Oberhaus der Judenschaft Ungarns nicht einen, sondern zwei Vertreter in der zweiten Kammer der Gesetzgebung sichern wede. Ueber die Frage, unter welchen Modalitäten und besonders unter Teilnahme welcher jüdischer Körperschaften die Wahl der zwei jüdischen Vertreter erfolgen soll, sei bisher noch kein endgültiger Beschluß gefaßt morden. Darüber schweben noch die Verhandlungen mit den in Betracht kommenden Faktoren. Im übrigen sei es noch ganz unbestimmt, wann die Nationalversammlung in die Lage kommen werde, sich mit dem Gesetzentwurf über das Oberhaus zu befassen. (I. T. A.) HumStiun* Die Vukarester Polizei treibt eine jüdische Reichskonferenz auseinander. Bukarest, 15. Juni. Am 9. Juni trat in Bukarest eine Konferenz jüdischer Vertreter aus allen Teilen Alt- und Neurumäniens zusammen, um über das geplante Attentat auf die jüdische Schule zu beraten und gegen den Gesetzentwurf 8er Re-, gierung zu protestieren. Die Behörden hatten die Konferenz zwar nicht direkt genehmigt, deren Zusammentreten aber nicht behindert. Erst als die Beratung im Gange war, erschien Polizei im Konferenzsaal und trieb in brutalster Weise die etwa 1000 Delegierten auseinander. Vor dem Konferenzsaal hatten sich antisemitische Studenten angesammelt, die die jüdischen Vertreter beschimpften. Bekanntlich hat die rumänische Regierung durch die tzalboffiziöse Agentur „Rador" erklären lassen, sie sei bereit, den Entwurf abzuändern und die hebräische Sprache gelten zu lassen. Rach diesem Verhalten gegen die jüdische Veichskonferenz begegnet diese Verlautbarung starkem Zweifel. (I. T. A.) Die Verhandlüiigen zwischen der polnischen Regierung und den jüdischen Führern. Warschau, 18. Juni. Im Zusammenhang mit den gegenwärtig im Gang befindlichen Unterhandlungen zwischen der Regierung und den jüdischen parlamentarischen Vertretern haben der Präsident des jüdischen Klubs Dr. Leon Reich und der Deputierte Rabbiner Dr. Thon am 15. Juni der Regierung ein Memorandum überreicht, in welchem die wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Forderungen der Judenheit Polens formuliert find. Von den wirtschaftlichen Forderungen sind hervorzuheben: Milderung des Zwangssonntagsruhegesetzes in der Weife, daß den Juden, die den Sabbat beobachten, Der Israelit gestattet werde, an den Sonntagen einige.Stunden lang ihren Geschäften nachzugehen und ihrer Arbeit zu obliegen; Wochenmärkte und kaufmännische Messen dürfen nicht, wie es gegenwärtig systematisch geübt wird, auf Sabbath und jüdische Festtage verlegt werden, da es den jüdischen Kausleuten unter der bisherigen Praxis unmöglich ist, sich an den Märkten und Messen zu beteiligen; die Besteuerung soll eine gleichmäßige für Juden und Nichtjüden sein, die gegenwärtige Steuerpraxis belaste das jüdische Clement in einer unerträglichen Weise; der jüdischen Bevölkerung sollen seitens der staatlichen Kreditinstitutionen ebenso wie der christlichen Darlehen gewährt werden. — Auf kulturellem Gebiete wird die staatliche Anerkennung des Schulwesens mit hebräischer und jiddischer Unterrichtssprache und Erweiterung des judaistischen Unterrichts für jüdische Schulkinder an den Staatsschulen , ferner Annullierung des faktischen Numerus clausus, durch den, ohne daß dies gesetzlich normiert ist, die jüdischen Studierenden von den polnischen Universitäten und Hochschulen ferngehalten werden, endlich Vorlage eines Gesetzes, welches in für die Juden zufriedenstellender Weise die Organisation der jüdischen Gemeinden regelt. — Aus politischem Gebiete wird die Verwirklichung der Gleichberechtigung der jüdischen Bevölkerung, die bis jetzt nur auf dem Papier steht, gefordert. — Am 16. Juni fand eine Beratung zwischen den jüdischen Vertretern Dr. Reich und Dr. Thon einerseits, dem Außenminister Skrzynski und Unterrichtsminister Grabski andererseits statt. Die Judenfrage in Polen. Warschau, 18. Juni. In der letzten Sitzung des polnischen Senats hielt der jüdische Senator Dr. M. Ringel eine bemerkenswerte Rede über die Beziehungen der polnischen Regierung zu den Juden. Er sagte u. a.: Die jüdische Bevölkerung in den Städten wird unter der Last der Steuern erdrückt, die Revision der Konzessionsverlechungen schafft neue Verarmung unter den breiten jüdischen Massen, Armeelieserungen werden an Juden nicht vergeben, der Gebrauch der jiddischen Sprache in Versammlungen ist verboten, Staatsanstellungen werden an Juden grundsätzlich nicht vergeben. Es werden gegenüber den Juden die Methoden der früheren Okkupationsmächte, wie z. B. Wohnbeschränkungen in den Ostgebieten, angewendet. Die Vorschriften der Friedensverträge bleiben unausgeführt. Die Verarmung der jüdischen Masse schasst ein radikales Element, das doch der Regierung nicht erwünscht sein kann. — Senator Ringel fuhr fort: „Gegenwärtig ist eine bessere Stimmung in Regierung und Presse gegenüber den Juden nicht zu verkennen. Man steht vor Verhandlungen. Es fehlt aber der Mut, offen zu sagen, was man will; Versprechungen hinter den Kulissen können aber nicht für voll genommen werden. Die jüdische Bevölkerung' ist gegenüber dem Staate sehr loyal. Das jüdische Element ist ein schöpferisches und arbeitssames und könnte Polen viel Nutzen bringen. Die Regierung schädigt den Staat, wenn sie dies Element von der Mitarbeit fernhält. So lange wir keine Taten sehen, glauben wir nicht an eine wirkliche Aenderung der Gesinnung der Regierungskreise und entziehen dieser Regierung unser Vertrauen." Der soeben in Warschau geschlossene dritte Kongreß der Gewerkschaften in Polen hat aus Antrag des Stadtrates Ehrlich die folgende Resolution angenommen: „Der Kongreß stellt fest, daß die Negierungsinstitutionen, ebenso viele kommunale Institutionen einen ständigen Boykott gegen jüdische Arbeiter ausüben und diese aus Fabriken, Werkstätten und Büros systematisch sernhalten. Bisherige jüdische Arbeiter und Angestellte werden hinausgeschmissen. Der Kongreß stellt fest, daß diese antisemitische Ausrottungspolitik der Regierung nicht allein der jüdischen, sondern auch der polnischen Arbeiterklasse Schaden brignt. Der Kongreß protestiert gegen diese Politik und fordert das Zentralkomitee auf, eine energische Aktion zum Schutze der Arbeitsrechte des jüdischen Arbeiters und Angestellten einzuleiten." (I. T. A s Protestkundgebung der Juden Salonikis gegen die Zwangssonntagsruhe. Saloniki, 18. Juni. In der Synagoge Beth Saul wurde dieser Tage eine große Protestkundgebung der Salonikier Juden gegen die _Nr. 26 Seite 7 Zwangssonntagsruhe abgehalten. Oberrabbiner Bräudo und der Vertreter, des zionistischen Komitees, Herr Abraham, erklärten, durch die Einführung der Zwangssonntagsruhe in Saloniki sei ein großes Unrecht an der jüdischen Bevölkerung. begangen worden. Sie forderten die Juden auf, trotz allem treu zur Tradition zu stehen. — Der Rat der jüdischen Gemeinde beschloß, zurückzutreten, damit eine Repräsentanz geschaffen wird, die im Namen aller Schichten und Parteien sprechen könnte. Der Generalgouvernsur Canavos ließ den Rat wissen, daß die Regierung in Athen ein Gesetz vorbereitet, welches den Forderungen der Juden mehr angepaßt fein wird. Der Rat erachtete aber diese Verbesserungen für nicht genügend und bestand auf seinem Resignationsbeschluh. Er erließ eine Protesterklärung, in welcher gesagt wird, die Regierung müsse die religiösen Ueberzeugungen der 90 000 Juden Salonikis achten. (I. T. A.) Estland. Die Konferenz der jüdischen' Gemeinden Estlands fordert kulturelle Autonomie. Riga, 5. Juni. Die in Reval stattgefundene Konferenz der jüdischen Gemeinden Estlands hat in ihrer Schlußsitzung einstimmig eine Resolution angenommen, in welcher gefordert wird, daß das Gesetz über kulturelle Autonomie der nationalen Minderheiten auch aus die jüdische Minderheit Anwendung findet. Eine besondere Abordnung wird der Regierung diesen Wunsch der estnischen Judenheit übermitteln. R»»M<rird. Die Ernte im Distrikt Witebsk vernichtet. Moskau, 3. Juni. Stadt und Dstirikt Witebsk wurden am 29. Mai von einer gewaltigen Sturm- und Hagelkatastrophe heimgesucht. In der Stadt Witebsk wurden tausende Fensterscheiben zertrümmert und mehrere Häuser zerstört. Die Vorstädte sind überflutet. In dem ganzen Distrikt wurde das junge Getreide auf den Feldern vernichtet. Fast die Hälfte der Gesamtbevölkerung von Witebsk ist jüdisch. (I. T. A.) Neue Jmmigrationsbill in den Vereintsten Staaten. Washington, 17. Juni. Albert Johnson, der Vorsitzende des Einwanderungskomitees des Repräsendantenhauses und Autor des Einwanderungseinschränkungsgesetzes, hat ein neues Einwanderungsgesetz ausgearbeitet, welches er der nächsten Session des Kongresses unterbreiten wird. Man nimmt an, daß der neue Entwurf größere Beschränkungen für Immigranten außer Quote vorsieht. (I. T. A.) JtalafHtt«. Brief aus Palästina. Wohnungsnot — Tabak — Slobodkoer Jefchiwo in Hebron — Krisis in Tel Arvirv — Abschied — Berufung — Lebende und tote Passagiere — Ez Chajim — Bentwich bleibt und Abramson lebt. Jerusalem, 15. Juni. Die Wohnungsfrage fand ihre provisorische Lösung durch Aufschiebung des neuen Gesetzes auf ein Jahr. Ob es nach Jahresfrist in dieser Form wiederkehrt, steht noch aus. Die vielen stürmischen Protestversammlungen und die Streikversuche, die zu der Vertagung geführt haben, dürften der Regierung ein klares Bild über die Stimmung erbracht haben. Die Täbakkultur nimmt nun in Palästina große Dimensionen an. In „Rosch Pina" umfassen die Tabakpflanzungen weit über tausend Dunam. Die Vorarbeiten gingen gut vonstatten, nun muß der Himmel seinen Segen geben, was bis jeg--bekanntlich leider noch nicht in großem Ueberfluß geschah. Das Syndikat der Tabakzüchter in „Rosch Pina" wurde inzwischen von der Regierung bestätigt. Zur Ausdehnung der Anpflanzung und Verwertung der Tabakernte fanden wiederholte Konferenzen zwischen Vertretern des Syndikats und der Bauern statt. Leider konnte die letzte Konferenz keine Resultate zeitigen, da die Vertreter des Syndikates, die Herren Lubliner und Zlocisti, von ihren ursprünglichen Grundsätzen abgingen und die Versammlung mit neuen Bedingungen überraschen, auf die letztere nicht eingehen konnte.

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